Eigentlich ist es wie jedes Jahr. Eine neue Saison ein neues FIFA. Aber irgendwie steht der Fußball im Jahr 2020 unter einem anderen Stern. Aufgrund der aktuellen Lage gab es das erste Geisterspiel in der Bundesliga Geschichte und die für diesen Sommer geplante EM ist auf 2021 verschoben worden. Möchte man Fußball schauen, dann geht das in den meisten Fällen nur über den heimischen Fernseher inklusive entsprechenden Abonnements und so richtig Stimmung möchte aufgrund des fehlenden Live Publikums auch nicht wirklich aufkommen. Nun ist die Frage, ob die konstante FIFA aus dem Hause EA sich auch so stark verändert hat oder ob es doch nur ein Kaderupdate zum Vollpreis ist. Ich versuche die Frage hier im Test zu beantworten.

Das wichtigste der unwichtigen Dinge

Was bietet FIFA 21 in diesem Jahr? Nach dem in FIFA 20 Champions League und Europa League als Lizenz gewonnen wurden, hat man in diesem Jahr eher verloren. Neben Juventus Turin ist nun mit AS Rom ein weiterer italienischer Top-Club aus FIFA geflogen. Zumindest von den Namen her. Als Roma FC und Piemonte Calcio laufen nun die bekannten Spieler wie Christiano Ronaldo, Dybala oder Henrikh Mkhitaryan auf. Des Weiteren sucht man auch die 2. Italienische Liga sowie die Profiligen aus Kolumbien und Chile vergebens. Die bestehenden Lizenzen hat man aber entsprechend auf den neuesten Stand gebracht, so reihen sich nun die Stadien der Aufsteiger der Saison 2019/2020 in die Liste ein. Beispielsweise hat so die 1. Bundesliga nun die Alte Försterei (Union Berlin) und die Benteler-Arena (SC Paderborn 07) hinzugefügt.

Auch beim Alten geblieben, ist der Volta Modus. Dieser hat in diesem Jahr aber eine deutlich kürzere Story und ist viel mehr als eine Art Einleitung in den Straßenfußball Modus zu sehen. Danach geht es ähnlich wie bei FUT darum, sich neue Spieler zu angeln und sein Team zu stärken. Eine wirkliche Story wie die von Alex Hunter aus den letzten Jahren ist in diesem Jahr also nicht mit dabei. Wer nun FIFA Ultimate Team noch nicht kennt: Bei Ultimate Team handelt es sich um eine Art Sammelkartenspiel. Ihr stellt euch eure Mannschaft aus Spielerkarten zusammen. Diese Spieler bekommt man durch das Öffnen von Packs, die mit Echtgeld oder Ingamewährung gekauft werden können. Wertvolle Spieler können auf dem Transfermarkt verkauft und gekauft werden. Bei der Zusammenstellung der Teams muss man die Verbindung zu den direkten Nebenspielern beachten. So können Spieler ihr volles Potenzial ausnutzen, wenn direkte Mitspieler aus derselben Liga kommen oder die gleiche Nationalität haben. So baut man sich sein eigenes Team nach eigenem Wunsch auf. Neu bei FIFA Ultimate Team ist die Möglichkeit, dass man nun auch im Koop mit Freunden online oder gegen die CPU spielen kann. Das ging bisher immer nur lokal oder im normalen Online Season Modus außerhalb von FUT. Sonst wurde das Ranking von Division Rivals und Squad Battles gelockert und man kann nun das eigene Stadion deutlich detaillierter individualisieren, was der Atmosphäre dient, aber halt auch nur kosmetischer Natur ist. Insgesamt hat FUT aus meiner Sicht keine wirklichen Neuerungen bekommen, die dem Spiel einen gewissen Mehrwert bieten. Lediglich die Lockerung im Division Rivals und Squad Battles Modus machen es etwas angenehmer für Gelegenheitsspieler.

Fußballschuhe an den Nagel und ab ins Traineramt

Der Karriere Modus für die Manager Fans unter uns hat auch ein paar Neuerungen bekommen, die den Modus aus meiner Sicht nochmal interessanter machen. So kann man nun während der Spielsimulation zu jeder Zeit selbst in das Spiel eingreifen und nahtlos die Steuerung der Spieler übernehmen. Zusätzlich kann man auch während der Simulation die Taktiken der Mannschaft der aktuellen Situation anpassen. Ähnlich wie bei Ultimate Team können wir Spieler nun in gewisse Rollen schlüpfen lassen. Wie Mittelfeldmotor oder Knipser, was dem Spieler Attribut Boosts auf entsprechenden Kategorien gewährt. Zu guter Letzt gibt es nun auch eine Spielerform, welche dem Chemie-Wert von Ultimate Team sehr nahekommt. Alles in allem wurde der Karrieremodus um sinnvolle Funktionen erweitert und bringen noch ein wenig mehr Realismus in den Karrieremodus.

Was das Spiel wirklich ausmacht

Insgesamt ist das Spielprinzip von FIFA nach wie vor dasselbe und ich erspare mir jetzt hier zu erklären, wie Fußball geht, wobei FIFA und Fußball je nachdem auch zwei verschiedene Paar Schuhe sind. Was allerdings das Fußballgefühl fördert, sind die Flanken, denn diese haben wieder deutlich an Bedeutung gewonnen. Konträr dazu stehen aber neue Spielmechaniken wie beispielsweise das „Agile Dribbling“, womit der Ball bei einem dribbelstarken Spieler förmlich am Fuß klebt. Ehrlich gesagt ist diese Neuerung aber noch ziemlich unausgewogen und fühlt sich ein wenig übermächtig an. Auch wenn ich finde, dass EA in den letzten Jahren FIFA häufig gegen Ende eines Zyklus kaputt gepatched hat, hoffe ich hier, dass sie eine ordentliche Lösung finden.

Neu ist auch, dass man als einzelner Spieler nun auch den Spieler halten kann, der nicht den Ball hat. Dann übernimmt die AI die Steuerung des Ballführenden Spielers und per Knopfdruck können wir den Ball anfordern. Das funktioniert gerade bei Doppelpass spielen mit etwas schwierigerem Laufweg gut. Auch können wir freie Spieler nun aktiv per Knopfdruck aktiv nach vorne schicken. Hinzu kommt, dass wir bei einem vom Schiri gegebenen Vorteil nun selbst entschieden können, ob wirklich weitergespielt wird oder lieber der Freistoß aus gefährlicher Position gewählt wird. In der Verteidigung kann man sich nun per Knopfdruck versuchen zwischen Ball und Spieler zu schieben. Alles in allem hat EA hier viele sinnvolle Neuerungen gebracht die und an ein paar Stellschrauben gedreht, die mir die Hoffnung geben, dass dieser Teil besser als der Vorgänger wird.

Wirklich keine Änderung kann man in der Grafik beobachten. Wer das Spiel wie 90 % aus der normalen Tele Übertragung spielt, wird zwischen FIFA 20 und FIFA 21 grafisch einfach keinen Unterschied erkennen können. Hier bleibt abzuwarten, ob es auf der kommenden Konsolengeneration ein Update gibt, welches sich bemerkbar machen könnte. Insgesamt lief das Spiel aber während des gesamten Testzeitraumes auf der Xbox One X flüssig. Leider hat man aber scheinbar nicht nur die Grafik 1 : 1 kopiert, sondern auch bekannte Bugs. So gibt es gelegentliche Anzeige Fehler bei der Torschützen Darstellung oder aber in der Menüführung eine nicht mit scrollende Leiste. Bei der Vertonung sind auch das Kommentatoren-Duo Buschi und Wolff Fuss mit dabei. Leider werden auch die mit ihren Plattitüden schnell fad und häufig passen die Sprüche beziehungsweise die Kommentare nicht zum Spielgeschehen oder kommen deutlich zu spät. Dagegen können aber die Fangesänge in vielen Stadien einfach begeistern und auch die Inszenierung von Choreografien bringen diese großartige Fan-Atmosphäre, die aktuell im richtigen Fußball fehlt, ins Spiel. Schade das EA keinen Crossgen Play beziehungsweise ein Crossplay zwischen den verschiedenen Plattformen unterstützt. Immerhin können Spieler ihren Spielstand von FIFA Ultimate Team mit auf die neue Konsolengeneration mit nehmen. Das gilt aber leider nicht für die Spielstände aus dem Karrieremodus. Hier hat EA es irgendwie wieder verpasst eine kundenfreundliche Lösung zu finden. Immerhin gibt es das Update für Current Gen Besitzer auf die Xbox Series und auf die PlayStation 5 umsonst.

Fazit

Auf dem Papier hat FIFA 21 ein paar sinnvolle Neuerungen und auch das Gameplay entspricht einem Fußball Spiel, wie ich es mir aktuell wünsche. FIFA 20 als auch FIFA 19 sind aktuell einfach keine Option mehr, da beide Spiele über ihren Lebenszyklus in Spielgefühl mehr verschlimmbessert wurden. Die Copy Paste Bugs und das unausgewogene Gameplay im Agile Dribbling stoßen mir noch sauer auf und ich hoffe, dass man diese offensichtlichen Fehler noch korrigiert. Um also die eingehende Frage zu beantworten. Auf dem Papier zeigt EA viele Neuerungen, wirklich ins Gewicht fällt aber nur sehr wenig. Wodurch ich zu dem Schluss komme, dass sich FIFA 21 viel mehr wie ein Kaderupdate plus Gameplay Patch anfühlt, als ein wirklich neues FIFA. Der Fußball Fan kommt aktuell allerdings wohl kaum um FIFA 21 herum, wenn er mal wieder wirklich volle Stadien erleben will und vorangegangene Teile nicht besitzt. Ich für meinen Teil kann FIFA 21 für Fans empfehlen. Für die unentschlossenen sind die 10 Stunden Demo via EA Play vielleicht eine sinnvolle Investition bevor man den Vollpreis für den Titel hinlegt.

FIFA 21
Flanken haben wieder eine DaseinsberechtigungSinnvolle ergänzungen im Karriermodus
Baugleiche Fehler aus dem Vorgänger wurden übernommenBalancing vom Agile Dribbling unausgewogenKein Cross Gen oder Cross PlayWenig wirkliche Neuerungen
76%Gesamtpunktzahl
Präsentation (Grafik, Sound)76%
Story, Atmosphäre76%
Gameplay75%
Multiplayer76%
Spielspaß78%
Leser Bewertung 0 Stimmen
0%