Jeder der mich kennt, weiß, dass ich ein großer Freund von Videospielen bin und sie zu Hauf in meinem Keller bunkere. Zu beobachten auf meinem Instagram-Account. Mittlerweile haben sich dort mehrere hundert Games von verschiedensten Konsolen angesammelt. Vom Amiga 500, über den klassischen Game Boy, der PlayStation 2, Nintendo DS, der Xbox 360 und auch Spiele aktueller Systeme wie der Nintendo Switch. Wenn es geht, dann kaufe ich mir ein Spiel auf physischen Datenträger und lasse die Downloadvariante links liegen. Ja, es hat seine Vorteile wenn man seinen Allerwertesten nicht mehr vom Sofa bewegen muss, um das Spiel zu wechseln. Aber ich liebe es, ein Spiel aus dem Regal nehmen zu können und auch ein physischer Pile of Shame sieht besser aus als sein digitales Gegenstück. Dazu kommt es auch noch, dass Spiele auf Disks meist günstiger sind, weil die Preise durch den Tauschhandel viel dynamischer sind, als ein digitaler Store, wo die jeweiligen Publisher oder Betreiber der jeweiligen Plattform das Sagen haben. Die wollen logischerweise möglichst viel Geld mit ihrem Produkt verdienen und müssen auch keine Lagerflächen freiräumen. Trotzdem sind wir bei der aktuellen Konsolengeneration an einem Punkt angekommen, wo sich das Sammeln von Spielen nicht mehr wirklich lohnt.

Finger weg von der Xbox One und PlayStation 4?

Solltet ihr vor haben euch eine Sammlung von Xbox One oder PlayStation 4 Spielen anzulegen, um sie dekorativ in einem Regal zu präsentieren und vielleicht auch noch in zehn oder 20 Jahren spielen zu können? Dann lasst lieber eure Finger davon oder denkt zumindest noch einmal darüber nach. Die meisten werden es sicher schon gemerkt haben, legt man eine Disk auf der Xbox One oder PS4 ein, so lädt er einen großen Teil oder sogar das komplette Spiel aus dem Internet, anstatt von der Disk. So lange man eine einigermaßen schnelle Internetverbindung hat und ein wenig warten kann, ist dies auch kein großes Problem. Immerhin erwartet einen dann die aktuellste Version inklusive aller Patches und Updates, um die beste Spielerfahrung zu bekommen.

Doch was passiert, wenn das jeweilige Spiel nicht mehr auf den Servern zur Verfügung steht und man auf die Daten auf der Disk angewiesen ist? Auf den Vorgängergenerationen ist dies kein Problem, zwar werden auch auf der Xbox 360 und PlayStation 3 kleinere Updates runtergeladen, aber im Großen und Ganzen ist das Spiel auch ohne diesen lauffähig. Bedeutet, ist das Online-System für die jeweilige Konsole nicht mehr verfügbar, könnt ihr trotzdem noch die Spiele spielen, sofern ihr sie auf Disk im Regal stehen habt.

Theoretisch sollte das auf der Xbox One und PlayStation 4 auch funktionieren, denn immerhin wurde uns allen damals zum Launch versprochen, dass die Konsolen auch ohne Internet betrieben werden können. Dass es nicht so ist, werden sich allerdings viele denken können. Nicht selten geisterte durch die Presse, dass Teile des Spiels gar nicht auf der Disk sind, sondern mit der Installation erst aus dem Internet geladen werden müssen. Was beim Multiplayer-Part von der Halo: Master Chief Collection oder Uncharted 4 noch irgendwie Sinn macht, wenn das Spiel ansonsten spielbar bleibt, schmerzt beim Remake von Spyro the Dragon schon mehr.

Kein Internet, kein Spiel. Trotz Disk.

Bei Spyro Reignited Trilogy bekommt man zwar die ersten drei Abenteuer des lila Drachens, allerdings ist nur eines davon auch wirklich auf der Disk, die anderen beiden müssen erst aus dem Internet geladen werden. Immerhin war man so fair auf der Verpackung darauf hinzuweisen, dass noch ein Download von Inhalten erforderlich ist.

Der ominöse Day One Patch, womit auch Spyro letztendlich komplett wurde, ist mittlerweile vollkommen normal und die Frage ist eigentlich nur noch wie groß dieser ist. Von wenigen hundert MB bis hin zu GB im zweistelligen Bereich ist alles möglich. Nicht selten macht dieser aus einem gefühlten Beta-Status ein spielbares Spiel. Extremer wird es nur, wenn die Disk nur noch reiner Lizenzträger zu sein scheint und das komplette Spiel aus dem Internet geladen werden muss. Michael hatte sich in einem seiner letzten Artikel über Updates und Patches über Halo Wars 2 beschwert, wo selbst bei kleineren Updates jedes Mal das komplette Spiel runtergeladen wird.

Ich unterstelle dem ein oder anderen Publisher einfach mal, dass sie so Verzögerungen in der Produktion verhindern wollen. So wird einfach das unfertige Spiel oder Minimum Viable Product (MVP, minimal überlebensfähiges Produkt) auf Disk gepresst und in der Zwischenzeit der nötige Patch bzw. das entsprechende Update entwickelt. Wer mag es ihnen verübeln. So lange es noch Disks gibt, wird das wohl auch so bleiben. Für uns Sammler natürlich eine Katastrophe. Dazu kommt noch, dass sich die Gerüchte hartnäckig halten, dass Microsoft an einer Konsole ohne optisches Laufwerk arbeitet, die dann komplett auf digitale Downloads oder Streaming setzt. Dann ist das Sammeln oder Archivieren gar nicht mehr möglich, was auch schon jetzt die zahlreichen Spiele betrifft, die erst gar nicht auf einem physischen Datenträger erschienen sind. Betrifft Privat Personen wie mich, aber auch beispielsweise das Berliner Computerspiele Museum, welches ein beeindruckendes Archiv besitzt.

Ein Versuch: Xbox One ohne Internet

Da ich im genannten Keller eine Xbox One stehen habe, die noch nie mit dem Internet verbunden war, habe ich mal einen kleinen Test gemacht und versucht verschiedene Spiele zu installieren. Auserwählt waren Raiden 5, Halo: Master Chief Collection, Doom und das zuletzt erschienene Trials Rising. Alles Spiele, die man mehr oder weniger auch alleine spielen kann und höchstens Einschnitte im Umfang was Online Funktionalität wie Bestenlisten oder dem Online-Multiplayer selbst aufweisen sollten.

Wogegen sich Raiden 5, die Halo MCC und Doom relativ problemlos auch ohne Internet installieren und auch spielen ließen, funktionierte bei Trials Rising schon ersteres nicht. Die Installation startete nicht und wurde immer sofort als abgebrochen angezeigt. Offline spielen offensichtlich nicht möglich und unerwünscht, obwohl Trials Rising wunderbar auch ohne Internet Anbindung funktionieren könnte. Zwar müsste man auf die Bestenlisten mit seinen Freunden verzichten und natürlich auch auf den Online-Multiplayer, aber die Karriere und auch der lokale Multiplayer sollten genauso funktionieren. Tun sie aber nicht.

Auf der Xbox One und der PlayStation 4 bleibt es also ein Glücksspiel, ob es Sinn macht ein Spiel zu sammeln und spielbar bleibt, auch wenn die Online Services des jeweiligen Systems irgendwann nicht mehr zur Verfügung stehen. Aber selbst wenn man es auf der Konsole installieren kann, fehlt dann noch der Day One Patch, welcher nicht selten dafür genutzt wird ein unfertiges Spiel zu komplettieren. Eine zuverlässige Liste die einem aufzeigt, welche Spiele auch ohne Internet nutzbar sind, habe ich leider nicht finden können. Falls einem sowas bekannt ist, bitte in den Kommentaren posten.

Xbox One und PlayStation 4 sammeln, ja oder nein?

Schwer zu sagen, die Zeiten wo man das komplette Spiel auf einer Disk hatte, wie es bei der Xbox 360 und PlayStation 3 noch der Fall war, sind definitiv vorbei. Man muss damit leben, dass nicht mehr alle Spiele ohne Internet nutzbar sind und wenn, dann eventuell nicht vollständig sind oder fehlerhaft laufen. Selbst auf der Nintendo Switch mit seinen Modulen und dem eingeschränkten eingebauten Speicherplatz von lächerlichen 32 GB, ist man davor nicht sicher. Denkt man mal an LA Noir, Wolfenstein 2 oder Doom, die trotz Modul einen nicht unerheblichen Download voraussetzen, so kann man auch bei der Nintendo Konsole nicht mehr vorbehaltlos zugreifen.

Das sind für mich persönlich genug Gründe die Xbox One und PlayStation 4 für meine Sammlung links liegen zu lassen und bei der Nintendo Switch zumindest genau hinzusehen. Ob man diese Spiele in zehn oder 20 Jahren noch spielen kann, so wie es bei allen vorherigen Konsolen der Fall war, ist mir einfach zu unsicher. Da stecke ich das Geld lieber in andere Systeme wo ich mir sicher sein kann die Spiele auch in ferner Zukunft noch spielen zu können. Sofern die Datenträger oder Module nicht aus anderen Gründen ihre Daten verlieren, aber das hat man ja ein stückweit selber in der Hand.