Overcooked 2 im Test – heißer Nachfolger oder aufgewärmtes von gestern?

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Bereits fast zwei Jahre ist es her, dass Entwickler Ghost Town Games mit Overcooked eines der spaßigsten Couch-Coop-Spiele überhaupt rausgebracht hat, bei dem Kochtöpfe und Gemüter gleichermaßen überkochten. Philipps Test von damals gibt euch nochmal einen Überblick über die Premiere der Küchenschlachtserie. Nun ist Teil zwei für Xbox One, Playstation 4 und Nintendo Switch erschienen und lässt die Herzen digitaler, stresserprobter Hobbyköche wieder höherschlagen. Ob Overcooked 2 auch ein würdiger Nachfolger für den famosen ersten Teil ist, erfahrt Ihr in meinem Test.

Verrückte Story ohne roten Faden – der Angriff der Unbroten

Ähnlich verrückt wie im ersten Teil von Overcooked geht es storytechnisch auch diesmal zu. Das Zwiebelkönigreich ist in Gefahr, denn durch das Vorlesen aus einem alten Kochbuch erweckt der Zwiebelkönig eine Horde von Unbroten. Ähm, Unbroten? Ja, ganz genau von Zombiebroten. Diese haben einen unstillbaren Hunger und es liegt an uns diesen Hunger zu stillen. Dafür machen wir uns im Storymodus im Auftrag des Zwiebelkönigs in einem Foodtruck auf den Weg neue Rezepte zu lernen und unsere Kochskills zu verbessern. Während wir auf der Map von Level zu Level fahren, fehlt von der Story leider jede Spur. Ab und an statten wir dem Zwiebelkönig nochmal einen Besuch für ein belangloses Gespräch zum Thema „Bedrohung durch die Zombiebrote“ ab. Hier hätte man der Story, auch wenn sie sich etwas verrückt anmutet, etwas mehr Raum geben können. Lustig ist sie nämlich allemal und hat mich beim Intro zum Schmunzeln gebracht. Schade, denn eigentlich heißt der Storymodus ja nicht umsonst so.

Neue Rezepte und Level – trotzdem (k)alter Kaffee?

Wie im ersten Teil geht es bei Overcooked nach wie vor darum eingehende Bestellungen möglichst schnell zu bearbeiten und den Hunger der Restaurantgäste zu stillen. Dafür lernt man vor Beginn eines Levels ein Rezept, welches es dann schnell nachzukochen gilt. Reis kochen, Fisch filetieren und in Algen einwickeln – fertig ist die Portion Sushi. Dabei erschweren einem die jeweiligen architektonischen Gegebenheiten in Form sich verschiebender Küchenteile die Zubereitung erheblich. Zudem sind die oben am linken Rand erscheinenden Bestellungen teilweise verschieden und man muss schon genau aufpassen, ob die nächsten Portionen Sushi nun mit Lachs, Surimi oder rein vegetarisch mit Gurke bestellt wurden. Gibt man Gerichte raus, die nicht bestellt wurden oder trödelt man und bedient die Gäste nicht im Rahmen einer gewissen Zeit, reißt das ein Loch in die Kasse. Denn Ziel eines jeden Levels ist es immer einen gewissen Umsatz zu erzielen, um das nächste Level zu erreichen. Im Laufe des Spiels werden die Rezepte zunehmend komplizierter und auch die physischen Gesetze der Küchen scheinen sich komplett zu verabschieden. Hinzu kommen dann noch stressige Elemente wie Tellermangel, weil man das Spülen wieder vergessen hat oder anbrennende Kochtöpfe, deren Feuer sich schnell in der ganzen Küche ausbreitet und gelöscht werden will. In Kombination mit der nach wie vor recht schwammigen Steuerung ist damit das Ausrast- bzw. Spaßpotential sehr hoch. Im Großen und Ganzen ist Overcooked 2 dem Vorgänger treu geblieben und unterscheidet sich lediglich darin, dass es nun auch möglich ist, rohe Lebensmittel zu werfen, um noch mehr Geschwindigkeit ins Spiel zu bringen und sich Laufwege zu sparen. Zu den alten Rezepten wie Burger, Pizza und Co. gesellen sich nun zudem noch Sushi, Kuchen, Nudeln mit Fleischsoßen, Pfannkuchen und gedünstete Gerichte.

Neue Spielmodi – endlich auch online im Küchenchaos versinken

Wie auch schon bei Teil 1 kann man Overcooked 2 auch alleine spielen, indem man mittels Taste zwischen zwei Köchen hin- und herschaltet, richtig Spaß macht das Ganze jedoch nur im Koop mit 1-3 Freunden. Während man im ersten Teil auf den Couch-Coop, der nach wie vor das größte Spaßpotenzial mit sich bringt, beschränkt war, kann man nun auch endlich online um die Wette köcheln. Denn neben dem Storymodus gesellen sich noch ein Arcade- und Versusmodus dazu. Dabei stehen private Online-Sessions mit Freunden zur Verfügung, aber man kann beide Modi auch mit völlig Fremden bestreiten. Um mit diesen zu kommunizieren, wurde die Möglichkeit von Emojis eingeführt. Gerade bei den privaten Sessions reichen diese jedoch nicht aus und der Mangel der Nintendo Switch an einem vernünftigen Voice-Chat macht sich schmerzlich bemerkbar. Dennoch ist der Onlinemodus eine wichtige Neuerung, die es einem ermöglicht das Spiel auch dann zu spielen, wenn niemand zum Mitspielen zur Verfügung steht.

Fader Beigeschmack – fehlerhafte Lokalisierung, häufige Ladezeiten & überschaubarer Umfang

Overcooked 2 kommt leider nicht perfekt daher und hat den ein oder anderen faden Beigeschmack. Etwas weniger übel aufstoßen tut die teils fehlerhafte und unvollständige Lokalisierung. So sind einige Wörter nicht richtig übersetzt worden. Dies sticht direkt zu Beginn ins Auge als auf einer Übersicht die Steuerung erläutert wird und taucht auch im weiteren Spielverlauf ab und an wieder auf. Wesentlich stärker negativ ins Gewicht fallen die teilweise sehr häufigen Ladezeiten. Das hat im Vorgänger irgendwie besser funktioniert. Sowohl im Online- als auch im Storymodus kann man immer wieder und für meinen Geschmack die hellblaue Ladeleiste zu oft bewundern. Das direkte Wiederholen eines bereits gespielten Levels ist somit ohne geduldiges Warten ebenfalls nicht möglich. Was den Umfang angeht, handelt es sich hier nicht um ein opulentes Festmahl, sondern eher um einen übersichtlichen Snack. Im Storymodus kommt das Spiel mit insgesamt 36 verschiedenen Level daher – das hört sich nun erstmal viel an –  für eingefleischte Overcooker wie mich sind diese jedoch schnell durchgespielt. Hier wäre ein Profi- oder Endlosmodus schön gewesen.

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Overcooked 2
Präsentation (Grafik/Sound) 80%
Gameplay 80%
Atmosphäre/Story 70%
Multiplayer 85%
Spielspaß 75%
78%
Readers Rating 0%
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Im Großen und Ganzen steht Overcooked 2 seinem Vorgänger in nichts nach. Mit den neuen Spielmodi und der Option auch endlich online die Kochtöpfe überkochen zu lassen, fällt einer der größten Kritikpunkte des ersten Teils weg. Dennoch fehlt dem Ganzen ein wenig an Umfang und Neuerung am Gesamtkonzept. Hier lässt sich vielleicht noch auf einen witzigen DLC hoffen wie bei Teil 1. Fans und Kochneulinge mit einem Fable für verrückte und wahnsinnige Mehrspieler-Action können jedoch auch dieses Mal wieder bedenkenlos zum Kochlöffel greifen.

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About The Author

Seit mehr als zwei Jahrzehnten treibe ich mich nun in digitalen Welten herum. Angefangen hat meine Karriere wie bei so vielen Kindern der 80er mit dem Gameboy und NES. Mit kleinen Stippvisiten auf dem PC und der Welt der MMORPGs, zieht es mich jedoch auf magnetische Weise mit meinem Pöter immer wieder aufs Sofa zurück und damit vor die Konsolen. Ich liebe alles, wo es eine offene Welt und viel zu entdecken gibt, fuchtel gerne mit Schwertern herum oder wirbel mit bunten Zaubern durch die Gegend. RPGs & Action-Adventures sind daher klare Favoriten, wo hingegen eher die Hölle zufriert, bevor ich mir freiwillig realistische Rennspiele oder Shooter zumute.

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