Zehnmal mehr Spiele pro Tag will Valve mit einer großen Umstellung auf Steam sichtbar machen. Der Bereich „Rabatte & Events“ auf der Startseite soll künftig nicht mehr von Menschen geplant, sondern von einem Algorithmus gefüllt werden. Die Umstellung soll Anfang 2027 abgeschlossen sein.
Steam stellt „Rabatte & Events“ auf Algorithmus um
Valve hat die Änderung am 29. September 2026 in einer Mitteilung an Entwickler angekündigt. Der Bereich „Rabatte & Events“ soll künftig personalisierte Empfehlungen zeigen. Jeder Spieler sieht dort also andere Angebote, passend zu seinen Vorlieben.
Bisher war dieser Bereich ein fester Kalender. Bestimmte Spiele erhielten zu festen Terminen einen Platz, und alle Besucher sahen dieselben Angebote. Dieses System will Valve nun ablösen.
Einen genauen Termin nennt Valve noch nicht. Laut Ankündigung soll die Umstellung Anfang 2027 erfolgen. Weitere Details will Valve in den kommenden Wochen bekannt geben.
Die Begründung ist klar formuliert. Laut Valve ergibt ein von Hand verwalteter Kalender angesichts der vielfältigen Vorlieben der Kunden und der vielen passenden Angebote immer weniger Sinn.
Wichtig ist eine Klarstellung: Es geht nicht um die Preise. Laut Berichten ändert sich nur, welche Angebote du siehst, nicht, was sie kosten. Ein Spiel kostet für alle Nutzer weiterhin gleich viel.
Der Bereich „Rabatte & Events“ ist einer der sichtbarsten Plätze auf Steam. Wer dort auftaucht, erreicht potenziell Millionen Besucher.
So funktionierte der Bereich bisher
Um die Änderung zu verstehen, lohnt ein Blick auf das alte System. Laut Valve bestand der Bereich bisher aus kuratierten Plätzen. Diese wurden entweder von Entwicklern über Steamworks geplant oder direkt vom Team bei Steam.
Zu den bekanntesten Formaten gehörten feste Angebote mit klaren Zeiträumen. Ein Spiel bekam dabei einen besonderen Platz für einen Tag, die Wochenmitte oder das Wochenende.
| Merkmal | Bisher | Künftig |
| Auswahl der Spiele | Kuratiert von Menschen | Algorithmus |
| Anzeige | Für alle gleich | Für jeden Spieler anders |
| Planung | Fester Kalender | Keine festen Termine |
| Tagesangebote, Angebote zur Wochenmitte und am Wochenende | Feste Plätze | Werden abgelöst |
| Preise | Für alle gleich | Weiterhin für alle gleich |
Laut Berichten hat Valve die Buchung neuer Plätze bereits gestoppt. Bereits geplante Plätze bleiben aber bestehen und laufen wie vorgesehen.
Für Entwickler war dieses System oft mit viel Aufwand verbunden. Wer einen der begehrten Plätze wollte, musste sich laut Berichten bei Valve darum bemühen. Die Zahl der Plätze war begrenzt, und viele Spiele gingen dabei leer aus. Ein Platz im Kalender war deshalb für viele Studios ein wichtiges Ziel.
Für Spieler hatte das alte System durchaus Vorteile. Die Angebote waren übersichtlich und für alle gleich. Wer ein Tagesangebot entdeckte, konnte es Freunden empfehlen, die dasselbe sahen.
Was sich mit dem Algorithmus ändert
Mit der Umstellung entscheidet ein Algorithmus, welche Angebote du siehst. Laut Berichten fließen dabei vor allem diese Daten ein:
- deine bisherige Spielzeit in verschiedenen Spielen
- die Spiele auf deiner Wunschliste
- deine bisherigen Käufe
Das Ziel ist, dir vor allem Angebote zu zeigen, die zu deinem Geschmack passen. Wer viele Strategiespiele spielt, sieht also eher Rabatte auf Strategiespiele. Wer Horror mag, bekommt eher Angebote aus diesem Bereich.
Laut einem Bericht zeigte der Bereich bereits vor der offiziellen Ankündigung für verschiedene Konten unterschiedliche Spiele. Valve testete das neue System also offenbar schon länger.
Laut Berichten müssen sich Entwickler künftig nicht mehr bei Valve um einen Platz bewerben. Stattdessen verwalten sie ihre Rabatte selbst.
Dafür kündigt Valve neue und überarbeitete Werkzeuge an. Sie sollen Entwicklern helfen, ihre Rabatte und Aktionen besser zu steuern. Wie diese Werkzeuge genau aussehen, ist noch nicht bekannt.
Offen ist, ob die großen saisonalen Aktionen wie der Sommerausverkauf oder der Winterausverkauf von der Änderung betroffen sind. Dazu äußert sich die Ankündigung laut den vorliegenden Berichten nicht.
Zehnmal mehr Spiele pro Tag: Die Ergebnisse der Tests
Valve stützt die Entscheidung auf eigene Tests. Laut Valve zeigte der Bereich mit personalisierten Empfehlungen zehnmal mehr Spiele pro Tag als zuvor.
Das ist logisch. Bei einem festen Kalender sehen alle Besucher dieselben wenigen Spiele. Bei personalisierten Empfehlungen sieht jeder andere Spiele, und insgesamt tauchen dadurch viel mehr Titel auf.
Auch die Wirkung auf das Verhalten der Spieler war laut Valve messbar. Die Tests brachten spürbare Zuwächse in drei Bereichen:
| Bereich | Ergebnis laut Valve |
| Besuche auf Seiten im Laden | Spürbarer Anstieg |
| Einträge auf Wunschlisten | Spürbarer Anstieg |
| Spiele im Warenkorb | Spürbarer Anstieg |
Genaue Zahlen zu diesen Zuwächsen nennt Valve nicht.
Ein konkretes Beispiel liefert der Herausgeber Hooded Horse. Laut Berichten kam eines seiner Spiele über den Bereich „Rabatte & Events“ in fünf Monaten auf gerade einmal 14 Besuche. Mit dem neuen System waren es dann über 7.000 Besuche in einem einzigen Monat.
Firmenchef Tim Bender beschrieb das sinngemäß so: Eine Seite, die zuvor nichts gebracht habe, sei zur besten Quelle für Besucher des Spiels geworden.
Das Beispiel zeigt das Potenzial. Gerade kleinere Spiele, die nie einen der festen Plätze bekommen hätten, profitieren offenbar stark von der Umstellung.
Was die Umstellung für Spieler bedeutet
Für Spieler hat die Änderung Vorteile und Nachteile. Auf der positiven Seite steht die Relevanz. Du bekommst eher Angebote zu sehen, die dich wirklich interessieren.
Auch die Vielfalt steigt. Statt immer derselben großen Titel tauchen mehr unterschiedliche Spiele auf. Das kann helfen, echte Perlen zu entdecken, die sonst untergegangen wären.
Es gibt aber auch Bedenken. Ein personalisierter Algorithmus kann dazu führen, dass du nur noch Spiele aus deinen gewohnten Bereichen siehst. Wer bisher vor allem Rollenspiele gespielt hat, bekommt womöglich kaum noch Rabatte auf ein tolles Rennspiel angezeigt.
Dazu kommt ein sozialer Aspekt. Bisher sahen alle dieselben Tagesangebote. Man konnte darüber sprechen und sich gegenseitig auf Schnäppchen hinweisen. Mit personalisierten Angeboten fällt dieser gemeinsame Bezugspunkt weg.
Auch die Frage nach den Daten stellt sich. Steam nutzt deine Spielzeit, Wunschliste und Käufe für die Empfehlungen.
Wer gezielt nach Angeboten sucht, ist ohnehin nicht auf die Startseite angewiesen. Über die Suche und Filter lassen sich weiterhin alle reduzierten Spiele finden.
Chancen und Risiken für Indieentwickler
Für kleine Studios ist die Umstellung zweischneidig. Auf der einen Seite stehen klare Chancen. Der Kampf um wenige feste Plätze fällt weg, und auch kleine Spiele können vor passendem Publikum auftauchen.
Das Beispiel von Hooded Horse zeigt, wie groß der Effekt sein kann. Ein Spiel, das zuvor kaum sichtbar war, erhielt plötzlich tausende Besuche. Gerade Nischenspiele finden so leichter ihre Zielgruppe.
Auf der anderen Seite gibt es Risiken. Das größte ist die fehlende Durchschaubarkeit. Laut einem Bericht weiß außerhalb von Valve niemand genau, wie das System die einzelnen Daten gewichtet.
Für Entwickler bedeutet das Unsicherheit. Früher wussten sie, wann ihr Spiel einen Platz bekommt. Künftig hängt die Sichtbarkeit von einem System ab, dessen Regeln sie nicht kennen.
Diese Punkte stehen sich gegenüber:
- Chance: mehr Spiele erhalten Sichtbarkeit
- Chance: kein aufwendiges Bewerben um Plätze bei Valve
- Risiko: unklare Regeln des Algorithmus
- Risiko: schwerere Planung von Aktionen
Wie gut das neue System für kleine Studios funktioniert, wird sich erst nach der Umstellung Anfang 2027 zeigen.
Teil eines größeren Umbaus bei Steam
Die Umstellung von „Rabatte & Events“ steht nicht allein. Valve baut die Startseite von Steam schon länger schrittweise um.
| Zeitpunkt | Änderung laut Berichten |
| Juni 2026 | Neue Startseite mit höherer Hürde für die Liste beliebter kommender Spiele |
| Mitte September 2026 | Erste personalisierte Anzeige im Bereich „Rabatte & Events“ beobachtet |
| 29. September 2026 | Offizielle Ankündigung der Umstellung |
| Anfang 2027 | Geplanter Abschluss der Umstellung |
Der Hintergrund ist die schiere Menge an Spielen. Laut einem Bericht umfasste Steam im Juli 2026 über 135.000 Spiele. Täglich erscheinen demnach rund 55 neue Titel.
Bei dieser Menge stößt ein von Hand gepflegter Kalender an seine Grenzen. Kein Team kann aus so vielen Spielen die richtigen für Millionen unterschiedlicher Besucher auswählen. Genau hier setzt der Algorithmus an.
Die Entwicklung zeigt eine klare Richtung. Steam setzt immer stärker auf persönliche Empfehlungen statt auf feste Listen für alle. Der Umbau von „Rabatte & Events“ ist dabei nur der jüngste Schritt.
Für Spieler bedeutet das: Die Startseite von Steam sieht künftig für fast jeden anders aus. Für Entwickler wird es dagegen wichtiger denn je, genau die Spieler zu erreichen, die sich für ihr Genre interessieren. Eine gut gepflegte Seite im Laden und viele Einträge auf Wunschlisten dürften dabei eine noch größere Rolle spielen.
Ein richtiger Schritt, der Transparenz braucht
Valve trifft mit der Umstellung eine nachvollziehbare Entscheidung. Bei über 135.000 Spielen kann ein fester Kalender einfach nicht mehr allen gerecht werden. Das Beispiel von Hooded Horse zeigt, wie sehr gerade kleine Spiele von persönlichen Empfehlungen profitieren können.
Für Spieler überwiegt der Nutzen, solange sie wachsam bleiben. Wer sich nur auf die Startseite verlässt, verpasst womöglich gute Angebote außerhalb der eigenen Vorlieben. Ein gelegentlicher Blick in die Suche mit Filter für Rabatte bleibt deshalb auch künftig sinnvoll.
Die größte Schwäche liegt bei der Offenheit gegenüber Entwicklern. Valve verlangt von Studios, einem System zu vertrauen, dessen Regeln niemand kennt. Das ist ein echtes Problem, denn Planungssicherheit ist für kleine Teams überlebenswichtig. Valve sollte zumindest grundlegend erklären, nach welchen Kriterien der Algorithmus Spiele auswählt.
Gelingt das, könnte die Umstellung einer der wichtigsten Schritte für mehr Vielfalt auf Steam seit Jahren werden. Bleibt der Algorithmus dagegen undurchschaubar, dürfte das Misstrauen bei vielen Entwicklern wachsen.

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