Everspace im Test – Ein Roguelike allein im All

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Wer unser Preview zu Everspace gelesen hat, der weiß, dass Entwickler Rockfish Games bereits reichlich Erfahrung mit Weltraumballereien hat. Allerdings nicht auf Heimkonsolen sondern auf Smartphones. Hinter Everspace steckt niemand geringeres als ehemalige Galaxy on Fire Macher. Und die Reihe gilt im Smartphonesektor als richtig gut. Aber wie jeder vorurteilsbelastete Controllerjockey natürlich ganz genau weiß, sind Smartphone ja Fuchtelkram und keine richtigen Spiele, oder?. Kann Everspace da überhaupt gut sein?

Wo komm ich her, wo geh ich hin?

Das und mehr fragt sich unser Protagonist weniger, nicht weil er sich tiefgründige, philosophische Fragen stellt, sondern weil er sein Gedächtnis weitgehend verloren hat und sich nur noch an Fragmente erinnert. Praktisch, weil das unserem vorwitzigen Bordcomputer Grund gibt, allerhand zu erklären. Auch ganz gut, weil dieser erklärt warum wir nach jedem Ableben wieder von vorne starten statt auf immer im Jenseits zu verweilen. Sieht man davon ab gibt die Story leider nicht all zu viel her. Wichtiger ist da schon, dass es Outlaws und Okkar eigentlich immer auf uns abgesehen haben, die Outlaws aber meist deutlich schwächer sind. G&B Einheiten dagegen von Haus aus neutraler Gesinnung sind, manchmal Hilfe anfragen, auf Beschuss unsererseits aber äußerst unfreundlich reagieren. Einigermaßen ergiebig sind die immer trockenen, manchmal aber auch sehr launigen Anmerkungen des Bordcomputers, der unserem Protagonisten Fragen beantwortet, aber auch allgemeine Kommentare abgeben kann. Alles in allem bleibt die Handlung dennoch sehr blass, die Stärke von Everspace liegt eher anderswo.

Rogue One

Alles in allem folgt Everspace ziemlich klar dem Rogueprinzip, nur eben samt Spaceshooter Spielmechanik. Jedes Sonnensystem wird immer neu generiert. Vorweg: Das hat auch in der finalen Fassung einen klaren Haken, nämlich das Balancing des Schwierigkeitsgrades. Es kann durchaus passieren, dass ihr ziemlich direkt von einer kompletten Okkar Staffel attackiert werdet. Oder man kann den kompletten ersten Sektor mit Ressourcen sammeln und Abballern einiger weniger Outlaws absolvieren. Allerdings gleicht Everspace das ganz gut dadurch aus, dass wir erspielte Goodies ebenso so wie Bares behalten und so nach dem Tod eines Klons unser Schiff upgraden können. Außerdem darf nach wie vor zwischen drei Schwierigkeitsstufen gewählt werden, wobei Spieler auf den höheren Stufen mehr Credits verdienen. Da ein kompletter Durchlauf auch in einer Stunde machbar ist, sofern wir eben nicht vorzeitig ableben und jeder Durchgang anders ist bleibt der Wiederspielwert ziemlich hoch. Fleißige Creditsparer dürfen sich dabei auch über weitere Jägertypen freuen, den leichten Scout und das schwere Gunship.

Fliego-Shooter

Auf Kontrollseite bietet Everspace keine typische Spacesim Kost. Auf gar nicht mal so unrealistischer Weise kann unser Jäger nach links und rechts strafen. Und auch nach oben und unten. Das erinnert mehr an Descent als an Wing Commander oder X-Wing. Und es fühlt sich nach gewisser Eingewöhnung tatsächlich mehr nach einem Shooter in drei Dimensionen an. Mit dem klassischen Looping kommen wir nicht wirklich weit, auf den ersten Blick bringen Ausweichen und reaktionsschnelles Draufhalten mehr. Tatsächlich ist es mit ausreichend Übung aber auch machbar, einen Looping mit klassischem Circlestrafing zu kombinieren und andere Manöver auszudenken. Klassische Dogfight Stimmung mag so vielleicht nicht aufkommen, dennoch können die Weltraumkämpfe ziemlich viel Spaß machen. Zumindest solange man nicht gerade auf dicke Fische wie eine Okkar Corvette trifft. Diese mögen zwar die kleinsten unter den großen Schiffen sein, stellen in Everspace für unvorsichtige Jagdpiloten aber eine tödliche Gefahr dar. Leichte Beute sieht anders aus.

Hier kommen auch die abwechslungsreichen Umgebungen zum Tragen. Asteroiden aller erdenklichen Formen, manchmal auch ein ganzes Feld nadelspitzer Steinhaufen, kleine, große und dank Löchern durchfliegbare, solche mit, bisweilen feindlicher, Basisstation und so weiter. Davon ab bieten die einzelnen Sonnensysteme vom anscheinend bewohnbaren Planeten über beringte Gasriesen bis zu elektrischen Ladungen und Gaswolken reichlich Abwechslung.

Mining mal anders

Ziemlich einfach ist der Ressourcengewinn. Treibstoff lässt sich bei Wracks ebenso finden wie bei abgeschossenen Feinden. Erze, Kristalle und dergleichen lassen sich dagegen schlicht und ergreifend aus der Rohstoffquelle schießen. Rausballern, einsammeln, fertig. Plasma kann einfach so an den passenden Stellen gesammelt werden. Credits bekommt man obendrein auch noch beim Ableben. Dabei gibt es zwar mehr Kohle, je mehr Gegner man abserviert hat und je weiter man gekommen ist. Aber auch wenn man frühzeitig abgeballert wird ist zu Spielbeginn das ein oder andere Upgrade drin.

In der Praxis heißt das natürlich auch, dass der Fokus ganz klar auf Action steht. Wer ausgiebig handeln und entdecken will, der dürfte bei anderen Titeln besser aufgehoben sein. Wer dagegen lieber Waffen sprechen lässt, der ist bei Everspace genau richtig.

Space mit Style

Natürlich hat Everspace bei der Präsentation auch eine Schwäche. Nämlich die Musik. Die ist nämlich schlicht und ergreifend belanglos. Sie stört nicht unbedingt, bleibt aber ganz sicher nicht hängen. Erfreulicherweise war es das dann aber auch schon. Sämtliche Soundeffekte sind zumindest angemessen und passend, wenn nicht sogar gut. Die vorhandenen Dialoge sind sauber eingesprochen. Vor allem aber kann Rockfish Games bei der Optik fast durch die Bank weg punkten. So läuft Everspace immer flüssig, auch wenn uns ein ganzer Haufen Outlaws auf den Fersen ist, Und es sieht so ziemlich immer gut bis wirklich schick aus. Dabei stimmt meist auch der Abwechslungsreichtum der Kulissen. Könnten es ein paar verschiedene Schiffstypen mehr sein? Sicher. Auch Asteroidenbasen sehen sich meist sehr ähnlich. Überhaupt kann die ein oder andere Textur aus allernächster Nähe auch mal etwas matschig aussehen. Alles in allem präsentiert sich Everspace optisch aber sehr rund und vor allem stimmig.

Above and Beyond

Nein, Everspace ist nicht perfekt. Manch einer könnte sogar enttäuscht sein, weil es eben kein typischer Weltraumshooter alter Schule ist. Da die prozedural generierten Systeme auch deutlichen Einfluss auf den Schwierigkeitsgrad haben mag der Einstand mal sehr leicht, mal ziemlich schwer fallen. Letzteres gleicht sich auf Dauer aber aus. Unterm Strich ist Everspace damit ein sehr eigener, wirklich spielenswerter Roguelike und ein Titel der sich immer wieder mal für eine schnelle Runde zwischendurch eignet und das sogar sehr gut.

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Everspace
Präsentation (Grafik, Sound) 84%
Gameplay 81%
Atmosphäre/Story 70%
Spielspaß 85%
80%
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Mal schnell einen Durchgang machen. Wer das will, der ist bei Everspace ziemlich sicher richtig. Für ne schnelle Runde zwischendurch ist Rockfish Games Kombi aus Roguelike und Weltraumaction einfach ideal. Wer allerdings fein ausgearbeitete Story und perfektes Missionsdesing erwartet, der wird hier weniger glücklich. Wer auf schnelle, launige Action aus ist kann dagegen locker glücklich werden.

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About The Author

1986, ein strahlender Sommer, ein Freund mit VCS, Schwarzweißfernseher, Space Invaders und Pacman. Seitdem lässt mich das Thema Telespiele nicht mehr los, egal ob Game Boy, Amiga, PlayStation, Xbox oder Wii U. Nicht mal vor dem PC hab ich halt gemacht. Einzig von Sportspielen lass ich generell die Finger.

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