Guild Wars 1 und 2 bekommen auch nach Guild Wars 3 weiter Updates: „Wir ersetzen eure Lieblingsspiele nicht“

Die Ankündigung von Guild Wars 3 hat bei vielen Veteranen sofort eine Angst geweckt: Wird Guild Wars 2 jetzt fallengelassen? In einem heute veröffentlichten Video-Blog gibt ArenaNet darauf eine klare Antwort. Guild Wars 3 bedeutet nicht das Ende der Entwicklung von Guild Wars 2 – und selbst der über 20 Jahre alte erste Teil soll „auf absehbare Zeit“ weiter Updates erhalten.

Das Wichtigste in Kürze

Punkt Detail
Studio ArenaNet (Studio-Head: Colin Johanson)
Kernaussage alle drei Guild-Wars-Spiele werden parallel weiterentwickelt
GW1 heute läuft als Guild Wars: Reforged (Mobile-Launch noch im Juni)
Aktuelle GW2-Erweiterung Visions of Eternity, endet im September
Neue GW2-Erweiterung keine in den nächsten 18 Monaten
Stattdessen fast ein Jahr „Foundations“-Arbeit an GW2
Konkret geplant neues Hall-of-Monuments-System (GW2 GW3), Optimierungs-Pass, überarbeiteter Zhaitan-Kampf
Folge-Livestream 9. Juni, 11:00 Uhr Pacific Time

Die zentrale Botschaft: kein Ersatz, sondern Unterstützung

Studio-Head Colin Johanson bringt es im Video auf den Punkt: „Wir ersetzen eure Lieblingsspiele nicht. Wir werden sie unterstützen.“ Und er fügt hinzu, das sei zwar nicht die Norm in der Branche, aber etwas, worauf sich das Studio gezielt vorbereitet habe. Für ein Genre, in dem ein Nachfolger den Vorgänger fast immer in den Erhaltungsmodus schickt, ist das eine bemerkenswerte Zusage.

Das neue Bekenntnis lautet konkret: Guild Wars: Reforged, Guild Wars 2 und – nach dessen Launch – Guild Wars 3 teilen sich alle die Welt von Tyria. Welches davon das eigene Zuhause ist, soll jeder selbst entscheiden dürfen (gern auch mehrere), und alle drei sollen über Jahre weiterentwickelt werden.

Warum diesmal alles anders sein soll

Hier liegt für mich der überzeugendste Teil der Argumentation, weil ArenaNet aus eigener Geschichte lernt. Johanson verweist zurück auf den Release von Guild Wars 2: Damals setzte die finale Erweiterung des ersten Teils, Eye of the North, die Ereignisse des Nachfolgers auf – und das Original wurde anschließend faktisch ersetzt, zumindest was aktiven Support durch neue Patches anging. Der erste Teil landete im Wartungsmodus; das war besser als eine Abschaltung, machte es dem Team aber schwer, beide Fangemeinden gleichzeitig zu bedienen.

Diesen Fehler will ArenaNet nicht wiederholen. Johansons schlagendes Argument: Würde man denselben Weg ein zweites Mal gehen, „hätten wir die Entwicklung von Guild Wars 2 schon vor über einem Jahr eingestellt“. Das Gegenteil ist der Fall – es gab zuletzt jährlich eine Erweiterung, Guild Wars: Reforged boomt, und das überraschende Comeback des ersten Teils mit neuen Dungeons nach Jahren relativer Stille zeigt, dass dieser Ansatz schon länger in Bewegung ist.

Was kurzfristig passiert: GW2 schaltet bewusst einen Gang zurück

Ehrlich kommuniziert wird auch der Haken: Guild Wars 2 wird vorerst etwas langsamer. Statt einer neuen Erweiterung – die laut Game Director Josh Davis in den nächsten 18 Monaten nicht kommt – richtet das Studio den Blick nach innen. Nach dem Ende der aktuellen Erweiterung Visions of Eternity im September folgt fast ein ganzes Jahr Arbeit an den „Foundations“: gezielte Verbesserungen quer durch jede Ära von Guild Wars 2.

Im Detail stehen unter anderem an:

  • Neues Hall-of-Monuments-System: Spieler können in Guild Wars 2 Erfolge sammeln und Belohnungen freischalten, die sich später nach Guild Wars 3 mitnehmen lassen – eine Brücke zwischen alt und neu, genau wie einst zwischen GW1 und GW2. Der erste Teil davon kommt noch dieses Jahr.
  • Optimierungs-Pass: technische Modernisierung des betagten Spiels (die Community wünscht sich hier seit Langem etwa besseres Multicore-Support und modernes Upsampling).
  • Überarbeiteter Zhaitan-Kampf: eine aktualisierte Version der ikonischen Begegnung im Basisspiel.

Sobald Guild Wars 3 draußen ist, soll Guild Wars 2 wieder neue Erweiterungen bekommen. Der erste Teil als Reforged wird parallel weitergeführt, inklusive Mobile-Launch noch in diesem Monat und „einer völlig neuen Art von Inhalt“ in Arbeit.

Eine Strategie mit Vorbildern – und einem offenen Risiko

Der Ansatz, mehrere Versionen einer Marke gleichzeitig am Leben zu halten, ist nicht ohne Vorbild. Parallelen lassen sich zu Final Fantasy ziehen, das mit XI und XIV zwei aktive MMOs betreibt, zu RuneScape mit seiner Old-School- und modernen Variante sowie zu World of Warcraft mit seinen diversen Ära-gebundenen Servern. Diese Beispiele zeigen: Es kann funktionieren – aber es bindet dauerhaft Entwicklungsressourcen.

Genau hier liegt die spannende offene Frage. Es wird interessant zu sehen, ob diese Pläne Bestand haben, falls Guild Wars 3 ein überragender Erfolg wird – oder eben das Gegenteil. Ein Mega-Hit könnte den Fokus unweigerlich verschieben, ein Misserfolg die Ressourcen für drei Spiele infrage stellen.

Wie diese Ansage einzuordnen ist

ArenaNets Versprechen trifft einen wunden Punkt vieler MMO-Spieler: die Angst, dass das geliebte, über Jahre bespielte Zuhause mit dem Nachfolger einfach abgeschaltet wird. Dass das Studio diese Sorge direkt aufgreift, aus dem eigenen GW1-Fehler von damals lernt und mit konkreten Maßnahmen wie dem Hall-of-Monuments-Brückenschlag und einem Engine-Optimierungs-Pass unterfüttert, wirkt glaubwürdiger als ein bloßes Lippenbekenntnis – man modernisiert kein Spiel, das man bald beerdigen will. Die ehrliche Kommunikation der kurzfristigen Verlangsamung gehört ausdrücklich zu dieser Glaubwürdigkeit dazu. Ob ArenaNet den Drei-Spiele-Spagat über Jahre wirklich durchhält, ist die eigentliche Bewährungsprobe und hängt maßgeblich davon ab, wie Guild Wars 3 einschlägt; bis dahin ist diese Selbstverpflichtung aber genau das Signal, das eine treue Community vor dem Sprung auf einen Nachfolger hören wollte – und ein wohltuender Gegenentwurf zu der in der Branche üblichen Wegwerf-Mentalität gegenüber älteren Live-Service-Spielen.