Der legendäre japanische Spieledesigner Fumito Ueda – Schöpfer von ICO, Shadow of the Colossus und The Last Guardian – hat auf dem Summer Game Fest 2026 endlich sein neues Projekt vollständig enthüllt. Das zuvor unter dem Codenamen Project Robot bekannte Spiel trägt nun den offiziellen Titel gen ATLAS, ein Open-World-Action-Adventure von Uedas Studio genDESIGN, herausgegeben von Epic Games Publishing.
Das Wichtigste in Kürze
| Punkt | Detail |
|---|---|
| Titel | gen ATLAS (zuvor: Project Robot) |
| Studio | genDESIGN |
| Creative Director / CEO | Fumito Ueda |
| Publisher | Epic Games Publishing |
| Genre | Singleplayer-Open-World-Action-Adventure |
| Plattformen | PS5, Xbox Series X|S, PC |
| PC-Besonderheit | zunächst exklusiv im Epic Games Store, Steam erst nach Ablauf der Exklusivität |
| Release | noch kein Datum |
| Enthüllt auf | Summer Game Fest 2026 |
Uedas Handschrift ist sofort erkennbar
genDESIGN beschreibt gen ATLAS als Open-World-Abenteuerspiel – und der Trailer fühlt sich vom ersten Moment an wie ein Ueda-Werk an. Es zeigt genau den Minimalismus, für den der Designer berühmt ist: der Verzicht auf konventionelle Erzähltechniken, eine durchweg rätselhafte Spielwelt und die ruhige Wucht eines stummen Protagonisten als treibende Kraft. Riesige Umgebungen lassen die Spielfigur winzig erscheinen, Stille spielt eine zentrale Rolle für die Atmosphäre – und ein gigantischer Roboter steht offenbar im Zentrum von Erkundung wie Geschichte.
Die Prämisse: erwachen auf einem verlassenen Planeten
Laut offizieller Beschreibung erwacht ein namenloser Held ohne Erinnerung daran, wie er hierherkam, auf einem unbekannten, verödeten Planeten. Vor ihm liegt eine weite, stille Welt: kolossale Bauwerke erstrecken sich über endlose Ebenen, dazu verlassene Anlagen und ein sich stetig wandelndes Meer. Überall verstreut liegen die Überreste eines großen, längst vergangenen Plans.
Im Verlauf trifft der Protagonist auf einen kolossalen Roboter. Dessen überwältigende Kraft öffnet Wege zu zuvor unerreichbaren Orten – und verändert die Wahrnehmung der Welt grundlegend, für die Figur wie für den Spieler. Und ein vielsagender Schlusssatz der Beschreibung: Nach unendlich langer Zeit beginnen sich die Überreste jener vergessenen Konstrukte wieder zu bewegen.
Mechanische Kolosse – ein vertrautes Echo
Der Trailer deutet spielerisch eine spannende Mischung an. Zu sehen sind reichlich robotische Action und massive Kämpfe, die an die mechanischen Gegenstücke der Kolosse aus Shadow of the Colossus erinnern. Der Protagonist scheint dabei über diverse Waffen zu verfügen – verschiedene Schusswaffen fügen den Konstrukten Schaden zu. In einer Szene beobachtet die Hauptfigur, wie zwei gewaltige Mechs gegeneinander kämpfen und einem davon der Kopf regelrecht abgeschlagen wird. Das wirkt actionlastiger als Uedas frühere, betont karge Werke – die emotionale, melancholische Grundstimmung bleibt aber spürbar.
Der eigentliche Aufreger: der Epic-Deal und die Store-Exklusivität
Hier liegt für mich die strategisch interessanteste Nachricht. gen ATLAS erscheint zwar für PS5, Xbox Series X|S und PC – auf dem PC aber zunächst exklusiv über den Epic Games Store, weil Epic Games Publishing den Titel herausgibt. Wer das Spiel auf Steam will, muss warten, bis die Exklusivitätsperiode abgelaufen ist.
Das ist bemerkenswert: Ein Ueda-Spiel war über Jahre eng mit PlayStation verbunden (gen ATLAS ist sein erstes Projekt, seit er 2011 Sonys Japan Studio verließ und The Last Guardian als Auftragsarbeit abschloss). Dass nun Epic als Publisher einsteigt und das Spiel multiplattform und mit PC-Store-Exklusivität bringt, zeigt, wie Epic gezielt prestigeträchtige Autorenspiele an sich bindet – ähnlich wie bei anderen hochkarätigen Publishing-Deals des Anbieters.
Was Ueda selbst sagt
Ueda, CEO und Creative Director von genDESIGN, dankte in einem Statement den Fans für ihre Geduld: Ihre Leidenschaft habe das Team stets motiviert und inspiriert. Sein Anspruch an gen ATLAS: ein Erlebnis, das Momente stillen Staunens und Entdeckens auslöst. Das ist exakt die Tonalität, die seine bisherigen Werke ausgezeichnet hat – und ein klares Signal, dass gen ATLAS kein lauter Genre-Vertreter werden soll, sondern ein stimmungsvolles, emotional aufgeladenes Abenteuer.
Wie dieser Reveal einzuordnen ist
gen ATLAS ist eines der bemerkenswertesten Reveals des Summer Game Fest 2026 – allein, weil Ueda zu den wenigen Designern gehört, deren Name für eine unverwechselbare Spielsprache steht. Der erste vollständige Blick bestätigt, dass genDESIGN diese DNA bewahrt: Maßstabsspiele mit gewaltigen Konstrukten, Stille als Gestaltungsmittel und ein wortkarger Held als Anker. Gleichzeitig deutet die actionreichere Inszenierung mit Schusswaffen und Mech-Kämpfen darauf hin, dass Ueda sein bewährtes Konzept behutsam erweitert. Der Epic-Publishing-Deal samt PC-Store-Exklusivität ist dabei der pragmatische Teil der Geschichte – er sichert die Finanzierung eines aufwendigen Autorenprojekts, dürfte aber bei Steam-Stammkunden für gemischte Gefühle sorgen. Wie tief gen ATLAS am Ende wirklich trägt, lässt sich ohne Spielzeit und ohne Releasedatum noch nicht beurteilen; gemessen an Uedas Werkgeschichte und dem atmosphärisch dichten ersten Trailer ist die Erwartung aber zu Recht hoch – und die Geduld, die seine Projekte traditionell verlangen, war bislang stets belohnt.

