Bei Saber Interactive ist eine öffentliche Debatte über den Einsatz generativer KI entbrannt. Im Mittelpunkt steht das kommende Spiel Rideshare Stimulator, bei dem eine ehemalige Autorin behauptet, während der Entwicklung durch ChatGPT ersetzt worden zu sein.
Saber weist diesen Vorwurf entschieden zurück. Gleichzeitig bestätigt das Unternehmen allerdings, dass generative KI in bestimmten Bereichen des Spiels zum Einsatz kommen soll. Inzwischen hat sich auch Saber-CEO Matthew Karch persönlich zu der Kontroverse geäußert – und damit die Diskussion weiter angeheizt.
Ehemalige Autorin erhebt schwere Vorwürfe
Ausgangspunkt der Debatte war ein Beitrag der ehemaligen Saber-Lead-Autorin Stella Sacco.
Sacco erklärte, sie habe als Lead Writer an Rideshare Stimulator gearbeitet. Nach ihrer Darstellung sei sie jedoch während der Entwicklung durch ChatGPT ersetzt worden. Zusätzlich behauptete sie, auch die Stimmen der Fahrgäste seien mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt worden.
Die Aussagen verbreiteten sich schnell in sozialen Netzwerken und sorgten insbesondere deshalb für Kritik, weil der Einsatz generativer KI in der Spielebranche weiterhin kontrovers diskutiert wird.
Rideshare Stimulator wird von Unigine entwickelt und von Saber Interactive veröffentlicht. Spieler übernehmen darin die Rolle eines Fahrers und transportieren unterschiedliche Passagiere, die jeweils eigene Geschichten und Persönlichkeiten besitzen sollen.
Saber: Geschichte wurde vollständig von Menschen geschrieben
Saber Interactive reagierte auf die Vorwürfe mit einem klaren Dementi.
Nach Angaben des Publishers hätten weder Saber noch Unigine Autoren bei Rideshare Stimulator oder anderen Projekten durch künstliche Intelligenz ersetzt.
Das Unternehmen betonte außerdem, dass sich die Zahl der bei Saber beschäftigten Autoren seit 2023 sogar verdreifacht habe. Die eigentliche Geschichte von Rideshare Stimulator sei vollständig von Menschen geschrieben worden.
Damit widerspricht Saber der Darstellung von Sacco direkt.
Ganz ohne generative KI soll das Spiel allerdings nicht auskommen.
KI soll in experimentellem Free-Ride-Modus eingesetzt werden
Saber bestätigte, dass für einen experimentellen Free-Ride-Modus KI-Technologie vorgesehen ist.
Hintergrund ist das Konzept dieses Spielmodus: Dort soll theoretisch eine nahezu unbegrenzte Zahl unterschiedlicher Passagiere möglich sein. Entsprechend möchte Saber offenbar generative Systeme einsetzen, um zusätzliche Inhalte oder Interaktionen zu erzeugen.
Die klare Trennung des Publishers lautet damit: Die eigentliche Story wurde von menschlichen Autoren geschrieben, während generative KI für bestimmte experimentelle Funktionen eingesetzt werden soll.
Diese Differenzierung dürfte entscheidend für die weitere Debatte sein, denn der ursprüngliche Vorwurf lautete nicht lediglich, dass KI eingesetzt werde, sondern dass eine menschliche Autorin konkret durch ChatGPT ersetzt worden sei.
Saber-CEO Matthew Karch reagiert persönlich
Inzwischen hat sich auch Saber-CEO Matthew Karch eingeschaltet.
Seine Reaktion fiel ungewöhnlich scharf aus. Karch erklärte sinngemäß, er habe Sacco weder persönlich gesprochen noch zuvor gesehen und habe sich zunächst sogar über Claude informieren müssen, um herauszufinden, wer sie sei.
Gleichzeitig bestätigte der CEO erneut, dass Saber für bestimmte Bestandteile des Spiels künstliche Intelligenz einsetzen werde.
Die Steam-Seite des Spiels soll entsprechend aktualisiert werden, sobald der endgültige Funktionsumfang feststeht.
Damit bestätigt Saber zwar grundsätzlich den Einsatz von KI, weist jedoch weiterhin die Behauptung zurück, Sacco sei während der Entwicklung durch ChatGPT ersetzt worden.
Zwei unterschiedliche Darstellungen treffen aufeinander
Der Kern der Kontroverse lässt sich damit vergleichsweise klar zusammenfassen:
| Stella Sacco | Saber Interactive |
|---|---|
| Behauptet, als Lead Writer an dem Projekt gearbeitet zu haben | Bestreitet, Autoren durch KI ersetzt zu haben |
| Sagt, sie sei durch ChatGPT ersetzt worden | Story sei vollständig von Menschen geschrieben |
| Behauptet KI-Einsatz bei Passagierstimmen | Bestätigt KI für Teile eines experimentellen Modus |
| Kritisiert fehlende beziehungsweise unklare Offenlegung | Steam-Seite soll nach Finalisierung aktualisiert werden |
Welche internen Entscheidungen während der Entwicklung tatsächlich getroffen wurden, geht aus den öffentlich bekannten Aussagen bislang nicht eindeutig hervor.
Fest steht lediglich, dass beide Seiten unterschiedliche Versionen der Ereignisse darstellen.
Generative KI bleibt ein Reizthema der Gaming-Branche
Der Streit um Rideshare Stimulator zeigt erneut, wie sensibel der Einsatz generativer KI innerhalb der Spielebranche geworden ist.
Insbesondere bei kreativen Tätigkeiten wie Writing, Concept Art, Voice Acting oder Übersetzungen besteht die Sorge, dass Studios menschliche Arbeitskräfte zunehmend durch KI-Systeme ersetzen könnten.
Auf der anderen Seite experimentieren Entwickler bereits mit generativen Technologien, wenn Spiele dynamische Inhalte benötigen, die mit klassischen Produktionsmethoden nur schwer in großer Menge erstellt werden könnten.
Rideshare Stimulator bewegt sich offenbar genau in diesem Spannungsfeld: Saber möchte KI für einen Modus mit potenziell unbegrenzt vielen Passagieren einsetzen, betont gleichzeitig aber, dass die eigentliche Geschichte weiterhin von menschlichen Autoren stammt.
Kontroverse dürfte Saber noch länger begleiten
Mit der persönlichen Reaktion von Matthew Karch dürfte die Diskussion allerdings kaum beendet sein. Statt die Kontroverse zu beruhigen, hat der öffentliche Schlagabtausch zwischen dem Saber-Chef und Stella Sacco zusätzliche Aufmerksamkeit erzeugt.
Für Saber wird deshalb vor allem entscheidend sein, wie transparent das Unternehmen den tatsächlichen Einsatz generativer KI in Rideshare Stimulator kommuniziert.
Dass KI-Technologie verwendet werden soll, bestreitet Saber inzwischen nicht. Umstritten bleibt vielmehr die Frage, ob dabei tatsächlich menschliche Autoren ersetzt wurden – genau diesen Vorwurf weist das Unternehmen weiterhin zurück.

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