Ich stehe auf soulslike! Das habe ich wohl nicht nur in meinem entsprechenden Magazinartikel ausgiebig erklärt. Trotzdem werde ich nicht müde dieses Untergenre weiterhin fleißig zu bewerben und das bringt mich dazu, kurz innezuhalten und meine diesbezüglichen  Werbeerfolge mal zusammenzurechnen. Eins hin, zwei im Sinn. Addiert um die anderen fünf Leute. Macht also ca. 0 bis 0,0 Spieler, die ich bisher für dieses mir so liebe Genre gewinnen konnte.

OK, ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, ob mein Magazinartikel hierzu tatsächlich ja vielleicht doch jemanden dazu bewegt hat, dem Genre eine Chance zu geben. Aber grundsätzlich war die Rückmeldung eher so „Ähm, ja, ne, danke aber nein Danke!“. Das macht mich traurig. Also versuche ich nun auf dem Rücken des Multiplattform soulslike Code Vein einen neuen Anlauf. Schließlich flimmert gerade dessen Abspann über meinen Fernseher.

Also versuche ich euch nachfolgend nahe zubringen, warum Code Vein, auch gerne reduziert auf „ist das nicht das Anime-Soulslike“, der perfekte Einstieg für Genreneulinge ist.

Ein Blick auf die Metacritic-Wertung (75%, bei einem Userscore von 8.0) zeigt, gemeinsam mit den Verkaufszahlen (1 Millionen verkaufte Exemplare weltweit bis zum 31.12.19), dass dieser Titel aus dem Monat September des Jahres 2019, grundsätzlich erstmal ein gutes Spiel ist. Zugegeben, mich hat tatsächlich der Anime-Artstyle insgesamt etwas abgeschreckt. In Ermangelung anderer Genreeinträge habe ich ihm aber trotzdem eine Chance gegeben und ich wurde ca. 35 Stunden in einem Spieldurchgang gefordert aber auch gut unterhalten.

Ja, auch du Frau/Herr Schwierigkeitsgrad: Storymodus!

Wenn das Spiel selbst im Kern also nun nachvollziehbar (Metacritic, Verkaufszahlen und mein persönlicher Eindruck) ein guter Titel ist, warum sollten Genreneulinge hier nun ihren ersten Einstieg ins Soulslike Genre wagen? Na, im Grunde, weil es eben genau die Leute anspricht, die sich hier auch in der Überschrift dieses Abschnitts gerne und unverhöhnt wiedererkennen dürfen. Denn als Spieler kann man, obwohl es nur einen einzigen, für alle Spieler einheitlichen, Schwierigkeitsgrad gibt, den Schwierigkeitsgrad grundlegend durch drei Aspekte den eigenen Wünschen und Fähigkeiten nach anpassen.

Denn wahlweise seid ihr in Code Vein nicht alleine unterwegs, sondern könnt euch bei euren Abenteuern von einer Vielzahl, im Verlauf der Story ansteigenden Menge, von optionalen NPC-Begleitern unterstützen lassen. Und diese Charaktere teilen ordentlich Schaden aus und beleben euch auch einige Male wieder, falls es euch auf die Bretter geschickt hat. Ganz egal ob euer Bodenknutscher innerhalb der regulären Spielwelt oder mitten in einer Bossarena passiert. Gleichzeitig soll diese Möglichkeit die Hardcore-Gamer nicht abschrecken, denn das Wörtchen „optional“ im Bezug auf die Begleiter kann im Umkehrschluss, sprich bei Verzicht auf die Begleiter, den Schwierigkeitsgrad durchaus eine gute Schüppe noch oben schrauben. Ontop empfiehlt sich, wenn man denn tiefer in die Spielmechanik einsteigen möchte, die Verwendung zur eigenen Spielweise passenden Skillpakete, hier Blutcodes genannt, die immer auch ein besonderes Zusammenspiel mit einem bestimmten und netterweise schriftlich im Spiel ausgewiesenen, NPC-Begleiter ermöglichen.

Keine Lust auf großes Zahlenjonglieren, auf Angst vor „Verskillung“ des eigenen Charakters? Kein Problem! Denn Code Vein verzichtet vollständig darauf, die Spieler beim Stufenaufstieg mit Entscheidungen über die Verteilung von Punkten zu traktieren. Stattdessen werden automatisch bestimmte Charaktereigenschaften, wie Lebenspunkte und Ausdauer, erhöht und der Stufenzähler steigt eben stetig nach oben.

Es verbleiben also nur zwei Mechaniken, worüber ihr euren Charakter mit Auswirkungen auf das Gameplay beeinflussen könnt: Waffen & Rüstungen (Blutschleier).

Passend zur Animeoptik habt ihr die Wahl zwischen riesigen und in der Handhabung langsamen Zweihandwaffen und schnelleren Einhandwaffen. Letztere teilen dafür, rollenspieltypisch, natürlich weniger Schaden aus, verbrauchen dafür pro Angriff aber auch weniger Ausdauer.

Die Blutschleier genannten Oberkörperrüstungen sind zugleich die einzige Art von Rüstung im Spiel und unterstützen mit ihren Eigenschaften verschiedene Spielstile. Sie erhöhen den Schaden bestimmter Waffen, Lebens- und Verteidigungspunkte und entscheiden über die Optik des „Backstabbings“, also des Angriffs aus dem Hinterhalt heraus.

Kombiniert man nun also den passenden Blutschleier mit einer großen Waffe und dem entsprechenden Blutcode, kann man damit den passenden Build für die eigene Spielweise bilden. So wird der eigene Vampir zum Tank oder erzeugt bei seinen Feinden durch vergiften Schaden über Zeit. Wem das Rumprobieren zu anstrengend ist, kann hierzu natürlich noch entsprechende Guides und Wikis lesen. Wirklich notwendig ist dies aber nicht. Tatsächlich habe ich mich bei meinem Spieldurchgang simpler orientiert.

Ich habe mir eine Waffe gesucht, deren Bewegungsablauf und Schaden sowie Ausdauerverbrauch mir gefallen. Anschließend habe ich einen Blutschleier angelegt, der den Schaden meiner Waffe erhöht, ohne sie zu verlangsamen. Anschließend habe ich einen ebenso passenden Blutcode ausgesucht und den NPC-Begleiter, der zum Blutcode passt.

Erst schießen, dann fragen!

Was ich leider erst gegen Ende realisiert und bis dahin vollkommen vernachlässigt habe: Fernkampfwaffen! Es empfiehlt sich eine solche Waffe stets als Zweitwaffe auszurüsten, um damit Gegner aus sicherer Distanz heraus, auch aus Feindesgruppen, anzulocken. Auch in Bosskämpfen lässt sich damit einiges an Schaden austeilen, wenn der Boss sich gerade auf den eigenen Begleiter konzentriert.

Abseits der NPC-Begleiter und des Ausrüstungs- sowie Skillsystems, kann man natürlich auch noch einige Stufenaufstiege durch Grinden erreichen, d.h. das Ablaufen der bekannten Levelstrukturen und Ausschalten bekannter Gegner, um Erfahrungspunkte (hier Dunst genannt) zu sammeln.

Im Genrebegründer Dark Souls, in den Fortsetzungen, ebenso wie in Bloodborne und Nioh (inkl. Nioh 2) werden zur Beschwörung freundlicher Mitspieler bestimmte Gegenstände benötigt, die sich nach Nutzung verbrauchen. Steht ihr dort also vor einem schweren Bosskampf und habt den Kampf trotz Unterstützung durch andere Spieler nicht erledigt, seid ihr irgendwann auf euch alleine gestellt, weil ihr alle Gegenstände verbraucht habt.

In Code Vein benötigt ihr aber keine Gegenstände und auch keine Ingame-Währung, um andere Spieler zur Unterstützung zu rufen. An jeder Stelle im Spiel könnt ihr über das Spielmenü ein sogenanntes Notsignal an andere Wiedergänger aussenden. Findet sich online ein anderer Spieler im selben Gebiet innerhalb der Spielwelt auf der gleichen oder ähnlichen Stufe, erscheint dieser Spieler und ihr könnt zu dritt, also NPC-Begleiter, Coop-Partner und eure eigene Spielfigur, den fiesen Monstern in Code Vein eine ordentliche Abreibung verpassen.

Zugegeben, der Sprung vom Code Veins Abspann hin zur „Nioh 2 – Letzte Chance Demo“ fühlte sich an, wie beim allerersten Mal auf einem Skateboard stehend direkt eine für Tony Hawk gedachte Half-Pipe runterzusausen und sich gefühlt 1 min. später im Ganzkörperstreckverband im Krankenhaus wiederzufinden. Was nicht nur an der deutlich anderen Steuerung *blocken* *hust* liegt. Wo Nioh 2 wieder den Hardcorehammer rausholt, ist Code Vein eher ein süßes, in Animeoptik gehaltenes Bett aus rosa Zuckerwatte.

Natürlich sind alle anderen soulslike Mechaniken auch bei Code Vein an Board: Abkürzungen entdecken bei der Erkundung der Spielwelt, Gegnerrespawn nach Rasten an einem Checkpoint, der Verlust von nicht ausgegebenen Erfahrungspunkte beim Ableben des Spielcharakters und Bosskämpfe, deren Überwindung notwendig ist, um im Spielverlauf fortzuschreiten.

Aber der grundlegende Schwierigkeitsgrad von Code Vein ist deutlich niedriger als bei anderen Genreeinträgen und ontop gibt es einige Möglichkeiten, wie von mir hier beschrieben, sich das Spielerleben in der Welt der Vampire einfacher zu machen. Wer also bisher aus Angst vor Frust und aus Sorge, er oder sie würde die eigenen Gamepads vor Wut an die Wand werfen, vom Genre ferngehalten hat, sollte dem Genre hier eine Chance geben. Ist Code Vein erledigt? Warum dann nicht mit The Surge 1 und 2 weitermachen. Oder, um bei Fantasy zu bleiben, Lords of the Fallen. Und anschließend seid ihr definitiv bereit für Dark Souls und Bloodborne. In diesem Sinne: Gitgud!