Ubisoft zieht den nächsten harten Schnitt: Die Studios in Winnipeg und Belgrad werden geschlossen, während in weiteren Bereichen Stellen wegfallen können. Insgesamt stehen bis zu 380 Rollen im Fokus der neuen Restrukturierung, die den Sparkurs des Publishers weiter verschärft.
Für Spieler ist das mehr als eine reine Branchenmeldung. Die betroffenen Teams arbeiteten an Technik, Support und Marken wie Rainbow Six, Assassin’s Creed, Far Cry, Ghost Recon, The Crew und Skull and Bones mit.
Zwei Standorte verschwinden, Barcelona wird neu ausgerichtet
Im Zentrum der neuen Welle stehen Ubisoft Winnipeg und Ubisoft Belgrad. Winnipeg war vor allem für technische Arbeit rund um Ubisofts eigene Engine-Strukturen wichtig. Das Studio unterstützte unter anderem Projekte und Tools, die für große Marken des Publishers relevant waren.
Belgrad wiederum war über Jahre an verschiedenen Ubisoft-Produktionen beteiligt. Dazu zählten Reihen wie Ghost Recon, The Crew, Rainbow Six und Skull and Bones. Solche Support-Studios stehen selten im Rampenlicht, sind für große AAA-Produktionen aber oft entscheidend, weil sie Plattformarbeit, Inhalte, Technik oder Live-Service-Aufgaben auffangen.
Zusätzlich wird Ubisoft Barcelona neu zugeschnitten. Der Standort soll sich künftig stärker auf Rainbow Six konzentrieren. Das zeigt, wohin der Publisher seine Kräfte bündelt: weniger breite Unterstützung vieler Projekte, mehr Fokus auf Marken, die planbar Umsatz bringen und langfristig bespielt werden können.
Parallel passen die Berichte zu weiteren Kürzungen im Publishing-Umfeld und zu neuen Signalen aus San Francisco. Dort sollen zusätzliche Stellen betroffen sein. Damit wirkt die aktuelle Welle nicht wie eine isolierte Standortentscheidung, sondern wie ein weiterer Baustein im größeren Umbau.
Warum Ubisoft so hart spart
Ubisoft steckt seit Jahren in einer schwierigen Lage. Mehrere Projekte wurden eingestellt oder verschoben, die Entwicklungskosten blieben hoch, und einzelne Veröffentlichungen konnten den Druck nicht dauerhaft lösen. Gleichzeitig muss der Konzern seine größten Marken zuverlässiger liefern.
Der Publisher verfolgt deshalb einen klaren Sparkurs. Fixkosten sollen langfristig deutlich sinken, Strukturen werden verschlankt, und große Marken werden in neue interne Einheiten gebündelt. Besonders Assassin’s Creed, Far Cry und Rainbow Six stehen dabei im Mittelpunkt, weil sie international stark genug sind, um den Konzern wieder stabiler zu machen.
Für die Belegschaft ist diese Strategie bitter. Studioschließungen treffen nicht nur Entwickler, sondern auch Wissen, Routinen und lokale Teams, die über Jahre an bestimmten Tools oder Marken gearbeitet haben. Gerade bei AAA-Produktionen ist verlorene Erfahrung schwer schnell zu ersetzen.
Aus Unternehmenssicht ist der Schritt trotzdem nachvollziehbar: Ubisoft muss seine Pipeline konzentrieren. Zu viele parallele Projekte, zu viele verstreute Strukturen und zu hohe laufende Kosten passen nicht mehr zu einer Branche, in der selbst bekannte Marken keine Garantie für sichere Gewinne sind.
Was Spieler jetzt bei Ubisoft erwarten müssen
Kurzfristig dürften die laufenden Ubisoft-Marken nicht sofort verschwinden. Rainbow Six bleibt sichtbar wichtig, Assassin’s Creed ist weiterhin eine tragende Säule, und auch Far Cry sowie Ghost Recon gehören zu den Namen, mit denen Ubisoft seine Zukunft plant.
Trotzdem können solche Einschnitte spürbare Folgen haben. Support-Studios übernehmen oft Aufgaben, die Spieler erst bemerken, wenn sie fehlen: Portierungen, Technikpflege, Live-Service-Inhalte, Bugfixes, Optimierung oder zusätzliche Inhalte nach Release. Wenn Teams geschlossen oder neu verteilt werden, kann das Zeitpläne verändern.
Besonders spannend wird deshalb, welche Projekte Ubisoft in den kommenden Monaten tatsächlich priorisiert. Große Marken mit klarer Umsatzperspektive dürften profitieren. Kleinere Experimente, riskante Neustarts oder langwierige Nebenprojekte könnten es schwerer haben.
Für Spieler heißt das: Die Ubisoft-Krise ist nicht nur ein Thema für Investoren. Sie beeinflusst, welche Spiele entstehen, wie schnell Updates kommen und welche Reihen auf absehbare Zeit überhaupt noch Raum bekommen.
Der nächste wichtige Prüfpunkt wird sein, ob Ubisoft nach der Restrukturierung endlich eine stabilere Release-Roadmap zeigen kann oder ob weitere Einschnitte folgen.

