Anno 117 Charts-Sieg: Strategie-Hoffnung schlägt Call of Duty auf dem PC

Anno 117 Charts-Sieg - Strategie-Hoffnung schlägt Call of Duty auf dem PC

In den offiziellen deutschen Verkaufscharts zeichnet sich eine faustdicke Überraschung ab, denn auf dem PC muss sich der scheinbar übermächtige Shooter-Gigant Call of Duty geschlagen geben.

Während die Konsolen fest in der Hand von Black Ops 7 sind, erobert Anno 117: Pax Romana den Thron der Rechenknechte und beweist die ungebrochene Liebe der Deutschen zum Aufbauen.

PC-Spieler ticken anders: Strategie vor Shooter-Action

Der November gilt traditionell als der Monat, in dem Call of Duty die Verkaufslisten nach Belieben dominiert, und auf der PlayStation 5 sowie der Xbox Series X/S bestätigt sich dieses Bild auch in diesem Jahr eindrucksvoll.

Doch ein Blick auf die aktuellen PC-Charts von GfK Entertainment offenbart eine spannende Anomalie, die so wohl nur im deutschsprachigen Raum möglich ist: Hier steht nicht schnelle Action an der Spitze, sondern wohlüberlegte Stadtplanung und römische Logistik.

Ubisofts neuester Streich hat es tatsächlich geschafft, den internationalen Blockbuster auf den zweiten Platz zu verweisen, was ein bemerkenswertes Signal für die Vitalität des klassischen PC-Marktes ist.

Während Konsolenspieler primär auf schnelle Multiplayer-Duelle setzen, bevorzugen Desktop-Nutzer offenbar tiefgehende Mechaniken, was sich auch bei anderen Titeln zeigt.

Wer gerne baut und craftet, hat sicher auch unseren Guide zu Enshrouded und den legendären Waffen gelesen – ein weiterer Beweis für die Stärke deutscher Studios in diesem Segment.

Der Erfolg von Anno ist dabei keineswegs selbstverständlich, denn die Marketing-Maschinerie von Activision lief auf Hochtouren und dominierte alle Kanäle. Dass sich ein Aufbauspiel, selbst eines mit so großem Namen, gegen diesen medialen Hype durchsetzt, ist beachtlich und zeigt die Treue der PCler.

Ein Triumph für Ubisoft Mainz und den Standort Deutschland

Für das Entwicklerstudio Ubisoft Mainz ist dieser Chart-Einstieg eine Bestätigung ihrer jahrelangen, akribischen Arbeit an der Marke. Nach dem gigantischen Erfolg von Anno 1800 lag die Messlatte für den Nachfolger extrem hoch, da die Erwartungen der Community ins Unermessliche gestiegen waren.

Der Wechsel in die Antike war durchaus ein Risiko, da viele Fans das industrielle Setting liebten, doch die Zahlen belegen, dass das römische Szenario den Nerv der Zeit getroffen hat.

Die Entscheidung, den Spielern die Wahl zwischen römischer Ordnung und keltischer Tradition zu lassen, kommt bei Kritikern und Käufern gleichermaßen gut an.

Besonders die komplexen Wirtschaftskreisläufe, die Anno-Veteranen so schätzen, scheinen im neuen Gewand hervorragend zu funktionieren und fordern die grauen Zellen. Dass ein in Deutschland entwickeltes Spiel die heimischen Charts anführt, ist zudem gut für den Standort und die oft kritisierte Förderlandschaft.

Es beweist, dass „Made in Germany“ im Gaming-Sektor immer noch ein Qualitätsmerkmal sein kann, wenn Budget und Vision stimmen. Interessanterweise schafft es neben Anno mit dem Landwirtschafts-Simulator 25 ein weiterer Simulator in die Top-Listen, was den Trend zur Entschleunigung unterstreicht.

Warum Deutschland die Aufbau-Hochburg bleibt

Warum passiert dieses Phänomen ausgerechnet hierzulande? Deutschland gilt weltweit als die unangefochtene Hochburg der Aufbaustrategie und Wirtschaftssimulationen. In keinem anderen Markt sind Marken wie Die Siedler, Anno oder diverse Berufssimulatoren so erfolgreich wie im deutschsprachigen Raum (DACH).

Das Phänomen „German Games“ wird international oft genau mit diesem Genre assoziiert, das für Gründlichkeit und Optimierung steht. Der Chart-Sieg von Anno 117 ist also auch ein kulturelles Statement der hiesigen Gamer gegen den reinen Action-Trend.

Während in den USA oder UK Action-Titel fast immer plattformübergreifend führen, leisten wir uns diesen Sonderweg und belohnen Komplexität. Für Publisher ist das ein wichtiges Zeichen, das Genre nicht zu vernachlässigen und weiterhin Budgets für PC-exklusive Strategie bereitzustellen.

Gerade in Zeiten, in denen viele Studios auf Live-Service-Action getrimmt werden, ist Anno ein Fels in der Brandung für Singleplayer-Fans. Es zeigt, dass klassische Erfahrungen mit viel Spieltiefe extrem lukrativ sein können, ohne auf aggressive Monetarisierung zu setzen.

Ubisoft dürfte die Zahlen genau analysieren und den Support für das Spiel entsprechend langfristig planen, um die Community bei Laune zu halten. Ähnlich wie beim Vorgänger können wir uns wohl auf Jahre voller DLCs und Season Passes einstellen, die das Römische Reich erweitern.

Die Basis dafür ist gelegt, und die PC-Spieler haben mit ihrem Geldbeutel abgestimmt: Sie wollen verwalten, nicht nur schießen. Solange die Qualität stimmt, bleibt der PC die uneinnehmbare Festung der Strategen und Tüftler.

Kann sich Anno gegen Path of Exile 2 behaupten?

Spannend wird nun die Entwicklung in den kommenden Wochen bis zum entscheidenden Weihnachtsgeschäft. Erfahrungsgemäß haben Aufbauspiele eine deutlich längere Halbwertszeit in den Charts als Shooter, die oft einen extremen Launch-Peak haben.

Während Call of Duty oft frontlastig verkauft wird und dann abflacht, ist Anno ein typischer „Longseller“, der sich über Monate hält. Es ist gut möglich, dass die Römer auch im Dezember die PC-Charts regieren werden, wenn viele Spieler über die Feiertage Zeit für lange Partien haben.

Die Konkurrenz schläft allerdings nicht, denn mit dem nahenden Start des Early Access von Path of Exile 2 steht der nächste potenzielle PC-Hit vor der Tür. Auch die kommenden Steam-Sales könnten die Rangliste noch einmal durcheinanderwirbeln und ältere Titel nach oben spülen.

Dennoch: Der Start ist geglückt und Pax Romana hat seine erste große Schlacht an der Verkaufstheke gewonnen. Ganz ohne Schwerter und Gewehre, sondern mit guter alter Logistik, Diplomatie und dem Wuselfaktor.