Ich spiele gerade ein Spiel, an dem ich eigentlich gar keinen Spaß haben dürfte. Zumindest wenn es nach unserem eigenen Test geht. Sword Art Online: Fatal Bullet kam im Review nämlich letztes Jahr gar nicht gut weg, und trotzdem hab ich gerade meinen Spaß damit. Mehr noch, auch wenn der Titel definitiv so seine Macken hat und ich Christian bei einer Reihe von Kritikpunkten Recht geben muss, bei mir wäre die Wertung eine gute Ecke höher ausgefallen. Aber wer von uns liegt nun richtig?

Beste wo gibt

Gehen wir mal gute zwei Jahre zurück. Da erschien mein Breath of the Wild-Test mit der höchsten Wertung, die GamingNerd.net bis heute vergeben hat. Stolze 93% gab es außer für The Legend of Zelda nur für Red Dead Redemption 2. Ironischerweise interessiert mich letzteres nicht die Bohne. Das liegt mit Sicherheit daran, dass mir Grand Theft Auto immer ziemlich schnell langweilig wurde. Eigentlich müsste ich RDR mal eine Chance geben und das werde ich demnächst auch mal tun. Aber hier lauert bereits eines der ersten Probleme.

Zurück zu Breath of the Wild. Kaum hatten wir den Test veröffentlicht hagelte es in einem Nutzerkommentar ganz massive Kritik am Spiel. Dabei reden wir hier von einem der ganz allgemein bestbewerteten Spiele der letzten Jahre. Und trotzdem waren ein paar Punkte auch bei diesem Verriss nicht unberechtigt. Unterschiedliche Punkte werden teils gravierend unterschiedlich bewertet. Klar, auch The Legend of Zelda hat so seine Macken. Der enorme Waffenverschließ war z.B. gerade anfangs oft nervig. Und man kann wirklich prima über die Mini-Dungeons und das Fehlen großer Verliese streiten. Sind die Türme ein billiger Abklatsch der Assassin’s Creed Aussichtspunkte? Ist die Welt voll oder leer? Und ‘fluppt‘ es überhaupt?

Geht so oder sehr gut?

Quantum Break ist auch so ein interessanter Fall. Auch wenn unsere Wertung seinerzeit nicht die höchste war, wir lagen definitiv über dem Durchschnitt. Hier hätte ich persönlich wohl einige Punkte weniger vergeben, kann Christophs Wertung aber gleichzeitig verstehen. Der Remedy Shooter macht vieles anders als andere Third Person Ballereien, vieles auch gut, anderes ist aber auch sehr streitbar. Ob die langen Filmsequenzen und definitiv zu viele Texte oder manche eher halbgare Gameplay Entscheidung, gerade abseits der Action, die eher negativen Aspekte wurden bei Quantum Break extrem unterschiedlich bewertet. Und ich kann erstaunlich viele Wertungen auch verstehen. Kann man hier überhaupt sagen, dass ein Tester grundsätzlich falsch liegt, weil seine Meinung deutlich vom Mittelwert abweicht?

Lumberjack

Es gibt auch Spiele, die sind einfach ziemliche Special Interest Vertreter. Da wäre zum Beispiel Spintires: Mudrunner. Wer gar kein Faible für Offroad hat ist hier von vornherein falsch. Jeder, für den Autospiele schnell oder gar arcadig sein müssen allerdings auch. Da verwundert es auch nicht, dass man im Wertungsspiegel so manchen Verriss findet. Ich hingegen hatte mit dem Spiel mittlerweile gleich zwei Mal meinen Spaß. Wichtig dabei, ich konnte in meinen Reviews hoffentlich für jeden verständlich begründen, warum ich das hatte und auch, für wen Mudrunner nicht geeignet ist.

Mich selbst kann man üblicherweise mit Sportspielen jagen. Tennis, Fußball, Golf, an virtuellem Sport hab ich in der Regel einfach keinen Spaß. Für mich ist das auch ein Grund, entsprechende Spiele von vornherein nicht zu testen. FIFA oder PES gehen mir am Allerwertesten vorbei, ich sähe mich aber auch gar nicht erst in der Lage, eine qualifizierte, geschweige denn objektive Wertung abzugeben.

Hier könnte ein Bild-Spruch stehen

Natürlich ‘Bild dir deine Meinung‘, denn letzten Endes zählt die eigene Meinung immer am meisten. Reviews sind immer noch nützlich und klar können sie Richtungsentscheidungen geben. Auch wenn Gurken und Totalausfälle heutzutage sicher seltener sind als in den Achtzigern und Neunzigern, ob man seine knappe Zeit möglichst gut nutzen will oder einfach vorfiltern möchte, ein paar Infos zum Spielgefühl oder auch zu Macken haben will, es gibt Unmengen guter Gründe, Reviews immer noch zu lesen. Für mich ist es wiederum wichtig, dass ich zu jedem meiner Tests auch nachträglich stehen kann. Das gilt letztlich wohl für jeden GamingNerd-Redakteur, auch wenn selbst wir manchmal zu ziemlich unterschiedlichen Schlüssen kommen können.

Am Ende gelten unsere Meinung und die aller anderen Tester aber auch immer nur als das was sie sind: eine Meinung. Sein eigenes Urteil sollte man sich deswegen immer selbst bilden.