Agents of Mayhem im Test – Ein nerdiges Dutzend?

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Mayhem! Ihr schon wieder! Das dürfte Doctor Babylon ziemlich häufig entfahren, werden seine gesammelten Schurkenpläne doch allzu oft von den Agents of Mayhem torpediert. In Volitions Saints Row Spin Off übernehmen wir natürlich die Rolle besagter Agenten und dürfen mit unseren Weltrettungsaktionen auch Doctor Babylon zur Weißglut bringen. Der ist selbstverständlich auch nicht ganz alleine, so dass Agents of Mayhem oft und fleißig klassische Cartoons, Superhelden Comics und mehr zitiert. In der aktuell angesagten offenen Spielwelt verfolgen unsere Helden hier zum größten Teil der Saints Row Spielmechanik. Da stellt sich natürlich die Frage, ob unsere Agency alten Mief oder doch frischen Wind in offene Spielwelten bringt.

Die Liga der bösen Gentlemen

Doctor Babylon arbeitet für niemand geringeren als LEGION, was für League of Evil Gentleman Intent on Obliterating Nations steht. Klingt ja erstmal gar nicht so ultra schlimm. Immerhin gibt’s ja doch die ein oder andere doofe Nation. Dummerweise steht hinter LEGION ein böser Mastermind namens Morningstar, der natürlich noch viel schlimmeres im Sinn hat. Als Organisation ist LEGION in verschiedene Ministerien unterteilt, passenderweise allesamt nach Todsünden benannt. Doctor Babylon leitet dabei das Ministerium des Stolzes, wobei er von mehreren Lieutenants als Handlanger unterstützt wird. Dem gegenüber stehen wir als MAYHEM, Multinational Agency Hunting Evil Masterminds. Diese Organisation hat die besten der besten, vom Dieb über Drillsergeant und Wissenschaftlerin bis zum Hollywoodstar, engagiert, um LEGION aufzuhalten. Das klingt nicht nur schräg, sondern ist es auch wirklich. Im Laufe der Zeit sammelt man eine illustre Truppe bis zum deutschen Hooligan an, wobei wir mit Team Franchise Force starten. Dieses besteht aus Piratin und Diebin Fortune, Navysoldat Hardtack und Hollywoodschauspieler Red Stone alias Hollywood. Sämtliche unserer Agenten haben dabei bestimmte Mayhem Fähigkeiten, die teils ziemlich abgefahren sind. So kann Fortune ihre Drohne Glory ‚nur‘ mit der vollen Hollywood Show loslassen, also mit brasilianischen Rythmen, Explosionen und dergeleichen unterlegt. Natürlich will die Mayhem Fertigkeit erstmal aufgeladen sein, wozu man Gegner plätten sollte. Dazu kommt noch eine Spezialfertigkeit mit Cooldown. So kann Hardtack Gegner mit seiner Harpune zu sich teleportieren. Auch in anderen Punkten unterscheiden sich unsere Helden. Während Fortune am Boden wie in der Luft dashen kann, macht sich Bogenschützin Rama, die erste Agentin, die wir im Rahmen der Story freispielen, kurz unsichtbar.

Mit dem Ziel Nationen zu beseitigen

Austragungsort der Auseinandersetzung zwischen eher böse und halbwegs gut ist das Seoul einer nahen Zukunft. Größtenteils sind hier lahme Elektroautos unterwegs, unser eigener Musclecar mit KITT-mäßiger KI und Hang zum Sarkasmus stellt ebenso eine Ausnahme dar wie LEGION Vehikel. Wobei wir natürlich noch andere Fahrzeuge (mit der gleichen KI) freispielen dürfen. Sieht man von überfahr- und erschießbaren Fußgängern und explosionsfähigen E-Autos mal ab, hat Seoul aber leider nicht sonderlich viel zu bieten. Nebenmissionen wie auch Hauptaufgaben wählen wir für gewöhnlich einfach aus und klappern sie fest ab. Hier liegt eine der ersten Schwächen von AoM. Ein Sunset Overdrive etwa ist eher noch abgedrehter, lässt uns aber mit durchaus liebenswerten NPC’s agieren. Der ein oder andere wird sich vielleicht noch an den politisch leicht unkorrekten Pfadfinderanführer erinnern. Oder den minimal notgeilen Nerd. Das fehlt unseren Agents meist komplett, der launige aber auch nicht überragende Funkverkehr während Missionen ist da nur bedingt Ersatz. Bis auf wenige Ausnahmen sind unsere Missionen aber auch zu ähnlich in Aufbau und Ablauf. Die Gegnerscharen sind hierbei durch die Bank gesichtslos und reichen von agiler Nahkämpferin über Tank bis Sniper. Gegnerwellen eliminieren und dann entweder scannen, etwas kaputt machen oder per Minispiel hacken, macht beim Saints Row-Abkömmling zwar durchaus Laune, ist aber einfach die meiste Zeit frei von Highlights. Das ändert sich am ehesten dann, wenn die feindlichen Lieutenants ins Spiel kommen und vergleichsweise klassische Bossfights zu absolvieren sind. So will der feindliche Waffenbauer Hammersmith ebenso in mehreren Stufen um seinen Energiebalken gebracht werden wie Popsternchen August Gaunt. Die Wege dahin unterscheiden sich aber netterweise doch ein Stück, ohne hier Details zu verraten. Auch ein paar der Nebenaufgaben sind mal zumindest etwas anders oder inhaltlich ganz witzig. Nervt es vergleichsweise, feindliche Stützpunkte zu erobern, können Hassgeneratoren oder Eiskanonen schon eher punkten. Schließlich und endlich bietet auch die fliegende Mayhem Basis als Hub und Startpunkt keine besonderen Highlights, dafür aber die Standard Shoppingoptionen.

Multinationale Agentur

Zu viel oder nicht genug? Beides fragt man sich bei Agents of Mayhem immer wieder mal. Da wären die eigenen Agenten. Blöderweise hätte es die nicht alle gebraucht. Manche sind ein wenig, andere so richtig abgedreht. Daisy als Rollschuhfahrerin mit Hang zur Minigun, viel Alkohol und Prügeleien gehört tendenziell eher in letztere Kategorie. Shotgun Spezi Hardtack wirkt da wiederum fast schon langweilig. Das mag auch daran liegen, dass es durch die schiere Menge von zwölf Agenten, plus zwei Download Agents, einfach viele Überschneidungen gibt und so einige der Jungs und Mädels auch arg zu kurz kommen, falls man sie überhaupt spielt. Es rührt aber auch daher, dass ein Teil der Teamdynamik, wenn denn überhaupt, nur bei charakterspezifischen Nebenmissionen zur Geltung kommt. Ironischerweise kommen unsere Gegenspieler hier unterm Strich besser weg. Heulboje August Gaunt etwa, in dem unter anderem ganz sicher eine große Portion Justin Bieber steckt, hat mehr Zeit, seinen Charakter einzubringen als ein Großteil unseres Teams. Vielleicht hätte man sich hier eher an all den Cartoons wie MASK, Bionic Six, Turtles und Co. orientieren sollen, die eher auf kleinere Teams setzten oder analog Transformers, X-men und Co. dem einzelnen Charakter je eine Episode widmen. Beides schafft Agents of Mayhem einfach nicht so richtig.

Jagt böse Masterminds

Visuell weiß Volitions neuestes Spiel zu gefallen. Der Comiclook passt einfach ideal zum Spielinhalt, die Action läuft die meiste Zeit sehr rund und zumindest unsere eigene Truppe ist abwechslungsreich genug gestaltet. Leider bietet das virtuelle Seoul wenig echte Highlights. Da es auch nur eine Handvoll Standardfahrzeuge sowie –Passanten gibt und die LEGION-Standardschergen halt alle vermummt sind und entsprechend ähnlich aussehen stellen sich irgendwann leider trotzdem Ermüdungserscheinungen ein. Besser weg kommen hier Sprecher und Musik. Gerade mit ersteren kann Agents of Mayhem sogar richtig oft punkten. So erinnert unsere chronische Hilfe im Hintergrund Friday sehr deutlich an Simmons von Agents of SHIELD. Dazu tragen auch einige Charakterattribute bei. Dummerweise hat MAYHEM keinen echten Fitz vorzuweisen. Überhaupt bietet das Spiel reihenweise Referenzen an Serien wie A-Team oder Knight Rider, aber auch an andere Spiele. Rama etwa würde einem Kontrahenten allzu gerne einen Pfeil ins Knie verpassen, der sich dann ganz sicher nen ruhigeren Job suchen dürfte: Klare Referenz an Skyrim natürlich.

Unterm Strich ist Agents of Mayhem definitiv kein schlechtes Spiel. Im Gegenteil, eigentlich kann man es sogar ganz gut spielen. Das grundsätzliche Missionsdesign funktioniert ebenso wie der grundsätzliche Teamgedanke oder der grundsätzliche Humor. Nur, grundsätzlich, fehlt es auch an vielen Details. An der Stelle kann man das mit dem Spielen vielleicht auch einfach bleiben lassen. Genau an der Stelle haben wir abschließend das eigentliche Grundproblem des Titels. Agents of Mayhem macht an sich Spaß, lässt aber auch ein gewisses Gefühl der Gleichgültigkeit zurück und ist damit ein typisches Spiel von der Marke ‚Kann, muss aber nicht‘.

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Agents of Mayhem
Präsentation (Grafik, Sound) 74%
Amtosphäre/Story 73%
Gameplay 72%
Spielspaß 73%
73%
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Agents of Mayhem ist ein ganz nettes Spiel und genau das ist letztlich schade. Die Grundidee hätte nämlich Potenzial für deutlich mehr als am Ende daraus geworden ist. Das mag zum Teil auch daran liegen, dass Volition hier keine wirklich neuen Ideen in ausgetretene Open World Pfade bringen kann. Zum Teil liegt es aber auch daran, dass ein Überschuss an Agenten auf einen gewissen Mangel an spielerischer Abwechslung trifft. Wer über die vorhandenen Mängel hinwegsieht kann allerdings trotzdem einige spaßige Stunden mit Franchise Force und Kollegen verbringen.

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About The Author

1986, ein strahlender Sommer, ein Freund mit VCS, Schwarzweißfernseher, Space Invaders und Pacman. Seitdem lässt mich das Thema Telespiele nicht mehr los, egal ob Game Boy, Amiga, PlayStation, Xbox oder Wii U. Nicht mal vor dem PC hab ich halt gemacht. Einzig von Sportspielen lass ich generell die Finger.

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