Zur Veröffentlichung des lang ersehnten fünften Teils der Devil May Cry-Reihe haben wir für euch ein bisschen die Geschichte zu Devil May Cry (Japanischer Name Debiru Mei Kurai) gecheckt und wollen uns nochmal in die gute alte Zeit zurück versetzen. Dante wird nämlich auch schon bald erwachsen bzw. eben 18 Jahre alt. Für Zocker in meinem Alter, also mit 36, ist das erst einmal wie ein kleiner Schock – Soooo lange ist das schon her? Als ich damals 2001 den Erstling in meine PlayStation 2 schob, ahnte ich noch nicht, dass der Titel das kommende Genre so sehr prägen würde und ich obendrauf noch 2019 Devil May Cry spielen würde. Devil May Cry wäre nämlich beinahe eine Fortsetzung in der Resident Evil-Familie geworden. Shinji Mikami, damaliger Producer für die Resident Evil-Spiele, verhinderte dies jedoch und strebte eine neue Reihe an. Nachzulesen hier. Verantwortlich für die Entstehung von Dante und Co. war letztlich ein alter Bekannter, der auch heute noch ordentlich in der Branche mitmischt – Hideki Kamiya (Ja, der auf dem Foto).

Als Director leitete er 2001 die Produktion von Devil May Cry. Dazu gründete man bei Capcom ein Team mit dem Namen „Team Little Devil“ und holte sich auf einer Spanien-Reise zahlreiche Inspiration der dortigen gotischen Kirchen und Schlösser, die man in Devil May Cry überall wiederfindet. Und das Spiel sorgte seiner Zeit für viel Staunen. Die stylisch harte 3D-Klopperei überzeugte durch sein völlig überzogenes Artdesign und das akrobatisch-verrückte Kampfsystem. Belohnt wurden die Mühe und der Mut neue und kreative Elemente ins Genre zu bringen mit damalig ordentlichen 2,2 Millionen verkauften Einheiten und Topwertungen der Fachpresse. Bei der Hintergrundgeschichte bedienten sich die Japaner wie so oft aus allerhand Mythologien, Sagen und sogar der realen Welt. So teilte Hideki Kamiya irgendwann mit, dass die Namen Dante und Vergil für den italienischen Dichter Dante Alighieri und den römischen Dichter Virgel aus der Göttlichen Komödie stammen (Der Dante durch die Hölle leitet). Ansonsten geht es um Familienangelegenheiten. Dante und Vergil sind die Söhne des Dämonen Sparda und des Engels Eva. Wie uns schon Diablo lehrte, sind Dante und Vergil somit sogenannte Nephilim, sprich Hybriden aus Dämon und Engel und können dadurch ganz schön auf den Putz hauen.

Dante avanciert dabei zum unangefochtenen Style-Akrobaten. Ellenlange Kombos, ob auf dem Boden oder Luft, sind fortan das Markenzeichen der Devil May Cry-Serie. Neu ist nämlich die Tatsache, dass die Action neben Anspruch auch Style haben soll. Dieser wird als einer von vielen Faktoren in einem Punkte-System pro Mission ausgewertet und nach Abschluss des Levels mit bewertet. Weitere Faktoren für euer Ranking (Von D wie poor/“Don’t Worry“) zu S wie excellent/“Showtime“). Für eine hohe Wertung müsst ihr nämlich schnell, abwechslungsreich und ohne viele eigene Treffer die Level beenden. Highscorejagd 2.0 quasi.

Logische Konsequenzen – Fortsetzungen

Nach dem Erfolg des Erstlings war eine Fortsetzung natürlich nur eine Frage der Zeit und erschien Anfang 2003 auch wieder exklusiv für Sonys erste DVD-Schleuder. Die spielerische Finesse der Debüt-Version konnte Teil 2 dann jedoch nicht halten. Nachdem der erste Teil einen satten Metacritic-Wert von 94 für sich verbuchen konnte, stürzte Devil May Cry 2 von dort auf erstaunliche 68 zurück. Schuld daran war vor allem die uninspirierte Geschichte, die keine wirklichen Neuerungen bot und eine grauenhafte Kamera, die Spieler weltweit zur Verzweiflung trieb. Dazu wurde das Spiel sehr an den Casualmarkt angepasst und war im Gegensatz zum ersten Teil sehr viel einfacher und langweilte viele Fans. Zocker und Medien straften das Sequel deshalb sehr hart ab und sandten Capcom dadurch eine deutliche Warnung für einen eventuell erscheinenden dritten Teil, welcher natürlich dann auch 2005 noch für die PlayStation 2 erschien. Hier besann sich Capcom um den Director Hideaki Itsuno wieder auf alte Tugenden der Serie. Beim Schwierigkeitsgrad übertrieben die Japaner sogar etwas, weshalb fast ein Jahr nach dem eigentlichen Release eine angepasste „Special Edition“ auf den Markt kam. Diese passte den Schwierigkeitslevel des Spiels an westliche Standards an (behielt jedoch auch das Original) und verteilte weitere Checkpunkte innerhalb der Level. Auch bei der Story wollte man etwas kreativer sein. So spielt der dritte Teil Jahrzehnte vor dem ersten und behandelt die unterschiedliche Entwicklung der Brüder Dante und Vergil. Gleichzeitig legte man auch erst im dritten den Hintergrund der Spielreihe offen. Nach dem dramatischen Ende des dritten Teils, erfahrt ihr nämlich erst woher der Name „Devil May Cry“ eigentlich stammt. Es war Lady, die Dante mit dem Satz „Maybe somewhere out there even a devil may cry when he loses a loved one“ auf den Namen Devil May Cry für sein Dämonenjägerbüro brachte.

Neue Generation – Neuer Charakter

Auf der PlayStation 2 war die Saga rund um die weinenden Dämonen damit abgeschlossen. 2008 folgte dann das zu erwartende Comeback auf den bis dahin etablierten Konsolen der 6. Generation – PlayStation 3 und erstmals auch Xbox 360. Da man bei Capcom durchaus gemerkt hat, dass Fans und Spieler neue Story-Ansätze durchaus zu würdigen wissen, setzte man auch hier erneut auf eine etwas umfassendere Geschichte. Dante ist im vierten Teil schon ein paar Jahre älter als noch zuvor und teilt sich die Hauptrolle mit Nero, der mit dem Dämonenjäger zunächst einmal eine Rechnung offen hat. Gleich im Intro muss Nero nämlich mit ansehen, wie Dante seinen Ordenschef Vicar Sanctus kaltblütig über die Wupper schickt. Als Ritter des Ordens des Schwerts obliegt es Nero den Mörder seines Meisters zu rächen. Im Spielverlauf stellt sich natürlich schnell raus, dass der Orden ziemlichen Dreck am Stecken hat und Dante kein böser Priester-Killer ist. Nero wird nach der Aufklärung um die dämonische Wahrheit über den Orden also zum Verbündeten und Mitstreiter der Dämonenjäger Devil May Cry. Der Weg dorthin war jedoch von möglichen Problemen begleitet, die man bei Capcom, dank eines Fehlers bei Konami, umschiffen konnte. Nach der damaligen Wut vieler Metal Gear Solid Fans versuchte der Devil May Cry 4 Producer Hiroyuki Kobayashi die Wogen schnell zu glätten. In Metal Gear Solid 2 wussten Fans bis zuletzt nämlich nicht, dass Fanliebling Solid Snake nur einen winzigen Teil des Spiels der eigentliche Protagonist sein würde. Erst als es zu spät war, bemerkten Spieler, dass Snake durch die neue Figur Raiden ersetzt wurde und das Geschrei war riesig. Kobayashi besänftigte die Spielerschaft möglichst schnell damit, dass Dante auf jeden Fall ebenfalls ordentliche Spielzeit bekommen würde. Der vierte Teil mit samt neuen Charakteren und Änderungen kam bei den Spielern gut an und bescherte Capcom gute drei Millionen verkaufte Exemplare und mit 84 Metacritic Punkten sehr brauchbare Wertungen der Fachpresse.

Neustart mit Emo Dante

Nach dem Erfolg von Devil May Cry 4 wurde es überraschend ruhig um die Dämonenjäger Dante und Nero. Scheinbar traute sich bei Capcom zu dieser Zeit auch Niemand so recht zu einen weiteren Teil der Saga zu kreieren. Vielleicht hatte Capcom aufgrund anderer Projekte auch einfach nicht die Manpower für ein neues Devil May Cry. So beschlossen die Japaner kurzerhand die sehr prestigeträchtige Marke in fremde Hände zu geben und vertraute Ninja Theory das Projekt zu einem neuen Devil May Cry-Spiel an. Im Herbst 2010 veröffentlichte das Studio um den Director Tameem Antoniades dann erste Konzepte und machten damit bekannt, dass die Serie einen Reboot durchlaufen wird. DmC – Devil May Cry spielt in einer etwas alternativen Zeitlinie als sonst und ihr schlüpft in die Rolle eines sehr jungen Dante. Die Hauptgeschichte ist in etwa gleich, bis auf das ihr zusammen mit Vergil auf der Suche nach dem Dämonenkönig Mundus seid. Dieser hat auch in DmC eure Mutter auf dem Gewissen und euren Vater verbannt. Die eigentlich guten neuen Ansätzen gingen jedoch in einem Shitstorm baden. Viele Veteranen der Serie konnten und wollten sich nicht mit dem neuen Design der Hauptfigur anfreunden. Dante fiel einer etwas klischeebehafteten japanischen Schere zum Opfer. Seine Statur war plötzlich eher skinny, wie man wohl in der Modebranche sagen würde und überraschte mit schwarzem Kajal und „smokey Eyes“. Ja, Dante wurde ein dürrer Emo mit kurzen dunklen Haaren. Nach anfänglichem Geschrei beruhigte sich die Masse wieder und DmC – Devil may Cry erschien 2013 für Xbox 360 und PlayStation 3. Die Wertungen sprachen ein deutlich positives Zeichen, die Verkaufszahlen blieben leider hinter den Erwartungen Capcoms zurück. Statt der anvisierten zwei Millionen, setzte man lediglich 1,2 Millionen Einheiten ab. Unseren Test gibt es dazu übrigens hier.

HD-Collections und Remasters

Seit 2013 verbringt Capcom seine Zeit damit, Dante und Co. in HD-Collections und Remaster-Versionen zu verwursten. Ausmaße wie bei Resident Evil nahm diese Politik zwar nie an, jedoch kann man schon behaupten, dass es diverse Devil May Cry-Teile auf recht viele Plattformen geschafft haben. So erschienen die HD-Versionen der Teile 1-3 zunächst auf PlayStation 3 und Xbox 360 und anschließend auch auf Xbox One und PlayStation 4. Devil May Cry 4 und der Ninja Theory-Teil, DmC – Devil May Cry, erhielten eine dezent aufgehübschte Remaster-Version für Xbox One und PlayStation 4. Den Test zu Devil May Cry 4 – Special Edition findet ihr hier. Letzte Woche erschien der langerwartete fünfte Teil der Hauptserie, welcher wieder bei Capcom direkt entstand. Ich vermöbel seit dem Wochenende schon fleißig Dämonenhorden, sammle Orbs und probiere alle möglichen Kombos für euch durch. Das Ergebnis im Test ist also in der Mache und gibt es bald hier bei uns zu lesen.