Knock-Knock im Test – Eine Therapiestunde mit ungebetenen Gästen

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Was du hier vor dir hast, ist nicht das, was du normalerweise ein „Game“ nennen würdest. Es ist wohl mehr eine interaktive Meditation…“ So begrüßt mich Knock-Knock in den ersten Sekunden. Das 2013 veröffentlichte Horror-Adventure von Ice-Pick Lodge spielt dabei nicht nur mit dem Verstand des Protagonisten. In der danach folgenden Zwischensequenz lernt man ihn kennen. Einen Mieter eines großen Hauses, welches in einem großen, düsteren Wald steht. Er erklärt mir, dass sein Schlaf durch seltsame Geräusche gestört wird und macht sich daraufhin auf die Suche nach der Ursache. Ich helfe ihm dabei.

Trial and Error

Screens-Knock-Knock-PS4-1Genauso ratlos wie er, weiß auch ich nicht recht, wo ich zuerst anfangen soll. Knock-Knock hat es in den ersten Momenten geschafft, mich in diesen Mann in weißem Schlafanzug und mit einer Kerze in der Hand hineinzuversetzen. Was würde ich als nächstes tun, wenn ich von solchen Geräuschen aufgeweckt werden würde? Er beziehungsweise ich streife durch die einzelnen Räume, repariere Leuchten und hoffe, dass alles an seinem Platz ist. Dieses Prinzip ändert sich kaum im weiteren Spielverlauf und wird auf Dauer ein wenig eintönig.
Das Ziel ist bis zum Morgengrauen zu überleben, sein Tagebuch, mit wichtigen Informationen, zu finden und nicht verrückt zu werden. Verrückt? Ja, diese Geräusche scheinen nicht durch natürliche Vorkommnisse zu entstehen. Wie man das schaffen kann, wird nicht erklärt. Nie. Man muss das richtige Muster selbst herausfinden. Das ist der einzige Hinweis, den man bekommt. Dies hat zur Folge, dass man oft Level wiederholen muss. Und selbst wenn ich bis zum Sonnenaufgang überlebt habe, ist mir nicht bewusst, wie ich das geschafft habe.

Oben links im Bildschirm sieht man eine Uhr mit der selben Frisur wie unser Protagonist. Anfangs noch komplett ergraut, zeigt sie mit der Zeit die vergangenen Minuten und Stunden an. Die Steuerung ist recht simpel gehalten. In der von mir gespielten PS4-Version kann man sich mit dem Steuerkreuz nach Links, Rechts und Vorne bewegen. Hinter bestimmten Gegenständen, die weiß umrandet sind, kann man sich außerdem verstecken. Sowohl das Reparieren von Lampen als auch das Öffnen von Türen wird mit gedrückter X-Taste ausgelöst.

Zwischendurch, in unregelmäßigen Abständen und ohne Vorwarnung, höre ich Kichern, Knacken und das Zirpen von Grillen − alles durch den Lautsprecher des Controllers. Diese plötzliche Nähe zum Spiel lässt mich zusammenzucken.

Kryptische Symbole

Screens-Knock-Knock-PS4-2In dem ersten Abschnitt erklärt er mir in kratzigen Lauten, die durch Untertitel übersetzt werden, seine Gedanken, seine Ängste und seinen Beruf als Weltologe. Hierbei finden wir auch eine kleine Standuhr. Beim Auslösen sehe ich, wie die Zeit für eine gewisse Dauer vorgespult wird. Solche muss ich also finden, damit der ersehnte Sonnenaufgang schneller voranrückt. Plötzlich öffnet sich die Tür, die er vor Spielbeginn ganz sicher fest verschlossen hatte. Den Ängsten zum Trotz bewege ich mich raus in den Wald. Ohne regliche Orientierung wandere ich durch tiefes Dickicht, sehe hinter Bäumen ein kleines, blondes Mädchen im Schlafanzug. Wenn ich mich zu ihr bewege, erscheinen sehr symbolische Zwischensequenzen bestehend aus ebensolchen Zeichnungen, die mir zu diesem Zeitpunkt aber nur Fragen aufwerfen.

Screens-Knock-Knock-PS4-3Nach langem Umherschweifen sehe ich ein Haus. Die Tür steht offen, darin ein grelles Licht. Als ich mich hineinbewege wird eine Zeichnung eingeblendet. Eine Spirale im Kopf, kleine Häuser, kleine Augen und das Ende dieser Spirale führt zu einer offenen Tür. Diese gekritzelten Symbole zeigen mir einzelne Level und meinen Fortschritt an. Alle „Level“ mit den Häusern als Symbol sind ähnlich aufgebaut. Er erklärt mir in diesen Abschnitten viel über sich, auch finde ich dort Hinweise, die mir zu diesem Zeitpunkt aber noch zu kryptisch erscheinen und ich diesen weniger Aufmerksamkeit schenke.

Geisteskrank

Die „Augen-Phasen“ zeigen hingegen deutlich, was seine Verrücktheit auslösen kann. Bei jedem Abschnitt ist das Haus anders aufgebaut. Das macht das Erkennen eines Musters nicht einfacher. Und wofür brauche ich genau ein Muster? Er wird von sogenannten Gästen heimgesucht. Geister, die durch sein Haus wandern. Sie handeln nach einem bestimmten Muster, welches es zu finden gilt. Begegnet man einem von ihnen und versteckt sich nicht, springt die Uhr zurück, sodass es nun deutlich länger dauert bis es wieder hell wird. Aber selbst wenn man sich versteckt, spult die Zeit langsam zurück. Man sollte sich also nur im Notfall verstecken.
Manchmal ist es hilfreich in einem erhellten Raum eine kurze Zeit zu verweilen, damit sich seine Augen an das Licht gewöhnen und dadurch Gegenstände, die vorher nicht sichtbar waren, zum Vorschein kommen. Auch ertönen manchmal Stimmen aus dem Controller. Wenn man beachtet was sie sagen, helfen sie einem dabei, Screens-Knock-Knock-PS4-4ein Muster zu erkennen.

Der zeichnerische Stil, der mich sehr an Tim Burton erinnert, und das eindrucksvolle Sounddesign mit Einbezug des Controller-Lautsprechers lassen mich in eine völlig neue Welt eintauchen.
Dennoch ist dieses Spiel nicht für jeden geeignet. Ich habe mich schwer getan, dieses Spiel zu verstehen. Das Erfolgsgefühl blieb dabei aus. Trotz oder gerade deswegen habe ich aber nicht aufgehört. Ich wollte mehr Hinweise sammeln, die Geschichte irgendwie verstehen. Ich war froh, wenn ich einen Abschnitt überlebt hatte, wusste aber, dass mich der nächste wieder vor das gleiche Problem stellt und konnte nicht absehen, ob dieses Spiel überhaupt ein Ende hat. Der Frustfaktor war dementsprechend hoch. Es lässt mich mit einem verwirrten und bedrückenden Gefühl zurück. Wahrscheinlich ist es auch genau das, was Ice-Pick Lodge mit diesem Spiel erreichen wollten − sich in jemanden mit einem wahnsinnigen Verstand hineinversetzen.

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Knock Knock (PS4)
Präsentation (Grafik, Sound) 95%
Gameplay 60%
ATMOSPHÄRE/STORY 85%
Spielspaß 65%
76%
Readers Rating 77%
1 votes

Für Fans von Ice-Pick Lodge eigenem Pathologic oder Liebhabern von unkonventionellen Horror-Adventuren ein Pflichtkauf. Alle anderen werden erst nach sehr langer Eingewöhnungszeit Spaß an diesem Spiel finden, wenn sie nicht vorher schon aufgrund von Frust aufhören. Dennoch sollte man Knock-Knock eine Chance geben. Die Atmosphäre, die Grafik und das Sounddesign machen dieses Spiel einzigartig.

About The Author

Seitdem ich 4 Jahre alt bin, habe ich die Faszination an Videospielen nie verloren. Man findet mich vor allem in (Online-)RPGs, FPS, MOBA oder Rennspielen wieder. Nebenbei werde ich als Pixelschubserin ausgebildet und konsumiere exzessiv jegliche Art von Filmen, Serien und Comics.

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