For Honor – Die Ehre im Test

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Kommen ein Wikinger, ein Ritter und ein Samurai in eine Bar… Das könnte der Anfang eines schlechten Witzes sein, stellt aber im Großen und Ganzen die Grundlage für For Honor, dem neusten Triple-A Titel von Ubisoft dar. Hier können wir, im Namen einer dieser drei Fraktionen zum Schwert, Axt, Flegel oder einer anderen typischen Waffe greifen und uns im Singleplayer oder Multiplayer gegen die jeweiligen anderen Fraktionen beweisen.

Für Aschenfels! Für Valkenheim! Für Myre! Für die Ehre!

Wer die Entwicklung von Ubisoft in den letzten Jahren verfolgt hat, der dürfte bei Rainbow 6 Siege über das Feedback bzgl. des fehlenden Singleplayers gestolpert sein. Dieses Feedback hat wohl zu einem Erfolg geführt, da For Honor, für mich im Vorfeld ein reiner Multiplayertitel, über eine Kampagne verfügt, die man entweder alleine oder mit einem Freund im Koop bestreiten kann.

Storytechnisch solltet Ihr aber nicht zu viel erwarten, weil historisch korrekt ist dieses Spiel nicht. Alle drei Parteien werden, mit relativ kleinen Ländereien, durch Apollyon, eine Dämonin die auch als Abbadon bekannt ist, in eine eigene Welt gezogen, wo sie sich über ein tausend Jahre bekriegen sollen. Technologische Fortschritte werden in dieser Zeit wohl nicht gemacht, dafür verändert sich aber sehr die Kultur. Allen voran die der Ritter, die in dieser neuen Welt von Apollyon selber angeführt werden. Trotzdem wird recht spannend eine Geschichte über die Herrschaft von Apollyon erzählt und wie diese den Krieg zwischen den Samurai, den Rittern und den Wikingern am Laufen hält. Hier dürfen wir nacheinander jeweils sechs Missionen für alle drei Völker bestreiten, in denen uns nach und nach die Fertigkeiten des Spiels und des Gameplays erklärt werden. Auch lernt man die unterschiedlichen Klassen ein wenig kennen. Die Kapitel Ritter, Wikinger und Samurai bauen dabei aufeinander auf und gehen auf die Geschichte, die das vorherige Kapitel erzählt hat, ein. Grafik und die Soundkulisse sind dabei sehr gut umgesetzt, leider kränkelt es aber, ähnlich wie bei Rainbow 6 Siege, an einer tollen deutschen Synchronisation. Wer also die ca. zehn Stunden dauernde Kampagne tiefgängig erleben möchte, der sollte besser die Sprache auf Englisch wechseln.

Battlefield trifft auf Dark Souls und Street Fighter

Das Gameplay ist bei For Honor die wirkliche Besonderheit des Spiels. Wir kämpfen, ähnlich wie in Dark Souls, mit einem gewissen Vorrat an Ausdauer. Sollte die Ausdauer verbraucht sein, dann muss diese sich erholen, weil wir sonst nicht mehr angreifen oder blocken können. Zusätzlich besitzen wir drei Angriffsvektoren, Links, Rechts oder Oben. Diese drei Vektoren werden in der Kampfposition über den rechten Stick ausgewählt. Um einen Angriff zu blockieren muss der Gegenspieler ebenfalls die richtige Richtung wählen, die vor dem Angriff Rot angezeigt wird.

Um das Ganze ein wenig abwechslungsreicher zu Gestalten wird die Steuerung noch durch Kombos aufgepeppt, die an Beat en up-Games wie Street Fighter oder Soul Calibur erinnern. Hier können wir durch bestimmte Bewegungen oder eine Aneinanderreihung von starken oder schwachen Schlägen besonders starke oder nicht blockbare Attacken ausführen. Der Abschluss eines Kampfes stellt jeweils der Finisher da. Ein besonderer Schlag mit dem wir den gegnerischen Helden exekutieren. Hierfür stehen uns im Kampf zwei Stück zur Auswahl, welche wir im Multiplayer auch anpassen können und uns im Verlauf sogar neue Finisher freischalten.

Augen auf bei der Klassenwahl

Während wir im Singlepayer noch durch dumpfes auf den Gegner eindreschen unsere Fraktion zum Sieg führen konnten, funktioniert dies spätestens im Multiplayer nicht mehr. Hier können wir entweder mit Freunden oder Zufallsspielern gegen die KI oder andere Spieler antreten um die Fraktion, die wir am Anfang des Spiels auswählen konnten, zum Sieg zu führen. Eine interaktive Karte zeigt uns dabei die Fortschritte von unserem Volk, aber auch die Abtretungen an den Feind.

Die Fraktionswahl hat im Übrigen keine große Auswirkung auf die Auswahl unsere Charaktere. Hier wird uns zwar ein Charakter zu Beginn gestellt, abhängig von der Fraktionswahl, anschließende Entscheidungen zur Auswahl oder beim Kauf der Klassen, bleiben dem Spieler überlassen. Insgesamt stehen uns dabei vier Klassen pro Fraktion zur Verfügung, die sich grundsätzlich ähneln, trotzdem durch Reichweite, Schnelligkeit, Kraft und noch weiteren Aspekten unterscheiden. Hier gibt es klassische Figuren wie die Walküre, die eine recht schnelle Angriffsgeschwindkeit gepaart mit einer hohen Reichweite besitzt. Die Friedenshüter, die die klassischen Rogues darstellen, mit einem kurzen Schwert und Dolch und unterstützt durch eine besonders hohe Schnelligkeit. Hier sollte jeder Spieler seine Klasse finden können, egal ob man eher defensiv mit Schild und Flegel spielen möchte oder Aggressiv mit zwei Äxten bis hin zu riesigen Hellbarden.

Krieg ist ein konstanter Chaoszustand

Um die Vorherrschaft auf der interaktiven Karte zu erreichen, stehen uns im Multiplayer verschiedene Modi zur Verfügung. Allen voran der Herrschaftsmodus, der sehr stark an eine Mischung aus den Modi Materialschlacht von Titanfall 2 und dem Standard Multiplayer von Battlefield 1 erinnert. Hier stoßen zwei Armeen, Rot vs. Blau, aufeinander und versuchen verschiedene Punkte zu verstärken. Unterstützt werden die Spieler dabei von KI-Fußsoldaten, die ähnlich Sinnvoll sind wie in Titanfall 2 und eher nur als Futter für unser Schwert dienen.

Darüber hinaus gibt es noch verschiedene Deathmatch und Teamdeathmatchmodi, die von 1vs1 bis zu 4vs4 gehen. Die Kämpfe im Multiplayer beruhen dabei auf einer Mischung von Schere-Stein-Papier, Können und jemanden von einer Klippe schubsen. Anders ausgedrückt gibt es keine Klasse, die Übermächtig ist. Es gibt immer eine Klasse, die die anderen kontert. Sobald man aber die Fähigkeiten der Klassen kennt, kann man die Klassen besiegen, die normalerweise einen kontern würden, da man verschiedene Komboattacken oder Angriffe vorhersehen kann und sich entsprechend verhalten kann. Kommen wir abschließend zum Schubsen – Eine der aktuell beliebtesten und am meistgehassten Strategien ist es, den Gegner an einer Klippe oder einem Vorhang herunter zu werfen. Dies hat den Vorteil, dass der Gegenspieler sofort Tod ist und man entweder gewonnen hat oder einem Mitspieler zur Hilfe eilen kann und dadurch dem Gegner zwei zu eins im Vorteil ist.

Verbesserungen und Malen nach Zahlen

Wer eine Runde gewinnt, der hat die Möglichkeit eine Verbesserung für seine Ausrüstung zu bekommen. Hier orientiert sich For Honor an großen Multiplayershootern. So gibt es Verbesserungen für die Klinge, die den Schaden erhöhen, dafür aber schlechter blocken. Helme werden härter und man kann Debuffs eher widerstehen, werden aber im gleichen Schritt schwerer und man verlängert die Regenerationszeit der Ausdauer. Alternativ zu den Belohnungen, die man bei Multiplayerspielen bekommen kann, kann man die Ausrüstung auch freikaufen. Dies geschieht über die Ingamewährung. Diese Währung können wir über Echtgeld aufstocken, was ein wenig nach Pay2Win riecht. Da die Ausrüstung sich aber nicht ins ultimative steigern lässt und jeder Vorteil einen Nachteil mit sich bringt, wird das Pay2Win in meinen Augen wieder relativiert, wenn man hier überhaupt von einem Pay2Win sprechen kann.

Zusätzlich zu der individuellen Ausrüstung besitzt jede Klasse verschiedene Gaben. Gaben sind passive oder aktive Skills, die sich jeder Spieler in der Vorbereitung aussuchen kann. Je nach Level der Klasse kann es zum Beispiel ein Heilzauber sein oder auch eine Katapult-Unterstützung. Wer seinen Charakter darüber hinaus individualisieren möchte, für den stehen viele Möglichkeiten zur Verfügung. Angefangen damit, dass es vorgefertigte Designs gibt, die man für Ingame-Währung erwerben kann, bis hin zur kompletten Individualisierung bei der man Geschlecht des Kämpfers, Farben, Helmschmuck, Wappen und vieles mehr auswählen darf.

Matchmaking und Langzeitmotivation

Kurz: Es gibt keines – Jedenfalls wirkt es aktuell so. Man kann Level 5 sein und gegen Spieler kämpfen, die das Prestigelevel erreicht haben. Man kann wirklich permanent verlieren und vielleicht der schlechteste Spieler sein und, dadurch das es bisher kein Ranglistensystem gibt, gegen die Nummer Eins aus der EU treffen. Hier muss Ubisoft nachbessern. Gerade die Langzeitmotivation könnte hierbei kritisch zu betrachten sein, da ohne Rangliste nur der Kampf um die Ländereien eine Motivation darstellt.

Season Pass und Year 1

Ubisoft bietet für For Honor einen Season Pass an und wird dabei ihrer neuen DLC-Politik, in der man nur für Content zwingend bezahlen soll, wenn dieser wirklich was Neues reinbringt, nicht untreu. Es wird im Laufe des Jahres insgesamt sechs neue Klassencharaktere geben, die alle durch die Ingamewährung freigeschaltet werden können. Wer sich den Season Pass holt, wird sieben Tage früher auf diese neuen Charaktere zugreifen können und bekommt zusätzlich einige optische Anpassungsmöglichkeiten. Dies lässt Spekulationen zu bzgl. einer Langzeitunterstützung des Titels und dass wir nächstes Jahr nicht direkt eine Fortsetzung erwarten können, sondern eher ein zweites DLC-Jahr mit einem neuen Season Pass ähnlich wie bei Rainbow 6, The Division und The Crew. Dies ist aber natürlich noch offen und eine doch sehr ferne Zukunft für die Videospielindustrie.

***Achtung: Permanente Internetverbindung benötigt***

Wie Michael schon in seiner Kolumne: „Online-Zwang in Spielen, muss das denn wirklich sein?“ berichtet hat, benötigt For Honor eine permanente Internetverbindung und eine permanente Verbindung zum Server. Dies bezieht sich nicht nur auf den Multiplayer, sondern der Singleplayer ist ebenfalls nicht ohne die Internet- und Serververbindung spielbar. Bei meinen Tests liefen die Server stabil und ich hatte keine Probleme. Dies kann aber bei einer schlechten Internetverbindung oder Serverproblemen zu Frustration führen.

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PRÄSENTATION (GRAFIK, SOUND) 79%
GAMEPLAY 81%
ATMOSPHÄRE/STORY 84%
SPIELSPASS 81%
MULTIPLAYER 76%
80%
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Jason Vandenberghe und Ubisoft wollten mit For Honor einen Shooter mit Schwertern entwickeln und dies hat man definitiv geschafft. Die Solokampagne ist ein guter Einstieg in die Welt von For Honor und der Multiplayer macht, wenn man sich nicht schubsen lässt, auch sehr viel Spaß. Die Kombos und im speziellen die Steuerung beim Blocken können aber für zu viel Frust sorgen, speziell bei Spielern die eher Schwierigkeiten bei komplexer Hand-/Augen-Koordination haben. Mich hat der Kampf um die Ehre extrem gepackt.

About The Author

Microsoft MVP for Xbox, Geek, Gamer, Serien- und Filmjunkie, Cocktailian und wenn es sein muss auch Inquisitor. Grade Themen die über den reinen Videospielen drüber sind (der von mir Meta-Ebene genannten Ebene) interessieren mich am meisten. Da drüber hinaus bin ich eine gute Datenbank wenn es um schlechte Filme oder um Zombies geht.

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