Rund fünf Jahre ist es her, dass ein neuer Borderlands Teil in die Händlerregale gekommen ist. Das Warten hat nun ein Ende und beschert uns den dritten Teil der Reihe. Natürlich steht im Fokus des Spiels wieder der Loot, aber es soll auch eine Geschichte weitererzählt werden. Was nun der neue Teil besser macht als die Vorgänger erzähle ich euch im Test. 

Influencer 

Schon seit mehreren Jahren wird die Medienwelt, gerade im Bereich Internet, durch Influencer geprägt. Das scheint soweit zu gehen, dass auch die Kalypso Zwillinge unter die Streamer gehen, um mit ihren Schandtaten und der Suche nach den großen Kammern auf sich aufmerksam zu machen und neue Anhänger für ihren Kult anzuwerben. Natürlich passt das den Kammerjägern so gar nicht und es finden sich alt bekannte darunter. Allen voran Claptrap und Lillith die uns direkt zu Beginn des Spieles quasi mit offenen Armen willkommen heißen. Beide kennt man bereits aus dem allerersten Borderlands Teil und haben seitdem auch immer wieder eine Rolle in den Nachfolgern. Dass sich eine Rebellion gegen den Kalypso Kult zusammen rottet, gefällt den Zwillingen aber natürlich so überhaupt nicht und da schlägt man der Schlange am besten direkt den Kopf ab. Gesagt, getan schnappen sich die zwei Anführerinnen Lillith und berauben sie ihrer Sirenenkräfte und enttarnen sich dabei selbst als Sirenen. Diese Geschöpfe haben in Borderlands aufgrund ihrer magischen Fähigkeiten schon immer einen hohen Stellenwert eingenommen. Durch die „Verkrüppelung“ Lilliths werden wir zur Speerspitze der Rebellion und machen uns auf, die Anführer und ihren Kult aufzuhalten. Borderlands 3 hat hier aber ein großes Problem, und zwar der Schatten seiner Vorgänger. Mit Borderlands 2 und Handsome Jack hat Gearbox einen der kultigsten Antagonisten geschaffen und diesen noch zu übertreffen, ist zwar gesetztes Ziel, das war es dann aber auch. 

Versteht mich nicht falsch! Die Kalypso Zwillinge treffen bei mir durchaus Anklang, da ich selbst nur sehr wenig mit Influencern und die produzierten Inhalte anfangen kann. Nichts desto trotz sind der leichte Wahnsinn den ein Konzernchef Handsome Jacks mitschwingt damit nicht erreichbar. Alles in allem wurden hier solide und absolut konsequente Gegner geschaffen, die mit Skrupellosigkeit aber nicht dasselbe Ergebnis erreichen können. Cool ist es aber für eingefleischte Fans der Reihe, wie viele alt bekannte Charaktere in dem Spiel wieder mit dabei sind. Neben schon genannten trifft man Buck, Sir Hammerlock, Mad Moxxi oder auch Maya wieder. Es ist insgesamt auch viel Fan Service dabei. 

Ich will das da machen!

Zu tun gibt es natürlich wieder reichlich. Nebenmissionen, Gebietsherausforderungen und natürlich jede Menge Loot. Die Hauptstory allein unterhält im ersten Durchgang, wenn man sich rein darauf fokussiert, für ungefähr 20 bis 25 Stunden. Mit den ganzen Nebenmissionen und Gebietsherausforderungen drum herum kommt da noch deutlich mehr hinzu. Und gerade die Nebenmissionen lohnen sich, kann man da doch die ein oder andere witzige Geschichte verpassen. So gibt es einen Stadtkampf, in dem der Gewinner eine Nacht mit einem elektrisierenden Bazillionär gewinnen kann oder nehmen an einem Quiz teil, wo es bei jeder falschen Antwort ein wenig kribbelt. Überhaupt hat man sich im Design der Nebenmissionen auch der ein oder anderen Filmvorlage bedient und es macht einfach Spaß diese zu entdecken. Und hier liegt auch die Stärke des Missionsdesigns, denn würden wir uns auf das Tuen beschränken, heißt es lediglich: Drücke Schalter hier, Töte Leute da, Sammle X Gegenstände oder laufe zu diesem Punkt. Alles in allem ziemlich dünn. Aber wer Borderlands kennt oder die meisten anderen Lootshooter, weiß, dass es darum nur in der Nebensache geht. Die Aufmachung und wie Gearbox die Missionen verkaufen machen einfach Spaß und Lust auf mehr. Der krude Humor und die Art und Weise der Erzählungen sind einfach stimmig. 

Aber auch die abwechslungsreichen Settings durch die verschiedenen Planeten, auf denen wir uns durch alles Ballern was sich uns in den Weg stellt, machen ihr Werk. Das altbekannte und recht wüstenähnliche Pandora ist da nur ein Teil. So gibt es noch einen Jungleplaneten oder ein Planet, der an tibetanische Mönchskloster erinnert und mehr. Bereisen tun wir all diese Planeten mit der Sanctuary 3. Das Raumschiff ist nach der Stadt benannt, wo auch schon im 2. Teil die Rebellion gegründet wurde. Das Schiff fungiert als Hubwelt wo viele der bekannten NPC’s ihr zuhause haben. Hier könnt ihr euer Inventar aufrüsten um mehr Munition, Granaten oder Waffen tragen zu können. In eurer Kabine könnt ihr sogar die besten Bleispritzen neben anderen Dekorationsgegenständen zur Schau stellen, welche dann von Partymitgliedern bewundert werden können. Wem der Inhalt vom Hauptspiel aber noch nicht genügt, der kann sich auch mit vier Leuten in den Arenakampf und Welle um Welle für den dicksten Loot besiegen. Die Arenakämpfe sind allerdings ziemlich anspruchsvoll und nichts für Neulinge. Die Gruppe muss hier möglichst gut mit einander taktieren um nicht überrannt zu werden. Als dritte Aufgabe gibt es noch das Herausforderungsgelände. Hier müssen wir uns möglichst schnell durch Gebiete ballern. Schaffen wir es ein Zeitlimit zu unterbieten gibt es extra Belohnungen. Während der Hordemodus immer nur mit einer vollen Gruppe spielbar ist, kann man letzteres auch alleine spielen. Hat man die Mainstory einmal durchgespielt, können wir ein “Neues Spiel +” starten. Hier bleibt, wie üblich für den Modus, Level und Ausrüstung des Charakters erhalten. Ich habe im ersten Durchgang nicht geschafft, die Levelgrenze von 50 zu erreichen, habe aber auch einige Nebenmissionen liegen lassen um einen früheren Blick auf das Endgame zu bekommen. Beim Start des „Neues Spiel +“ werden alle Missionen vom Level her angepasst und wir können uns erneut in ein herausfordernderes Abenteuer stürzen. Wem das noch nicht genug ist, kann auf der Sancturay 3 eines von drei Chaosleveln aktivieren. Dadurch werden die Gegner nochmal stärker aber auch die Belohnungen werden deutlich besser und das ist ja schließlich die Hauptsache.  

Hauptsache der Preis stimmt!

Wer die Borderlands Reihe kennt, wird sich im Gameplay sofort zurechtfinden. Ein paar Neuerungen sind allerdings schon dabei. Die natürlich immer im Mittelpunkt stehenden Waffen haben weitere unterschiedliche Variationen bekommen. So werden manche Waffen beim Nachladen einfach zum Boomerang oder laufen mit Beinen selber noch kurz schießend durch die Gegend. Ganz neu haben die Waffen jetzt häufig einen alternativen Feuermodi. Ein Scharfschützengewehr hat einen Schrotflintenmodus oder eine Pistole schießt kleine Raketen. Der beste Mix ist allerdings zwei verschiedene Effekttypen wie Brand- oder Eisschaden. So können die vier verfügbaren Waffenslots sehr vielfältig genutzt werden um wirklich gegen jeden Gegnertypen ein passendes Mittelchen zu haben. Hinzu kommt, dass die Charaktere nun agiler werden. Dadurch, dass sie über den Boden rutschen können oder nun endlich Kanten greifen, bewegen wir uns deutlich flotter über das Schlachtfeld. So rutschen wir um Deckungen, um dahinter befindliche Gegner mit der Schrotflinte eine ordentliche Ladung auf den Pelz zu brennen oder klettern schnell auf ein paar Container, um eine bessere Schussposition erreichen zu können.  

Die vier verschiedenen Charakterklassen sind vom Spielerischen sehr unterschiedlich zueinander und erstmals haben wir mit Fl4k eine echte Pet-Klasse in der Party. Die drei Talentbäume der verschiedenen Charaktere unterscheiden sich immer extrem zueinander, können aber meist auf Angriff, Defensiv und Support ausgelegt werden. Jeder Talentbaum bringt zudem seinen eigenen Actionskill mit, was auch wieder mehr Tiefe in die Verteilung der Skillpunkte in den Bäumen bringt. Die Actionskills können dabei auch wie eine Waffe über das Menü gewechselt werden. Einzig Agent Zane kann auf Kosten des Granatenslots einen zweiten Actionskill gleichzeitig ausrüsten. Gunner Moze entscheidet über die Actionskills die Bewaffnung ihres Mechs. Fl4k kann aus einem Handgemänge verschwinden oder mit zusätzlichen Tieren angreifen und Sirene Amara hat verschiedene Phasenangriffe, welche sie auf ihre Gegner hetzt. Hier gab es insgesamt noch nie so viel Abwechslung, was auch deutlich häufiger mal zu einer kompletten Neuverteilung der Skillpunkte führen kann, weil alle Systeme sehr interessant sind. 

Auch gibt es ein paar neue Komfortfunktionen. So kann man sich jetzt von jedem Ort per Schnellreise an eine Station oder sogar sein stehen gelassenen Fahrzeug beamen. Das erspart einiges an Laufarbeit, musste man früher noch zu einer der Stationen laufen. Aber auch im Multiplayer kommen sinnvolle Neuerungen. So können wir jetzt komplett Level unabhängig gemeinsam spielen. Die Gegner werden instanziell für den jeweiligen Spieler angepasst und das wirkt sich so aus, dass man den Level seines Mitspielers gar nicht kennen muss, was hervorragend funktioniert. Der ausgeteilte Schaden wird angepasst und wir können auch mit Neulingen zusammenspielen und haben dabei selbst eine Herausforderung, toll. Auch der Streit um Loot ist passé. Denn für jeden Spieler droppen levelabhängig nun eigene Gegenstände, niemand kann jemand etwas wegnehmen. Geld, Munition und Healthpacks werden aufgeteilt. Möchte man allerdings doch wieder an die alten Zeiten anknüpfen, kann man das separate Loot auch abschalten und man kann sich wieder um jeden Gegenstand prügeln. Insgesamt kann man Borderlands 3 entweder mit 4 Spielern online spielen oder aber auch zu zweit im Splitscreen auf einer Konsole. 

Aus alt mach neu?

Der Look von Borderlands ist wohl ein größeres Streitthema. Entweder mag man den Cellshading Look oder nicht. Dieser wurde für den neuesten Teil nochmal ordentlich aufgehübscht, hinkt aber trotzdem hinter aktuellen Produktionen hinterher. Gerade im Bereich Licht- und Schatteneffekte kann Borderlands 3 mit Spielen wie Gears 5 oder anderen nicht mithalten. Zwar hat das Spiel auf den neuesten Konsolen der aktuellen Generation einen Performance- und einen Auflösungsmodus, nichts desto trotz laufen beide eher unrund. So kam es sowohl im Performance Modus als auch im Auflösungsmodus auf der Xbox One X zu Framedrops oder kurzem Einfrieren des Spiels. Zweimal war ich sogar gezwungen das Spiel komplett neu zu starten. Hinzu kommen zweimal neu laden, weil NPC’s in Wände verschwunden sind oder Quest Ereignisse nicht getriggert wurden. Hier muss Gearbox dringend ausbessern. Augenscheinlich sind die Framedrops auch sehr willkürlich, denn in einigen intensiven Kämpfen mit jeder Menge Explosionen und Effektgewitter lief das Spiel sauber und rund. An anderen Stellen, wo man es eher nicht vermutet hätte, kam es dann zu zuvor genannten Framedrops. Auch die ab und an nachladenden Texturen haben schon andere besser hinbekommen. Toll sieht Borderlands aber schon in besagten Kämpfen aus. Die Effekte der verschiedenen Schadenstypen gepaart mit den Explosionen und dem teilweise zerfetzenden Gegnern bringen eine Intensivität mit sich, die einfach Spaß macht. Auch die Synchronisation ist ordentlich aber auch mehr Standard. Die Spielereihe kam schon immer mit sehr anzüglichen oder obszönen Sprüchen daher und macht auch im dritten Teil keinen Halt vor möglichen Tabus. Die musikalische Untermalung wird wie in den meisten Shootern eventbasiert angepasst. Fahren oder laufen wir durch die Landschaft ist die Musik eher ruhig und gelassen. Umso hektischer wird sie, wenn wir uns in einen Kampf stürzen. Gute und solide Kost, mehr aber auch nicht. 

Hier einmal der Vergleich zwischen Auflösungs- (links) und Performancemodus (rechts)

Fazit 

Wo Borderlands drauf steht, ist auch mal wieder Borderlands drin. Auch wenn Borderlands 3 seine Schwächen in den Antagonisten und in der Performance hat, wer sich bereits an den Vorgängern ergötzt hat, wird auch am neuesten Ableger seine Freude haben. Bekannte Charaktere, der übliche krude Humor und jede Menge Fanservice haben mich wieder mit Begeisterung in die Lootspirale gezogen und ich werde definitiv noch einige Stunden mit dem Spiel verbringen. Diejenigen die sich bisher für keinen der Teile begeistern konnten, werden wohl auch hier nicht das Richtige für sich finden und sollten das Spiel lieber in den Händlerregalen stehen lassen.

Borderlands 3
Toller HumorSinnvolle Multiplayer AnpassungenMotivierendes LootsystemJede Menge Fanservice
Perfomance Probleme trotz älterer TechnikRedundante MissionsdesignViel Standardkost
82%Gesamtpunktzahl
Grafik/Präsentation74%
Story/Atmosphäre82%
Gameplay82%
Multiplayer86%
Spielspaß84%
Leser Bewertung 1 Abstimmen
38%