Nein, dieses Mal geht es nicht um Discs, Onlinezwang oder alles außer Streaming. Aber auch wenn die superkurzen Ladezeiten der PlayStation 5 schon ziemlich spannend sind und man sich ausrechnen kann, dass die neue Xbox um die 12 Teraflops und Raytracing kann, die wirklich spannenden Fragen lauern doch an anderen Ecken. Wie viel glaubwürdiger und variantenreicher werden NPC’s zum Beispiel? Kann ich die verdammte Truhe endlich ohne Dietrich knacken? Und geht diese beschissene Türe jetzt endlich in die Brüche?

Arrow to the Knee

Früher war ich auch mal ein Abenteurer, doch dann bekam ich einen Pfeil ins Knie. Den Spruch kennt wohl nicht nur jeder Skyrim-Spieler längst auswendig. Dabei waren die Skyrim NPC’s eigentlich für ihre Zeit ziemlich gelungen. Alle folgten Tagesabläufen, viele hatten eigene Verhaltensweisen und meistens funktionierte das System sogar relativ gut. Allerdings konnte die KI auch ziemlich komische Sachen machen, hatte ab und an auch echte Aussetzer und war im Kampf oft ziemlich doof. So ganz nebenbei bekam man manche Sprüche auch noch viel zu oft zu hören. Fallout 4 war in der Hinsicht kein wirklich großer Fortschritt und die NPC’s von The Witcher agieren zum Teil vielleicht sogar simpler als bei Skyrim. Jedenfalls macht das den Eindruck, wenn man einzelne Charaktere länger beobachtet. Dafür gibt es halt weniger Probleme. Das erste Assassins Creed war übrigens auch dafür bekannt, dass sich NPC’s ständig wiederholten. Und dabei sind wir hier noch gar nicht bei Gegner-KI oder KI-Kameraden. Wenn ich da an Halo 5 denke, wo mich meine Squad Mitglieder auf Legendär gerne mal ins Fadenkreuz eines Scharfschützen geschoben haben…

Kurzum, bessere, glaubwürdigere und je nach Spiel auch komplexere KI, das ist für viele Spiele etwas, das ich mir wirklich von der Next Gen wünsche. Und da ist es fast schon egal, wo. KI in Rennspielen hat aktuell eigentlich genauso viel Luft nach oben wie bei Shootern. Und klar, die NPC’s in Rollenspielen und Action Adventures dürften gerne etwas lebendiger agieren. Deswegen muss man ja nicht auf den einen oder anderen gescripteten Dialog verzichten. Ich könnte mir bei Cyberpunk 2077 übrigens sehr gut vorstellen, dass die KI von den Next Gen Konsolen profitieren könnte. Sei es nun als Cross Gen Spiel oder nur für die nächste Generation.

Verdammte Axt, das ist doch nur Holz

Wieso bekomm ich diese Dreckstruhe nicht mit meiner Axt zerschlagen? Jetzt mal ehrlich, ich bin ein mächtiger Barbar und soll dämliche Dietriche mit mir rumschleppen und auf Lockpicking skillen? Geht’s eigentlich noch? Kann ja sein, dass ich nen Teil der Wertgegenstände in bisschen in Mitleidenschaft ziehe aber der klapprige Holzhaufen muss sich doch zu Brennholz verarbeiten lassen.

Und warum bekomm ich diese dämliche Holztüre weder mit meiner Shotgun noch mit dem Raketenwerfer auf? Von Eintreten mal ganz zu schweigen? Ich darf ganz New York in Schutt und Asche legen aber keine Türe einfach so öffnen.

Kurzum, Spiele setzen uns sehr oft immer noch ziemlich doofe Grenzen. Wenn es aber in einem Rollenspiel nur eine Möglichkeit gibt, eine Sache zu lösen, dann ist das echt blöd. Und überhaupt sind Spielwelten teilweise immer noch genauso limitiert wie vor zehn oder fünfzehn Jahren. Dabei dürften Umgebungen langsam ruhig etwas mehr zu Bruch gehen. Stattdessen kann man bei den meisten Spielen wesentlich weniger zerlegen als bei Crysis aus 2007. Die eine oder andere Techdemo zeigt doch, wie schön sich Fassaden in Echtzeit zerstören lassen. Und wenn schon nicht die ganze Umgebung, dann bitte wenigstens die eine oder andere Türe. Zumindest die aus Pressspan. Und vielleicht noch ein paar Tische, Stühle und so. Das wäre übrigens auch bei Elder Scrolls VI ganz lustig. Vor allem wenn der Bewohner des Hauses lamentiert, weil wir beim Kampf mit der Stadtwache (die mal einen Pfeil in die Hüfte bekam) die ganze Inneneinrichtung zerlegen.

Weichkörper sind cool

Noch mehr Physik! Und zwar Soft-Body Physics beziehungsweise Soft-Body Dynamics. Meistens setzen uns Spiele immer noch reine Festkörper Physik vor. Das Problem dabei, unsere Welt verhält sich gar nicht so. Entsprechend beobachte ich seit mittlerweile sieben Jahren ein Spiel, das mal als CryEngine 3 Demo begann. Nämlich BeamNG. Immer noch im Steam Early Access ermöglicht BeamNG ein Crashverhalten das viel realistischer ist als alles, was wir aus den gängigen Rennsimulationen kennen. Obendrein hat die Steifigkeit unseres Fahrzeugs hier spürbaren Einfluss auf das Fahrverhalten. Das liegt vor allem daran, dass die Fahrzeuge in BeamNG deformierbare, ‘weiche‘ Objekte sind.

Das ist aber längst nicht alles, was man mit Weichkörpern darstellen kann. Absolut glaubwürdige Haare und sich natürlich bewegende Kleidung sind machbar. Samt Skelettanimation könnte man aber auch Dinge wie Körperfett viel glaubwürdiger darstellen. und generell könnte man sicher auch Bäume und andere Pflanzen realistisch animieren, indem man sie als entsprechende Weichkörper erstellt und den virtuellen Wind ganz nach Bedarf wehen lässt.

Auch wenn Soft-Body Dynamics mittlerweile in manchen Spielen genutzt werden, hier ist noch sehr viel Luft nach oben. Vieles werden wir in den nächsten Jahren wahrscheinlich auch noch nicht in Spielen sehen. Anderes wird dabei helfen, Spiele glaubwürdiger zu machen.

Und noch viel weiter

Es gibt sicher noch so einiges, was hier aufgelistet und ausgeführt werden könnte, wenn es um die nächsten Konsolen und unsere virtuellen Welten der Zukunft geht. Auch wenn ich mich über fette Optik am Ende doch wieder freuen werde, die Grafik wird dabei, zumindest für mich, nur noch ein nebensächlicher Aspekt sein. Sicher brauchen auch nicht alle Spiele ausgefuchste High Tech Spielereien. Das zeigen nicht zuletzt viele Indie Games. Andererseits gibt es auch Spiele wie Spintires: Mudrunner, die kein gigantisches Budget haben aber gerade durch ihre glaubwürdige Physik begeistern können. Wer weiß, was hier noch alles möglich sein wird in Zukunft? Vielleicht wird die Next Gen ja doch wieder ganz spannend.