Cobalt im Test – Nerdiger Roboter-Action-Klamauk

936 0

Als Microsoft im September 2014 bekannt gab, dass man für die stolze Summe von 2,5 Milliarden Dollar den Minecraft-Erfinder Mojang gekauft hat, staunten viele Zocker erstmal nicht schlecht. Presse und Fans standen diesem Deal gegenüber zu weiten Teilen äußerst skeptisch gegenüber. Der gezahlte Betrag erscheint gigantisch und Mojang hatte bis dahin auch eben „nur“ Minecraft zustande gebracht. In der Musikbranche nennt man dieses Phänomen One Hit Wonder, doch ob dies auch auf Mojang zutreffen würde, konnte man zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich absehen. Man wusste jedoch, dass Minecraft schon einige Tage auf dem virtuellen Buckel hatte und so vermuteten viele, dass der Kauf wegen des Hypes zu spät kam. Jetzt, Anfang 2016 hat uns die Geschichte eines besseren Belehrt. Minecraft ist beliebt wie eh und je und Microsoft verdient an jeder Version und jedem Stück Merchandise bares Geld. Doch heute geht es nicht um Minecraft, sondern um ein Werk der Oxeye Game Studios und Fatshark, in dem Mojang als Publisher fungiert – die Rede ist von Cobalt.

Einzelspieler auf der Suche nach Kolonisten

Screenshot-Cobalt-03In diesem Microsoft exklusiven 2D-Titel schlüpft ihr in die Rolle des kleinen kugeligen Agenten-Roboters Cobalt, der auf einem Kolonie-Planeten das Verschwinden der menschlichen Bevölkerung aufklären soll. Im Laufe des Spiels erfahrt ihr mehr darüber, weshalb die Menschen verschwunden sind, weshalb sämtliche Roboter das Feuer auf euch eröffnen und was der ganze Sachverhalt mit den ominösen Alien-Artefakten zu tun hat. Die Geschichte von Cobalt selber wird mit reichlich schwarzem Humor präsentiert: die Kommunikation mit der Schiff-KI gestaltet sich zum Beispiel eher albern, als seriös und Cobalt selber hat immer einen blöden Spruch auf den (nicht vorhandenen) Lippen. Die Kampagne könnt ihr erfreulicherweise entweder alleine, oder auch solidarisch mit einem (menschlichen) Robo-Kumpel im Co-op-Modus in Angriff nehmen. Schöner Pluspunkt. Das Spiel verfügt über ein recht vernünftiges Crafting-System. Verpasst euren Ballermännern und eurer Ausrüstung Updates oder baut sogar komplett eigene Kreationen aus Bauplänen, die ihr unterwegs findet.

Fingerknoten

Screenshot-Cobalt-06Cobalt setzt beim Gameplay primär auf skill-basierte Kämpfe in 2D. Skill-basiert deshalb, weil unser kleiner Blechdosen-Freund, trotz 2D-Limitation, einige Moves auf dem Kasten hat und ihr daher unbedingt das Tutorial spielen solltet. Gehört der Doppelsprung eher zur Standard-Bewegung eines Sidescroll-Helden, ist der Rest der Palette schon eher was für die geübtere Spielnatur. Feindliche Schüsse wehrt ihr beispielsweise mit einer beherzten Rolle ab. Trefft ihr die Projektile mit gutem Timing, segeln diese auch gleich ihrem ursprünglichen Absender entgegen. Zielen könnt ihr entweder manuell, was sehr umständlich ist oder ihr nutzt die eingebaute Automatik. Dazu drückt ihr den linken Stick nach oben oder nach unten, womit ihr in den Schleich-Modus wechselt. Manche Feinde setzen anstatt auf Kugeln, jedoch auf explosive Geschosse oder Granaten. Dann ist schnelle Reaktion gefordert. Wechselt von Schusswaffe zum Nahkampf und schlagt die Granate einfach zurück. Raketen zurückschlagen ist ebenfalls möglich, erfordert aber genaues Abpassen des Geschosses. Misslingt der Versuch, startet ihr beim letzten Respawn-Punkt. Das ist wichtig, denn Versuche werdet ihr einige brauchen. Das Spiel ist gleich ab dem zweiten Level recht hartnäckig, wenn es darum geht euch bzw. den kleinen Cobalt auf den Schrott zu schicken. Schuld daran ist, neben dem von Haus aus hohen Schwierigkeitsgrad, die etwas komplizierte Steuerung. Feinde sind hier in der Regel eben auch kein Kanonenfutter, sondern wissen sich durchaus zu wehren.

Kompliziert wie ein Roboter

Screenshot-Cobalt-04So versucht ihr all eure gelernten Aktionen bestehend aus Doppelsprüngen, Ausweichmanövern und Waffenbeherrschung zu kombinieren um nicht dauernd im Altmetall zu landen. Gleichzeitig ist euer Denkapparat gefordert, da ihr entsprechend schnell auf die gegnerischen Angriffe reagieren müsst. Denn für jedes Angriffsmuster gibt es den entsprechenden Konter. Stylischer Nebeneffekt: In besonders heiklen Situationen aktiviert sich eine Bullet Time, die das Spielgeschehen verlangsamt. Nun habt ihr bessere Möglichkeiten eure Rolle einzusetzen oder eben explosive Attacken zurückzuschleudern. Zu allem Überfluss könnt ihr selber noch verschiedene Granaten, Minen oder Molotov-Cocktails werfen. Leider sind Nahkampf und eben der Wurfeinsatz eurer Sprengsätze nicht bequem per Knopfdruck möglich. Zum Nahkampf wechselt ihr auf der Xbox mit X und die Granaten nehmt ihr mit B in die Hand. Zurück zum Schießeisen geht es mit Y. Aktivieren tut ihr alle Attacken schlussendlich mit RT. Ihr merkt vielleicht schon beim Lesen: Die Steuerung ist etwas überladen bzw. erfordert viel Eingewöhnungszeit. Mit ein bisschen rumspringen und lustig umher schießen kommt ihr bei Cobalt nicht weit. In den Kämpfen müsst ihr sämtliche Fertigkeiten kombinieren um aus den Roboter-Duellen als Sieger hervorzugehen.

Dellen im Blechschädel

Screenshot-Cobalt-02Apropos Sieger. Heimlicher Star des Spiels ist der Multiplayer-Deathmatch-Part des Spiels. Hier treten Solokrieger oder Teams in Arenen gegeneinander an und küren auf diese Weise die neuen Robo-Champions. An zahlreichen Modi sparten die Entwickler bei den Oxeye Game Studios ebenfalls nicht. Neben dem klassischen Deathmatch und Team Deathmatch, gibt es eine abgedrehte Ballsportvariante, Capture the Plug und sogar einen kooperativen Horde-Modus. Die Duelle gegen die menschlichen Mitspieler sind dabei überraschend abwechslungsreich und gleichzeitig rabiat. Oft taktieren die letzten zwei Überlebenden recht lange und planen ihr Vorgehen bis ins kleinste Detail. Teils stürmen sie aber auch Hals über Kopf ineinander bis einer den Kürzeren zieht. Taktische Raffinesse bietet das Spiel, da ihr im Multiplayer für Abschüsse und Rundenergebnisse Geld bekommt. Von diesem Geld lassen sich verschiedene Roboter-Klassen kaufen. Der Jäger beispielsweise ist eher leicht gepanzert und besitzt nur eine Pistole, ist dafür aber äußerst agil und wendig. Der Schildträger ist recht behäbig unterwegs, jedoch von vorne quasi unbesiegbar. Mein Favorit „Maschine“ stürzt sich mit einem Schnellfeuergewehr in die Schlacht und teilt damit ordentlich aus. Dafür ist seine Anschaffung recht teuer und viele Treffer hält er auch nicht aus. Online läuft die Keilerei schon sehr ordentlich, ihre Stärken liegen aber eher im Couch-Co-op, da dort die Schadenfreude eben direkt wahrnehmbar ist.

Oldschool-Optik liegt im Trend

Screenshot-Cobalt-05Technisch wird es für Cobalt schwer wirklich zu brillieren. Oxeye Game Studios setzt auf den charmant modernen „Pixel-Look“ und fährt damit eine relativ sichere Schiene. Die Areale der Kampagne sind abwechslungsreich und die Umgebungen sind detailliert ausgearbeitet und wirken authentisch. Framerate-Probleme werdet ihr bei Cobalt nicht finden, dafür sind die Anforderungen des Spiels zu niedrig. Soundtechnisch haben euch die Entwickler aus Schweden, passend zum Roboter-Thema, einen feinen Mix aus elektronischer Musik zusammengestellt. Audiovisuell liefert das Spiel damit eine brauchbare Figur ab.

 

Total 0 Votes
0

Tell us how can we improve this post?

+ = Verify Human or Spambot ?

Cobalt (Xbox One)
PRÄSENTATION (GRAFIK, SOUND) 75%
GAMEPLAY 75%
SPIELSPASS 74%
MULTIPLAYER 80%
76%
Readers Rating 0%
0 votes

Cobalt ist in der Kampagne ein knallharter 2D Action-Plattformer mit einer recht komplexen Steuerung, die einiges an Übung erfordert. Doch nicht nur die Steuerung behindert den Spielfluss. Fies platzierte Gegner, eine steile Lernkurve und wenige Leben erschweren euch das Weiterkommen bei der Suche nach den Kolonisten. In den Missionen selber löst ihr kleinere Schalter-Rätsel und verstrickt euch öfter bei der Suche nach dem richtigen Weg. Seine Stärken spielt der Titel im Multiplayer aus. Hier erfreut ihr euch nach ein paar Runden an den herrlich chaotischen Duellen gegen Online-Kontrahenten auf der gesamten Welt. Mehr Spaß macht es natürlich Cobalt gemeinsam mit ein paar Kumpels auf dem heimischen Sofa zu spielen. Ob nun kooperativ die Kampagne zocken oder sich gegenseitig im Deathmatch an die Metall-Gurgel gehen – beides wird für ein paar Lacher sorgen. Reine Solospieler sollten sich die Anschaffung schon etwas genauer überlegen. Habt ihr einen oder mehrere Kumpels zur Hand, lohnt sich Cobalt definitiv schon eher.

About The Author

Einen großen Teil meines Lebens verbringe ich nun an den Pads von allerlei Konsolen. Angefangen hat damals alles mit dem NES und zieht sich bis heute zur Xbox One. Gespielt habe ich in der Zeit auf allen gängigen Nintendo, Sony und Microsoft Konsolen. Am liebsten spiele ich Shooter, Rennspiele, Action-Adventures und Rollenspiele. Einmal im Monat werden aber auch die alten Kisten ausgepackt und es ist Retro-Abend in geselliger Runde.

Keine Kommentare on "Cobalt im Test – Nerdiger Roboter-Action-Klamauk"

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.