1-2-Switch! Die Minispiel-Sammlung im Test

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Die Wii hatte das großartige und revolutionäre “Wii Sports”, die Wii U das spaßige “Nintendo Land” und die Switch bekommt “1-2-Switch!“. Allerdings mit dem Unterschied, dass „1-2-Switch!“ nicht der Konsole beiliegen wird, sondern nur separat erhältlich ist. Ob sich die Anschaffung trotzdem lohnt, erfahrt ihr in unserem Test.

28 Minispiele brauchen die Joy-Cons

Auf dem Hands-On-Event Mitte Januar in München hatte ich bereits die Chance ein paar der insgesamt 28 Minispiele von 1-2-Switch anzuspielen. Mit von der Partie waren unter anderem das Revolverduell oder das unter den dortigen Besuchern sehr beliebte Kühe melken. Klar erkannte man schon, dass die Zielgruppe auf Familie und/oder Party liegt.

Wenn ihr das Spiel startet, solltet ihr euch erstmal nicht wundern. Zu Anfang stehen euch nicht alle Disziplinen zur Verfügung, denn das Spiel möchte euch erst die grundlegenden Funktionen anhand von einer handvoll Disziplinen näherbringen, bevor die restlichen freigeschaltet werden. Beim Durchklicken der einzelnen Disziplinen erkennt man dabei neben dem Namen, auch unten links anhand von Chilischoten, wie intensiv das Spielerlebnis der jeweiligen Disziplin sein soll. Im Prinzip heißt es, je mehr Chilischoten, desto mehr Körpereinsatz ist vonnöten. Warum dies anhand von Chilischoten dargestellt wird? Keine Ahnung, so richtig Sinn macht das für mich nicht, aber vielleicht soll es symbolisieren, wie warm einem während des Spielens wird. Wie auch immer, da sind Chilischoten.

Möchte man eine Disziplin spielen, kann man diese beim ersten mal nicht aktiv auswählen, man wartet einfach, bis das wirklich einfach zu verstehende und ansprechend inszenierte Erklärungsvideo anfängt zu starten. Im Anschluss darf man dann selber ran. Beim nochmaligen Spielen derselben Disziplin kann man das Video dann auch überspringen.

Wirklich Schade finde ich allerdings und das habe ich so wirklich nicht erwartet, dass man wirklich immer nur zu zweit spielen kann. Klar, man kann sich zwar in Teams zusammentun und dann gegeneinander spielen, wie beispielsweise im Team-Duell-Modus, aber pro Disziplin spielt trotzdem nur einer pro Seite und der Rest schaut zu. Einzige Ausnahme hierbei ist das Minispiel „Korkenknallerei“, bei der man mit einem Joy-Con eine imaginäre Flasche schüttelt und weitergibt und man somit bei der Spieleranzahl nicht beschränkt ist. Ansonsten gilt, es spielt Rot gegen Blau, nicht mehr und nicht weniger. Nintendo gibt sonst keine Möglichkeit mal zu dritt oder viert gegeneinander anzutreten. Eigentlich ein wenig Schade, je nach Disziplin wäre das ohne Probleme möglich gewesen. Nagut, beim Revolverduell natürlich eher nicht, aber um die Wette Kühe melken oder auch tanzen wäre doch wäre auch zu dritt oder viert möglich.

Mehr als nur eine Joy-Con Tech-Demo?

Wii Sports lag damals der Konsole bei, um den Kunden die neue Steuerungsart näher zu bringen und im Prinzip verfolgt 1-2-Switch die selben Ziele. Ich würde mich sogar so weit aus dem Fenster lehnen, dass einige der Minispiele auch nur als Tech-Demo konzipiert wurden und man dann auf die Idee gekommen ist, doch ein ganzes Spiel daraus zu machen.

Man muss auch sagen, die Minispiele an sich sind teilweise schon gelungen und stellen die neuen Features und das Können der Joy-Cons gut in den Vordergrund. Das Kugelschätzen, wobei der Joy-Con eine Holzschachtel mit kleinen Kügelchen darstellen soll, muss man durch Bewegen herausfinden, wie viele von diesen kleinen Kügelchen in der imaginären Kiste sind. Dank HD-Rumble funktioniert das verblüffend gut, so dass man tatsächlich das Gefühl hat, dass sich eine verschiedene Anzahl an Kugeln im Joy-Con befinden. Leider schwankt die Genauigkeit der Eingaben beziehungsweise die Erkennung in den verschiedenen Disziplinen sehr stark. Es gibt welche da funktioniert es sehr gut, sei es durch Drehen eine Schatzkiste von Ketten zu befreien, eine Sektflasche zu schütteln bis der Korken knallt samt simulierter Kohlensäure oder eben die Holzkiste mit den Kügelchen. Dann sind da aber noch die Minispiele, wo die Erkennung der Eingaben nicht ganz sauber läuft, wie beispielsweise das Rasieren in „Blindrasur“, bei dem man den Joy-Con wie einen Rasierer über das Gesicht fahren muss, um den virtuellen Bart zu entfernen. Wer mehr Haare abrasiert hat gewonnen, nur leider ist das Tracking wie gesagt nicht ganz sauber und die tatsächliche Position im Gesicht passt nicht mit der im virtuellen Gesicht überein. Ähnliche Zufallsergebnisse und nicht ganz nachvollziehbare Gewinner gibt es beispielsweise in den Disziplinen Luftgitarre oder Tanzen. Taktgefühl scheint hierbei nicht unbedingt von Nöten zu sein, stattdessen kommt man im Falle von Luftgitarre mit wilden Gefuchtel schon relativ weit.

Insgesamt schwanken die Disziplinen von wirklich spaßig, die man auch gerne öfters ausprobiert, bis zu langweilig und nie wieder. Für Familien wird hier sicherlich viel geboten, die kleine Tochter kann mit ihrer Freundin beispielsweise über den imaginären Catwalk laufen und sich in Pose werfen, der kleine Sohn mit seinem Kumpel wird sich vermutlich zahlreiche Pistolenduelle liefern. Wenn alle zusammenkommen, dann wählt man das Team-Duell, wo man von 2 bis 20 Spielern in zehn Disziplinen um den Sieg kämpft. Und die Jugendlichen unter uns werden sicherlich die ein oder andere Disziplin als Saufspiel missbrauchen und die kleinen Schnapsgläser zücken. Ich denke da nur ans „Korkenknallen“ oder das „Wettmelken“, wo eine Regel sein könnte, dass der Gegenüber einfach die Differenz aus den gemolkenen Milchkannen trinken muss. Prost!

Insgesamt fühlen sich die meisten Kategorien aber tatsächlich so an, als wenn man nur demonstrieren möchte, was mit den Joy-Cons möglich ist. Eben eine Tech-Demo. So werden eigentlich alle Features irgendwo mal eingesetzt: HD-Rumble beispielsweise bei Kugelschätzen und Safe knacken, die Bewegungssensoren eigentlich bei fast jeder Disziplin, aber auch der Infrarot-Sensor im rechten Joy-Con beim Wettessen, wo man sich den Joy-Con 5 cm vom Mund entfernt hält und den Mund so schnell wie möglich öffnen und schließen muss. Jeder Biss ist hierbei ein Biss in ein Sandwich und wer in einer bestimmten Zeit mehr schafft, hat gewonnen.

Schöne Videos, schreckliches Layout

Dass Minispiel-Sammlungen nicht schön aussehen müssen ist ja klar, das erwartet auch niemand, was uns Nintendo aber hier bei 1-2-Switch vorsetzt, habe ich teilweise in Powerpoint-Präsentation schöner gesehen. Die Erklärvideos sind zugegeben sehr schön in Szene gesetzt. Ich mag den Stil mit dem einfarbigen Hintergrund und den entsprechend eingefärbten Gegenständen, auch wenn die etwas übertriebene Freude der Statisten etwas zu viel ist.

Der Rest des Spiels, man muss es mal so sagen, sieht aber wirklich grauenhaft und langweilig aus. Wenn ich sage, dass es teilweise an Powerpoint erinnert, dann ist das nicht gelogen. Klar, der Bildschirm der Switch dient quasi nur als Schiedsrichter und man muss bei keiner Disziplin wirklich auf ihn achten, aber trotzdem hätte man sich ruhig etwas mehr Mühe geben können, um hier etwas mehr Freude oder Spaß zu vermitteln. Alles ist sehr nüchtern, eine Schriftart die Arial wirklich Konkurrenz macht und alles andere als schön anzusehen ist, oder dieser Unfall wie bei der Auswertung von der Disziplin „Fahnenspurt“. Dort rennen Clipart-Männchen über einen Strand, um zu zeigen, wie man sich durch Schütteln der Fahne genähert hat.

Wirklich Nintendo, es sind ja schon ein paar schöne Disziplinen dabei, aber die optische Umsetzung des Spiels ist so uninspiriert, wie ich es lange nicht gesehen habe. Die Erklärvideos passen dabei so gar nicht zum Rest des Spiels, oder andersherum. Schade, hättet man sich am Stil der Videos gehalten, hätte mehr dabei rauskommen können.

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1-2-Switch!
Präsentation (Grafik, Sound) 30%
Atmosphäre 45%
Gameplay 65%
Multiplayer 60%
Spielspaß 55%
51%
Readers Rating 0%
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Ich bin mir sicher, dass viele Spaß mit 1-2-Switch haben werden. Besonders für Familien mit kleinen Kindern wird dies gelten. Aber leider ist diese Minispiel-Sammlung nicht das was Wii Sports damals war, welches die Massen begeistert und zu mehreren an die Konsole fesselt. Bei 1-2-Switch ist die Luft schnell raus, die Disziplinen sind von der Qualität zu schwankend und laden nicht alle dazu ein, sie nochmal zu spielen. Dazu kommt noch das uninspirierte Design, was alles andere als emotional ist und Spaß transportiert. Mein Fazit ist, dass es mit den richtigen Leuten Spaß machen kann, diese aber wirklich Bock drauf haben müssen. Im Gegensatz zu Wii Sports ist 1-2-Switch kein Spiel, womit man jemanden von der Konsole und seinen Features überzeugen kann. Als Beigabe zur Konsole hätte man sich nicht wirklich beschweren dürfen, aber 40 Euro für 1-2-Switch sind für das Gebotene zu viel.

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About The Author

Videospiele-Fan seit vielen Jahren. Alles hat damals mit dem guten alten Game Boy angefangen. Seitdem begleitet mich das Thema, was in einer in meinen Augen ansehnlichen Nintendo Retro-Sammlung endete. Neben dem alten Nintendo-Kram bin ich aber auch seit der ersten Generation der Xbox treu.

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