IO Interactive verliert Xbox-Deal für Project Fantasy: Studio baut Personal ab und sucht neuen Publisher

IO Interactive hat eine überraschende Wendung erlebt. Der dänische Spieleentwickler verliert seinen Publishing-Partner Microsoft für das Online-Rollenspiel Project Fantasy. Damit steht das Studio vor einer seiner größten Herausforderungen seit der Unabhängigkeit im Jahr 2017. Dennoch hält das Team an seiner Vision fest und kämpft für die Zukunft des Projekts.

IO Interactive und Project Fantasy: Was bisher bestätigt ist

IO Interactive arbeitet seit 2021 an Project Fantasy. Das Spiel wurde am 28. Februar 2023 offiziell angekündigt. Intern führte Microsoft das Projekt unter dem Codenamen „Project Dragon“. Das geplante Spiel ist ein kooperatives Online-Rollenspiel mit Fantasy-Setting. Dabei sollen mehrere Spieler unterschiedliche Rollen übernehmen. Die Spielwelt reagiert auf ihre Entscheidungen, ähnlich wie in der Hitman-Reihe. Als technische Grundlage dient die hauseigene Glacier Engine, die das Studio bereits für die Hitman-Trilogie genutzt hat.

Microsoft war ursprünglich als weltweiter Publisher vorgesehen. Zusätzlich sollte das Unternehmen als Hauptfinanzier fungieren. Im Gegenzug war eine Exklusivität für Xbox geplant. Dieser Plan ist nun hinfällig.

Der Bruch mit Microsoft: Was am 30. Juni 2026 passierte

Am 30. Juni 2026 gab IO Interactive offiziell bekannt, dass die Partnerschaft mit Microsoft beendet wurde. Das Studio schrieb in einem offiziellen Statement: „Eine Beziehung mit einem externen Partner an unserer eigenen IP, Project Fantasy, ist zu Ende gegangen.“ Zeitgleich kündigte das Studio Personalentscheidungen an, um sich an die neue Finanzlage anzupassen. Betroffen sind vor allem Mitarbeiter an den Standorten Kopenhagen und Barcelona.

Ein Sprecher von Microsoft bestätigte den Rückzug ebenfalls. Als Begründung wurde eine strategische Neuausrichtung unter Xbox-Leiterin Asha Sharma genannt. Der Fokus verschiebt sich demnach weg von externen Projekten hin zu internen Kernmarken. Branchenexperten ordnen diesen Schritt in einen größeren Kontext ein. Sie erwarten für den 6. Juli 2026 eine umfangreichere Entlassungswelle innerhalb der gesamten Xbox-Sparte.

Personalabbau bei IO Interactive: Welche Standorte betroffen sind

Der Wegfall der Microsoft-Finanzierung hat direkte Konsequenzen für die Belegschaft. IO Interactive beschäftigte vor den Entlassungen über 300 Mitarbeiter weltweit. Das Studio betreibt derzeit fünf internationale Standorte.

Hier ein Überblick über die Standorte von IO Interactive:

  • Kopenhagen (Dänemark) – Hauptsitz, von Entlassungen betroffen
  • Barcelona (Spanien) – von Entlassungen betroffen
  • Malmö (Schweden)
  • Istanbul (Türkei)
  • Brighton (Großbritannien)

Istanbul und Brighton wurden erst in den letzten drei Jahren eröffnet. Beide Standorte sollten ursprünglich die Großprojekte des Studios unterstützen. Konkrete Zahlen zu den Entlassungen hat IO Interactive bislang noch nicht veröffentlicht.

Vergleich: Project Fantasy vor und nach dem Microsoft-Deal

Die folgende Tabelle zeigt, wie sich die Situation für Project Fantasy durch das Ende der Partnerschaft verändert hat:

Merkmal Mit Microsoft-Deal Nach dem Deal-Ende
Publisher Microsoft (Xbox) Noch offen, aktive Suche
Plattformen Xbox-exklusiv (geplant) PlayStation 5, PC wahrscheinlich
Finanzierung Gesichert durch Microsoft Abhängig von neuem Partner
Personalstand Stabil Abbau bestätigt
Entwicklungsstatus Aktiv Weiterhin aktiv
Veröffentlichungstermin Nicht bestätigt Nicht bestätigt

Trotz des Rückschlags läuft die Entwicklung weiter. CEO Hakan Abrak betonte am 2. Juli 2026 in einem Update: „Project Fantasy ist ein Spiel, eine Welt und eine IP, die wir absolut lieben und der wir uns zu 100 % verpflichtet fühlen.“ Das Studio sucht nun aktiv nach neuen Partnern. Spekuliert wird über Sony, Amazon oder EA, wobei diese Informationen bislang nicht offiziell bestätigt sind.

Der finanzielle Druck hinter Project Fantasy

Ein AAA-Online-Rollenspiel ist teuer. Branchenübliche Budgets für solche Projekte liegen zwischen 50 und 150 Millionen US-Dollar. IO Interactive ist daher zwingend auf externe Finanzierung angewiesen. Das Studio selbst kann dieses Volumen nicht allein stemmen.

Allerdings befindet sich das Studio in einer deutlich besseren Lage als noch 2017. Im Mai 2026 veröffentlichte IO Interactive das Spiel 007: First Light. Dieses Spiel markiert den bisher erfolgreichsten Launch der Studiogeschichte. Innerhalb weniger Wochen wurden über 3 Millionen Einheiten verkauft. Allein in der ersten Woche gingen 2,7 Millionen Kopien über die Ladentheke. Dieser Cashflow gibt dem Studio wichtige Zeit bei der Suche nach einem neuen Partner.

IO Interactive in Zahlen: Ein Überblick über aktuelle Daten

Kategorie Daten
Gründung der Unabhängigkeit 2017 (Management-Buy-out von Square Enix)
Anzahl der Standorte 5 (Kopenhagen, Malmö, Barcelona, Istanbul, Brighton)
Mitarbeiter vor Entlassungen Über 300 weltweit
Project Fantasy in Entwicklung seit 2021 (mindestens 5 Jahre)
Geschätztes Budget für Project Fantasy 50 bis 150 Millionen US-Dollar
007: First Light Verkäufe (Launch) Über 3 Millionen Einheiten
Hitman: World of Assassination Spieler Über 50 Millionen bis 2023

Parallelen zu einem ähnlichen Fall aus der Branche

Der Rückzug von Microsoft bei Project Fantasy erinnert an einen früheren Vorfall. Im Jahr 2025 stellte Microsoft ebenfalls die Finanzierung für das Spiel Contraband von Avalanche Studios ein. Auch damals war der Grund eine interne Umstrukturierung. Branchenseiten berichten, dass Microsoft mit dieser Strategie konsequent externe Risiken reduziert. Stattdessen setzt der Konzern auf bewährte interne Marken wie Halo oder Gears.

Für IO Interactive ist das besonders schmerzhaft. Das Studio hatte bereits erheblich in Project Fantasy investiert. Zwei neue Standorte wurden eigens für die Unterstützung der Großprojekte eröffnet. Dennoch zeigt die Geschichte des Studios, dass es solche Krisen überstehen kann.

Warum IO Interactive diese Krise bereits kennt

IO Interactive hat 2017 eine ähnlich schwierige Situation erlebt. Damals trennte sich das Studio von Square Enix. Durch den Management-Buy-out sicherte das Team seine Unabhängigkeit. Entscheidend war dabei, dass die Hitman-Rechte beim Studio verblieben. Aus dieser IP entstand die erfolgreiche Hitman-Trilogie. Hitman: World of Assassination zählt mittlerweile über 50 Millionen Spieler. Diese Erfahrung gibt dem Studio heute Rückhalt. Die Situation mit Microsoft ist anders, aber die Grundlage ist dieselbe: IO Interactive hält die Rechte an Project Fantasy vollständig selbst.

Was der Microsoft-Rückzug für die Plattformwahl bedeutet

Ursprünglich war Project Fantasy als Xbox-Exklusivtitel geplant. Mit dem Ende des Deals entfällt diese Bindung vollständig. Dadurch öffnet sich der Weg für eine Multiplattform-Veröffentlichung. Eine Erscheinung auf PlayStation 5 und PC ist nun wesentlich wahrscheinlicher. Hinzu könnten mögliche Nachfolgekonsolen kommen, sofern die Entwicklung sich weiter verzögert. Für Spielerinnen und Spieler bedeutet das eine potenziell größere Erreichbarkeit des Titels.

IO Interactive hält an Project Fantasy fest: Was das für die Zukunft bedeutet

Das Studio steht vor einer klaren Aufgabe. Es muss einen neuen Publisher finden, der bereit ist, ein riskantes Online-Rollenspiel zu finanzieren. Gleichzeitig muss es Personal abbauen und den Entwicklungsfortschritt sichern. Das ist eine enorme Belastung. Dennoch zeigt die Aussage von CEO Hakan Abrak, dass das Studio entschlossen ist. Project Fantasy soll erscheinen, egal unter welchen Umständen. Der Erfolg von 007: First Light verschafft dem Studio die notwendige Atempause dafür.

Für Gaming-Fans bleibt Project Fantasy ein vielversprechendes Projekt. Die Kombination aus systemischen Spielmechaniken, kooperativem Gameplay und der Erfahrung des Hitman-Teams klingt spannend. Ob und wann das Spiel erscheint, hängt nun von der erfolgreichen Suche nach einem neuen Partner ab. Der weitere Verlauf dieser Suche wird zeigen, wie belastbar das Studio wirklich ist.

IO Interactive bleibt unabhängig und kämpft für sein Projekt

IO Interactive hat bewiesen, dass es Rückschläge übersteht. Der Verlust des Microsoft-Deals ist schmerzhaft, aber nicht das Ende. Das Studio besitzt eine starke IP mit Project Fantasy, eine funktionierende Engine und den finanziellen Puffer durch 007: First Light. Außerdem bringt das Team Erfahrung mit existenzbedrohenden Situationen mit.

Wer IO Interactive seit 2017 verfolgt, weiß: Das Studio gibt nicht auf. Die Suche nach einem neuen Publisher läuft. Sobald ein Partner gefunden ist, könnte Project Fantasy eine der spannendsten Neuankündigungen der kommenden Jahre werden.