Manche Spiele brauchen keine Hochglanz-Kampagne, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Postal 2 gehört definitiv dazu. Das Original sorgte 2003 für handfeste Skandale und wurde in mehreren Ländern verboten. Zusätzlich hält der Titel bis heute einen Guinness-Weltrekord für seinen zweifelhaften Ruf.
Jetzt zahlt die Community selbst dafür, dass dieses Chaos zurückkehrt. Innerhalb von 24 Stunden war die Kickstarter-Kampagne zu Postal 2 Redux durchfinanziert. Am Ende standen umgerechnet über 630.000 Euro auf dem Konto. Wir blicken zurück, wie dieses ungewöhnliche Comeback zustande kam.
Der Ursprung: Wie aus einem Skandal ein Kickstarter-Erfolg wurde
Postal 2 war nie ein gewöhnliches Spiel. Bereits kurz nach dem Release 2003 gerieten Entwickler und Publisher wegen der offenen Gewaltdarstellung in die Kritik. Behörden in mehreren Ländern reagierten mit Verboten.
Gleichzeitig entwickelte sich der Titel in bestimmten Fankreisen zu einem echten Kultobjekt. Genau diese Fangemeinde trug später die Idee eines technischen Neuaufbaus mit. Die Initiative dazu ging von Team Beef aus, die ursprünglich den alten Programmcode für ein VR-Projekt untersuchten. Aus dieser Untersuchung wurde schließlich ein kompletter technischer Neuaufbau der PC- und VR-Version.
Die Kickstarter-Kampagne: Zahlen, die für sich sprechen
Am 13. August 2025 ging die Kampagne offiziell online, begleitet von einem Reveal-Trailer während des VR Games Showcase. Das Mindestziel lag bei umgerechnet rund 230.000 Euro. Schon nach den ersten 24 Stunden war dieses Ziel vollständig erreicht. Danach ging es steil weiter nach oben.
Am Ende der Laufzeit stand ein Gesamtbetrag von umgerechnet über 630.000 Euro zu Buche, getragen von 6.188 Unterstützern. Diese Summe übertraf das ursprüngliche Ziel um mehr als das Doppelte. Somit war die Entwicklung von Postal 2 Redux von Anfang an finanziell abgesichert.
Wer steckt hinter Postal 2 Redux
Hinter dem Projekt steht eine ungewöhnliche Konstellation aus mehreren Studios. Auf der offiziellen Kickstarter-Seite werden Flat2VR Studios als Kampagnenersteller genannt. Zusätzlich arbeiten die Portierungs- und VR-Spezialisten von Team Beef aktiv am technischen Unterbau.
Running With Scissors, der ursprüngliche Rechteinhaber der Marke, übernimmt dabei die kreative Leitung. Der Publisher-Zweig Impact Inked, Teil von Impact Reality, kümmert sich um die Vermarktung. Diese vier Parteien bilden gemeinsam das Rückgrat von Postal 2 Redux. Wichtig dabei: Die Original-Ankündigung nannte Flat2VR Studios, Team Beef und Running With Scissors als Kernteam. Impact Inked kam als Publisher-Partner hinzu, was auf der Kickstarter-Seite entsprechend bestätigt wird.
Technischer Neustart: Unity ersetzt die alte Engine
Das Original von 2003 lief auf einer stark modifizierten Unreal Engine 1.5. Diese Grundlage wird bei Postal 2 Redux vollständig verlassen. Stattdessen setzt das Team auf Unity beziehungsweise Unity 6 als neues Fundament. Dadurch entfallen die klassischen Ladezonen und Zwischenladebildschirme des Originals komplett.
Ein Streaming-System übernimmt stattdessen die nahtlose Darstellung der Stadt Paradise. Außerdem teilen sich die klassische Bildschirmversion und die VR-Fassung dieselbe Spiellogik. Auch Shader und Physiksysteme laufen bei beiden Versionen über eine gemeinsame Codebasis. Dieser Ansatz spart Entwicklungszeit und sorgt gleichzeitig für ein einheitliches Spielgefühl.
Sharper, Louder, Bloodier: Kein entschärftes Comeback
Running With Scissors betont immer wieder, dass Postal 2 Redux kein zahmes Remake wird. Die Formel dahinter lautet knapp: schärfer, lauter, blutiger. Damit ist gemeint, dass sich die grundlegende Erfahrung nicht ändert, sondern technisch verbessert wird. Folgende Punkte hat Running With Scissors dazu bestätigt:
- Die PC-, Mac- und Linux-Version bleiben inhaltlich vollständig unzensiert
- Etwaige Anpassungen auf Konsolen sollen so minimal wie möglich ausfallen
- Das Original von 2003 bleibt weiterhin separat in den Stores erhältlich
- Die Sandbox-Struktur des Spiels bleibt ohne inhaltliche Entschärfung erhalten
Diese Zusagen sind besonders wichtig für langjährige Fans der Marke. Schließlich war die kompromisslose Haltung schon 2003 ein zentraler Teil der Identität des Spiels.
Original gegen Redux: Ein technischer Vergleich
Der Sprung von der alten Engine zur neuen Technik zeigt sich an mehreren Stellen deutlich. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen.
| Merkmal | Original 2003 | Redux 2027 |
| Engine | Modifizierte Unreal Engine 1.5 | Unity 6 |
| Ladezeiten | Ladezonen zwischen Bereichen | Nahtloses Streaming von Paradise |
| VR-Unterstützung | Nicht vorhanden | Vollständig integriert |
| Plattformen zum Start | Ausschließlich PC | PC, PS4, PS5, PSVR2, Meta Quest |
| Zensur | In mehreren Ländern verboten | PC, Mac und Linux vollständig unzensiert |
| Entwicklerteam | Running With Scissors allein | Flat2VR Studios, Team Beef, RWS, Impact Inked |
Diese Gegenüberstellung macht deutlich, wie stark sich das Projekt strukturell verändert hat. Trotzdem bleibt der Kern des Spiels laut Aussagen des Teams unangetastet.
Zeitstrahl: Vom Kickstarter zum geplanten Release
Zwischen dem Start der Kampagne und dem bestätigten Releasefenster liegen mehrere wichtige Etappen. Diese Übersicht zeigt den bisherigen Verlauf chronologisch.
| Datum | Ereignis |
| 13.08.2025 | Offizieller Start der Kickstarter-Kampagne mit Reveal-Trailer |
| 14.08.2025 | Finanzierungsziel von umgerechnet rund 230.000 Euro erreicht |
| Kampagnenende | Endsumme von umgerechnet über 630.000 Euro, 6.188 Unterstützer |
| 21.08.2026 | Bestätigung des Releasefensters für Frühjahr 2027 |
| 24.08.2026 | Details zur PS4- und PS5-Portierung veröffentlicht |
Der Weg von der ersten Ankündigung bis zur Bestätigung des Zeitfensters verlief also innerhalb von etwas mehr als einem Jahr. Zudem zeigt der Verlauf, wie schnell aus einer Crowdfunding-Idee ein konkretes Produkt wurde.
Plattformen und Starttermin: Was bereits feststeht
Postal 2 Redux erscheint im Frühjahr 2027, genauer im ersten Quartal des Jahres. Zum Start sind mehrere Plattformen bestätigt. Dazu zählen Windows-PC über Steam, PlayStation 4, PlayStation 5, PlayStation VR2 sowie Meta Quest. Für den PC-Bereich sind außerdem Mac- und Linux-Versionen vorgesehen. Weitere Konsolenplattformen wie Nintendo Switch und Xbox Series X|S befinden sich aktuell noch in Abstimmung mit den jeweiligen Plattforminhabern. Ein konkreter Termin für diese zusätzlichen Versionen steht bislang nicht fest.
Das bestätigt Running With Scissors – und das noch nicht
Bei einem Projekt mit so vielen beteiligten Studios lohnt sich eine klare Trennung der Fakten. Die folgende Tabelle zeigt, was offiziell steht und was noch offen bleibt.
| Bestätigt | Noch offen |
| Releasefenster Frühjahr 2027 | Exaktes Erscheinungsdatum |
| Plattformen PC, PS4, PS5, PSVR2, Quest | Termin für Switch und Xbox Series X |
| Engine-Wechsel zu Unity 6 | Genauer Preis des Spiels |
| Unzensierte PC-, Mac- und Linux-Version | Umfang der Konsolen-Anpassungen |
| Beteiligung von Flat2VR Studios, Team Beef, RWS und Impact Inked | Zusätzliche Editionen oder Boni |
Diese Übersicht hilft dabei, Gerüchte von tatsächlich bestätigten Informationen zu unterscheiden. Gerade bei einem Projekt mit so viel Fan-Interesse kursieren häufig unbestätigte Details.
Was vom Original bleibt
Trotz aller technischen Neuerungen bleibt die Grundidee von Postal 2 Redux erhalten. Der berüchtigte Charakter des Spiels soll ausdrücklich nicht verwässert werden. Ebenso bleibt das Original von 2003 weiterhin käuflich, es wird nicht aus den Stores entfernt.
Wer also lieber bei der klassischen Fassung bleibt, kann das problemlos tun. Gleichzeitig bekommt die neue Generation mit Postal 2 Redux einen technisch modernen Einstieg. Beide Versionen können somit parallel nebeneinander existieren.
Ein durchfinanziertes Comeback mit klarer Ansage
Postal 2 war schon immer ein Sonderfall in der Spielelandschaft. Ein Titel, der einst wegen Verboten in den Schlagzeilen stand, wird nun durch die eigene Community zurückgebracht. Die Zahlen sprechen dabei eine deutliche Sprache: aus 230.000 Euro Zielsumme wurden binnen kürzester Zeit über 630.000 Euro.
Diese Summe zeigt, wie stark die Nachfrage nach einem technisch modernen, aber inhaltlich unveränderten Postal 2 tatsächlich ist. Wer das Original kennt, kann sich auf dieselbe kompromisslose Haltung freuen, jetzt mit Unity 6 unter der Haube. Wer neu einsteigt, bekommt im Frühjahr 2027 die Chance, ein Stück Gaming-Geschichte ohne Ladebildschirme zu erleben.

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