Mass Effect Legendary Edition im Test – Ein Nerd auf epischer Science Fiction Zeitreise

Mit der Mass Effect Legendary Edition liefern EA und Bioware ein Paket ab, dass einerseits die Herzen der Fans der alten Trilogie höher schlagen lassen und gleichzeitig Serienneulingen einen runden Zugang bieten. Zugang zu einem der wohl besten, interessantesten und unglaublich detailliert ausgearbeiteten Science Fiction Universen, die es da draußen überhaupt gibt. Und das medienübergreifend gesehen sogar! Doch wie gut sind die Technik und die Gameplaymechaniken gealtert und lohnt sich das als Remaster angekündigte Paket auch ohne rosarote Fanbrille?

Damals in 2007…

…habe ich beim Release Mass Effect (1) die Disc in das DVD-Laufwerk meiner Xbox 360 eingelegt, ca. 45 Minuten gespielt und es dann ausgeschaltet. Warum? Weil es mir nicht gefiel. Denn es spielte sich zwar grundsätzlich wie ein Deckungsshooter, verglichen mit Gears of War enttäuschte die wirre Deckungsmechanik mich aber erstmal auf ganzer Linie. Und das obwohl ich sogar das Prequel-Buch gelesen und der Veröffentlichung entgegengefiebert hatte. Mein Problem war nämlich und das besteht zumindest in Teilen, trotz Verbesserungen, auch weiterhin im ersten Teil der Legendary Edition, die fehlende Deckungstaste. Unser Charakter, Commander Shepard, ein Allianzsoldat der Menschen muss in der ersten Mission nämlich eine menschliche Kolonie auf dem Planeten Eden Prime besuchen. Diese wird angegriffen und wir sollen zur Hilfe eilen. Das Helfen ist aber etwas schwierig, wenn Shepard mit gezogener Waffe nur dann in Deckung geht, wenn man sich im richtigen Winkel nah genug an eine Wand, einen Felsen oder eine Kiste stellt. Will man schnell von der Deckung weggibt es auch keine Taste, die Deckung zu verlassen. Stattdessen rudert man ein wenig mit der Steuerung über den Analogstick rum, bis Shepard das „Andocken“ an die Deckung beendet. Schnelle Deckungswechsel und dynamisches Kampfgeschehen werden so zur echten Qual. Richtig nervig wird das vor allem auf den Schwierigkeitsgraden oberhalb von normal, auf denen Gegner dann gerne mal in den Nahkampf gehen und auf einen zugestürmt kommen. Blöd nur, wenn man dann nicht von der Wand wegkommt. Umso besser, dass entsprechende Mechaniken per Tastendruck, ähnlich wie bei Gears of War, ab dem zweiten Teil dann richtig gut umgesetzt worden sind.

Grüße gehen raus an meinen Kumpel Sven. Der hat mir 2007 ins Gedächtnis gerufen, dass es immer noch Bioware ist und das ich doch bloß weiterspielen soll, weil die Story sich bereits in der ersten Mission, die auch als Tutorial dient, entwickelt. Ich habe Sven vertraut und bin ihm bis heute dankbar. Denn alle drei Teile der Trilogie inkl. aller DLCs, Bücher und dem nicht ganz so guten Animationsfilm später bin ich weiterhin ein absoluter Fan der Reihe und hatte durchaus auch mit dem umstrittenen Andromeda meinen Spaß. Das Spiel ist übrigens besser als sein Ruf, aber nicht Teil der Legendary Edition. Dafür sind alle Story-DLCs enthalten und auch alle anderen DLCs, bis auf einen. Denn von Pinnacle Station zu Mass Effect 1 ist leider der Quellcode unwiederbringlich verloren. Da es aber ohnehin nur eine Reihe von Kampfsimulationen mit immer neuen Gegnerwellen war, verpasst man damit 2021 nicht wirklich etwas. Und auch der Multiplayer-Part von Teil 3 ist nicht mit dabei. Dafür sammelt man nun über alle drei Teile die Galaxiepunkte, die man für das bestmögliche Ende von Teil 3 braucht. Wer nur Teil drei spielt oder nicht alle Teile in der korrekten Reihenfolge und den eigenen Spielstand nicht übernimmt, bekommt damit in Teil 3 dann Probleme. Aber wer würde so was denn überhaupt tun? Bei Teil 2 bzw. 3 ist aber auch Mass Effect: Genesis 1/2 wieder mit dabei. Eine Art animierter und vertonter Comic, der die Geschehnisse aus Mass Effect 1 bzw. 2 zusammenfasst und uns die Möglichkeit gibt, die getroffenen Entscheidungen noch mal zu treffen. So lässt sich also manuell ein passender Spielstand anlegen.

Aus alt macht neu

Und warum bzw. wer sollte die Mass Effect Legendary Edition nun spielen? Fans von epischen SyFy Geschichten, wie z. B. den TV-Serien Babylon 5 oder Star Trek Deep Space Nine. Generell Storyfans, denn biowaretypisch werden wir ständig in entscheidungsträchtige und vollvertonte Dialoge verwickelt. Viele der Dialogoptionen sind dabei optional und erlauben uns, mehr über die Welt und ihre Charaktere zu erfahren. So können wir einen Alienbotschafter auf der Citadel, die größte Raumstation und gleichzeitig Heimat des galaktischen Rates, darauf ansprechen, warum er so merkwürdig spricht. Seine Rasse leitet Dialoge nämlich immer mit dem wörtlichen Ausdruck einer Emotion ein. Also z. B. „Bedauernd – heute habe ich keinen guten Tag“. Haben wir zu Spielbeginn unseren Charakter erstellt, optisch gestaltet und uns entschieden, ob unser Commander Shepard männlich oder weiblich sein soll, können wir ihm oder ihr auch noch einen mehrerer zur Auswahl stehenden Hintergründe geben.  Einmal im Spiel führt Shepard auch den sogenannten Kodex mit sich, zu finden im Pausenmenü. Hier werden viele Informationen zum Nachlesen erfasst. Auch unser Gespräch mit dem Alienbotschafter schaltet einen weiteren Kodexeintrag frei. Warum ist das Volk der Turianer nur so skeptisch gegenüber den Menschen? Weil die Turianer das erste Volk waren, auf das die Menschen getroffen sind und es kam dabei zum sogenannten Erst-Kontakt-Krieg. Wo diese Information zu finden ist? Natürlich in besagtem Kodex.

Im Gegensatz zu Returnal steht die Geschichte in allen Mass Effect Teilen durch Zwischensequenzen und Dialoge sowie Entscheidungen im Rahmen der Haupt- und Nebenquests so stark im Fokus, dass man das Spiel für rein gameplayfokussierte Spieler auf keinen Fall empfehlen kann. Denn den zwar zahlreichen Feuergefechten und auch Bosskämpfen gehen immer viele Gespräche, so mancher Laufweg und auch das Abwägen verschiedener Entscheidungsmöglichkeiten voraus. Das hier ist dies hier kein Gears of War reskinned. Wo Bioware draufsteht war 2007, 2010 und 2012 eben auch noch Bioware drin. Dementsprechend wirken sich auch unsere Charakterwerte auf Dialogoptionen aus. Wer also Punkte in schmeicheln oder einschüchtern investiert, schaltet neue Dialogmöglichkeiten frei. Andererseits ist Mass Effect 2 da auch wieder etwas kurios. Denn es bietet beim Spielstart die Wahl zwischen drei verschiedenen Erfahrungstypen: Action, Rollenspiel oder Story. Rollenspiel entspricht dabei dem beschriebenen, dialoglastigen Gameplay. Action spielt dagegen alle Gespräche als Zwischensequenzen ab. Und bei Story gibt es keine schwierigen Kämpfe mehr.

Ein Beispiel für die verschiedenen Möglichkeiten auch Nebenaufträge zu lösen: ich bin im Rahmen einer Nebenmission bei der Reise mit meinem Raumschiff über die Galaxiekarte auf ein Frachtraumschiff gestoßen, welches ich betreten konnte. Statt mir hier nun ein Feuergefecht zu liefern, bin ich durch die Feinde hindurch gesprintet und ab durch die nächste Tür. Hier konnte ich im Gespräch mit einem Geiselnehmer den Konflikt ohne einen Schuss abzufeuern friedlich lösen. Wer Punkte in Einschüchtern investiert kann auch immer mal die Bud Spencer Methode anwenden und Gesprächspartner mit einem Faustschlag als Argumentverstärker überzeugen oder die eigene Waffe ziehen. Auch eine Mischung beider Spielstile, eben situationsabhängig, ist dabei möglich. Man muss nur mit den Konsequenzen leben können.

Vor allem Teil 1 wurde optisch am meisten überarbeitet, ist er doch am schlechtesten gealtert. Aber alle drei Teile haben nun höher aufgelöste Texturen, bessere Lichteffekte und laufen in 4K mit 60 fps und bieten nun auch schicke HDR-Effekte. Oder auf Wunsch auf der Xbox Series X auch mit 120 fps bei 1440p. Und die Spiele laufen sowohl auf der PS5 als auch auf der Series X|S im Modus für Abwärtskompatibilität. Verrückt. Es wurden auch neue Spiegelungseffekte hinzugefügt, die vor allem bei Flüssigkeiten und bei vielen metallischen Oberflächen besonders gut zur Geltung kommen. Vor allem Teil 2 und am stärksten wohl Teil 3 litten auf den damaligen Konsolen unter heftigen Framerateeinbrüchen, die man heute niemandem mehr zumuten könnte. Und auch wenn die Charakteranimationen nicht mehr auf dem Stand der Technik sind, so sind vor allem Mimik, Gestik und die filmesque Kameraführung in den Gesprächen doch erstaunlich gut gealtert und das in allen drei Teilen. Bioware war damals schon sehr cineastisch unterwegs und das macht auch heute noch viel der Atmosphäre aus. In Mass Effect 2007 musste man keine Munition finden, dafür überhitzen Waffen nach einiger Zeit der Nutzung und können bei maximaler Überhitzung erst nach einigen Sekunden und entsprechender Abkühlung wieder genutzt werden. Ab Teil 2 galt es dann Munition zu finden und Waffen auch nachzuladen. Das HUD wurde im ersten Serienableger ebenfalls überarbeitet, ist nun übersichtlicher und auch die verschiedenen Munitionstypen, z. B. gegen synthetische Gegner stärker wirkende Munition, existiert so in Teil 1 weiterhin. Welcher Spieler von damals erinnert sich nicht gerne daran, mit Inferno VIII Gegner reihenweise in Brandzustecken. Trotzdem können im Inventar jederzeit Rüstungen und Waffen sowie ihre Upgrades gewechselt werden und bereits installierte Upgrades können beim Wechsel z. B. der Rüstung oder der Waffe automatisch auf den neuausgerüsteten Gegenstand übernommen werden. Die Cooldowns für das Heilen und den Einsatz der Fertigkeiten wurden teils drastisch reduziert. Und nun kann jede Klasse auch jede Waffe zum Spielstart nutzen und z. B. auch mit dem Scharfschützengewehr zoomen. Das ging 2007 noch nicht. Dafür sind die Minispiele in allen Teilen, wie das Scannen von Planeten nach Ressourcen oder die Quick-Time-Events zum Öffnen von verschlossenen Truhen erhalten geblieben.

Commander Shepard ist weiterhin im Squad unterwegs, bei dem Shepard sich bei jeder Außenmission zwei seiner Begleiter aussuchen darf. Und für alle unsere Begleiter verteilen wir die beim Levelaustief erhaltenen Fertigkeitspunkte manuell oder lassen das automatisch passieren, passend zur jeweiligen Klasse. Denn trotz der Deckungsshootermechaniken ist die Mass Effect Reihe ein Rollenspielepos. Und so eine Art Mudrunner light. Bitte was?

Ein Mako sie zu knechten…

…auf immer wieder gleiche Planetenoberflächen zu treiben und dort ewig an Dreschschlunde zu binden. So oder so ähnlich erging es mir damals und auch heute mit den Makofahrten. Denn wenn wir in der Galaxie auf Planeten landen, übernehmen wir meist das Steuer über den Mako. Unseren Kampfpanzer mit Allradantrieb und Sprungdüsen. Und einer Steuerung im Jahr 2007 die man im Grunde nicht mit Worten ausdrücken kann. Aber ich versuche es mal: ein auf Wackelpuddingbasis von einem Betrunkenen modelliertes Fahrzeug mit Sprungdüsen, dass so auch direkt aus der Garys Mod für Half Life stammen könnte. Also einer irgendwie abstrusen und nervigen Physik unterliegt Auch wenn es, wie mit unserem Michael im Team, auch ganz viele Fans da draußen der Mako-Abenteuer gibt. Die Steuerung wurde deutlich überarbeitet und ist nun viel intuitiver. Nun klappt es auch mit dem Ausnutzen natürlicher Deckung, wenn wir es mal wieder mit feindlichen Geschützen und anderen Gegner zu tun haben. Der neue Boost, der den Mako beschleunigt und vor allem seine  sich nun schneller wieder aufladenden Schilde, sind eine willkommene Verbesserung! Vorbei ist der Bildschirmtod sobald der Mako mal mit einem Rad versehentlich einen Lavafluss berührt. Die Lava kratzt nun erstmal nur am Schild.

Die Planeten sehen alle, Dank der Texturupdates, im Jahr 2021 deutlich besser aus, aber sind gleichzeitig doch weiterhin weitläufige Einöden. Auf den meisten Trabanten gibt es nur an entsprechenden Kartenmarkierungen etwas zu entdecken, wenn man nicht unterwegs von aus dem Boden auftauchen Riesenmonstern angegriffen wird oder Bodenschätze findet, deren Beanspruchung Credits einbringen. Meist betritt man dann ein Gebäude und bekommt es drinnen z. B. mit Weltraumpiraten zu tun oder anderen Feindesgruppen. Auch 2021 gibt es nur ein Layout für Gebäude und eines für Bunker sowie eines für Minen. Das heisst man durchforstet letztlich immer die gleichen Räume, nur mit unterschiedlichen Gegnern und jeweils unterschiedlich verteiltem Loot. Beim Loot gibt es zahlreichen Kisten, Spinde und Schränke, in denen wir Waffen, Rüstungen, Upgrades oder Medigel finden. Letzteres nutzen wir um uns und unsere Gefährten in Kämpfen zu heilen. Doch manche Kisten und auch Türen sind verschlossen. Ist unsere Elektronik oder Dechiffrierfähigkeit hoch genug bzw. die eines der Begleiter an unsere Seite, können wir in einem Minispiel das Öffnen versuchen. Ähnlich wie in Guitar Hero müssen wir dazu die richtigen Tasten in der richtigen Reihenfolge drücken, wie sie auf dem Bildschirm aufleuchten. Auch das Beanspruchen von Ressourcen funktioniert nach dem gleichen Prinzip. Zumindest bei Behältnissen können wir das Minispiel überspringen und stattdessen Universalgel, das wir beim Verwerten nicht benötigter Gegenstände bekommen, dafür einsetzen. Alternativ können wir unnütze Gegenstände auch verkaufen. Auf unserem Schiff, der SR1 Normandy, genauso wie bei Händlern auf den verschiedenen Planeten.

Freunde mit gewissen Vorzügen

Bioware. Eine Rollenspielreihe von Bioware. Was darf da nicht fehlen? Richtig! Toll geschriebene Begleiter mit jeweils eigenen Loyalitätsmissionen und optionalen Romanzen. Es lohnt sich nach jeder Mission mal mit den eigenen Begleitern zu sprechen. So lässt sich mehr über ihre Vergangenheit, ihre Ziele und Wünsche erfahren und mit einigen lassen sich auch Romanzen eingehen. Immer wieder ergeben sich auch Gespräche der Begleiter untereinander, z. B. in den nun überspringbaren Aufzugfahrten oder wenn sie sich im Rahmen einer Mission von sich zu Wort melden. Und nicht jeder ist immer mit allem einverstanden. Das der kampferprobte Krograner Wrex einem anderen Squadmitglied erzählt „Explosionen sind gut für Sie!“ passt zu seinem Charakter.

Doch abseits ihrer Charaktere unterscheiden sie sich auch spielerisch. Denn Während Ashley eine klassische Soldatin ist, die mit Fertigkeiten rund um Schilde, Waffen und Angriff in die Schlacht zieht, können Biotiker wie z. B. Kaidan mit anderen Fertigkeiten aufwarten. Sie können Barrieren erzeugen oder Gegner durch die Luft werfen und einiges mehr. Und ein Kroganer als Ein-Mann-Armee ist irgendwie ein bisschen was von beidem. Erste Hilfe, Dechiffrieren und Elektronik im Gepäck zu haben bietet sich grundsätzlich an und eine Planung von Shepards Fertigkeiten, um auch verschiedene Begleiter Varianten zu ergänzen, empfiehlt sich. Andererseits geht es euch vielleicht wie mir: ich weiß schon wer mir aus der Gruppe am sympathischsten ist und mit wem ich, unabhängig der Fertigkeiten, meine Zeit im Kampf gegen Saren und synthetisch KI-Wesen verbringen werde.

Und Dank der Galaxiekarte können wir stets selber entscheiden, welche Haupt- oder Nebenmission wir als nächstes angehen wollen oder ob wir vielleicht erstmal ein paar Planeten auf der Suche nach Geheimnissen erforschen und ein paar Credits für unsere Ausrüstungen nebenbei auftreiben wollen. Und vielleicht gibt es auf den Planeten ja auch Missionen, die mit bestimmten Charakteren zusammenhängen. Stichwort: Wrex Familienrüstung.

Es gab übrigens in meinen Spielstunden über alle drei Teile hinweg keine Abstürze oder Bugs, von gelegentlichen Clippingfehlern mal abgesehen. Vorsicht ist aber geboten, wer auf der Xbox auch das Xbox Wireless Headset verbunden und im Einsatz hat. Denn dann startet das Spiel nicht. Trennt man aber die Verbindung zum Headset, startet das Spiel und wählt den zu spielenden Serienteil aus, kann man das Headset im Titelbildschirm des jeweiligen Serienteils wieder gefahrlos aktivieren. Bioware weiß von diesem Problem und hat hierfür auch bereits einen entsprechenden Patch veröffentlicht, der diesen Bug in Teilen behebt und in allen Teilen die Optik noch etwas aufhübscht.

Fazit

Böse Stimmen behaupten für 60 Euro wäre die Mass Effect Legendary Edition ein billiger Cashgrab. Das sehe ich deutlich anders, sowohl mit als auch ohne Fanbrille. Denn alle drei Teile inkl. aller DLCs und der Überarbeitung vieler nerviger Gameplay Mechaniken von Teil 1 zur Annäherung an Teil 2 und 3 sind sowohl für Fans und Besitzer der Originalteile als auch für Neulinge interessant. Letztere können ohne drei Jahre nach jedem Teil zu warten in einem Rutsch die gesamte Geschichte und Faszination des Mass Effect Universums erleben. Die DLCs hat damals längst nicht jeder gespielt und einige DLCs waren zu ihrer Zeit durchaus kritisch von der Community aufgenommen worden. Gab es dort doch Charaktere und Begegnungen die essentielle Bestandteile der Hauptstory so vertieft und ausgebaut haben, dass sie eigentlich definitiv ins Hauptspiel gehört hätten. Diese Probleme sind mit der Legendary Edition vom Tisch, auch wenn der „Hordenmodus“-DLC Pinnacle Station nicht mit dabei ist und auch der Multiplayer Part von Mass Effect 3 nicht im Paket steckt. Insbesondere die verkürzten Ladezeiten und überspringbaren Aufzugfahrten reduzieren so viel Zeit und schaffen dank der durchdachten Überarbeitung die Möglichkeit, sich trotzdem die Dialoge der Begleiter und Nachrichtenmeldungen anzuhören. Toll! Und trotzdem verlangen alle drei Teile inkl. der DLCs 100 h und mehr, um durchgespielt zu werden. Complesionists und Erfolgsjäger kommen auch schnell auf das Doppelte. Und umgerechnet sind die 60 € für die Mass Effect Legendary Edition auch nur ca. 20 € pro remastertem und mit DLCs aufgewertetem Serienteil. Und die DLCs sind durch die Bank eine tolle Ergänzung der Geschichte. Wer nur auf Actionpassagen aus ist und wenig Interesse an intensiven Geschichten, Dialogen und längerer Entscheidungsfindung hat, wird mit keinem der drei Teile der Reihe glücklich werden. Alle anderen dürfen sich auf das Wiedersehen mit alten oder auf das Kennenlernen von neuen Freunden freuen, die noch lange nach den Abspännen im Gedächtnis bleiben. Und der Teaser für das nächste Mass Effect lässt vermuten, dass wir vielleicht doch die Milchstraße wiedersehen werden. Wenn es jemals ein Remaster gab, dass eine absolute Empfehlung wert ist, dann ist es die Mass Effect Legendary Edition. Die Geschichte deckt so viele wichtige, ernste Themen ab. Von Krieg und Frieden, Rassismus, Solidarität und Kriegsverbrechen und die ständige Frage, ob der Zweck die Mittel heiligt oder eben nicht. Wie weit werdet ihr gehen, um die Galaxie zu retten? Dabei ist Mass Effect nur selten schwarz oder weiß und nähert sich vor allem mit Teil 2 stark einem Grauton an. Ich bin Commander Shepard und dies ist mein Lieblingsremaster auf der Citadel.

Präsentation (Grafik, Sound)
85
Story, Atmosphäre
93
Gameplay
85
Spielspaß
93
Leserwertung1 Bewertung
93
Pros
extrem umfangreiche Edition mit allen Teilen der Trilogie & DLCs
Entscheidungen wirken sich teils drastisch aus
toll geschriebene und unterschiedliche Begleiter
ausgefeiltes World-Building
durchgehende Geschichte über alle enthaltenen Serienteile hinweg
Wrex in 4K HDR mit stabilen 60 fps
ausgefeiltes Rollenspielsystem (Klassen, Fertigkeiten, Ausrüstung)
massive verkürzte Ladezeiten
Cons
Deckungssystem in Teil 1 immer noch altbacken
repetitive Quick-Time-Events
Planeten scannen/untersuchen über die Galaxiekarte spielerisch immer noch anspruchslos
89