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Neulich sahen sich Kollegen auf einer anderen Spieleseite genötigt, mal einen Artikel über Publisher, PR-Agenturen, deren Mustervergabe und auch den kommunikativen Umgang miteinander zu veröffentlichen. Da haben die Kollegen vielleicht auch ein paar wunde Punkte erwischt. Andererseits war die Sicht im entsprechenden Artikel stellenweise auch etwas egozentrisch. Auch so manche Missstände auf der anderen Seite fanden hier so gar keine Beachtung. Und überhaupt, ist die etablierte Praxis von Test gegen Muster eigentlich wirklich das Gelbe vom Ei?

Ene, Mene, Du

Tatsache ist, Musterkontingente sind limitiert. Tatsache ist auch, heutzutage buhlen teilweise hunderte Webseiten, Youtuber, Twitcher und natürlich die letzten paar Printmagazine um jene Muster. Nun haben wir nicht alle die gleiche Reichweite. Gerüchten zufolge soll es tatsächlich deutschsprachige Seiten geben, die mehr Leser als Gamingnerd.net haben. Vielleicht werden andere also schon mal aufgrund ihrer Reichweite vorgezogen. Vielleicht sind andere aber gerade auch nur schneller. So oder so, einen Anspruch auf ein Muster haben weder wir, noch irgendeine andere Redaktion.

Eine andere Sache ist, ob man von Pressestellen und PR-Agenturen überhaupt Antworten bekommt. Das ist ein Punkt, an dem vielleicht wirklich Verbesserungsbedarf herrscht. Denn es kann schon mal vorkommen, dass man Antworten, oder Absagen, ein bisschen hinterher rennen muss. Nun haben unterschiedliche Publisher und Agenturen auch unterschiedliche Systeme. Und es trifft längst nicht jedes Spiel auf das gleiche Medieninteresse. Entsprechend kann es einfach auch mal passieren, dass die PR nur bei einem einzigen Spiel über Gebühr belastet ist. Natürlich kann es vielleicht auch mal sein, dass die entsprechende Stelle chronisch überlastet ist. Vielleicht sind manche Pressestellen sogar fies, gemein und hinterhältig. Allerdings kümmert sich die PR auch um immer mehr Anfragen, weil es eben nicht mehr wie früher drei Dutzend Magazine gibt.

Im Gegenteil, die PR darf sich eher mit immer mehr Anfragen herumschlagen, von denen sicher auch nicht alle seriös sind. So oder so gibt es hier also mindestens zwei Seiten.

Man bekommt von der anderen Seite vielleicht sogar mal die Info, dass es zu vielen Mustern am Ende gar keinen Test gibt. Das betrifft zwar oftmals eher kleine Independent Entwickler, gerade für die ist das aber besonders ärgerlich.

Dabei gibt es für Muster nie große Forderungen seitens der Publisher oder Presseagenturen. Die verlangen üblicher- und logischerweise nur einen Test. In der Praxis ist das auch so eine Win-Win Situation, zumindest meistens. Die Publisher bekommen Publicity, die Redaktionen bekommen definitiv Tests und damit Leser. Teilweise bekommt man Muster natürlich auch deutlich vor dem Release, hat frühe Tests und damit mehr Leser. Auch wenn das gerade für kleine Redaktionen nicht die Regel ist.

Muss das so oder kann das weg?

Irgendwie stellt sich aber auch die Frage, ob die Verflechtung von Tests und Mustern so ideal ist. Die finanzielle Leistungsfähigkeit einzelner Redaktionen und vor allem den Aktualitätsdruck mal ganz beiseite, natürlich wäre man mit selbst gekauften Testspielen natürlich völlig unabhängig. Dabei sollte man aber auch bedenken, dass so ziemlich niemand Gegenleistungen für die ganzen Pressemuster verlangt. Gravierender dürfte teilweise schon sein, dass viele von uns auch Werbeeinnahmen ausgerechnet durch Publisher und Spiele generieren. Denn würde man es darauf anlegen, dann ließe sich hier oftmals mehr Druck machen.

Also alles selber kaufen und auch sonst völlig unabhängig werden? Tatsächlich hat bei uns wahrscheinlich jedes Redaktionsmitglied schon selbst gekauftes getestet oder anderweitig für Artikel verwendet. Ich hab beispielsweise letztes Jahr ein paar Reviews zu gekauften Spielen geschrieben. In einem weiteren Fall hätte ich das auch gerne gemacht, da hatten Pressemuster aber Vorrang. Auch selbst gekaufte Hardware wurde schon von uns getestet oder für den Kopfhörer Surround Artikel kurzerhand eine App gekauft. Allerdings stellt sich hier auch ganz schnell die Frage, wer es sich leisten könnte, alle Muster selbst zu besorgen. Denn in unserem Bereich findet sich von ambitionierten Hobbyisten bis zu großen Verlagen so ziemlich alles. Und natürlich spielt auch der Aktualitätsdruck eine große Rolle. Denn bringen wir einen Spieletest erst zwei oder drei Wochen nach Release, dann kostet uns das gerade bei den Triple-A Titeln reichlich Leser.

So oder so, es schadet nicht, sich immer wieder mal kritisch mit der gängigen Praxis auseinander zu setzen und sich auch selbst zu hinterfragen. Übrigens, es ist mir auch schon mal passiert, dass ich ein Spiel bei Ebay gekauft habe, das sich dann als Pressemuster herausgestellt hat, welche nicht zum Wiederverkauf gedacht sind. Respektvoller Umgang sollte also auf beiden Seiten stattfinden.