Zur E³ 2015 konnte Electronic Arts zur Überraschung vieler vor allem mit dem 2D Plattformer Unravel punkten. Einem künstlerisch aber auch spielerisch überzeugenden Indie-Titel vom schwedischen Studio Coldwood Interactive. Zwei Jahre später stach mit Fe erneut ein Spiel von einem schwedischen Independent Studio hervor. Der unter dem EA Originals Logo erschienene Titel ist ein ganz anderes Spiel als Unravel. Ähnlich wie die Kollegen dürften Zoink Games allerdings von der Finanzierung durch EA profitiert haben. Ob Electronic Arts im Austausch dafür auch ein gutes Spiel veröffentlichen könnte, verrät der Test.

Singstar

Fe kann man am besten als eine Mischung aus 3D Plattformer/Action und Adventure bezeichnen. Die oft eher geradlinige, aber immer wieder verzweigte Umgebung dürfen wir dabei zwar frei erkunden, nach altbekanntem Rezept müssen wir aber erstmal nach und nach passende Fähigkeiten freischalten.

Eine der Besonderheiten von Fe, die wir praktisch umgehend kennen lernen, ist, dass wir uns mit Tieren per Gesang anfreunden und auch hilfreiche Pflanzen oder bestimmte Ereignisse per Gesang aktivieren können. Praktischerweise braucht es dafür kein Mikrofon, Fe singt per Druck auf die rechte Schultertaste. Das Feintuning erfolgt auf Switch dabei per Controllerneigung, auf den großen Konsolen reicht es, den Analogtrigger in der richtigen Position zu halten.

Auch unsere Fähigkeiten lernen wir zumindest teilweise so. Da scheint der Weg beispielsweise erstmal versperrt und wir müssen erstmal einen scheuen Hirsch ansingen, der dann große Blumen aktiviert, die uns schweben lassen. Hat man den passenden Gesang gelernt, kann man betreffende Pflanzen auch selbst aktivieren. Auch die Fähigkeit Bäume zu erklimmen, gibt uns natürlich viele neue Wege frei, haben wir dann noch eine Gleitfähigkeit erlernt, kann man das Grünzeug zu noch umfangreicheren Erkundungen nutzen.

Kleiner Gandhi

Fe ist ein friedlicher Zeitgenosse. So friedlich, dass er sich nicht gegen seine Gegenspieler wehrt, die anscheinend unsere Welt zerstören. Die Zyklopenwesen, die mich aus irgendeinem Grund an die Machinenwesen aus Nausicaä oder auch Laputa erinnerten, werfen mit ihrem einen Auge einen praktischen Lichtkegel. Geraten wir in diesen, haben wir nur wenige Momente, die Sichtlinie zu unterbrechen. Andernfalls werden wir in eine mysteriöse Blase gesperrt. Was bedeutet, dass wir ‚sterben‘ und am letzten Checkpoint starten. Jene sind allerdings gar nicht selten und fair gesetzt.

Es gilt also, die Zyklopen und weitere Gegner zu umgehen. Das kann durchaus schon mal anspruchsvoll werden, ist aber eigentlich immer gut schaffbar.

Generell kommt Fe, sieht man mal von einer Zielmarkierung und der auf Tastendruck aufrufbaren Karte ab, ohne visuelle Hilfen aus. Obendrein ist die Zielmarkierung abschaltbar. Solltet ihr auch auf die Zielmarkierung verzichten wollen, lässt sich im Zweifelsfall ein Vogel als Wegweiser herbeisingen. Ob ihr alles selbst sucht oder euch die eine oder andere Hilfe zunutze macht, hat dabei vielleicht die größten Auswirkungen auf die Spieldauer. Spielt ihr mit Zielmarkierung und Karte dürftet ihr das Ende nach sechs bis sieben Stunden sehen.

Die Lichter des Waldes

…haben gewisse Parallelen mit den Lichtern der Großstadt. Die stilisierte Landschaft von Fe verbindet dunkle Töne mit fast schon neonfarbenem Leuchten. Das gibt den eigentlich sehr geometrischen Polygonmodellen von Fe einen ganz eigenen Look. Samt vieler kleiner Details, selbst beim auf Switch leicht zurückgenommenen Detailgrad, kann Fe hier eigentlich wirklich überzeugen. Warum eigentlich? Tatsächlich ist der Look des Spiels auch durchaus mal in der Lage, nach einiger Zeit mit seinen Farbkombinationen zu nerven. Als ob man die ganze Zeit auf Negative starren würde. Der ein oder andere wird dadurch vielleicht auch eher abgeschreckt werden. Dennoch schafft Fe ein künstlerisch stimmiges Gesamtbild, das im Laufe des Abenteuers auch immer wieder neue Akzente und das ein oder andere Highlight setzen kann. Dazu gehört unter anderem auch ein riesenhaftes Waldwesen, das dezente Erinnerungen an Shadow of the Colossus weckt. Auch die primären Farben wechseln immer wieder, von anfänglich eher blau und teils lila wechseln wir z. B. in Areale, die von gelb und orange dominiert sind.

Im gedockten Modus kann es auf der Switch übrigens eher zu Rucklern kommen als im Handheld-Modus. Auch Treppchenbildung, für die der Look anfällig ist, fällt auf dem Switch Screen weniger auf als auf großen Fernsehern.

Logischerweise kommt Fe ohne Dialoge aus. Von unserer eigenen, zugegeben manchmal enervierenden Singerei und der anderer Lebewesen mal abgesehen, gibt es natürlich passende Umgebungsgeräusche. Das oben erwähnte Riesenwesen verursacht beispielsweise entsprechend wuchtige Schritte. Insgesamt wirkt die Soundkulisse schlicht sehr passend. Wirklich überzeugen kann auch die Musik, die einen klaren Schwerpunkt auf Streichinstrumente wie Cello und Violine setzt, auch wenn Synthie-Klänge und Glockenspiel ebenfalls eine Rolle spielen. Der fast durch die Bank weg eher ruhige und meist fließende Soundtrack trägt einen Großteil zur traumartigen Atmosphäre bei, mal geerdet, mal überirdisch.

Licht und Schatten

Die passiven Kräfte befreundeter Wesen zu nutzen oder auch neue Fähigkeiten zu lernen und die Welt von Fe Stück für Stück zu erkunden, macht definitiv schon Spaß. Auch wenn das Spiel letztlich oft eher geradlinig ist. Die Welt von Fe macht neugierig und sie präsentiert sich mit einem funktionierenden Ökosystem, in dem alles irgendwie miteinander verzahnt ist.

Leider hat Fe aber auch den ein oder anderen Haken. Da wäre an allererster Stelle die Steuerung. Die ist zwar bei weitem keine Katastrophe, sie gibt aber auch oft wenig Feedback und fühlt sich irgendwie sehr indirekt an. Auch die ein oder andere Entscheidung wirkt hier etwas seltsam. So ‚hüpfen‘ wir uns Bäume hoch und müssen an der Spitze entsprechend aufpassen, dass wir nicht versehentlich in eine Richtung runter springen, in die wir gar nicht wollten.

Unterm Strich ist Fe oft auch eindimensionaler und simpler gestrickt, als nötig gewesen wäre. Das betrifft teilweise den Aufbau der Spielwelt, teils aber auch unsere Interaktionen mit jener und ebenso die Art, wie Fe Dinge lernt.

Dem gegenüber steht wiederum die gelungene Handlung, die sich, auch ganz ohne Worte, nach und nach ergibt. Als künstlerische Erfahrung kann Fe letztlich jedenfalls mehr überzeugen als auf spielerischer Ebene, auch wenn diese kein Totalausfall ist.

Fazit

Zahl darunter und fertig, das funktioniert mal problemlos und mal sehr schlecht. Fe ist einer der Fälle, in denen die Prozentwertung der Sache nicht ganz gerecht wird. Auf spielerischer Seite hat Zoink Games aktueller Titel einfach seine Schwächen. Auf der anderen Seite ist die Art, wie die Welt und Handlung aufgebaut ist, einfach gelungen. Das trifft auch auf die audiovisuelle Seite zu. Die Musik von Fe fand ich einfach extrem stimmig und wirklich gut. Sie kann auch problemlos für sich selbst stehen. Dem steht eine Grafik gegenüber, die in sich absolut stimmig ist, aber vielleicht auch nerven kann. Das ging mir jedenfalls zumindest sporadisch so. Trotzdem ist Fe eine gelungene Erfahrung, auf künstlerischer Seite aber eher als auf spielerischer.

Fe
78%Gesamtpunktzahl
Grafik/Präsentation83%
Story/Atmosphäre84%
Gameplay68%
Spielspaß75%
Leser Bewertung 0 Stimmen
0%