Knack 2 im Test – Held aus dem Bauklotzkasten

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Nach dem ersten Teil hat man nicht unbedingt mit einer Fortsetzung der Geschichte rund um Lucas und seinen Bauklötzchen Roboter Knack gerechnet. Der aus der Feder von Mark Cerny stammende Held, kämpfte an der Seite der Menschen gegen bösartige Kobolde und warf diese schon einmal erfolgreich zurück. Im Sequel der exklusiven Reihe für die PlayStation 4 aus dem Hause Japan Studio geht es darum, erneut gegen die Kobolde und einer weiteren mysteriösen Gefahr kämpfen. Das Abenteuer verspricht mit einem Mix aus Beat’um Up und Jump’n’Run Mechaniken eine interessante Kombination zu werden, aber ob es das auch wirklich halten kann, was es verspricht, verrate ich euch im Test.

K N A C K – Das K ist stumm

Eines vorweg, die Story von Knack 2 ist weder innovativ noch sonderlich beeindruckend. Womit Knack aber punkten kann, ist die Inszenierung. Die Zwischensequenzen und Quick Time Events sind gut in Szene gesetzt und geben neben den ganzen Plattformer-Passagen und dem Buttonmashing eine nette Abwechslung. Insgesamt werden wir aber einfach zu hart in die Story hinein geschmissen. Vorwissen wird nur ganz kurz im Intro des Spiels angerissen. Wie wer zu wem steht und was passiert ist, ist völlig ungeklärt. Ich selber habe den ersten Teil nicht gespielt und hatte stetig das Gefühl, dass mir Wissen fehlt, aber nun erstmal zur Story. Knack begibt sich mit Lucas und dessen Onkel Ryder, welcher sich wohl am besten als hutloser Indianer Jones-verschnitt beschreiben lässt, auf eine Insel. Dort will das Duo dem Onkel eine besondere Entdeckung zeigen: Die Überreste einer alten Roboterarmee, aber was hat es genau damit auf sich? Überraschend erwachen die Überreste zum Leben und greifen Knack und seine menschlichen Schützlinge sofort an. Die Angreifer sind ziemlich kompromisslos und schnell schaltet sich eine weitere Partei ein. Die Mönche auf der Insel sind eine vergessene Zivilisation, welche vor langer Zeit die Menschheit nach einem Krieg gegen eben genannte Roboterarmee regiert hat.

Hier wird klar, dass die Roboterarmee von Hochkobolde erschaffen wurden und von ihnen mittels eines Turms gesteuert werden. Xander, das Oberhaupt der Mönche, erzählt dem Trio alles was er weiß und natürlich machen es sich die drei zur Aufgabe, die Kobolde samt ihrer Roboter aufzuhalten. Dabei schließt sich die Jugendleiterin Ava an, wo sich gleich zwischen ihr und Jungspund Lucas eine kleine Liebschaft entwickelt. Also auf, um die Menschheit vor den fiesen Kobolden erneut zu retten.

Von Steinchen zu Klötzchen

Der Held Knack hat die Besonderheit, dass er aus vielen kleinen zusammenhängenden Reliktsteinen besteht. Er hat über sich selbst die Macht diese Teile abzuwerfen und wieder anzuziehen. Dadurch zerfällt Knack per Knopfdruck bis auf seinen Kern. So kann er durch kleine Tunnel kriechen oder an steilen Wänden mit kleinen Vorsprüngen empor hüpfen. Per Knopfdruck zieht er dann die fallen gelassenen Teile wieder an sich heran und wächst auf seine aktuelle Größe. Aktuell bedeutet es, dass die Größe von Knack sich stets während des Spiels verändert. So kann Knack als kleiner Zwerg ohne zusätzliche Teile unter einem Meter schnell übersehen werden, wird er aber vollaufgebläht ein wahrer Hüne und über 30 Meter groß. Das hat auch einen spielerischen Einfluss, denn je größer er ist, desto größer ist sein Schild um den Kern. Der Gegner muss erst die Klötzchen wegschlagen, um uns ans Leder zu gehen. Andersherum ist Knack allerdings ziemlich anfällig, wenn er in Miniformat unterwegs ist.

Aber nicht nur Reliktteile kann Knack sich für seinen Körper zunutze machen. Eiskristalle bilden ein Exoskelett und ermöglichen die Fähigkeit Gegner und Maschinen einzufrieren. Er kann Metall benutzen, um damit eine Peitsche zu schwingen oder ein Stromkabel zwischen zwei Punkten zu ziehen. Ein wenig Selbstdarstellung braucht allerdings jeder Held, so bleibt eine Art Monument stehen, wenn Knack mit ausgerüsteten Exoskelett in seine Miniaturform wechselt. Besonderer Kniff hierbei: Die Teile müssen wieder aufgesammelt und können so als Gewicht für Schalter verwendet werden. Eine besondere Fähigkeit ist dann noch der Tarn Knack. Mit einem klaren Kristall kann Knack seinen Kern verändern und ist als Minimi für Sicherheitssysteme wie Laserschranken unsichtbar.

Im Zusammenspiel mit den besonderen Fähigkeiten haben die Entwickler sich interessante und abwechslungsreiche Rätsel ausgedacht. Sei es simple Schalter- und Hebel-Rätsel bis hin zu etwas kniffligeren Denkaufgaben, wo beispielsweise unsichtbare Plattformen ins Spiel kommen. Alles in allem sind die Rätsel aber nicht wirklich schwer, zumal man automatisch weitergetrieben wird, wenn man zulange an einem Rätsel festhängt, denn dann erfolgt per Tastendruck die Lösung.

Mit dem Kopf durch die Wand

Deutlich kniffliger sind da schon die Kampfpassagen. Knack bekommt es immer wieder mit neuen Gegner zu tun und muss so immer wieder neue Techniken lernen. Diese schaltet er im Verlauf der Geschichte nach und nach frei und kann mit gesammelten Erfahrungspunkten die Attacken noch zusätzlich verstärken. Gerade zu Beginn sind die Kämpfe wirklich schwierig, da viele Angriffe sehr vom Timing abhängig sind. Erst mit wachsendem Angriffsvariationen gehen die Kämpfe leichter von der Hand und sind besser zu handhaben. So erleichtert beispielsweise die Fähigkeit den Gegner heranzuziehen, das Kämpfen ungemein, da Knacks Feinde selbst auf dem normalen der vier Schwierigkeitsgrade gekonnt unseren Angriffen ausweichen oder uns möglichst auf Distanz versuchen zu halten. Dadurch, dass aber gerade solche wichtigen Angriffe zu Beginn fehlen, ist die Einstiegshürde gar nicht so niedrig wie der Flair von Knack 2 vermuten lässt. Mit gelben Kristallen kann Knack eine Art Schild aufbauen, was zuerst runter geht, bevor Angriffe Knack dann direkt treffen und zulasten seiner physischen Größe geht. Hat der Gegner es dann mal geschafft, Knack völlig zu entblößen, bleibt nur noch geschicktes Ausweichen oder Geschosse mit dem richtigen Timing zu parieren, bis Knack sich wieder erholt hat und die verlorenen Teile wieder anzieht. An manchen Stellen gibt es für Knack dann den Superkristall. Der wirkt eigentlich exakt so, wie Marios Stern. Knack hackt sicht munter durch die Gegner, ohne dabei Schaden zu nehmen, bis die Kraft nach lässt.

Neben den Rätseln und Kämpfen gibt es aber auch immer wieder die allseits bekannten QTE’s (Quick Time Events), diese dienen vor allem dazu Ladezeiten zu überbrücken und nahtlos von einem Abschnitt in den nächsten zu kommen. Die QTE’s verzeihen auf den einfacheren Schwierigkeitsgraden auch gerne mal Verdrücker, halten sich aber recht intuitiv zum Geschehen. Müssen wir einen Schlag ausführen, wird auch eben diese Taste im richtigen Moment gefordert. Genauso verhält es sich auch für Momente wie Springen, klein oder groß werden oder Treten. Die QTE’s kommen regelmäßig im gesamten Spiel vor, halten sich aber insgesamt in Grenzen und bieten eine nette Abwechslung zum Rest.

Die vier Fähigkeitenbäume schalten sich dabei auch nur langsam frei, denn zu Beginn haben wir nur einen Baum. Schalten wir hier alle Fähigkeiten abgesehen von der letzten Spezialattacke frei, öffnet sich der Zweite und so weiter. Man schränkt den Spieler hier ein wenig in der Entscheidungsfreiheit ein, was für den einen gut ist, sieht der andere wohl eher negativ. Ich hätte mir hier eine etwas andere Lösung gewünscht. Alle Bäume direkt zu Beginn öffnen und entsprechende Fähigkeiten einfach teurer zu machen, wäre hier eine sinnvollere Lösung gewesen.

Eine Kamera, sie zu knechten

Erschwerend zu den kniffligen Kämpfen kommt hinzu, dass wir unsere Gegner nicht anvisieren können. Ein Feature, welches man von Spielen wie Dark Souls oder Devil May Cry zur Genüge kennt. Den Gegner einmal anvisiert, könnte man sich frei um ihn bewegen und visiert ihn dabei immer an. Da man mittels des rechten Analogsticks aber in die entsprechenden Richtungen dashed, hat man sich scheinbar bewusst gegen diese Hilfestellung entschieden. Der besagte Dash sperrt auch die Möglichkeit, die Kamera frei bewegen zu können und das war für mich wohl das ungewohnteste Setting. Die Kamera ist für jede Szenerie stehts fest und fährt oder schwenkt auf einer fixierten Bahn entweder vor oder zurück, um Knack immer zu verfolgen. Dadurch gestaltet sich das Erkunden der Umgebungen ein wenig mühselig.

Trotzdem lassen sich die Verstecke gut entdecken, da diese einem bestimmten Schema folgen. So gibt es immer wieder kleine Löcher in den Wänden, wo wir als Mini Knack durchschlüpfen können. Dort findet sich in den meisten Fällen eine Truhe, in der entweder Teile für ein Gadget oder ein Kristall versteckt sind. Suchen wir bestimmte Teile, können wir manchmal noch unser Schatz eintauschen gegen ein begehrteres Teil. Es wirkt so als wäre der Inhalt der Truhen zufällig gestaltet, ob das aber der Wahrheit entspricht, konnte ich nicht überprüfen. Haben wir alle Teile eines Gadgets zusammen, können wir es automatisch ausrüsten und kann sich somit beim Spielen sofort auswirken. So löst die Sonnenbombe jedesmal eine gegnerbetäubende Druckwelle aus, wenn wir einen der gelben Kristalle zerschlagen. Oder wir bauen einen „Geheimnis-Orter“, der ein kleines Signal gibt, wenn wir uns in der Nähe einer Truhe befinden.

Alles in allem unterhält Knack 2 euch entweder alleine oder zu zweit im Couch-Koop mit einer ungefähr zehn bis zwölf Stunden langen Kampagne. Ein Freund kann sich während der Kampagne einfach einen Kontroller schnappen und ab einem Kapitelabschnitt einsteigen. Das erleichtert auch häufig die Kämpfe deutlich, wodurch ich empfehlen würde, mindestens auf schwer zu spielen. Habt ihr die Story einmal durchgespielt, schaltet ihr einen Plus Modus frei. Im Plus Modus könnt ihr das Spiel mit all den gesammelten Fähigkeiten, Gadgets und Erfahrungen noch einmal spielen. Was ich allerdings nicht verstehe ist, dass ein Kolosseums- als auch ein Zeitmodus freigeschaltet werden muss. Beide Modi erst zum Ende der Story freizuschalten, macht sie wenig interessant, wird aber damit begründet, dass der Spieler dann alle essentiellen Fähigkeiten während der Kampagne erlernt hat. Hier wäre mir eine Freischaltung kapitelweise lieber gewesen. Über eine Weltkarte können wir über das Hauptmenü auch nochmal einfach 15 verschiedenen Kapitel einzelnd auswählen und wiederholen. Gefundene Truhen bleiben gefunden, lediglich mit noch nicht entdeckten Verstecken können wir unsere Sammlung erweitern.

Türmchen schubsen

In Anbetracht das Knack 2 keine Triple A Produktion ist, muss es sich nicht verstecken: Quietschbunt und mit schönen Glanzeffekten. Die Animationen von Knack und der Umgebung sind gut gemacht. Richtig viel Spaß macht es, wenn wir Knack in seine Einzelteile zerfallen lassen und diese sich wie Wasser auf dem Boden verteilen. Überhaupt ist Knack ein lebendes Physikwunder mit den ganzen einzelnen Teilen. Anders dagegen wirken die menschlichen Charaktere wie Lucas, Ryder und Co. ein wenig steif. Selbiges gilt auch für die Gegner. Bei den mechanischen Gegnern zähle ich das noch zu logisch nachvollziehbar, bei den generischen Kobolden und menschlichen Gegnern allerdings nicht. Hier hätte ein wenig Vielfalt nicht geschadet, was aber alles Meckern auf hohem Niveau ist, da es halt auch kein Vollpreistitel darstellt. Bei der Vertonung ist wohl leider auch der Kostenpunkt eine Frage gewesen. Die deutsche Lokalisierung wirkt recht emotionslos und manchmal sind gewissen Dialoge und daraus resultierende Handlungen einfach nicht nachvollziehbar. Lucas wird von den Erwachsenen nur wenig bis gar nicht ernst genommen, was in der deutschen Fassung aber überhaupt nicht rüber kommt. Insgesamt empfehle ich jedem, der das sprachliche Know-how hat, seine Konsole auf Englisch umzustellen, da das Spiel selbst leider keine Möglichkeit bietet. Die Soundkulisse allgemein im Spiel ist grundsolide, man sollte von der orchestralischen Untermalung also kein WOW-Erlebnis erwarten.

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Knack 2
Präsentation (Grafik, Sound) 75%
GAMEPLAY 82%
ATMOSPHÄRE/STORY 72%
SPIELSPASS 79%
77%
Readers Rating 0%
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Ich kann keine Vergleiche ziehen, aber Knack 2 ist ein wirklich gelungener Titel. Für einen Preis von 34,99 € bietet das Sequel genügend Abwechslung und Inhalte. Toll ist auch, dass ein Freund einfach mit ins Spiel einsteigen kann. Auch wenn ich nicht den Vorgänger gespielt habe und mir dadurch ein wenig der Zugang zur Story verwehrt blieb, hatte ich doch wirklich meine Freude an dem Titel. Knack 2 ist ein Spiel für Jung und Alt und warum nicht gleich auch im Koop zusammen?

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About The Author

Von klein auf eigentlich ein PC-Jünger, bis er sich dann von seinem ersten Geld eine Konsole kaufen konnte. Viel verpasst bis zum N64 aber auch vieles nachgeholt. Heute hauptsächlich an der XBOX One, Xbox 360 und am PC zu finden. Spezialisiert auf FPS, Roleplay und Indie Games

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