Aqua Kitty UDX im Test – Defender-Katze im Sack?

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Die gängige Shoot’em Handlung sieht ungefähr wie folgt aus: Das böse Alien-Imperium hat sich entschlossen die USA/die Menschheit/die Erde zu vernichten. Es gibt zwar keine logische Erklärung, aber nur deine Vic Viper/R-Type/insert random name kann die Menschheit retten. Anscheinend war man bei Tikipod Limited der Meinung, solche Handlungen wären einfach zu klischeebeladen und absurd. Ergo mussten dringend mehr Glaubwürdigkeit und Drama her und definitiv mehr zweitbeste Haustiere (aka. Katzen). Und wie sieht die herausragende Handlung aus und der Rest vom Spiel?

The Milk must flow

Aus ungeklärtem Grund versiegen die weltweiten Milchquellen und die Milchförderung kommt zum Erliegen! Ausgerechnet unter Wasser tun sich neue Quellen bester Frischmilch auf. Dummerweise haben Katzen natürlich eh Angst vor Wasser, die sich ganz sicher nicht dadurch bessert, dass Taucherkatzen von mechanischen Fischen attackiert und teils sogar frechweg entführt werden. An der Stelle kommen wir zum Zuge. Im bewaffneten Mini-U-Boot ist es unsere Aufgabe, die Minenkatzen zu beschützen. Der ein oder andere mag jetzt schon an Defender denken und liegt damit völlig richtig.

Unsere U-Boot Katze darf sich frei nach links und rechts bewegen. Wer zum einen Levelrand herausschwimmt, kommt dabei übrigens am anderen direkt wieder rein, wie man auf der Minimap sehen kann. Die meiste Zeit schützen wir uns dabei selbst vor allerhand feindlichen Fischen. Allerdings müssen wir einen quallenartigen Gegnertypus immer wieder davon abhalten, unsere Arbeiter zu entführen. Sind alle Katzen verschwunden, verlieren wir nämlich genauso wie beim Abschuss unseres U-Boots. Alle paar Levels darf auch noch ein Bossgegner Stück für Stück zerlegt werden. Der Classic-Modus gibt uns gelegentliche Power Ups an die Hand, welche allerdings nicht endlos lange vorhalten. So kann ein superpraktischer Streuschuss, mit dem entführte Katzen auch noch außerhalb des Wassers gerettet werden können (natürlich durch Abschuss des Entführers), im unpassendsten Moment aufgebraucht sein. Das gibt den Power Ups einen ziemlich taktischen Anstrich.

Im Arcade Mode gibt es dagegen ein an Gradius erinnerndes Upgradesystem. Power Ups können mit grünen Edelsteinen, die bestimmte Gegner hinterlassen, gekauft werden, wobei die grünen Gemmen beliebig angespart werden können. Außerdem kann man erfolgreich abgeschlossene Level hier nicht wiederholen.

Infinite Espresso stellt einen Survival Mode dar. Die Arbeit als Defender darf man sich sparen, dafür aber Wellen um Wellen von Gegnern auseinandernehmen und das eigene Ende möglichst lange hinauszögern.

Mit dem Dreadnought Mode bekam die UDX Ausgabe dann noch eine grundlegende Neuerung verpasst, die nicht zu knapp an die Homecomputer Klassiker der Uridium-Reihe erinnert. Hier geht es darum, ein feindliches Mutterschiff nach dem anderen zu zerlegen, und zwar am besten so fix wie möglich. Während also die zerstörbaren Hauptgeschütze auf uns feuern und wir von links und rechts attackiert werden und ab und an ein wahrer Zerstörungsschauer auf uns niederregnet, müssen wir den Kern des Mutterschiffes freilegen und zerstören. Kompetitive Spieler dürfen sich dabei übrigens über Leaderboards freuen.

Ready Player Two

Zu den echten Bonuspunkten von Aqua Kitty gehört der kooperative Mehrspieler-Modus. Zu zweit macht es nicht nur einfach mehr Spaß, auch taktisches Vorgehen gegen die Feindeswellen wird so eine gute Ecke einfacher. Allerdings müssen Koop-Kumpels eng zusammen bleiben, gute Absprache ist hier also Pflicht. Splitscreen hätte das Problem zwar vermieden, mit geteiltem Bildschirm wäre Aqua Kitty allerdings wahrscheinlich auch drastisch leichter geworden als für Solisten. Selbst so hat man es zu zweit schon eine gute Ecke einfacher, wobei einfach relativ ist.

Die Unterwasserkatzen haben es selbst auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad nicht allzu leicht. Spätestens auf gehobenen Stufen geht es wirklich heiß her unter dem Meer. Geschenkt bekommt man bei Aqua Kitty UDX eigentlich nix. Verglichen mit einigen anderen modernen Shoot’em Ups sollte also ein Mindestmaß an Frustresistenz gegeben sein, zumindest für Genre-Neulinge.

Ein echter Kritikpunkt ist dagegen, dass trotz guter Grundmechanik gerade bei den klassischen Aqua Kitty Modi richtige Highlights fehlen. Das mag zum Teil an den in Wellen auftauchenden Gegnern fehlen, zum Teil aber auch an den leicht zähen und nicht allzu taktischen Bossfights. Unterm Strich kann die Gegnerschar aber nicht mit den fein austarierten Angriffsmustern so mancher Genre-Klassiker mithalten. Leider gleicht die Levelarchitektur dieses Manko nicht wirklich aus, denn außer Platzierung und Anzahl der Katzenarbeiter gibt es eigentlich keine Unterschiede im Aufbau.

Im Dreadnought Mode sieht das ganz anders aus, auch weil die Dreadnoughts selbst einen beträchtlichen Teil des Levels ausmachen. Entsprechend fühlt sich hier jedes Level nach Unikat an.

Kein Katzenjammer

In der Präsentation macht Aqua Kitty UDX nicht viele Fehler. Eigentlich kann man den einzigen Schwachpunkt ziemlich direkt nennen. Es gibt nicht genug Abwechslung bei den an sich sehr schicken Backgrounds. Im Prinzip ist die Aufteilung nach verschiedenen Meereszonen zwar mehr als logisch und Details wie die Spuren einer untergegangenen Zivilisation passen wie die Faust auf’s Auge. Auch unterschiedliche Lichtstimmungen verschiedener Tages- und Nachtzeiten machen einiges her. Leider ändert das nichts daran, dass man immer eine ganze Reihe von Stages vor einem Hintergrundmotiv verbringt, das sich in der Zeit nicht variiert. Dabei hätte es eigentlich gereicht, wenn in den einzelnen Arealen die Tageszeiten wechseln würden. Die knuffig animierten Katzen und Mecha-Fische machen wiederum durchgehend eine gute Figur und auch Karte oder Game Over Bilder treffen genau den richtigen Ton.

Richtig fies ist allerdings die Soundseite. Mal ehrlich liebe Entwickler, die chiptunemäßigen Tracks von Electric Cafe machen richtig Bock, aber wo zum Geier ist bitte schön ein BGM-Player? Ernsthaft, der Soundtrack stellt für mich ein Highlight dar. Einerseits erinnert er klar an klassische Tunes, andererseits ist er ziemlich frisch. Die Mischung aus alt und neu ist absolut gelungen und natürlich passt das auch perfekt zum Spiel.

Cool Cat

Aqua Kitty UDX ist ein spaßiges Spiel und eigentlich auch ein ganz gutes. Dummerweise wäre eben auch etwas mehr drin gewesen. Letztlich sind es vor allem Kleinigkeiten, die für das ‚nur‘ ganz gute Spielerlebnis sorgen. Shoot’em Up-Fans und gerade Freunde von Defender oder Uridium artigen Konzepten können dennoch bedenkenlos zugreifen, denn für die ein oder andere Runde zwischendurch ist Aqua Kitty UDX auf jeden Fall gut.

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Aqua Kitty UDX
Präsentation (Grafik, Sound) 80%
Gameplay 70%
Spielspaß 73%
Mehrspieler 75%
74%
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Aqua Kitty UDX ist nicht perfekt. Kein Wunder, sind halt auch nur Kitties am Werk und keine Puppies. Und Hunde sind nun mal doch die besseren Haustiere. Macht aber nix, denn gerade Shoot'em Up Fans können mit den Unterwasserkatzen reichlich Spaß haben, erst recht im Couch-Koop. Da der Preis von 7,99 € auch nicht gerade Löcher in den Geldbeutel reißt, muss man schon eine ziemliche Abneigung gegen Defender mäßige Shmups oder aber gegen Katzen haben.

About The Author

1986, ein strahlender Sommer, ein Freund mit VCS, Schwarzweißfernseher, Space Invaders und Pacman. Seitdem lässt mich das Thema Telespiele nicht mehr los, egal ob Game Boy, Amiga, PlayStation, Xbox oder Wii U. Nicht mal vor dem PC hab ich halt gemacht. Einzig von Sportspielen lass ich generell die Finger.

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