Ein DIY-Creator hat eine eigengebaute Wasserkühlung nicht mit klassischer Kühlflüssigkeit, sondern mit Energy-Drinks befüllt – dokumentiert, vermessen, reproduzierbar.
Herausgekommen ist ein unterhaltsames, aber technikseitig erstaunlich sauberes Experiment mit klaren Grenzen für die Praxis. Die Leitfrage: Können handelsübliche Getränke kurzfristig als Kühlmedium taugen – und liefern sie messbare Unterschiede bei Temperatur und Leistung gegenüber Wasser?
Schon früher sorgten außergewöhnliche Kühl-Ideen für Schlagzeilen – Blizzard verloste etwa einen „blutgekühlten“ Diablo-4-PC. Wer solche Aktionen spannend findet, wird dieses Experiment lieben – und versteht danach besser, warum Getränke im echten Gaming-Rig tabu bleiben. Diablo 4: Blut-PC-Aktion im Check.
Von der Idee zur Versuchsanordnung: Setup & Sicherheit
Der Aufbau orientierte sich an gängigen Gaming-PCs. Zum Einsatz kamen AMD Ryzen 5 5600G, NVIDIA GeForce RTX 4060 Ti, 16 GB DDR4, ein 240-mm-Radiator mit zwei 120-mm-Lüftern, eine Pumpe-/Reservoir-Kombi sowie ein Acryl-CPU-Kühlblock. Transparente Schläuche ermöglichten die Sicht auf Durchfluss, Blasen und Farbeffekte.
Wichtigster Punkt vorab: Nicht nachmachen. Getränke enthalten Zucker, Farbstoffe und Säuren, die Dichtungen angreifen, Metall korrodieren und Pumpen belasten können.
Der Loop wurde deshalb nach jedem Durchgang komplett entleert, mit destilliertem Wasser gespült und entlüftet. Das Experiment zielte nicht auf Alltagstauglichkeit, sondern auf eine sauber dokumentierte Kurzzeit-Beobachtung.
GÖNRGY vs. Knabe Kola vs. Wasser: Messwerte und Beobachtungen
Ablauf: Referenzlauf mit Wasser, dann – jeweils nach Reinigung – Befüllung mit GÖNRGY und Knabe Kola. Belastet wurde mit Cinebench R24, 3DMark Time Spy, einem 10-min-FMark-Stresstest sowie praxisnah in Shadow of the Tomb Raider und Cyberpunk 2077.
Die Resultate ordnen den Meme-Gedanken nüchtern ein: Maximale CPU-Temperaturen lagen bei ~61,5 °C (Wasser), ~61,4 °C (GÖNRGY) und ~65,0 °C (Knabe Kola). Die Cinebench-Scores bewegten sich – je nach Lauf – im Korridor um ~11,6k bis ~11,9k Punkten.
In den Spielen zeigten sich keine messbaren FPS-Unterschiede; Taktverhalten und Stabilität blieben unauffällig. Kurz gesagt: Kurzfristig kühlen beide Drinks ähnlich gut wie Wasser, ohne Leistungsplus.
Optisch boten die Getränke durchaus Showwert: GÖNRGY färbte den Loop kräftig und zeigte eine lebhafte Zirkulation; Knabe Kola wirkte strömungstechnisch ruhig, war aber insgesamt etwas wärmer. Sichtbare Ablagerungen traten nach den kurzen Testruns nicht auf – belastbare Aussagen zu Langzeitfolgen lassen sich daraus jedoch nicht ableiten.
Konsequenz für den Alltag: Showeffekt ja, Praxis nein
Das Experiment verbindet Unterhaltung mit ordentlicher Methodik – ein schönes Stück Community-Technik. Für Spieler ergibt sich dennoch eine klare Handlungsempfehlung:
- Kein Alltags-Use-Case: Getränke sind kein Ersatz für Wasser/Kühlmittel. Kein Leistungsgewinn, aber erhöhtes Risiko für Materialschäden.
- Nur auf dem Teststand: Wer unbedingt experimentiert, nutzt ein separates System und spült den Loop sofort gründlich.
- Besser für Optik: Wer Farbe will, greift zu freigegebenen Kühlflüssigkeiten oder zu destilliertem Wasser mit Additiven aus dem PC-Bereich.
Für messbare Verbesserungen sorgen weiterhin Basics: genügend Radiatorfläche, saubere Wärmeübergabe (WLP, Anpressdruck), abgestimmte Lüfterkurven und regelmäßige Wartung. Das bringt verlässlich mehr als jede befristete „Zucker-Kühlung“.
Cooles Experiment, klare Grenzen. Energy-Drinks kühlen kurzfristig ähnlich wie Wasser, bieten aber keinen Vorteil und können auf Dauer schaden. Wer sein Daily-Rig liebt, bleibt bei bewährten Kühlmitteln – und hebt sich die Drinks für die Pause auf.

