2020! Irre! Das ist doch Science-Fiction! Auf der anderen Seite dachte ich das auch schon, als das Jahr 2010 an die Tür klopfte. Frei nach dem zweiten Teil des Films 2001, mit dem Titel „2010 – Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnahmen“, erwartete ich wohl schon zu oft den offiziellen Besuch von Außerirdischen. Mit dem Blick auf die Vergangenheit, statt nach vorne gerichtet, muss ich aber auch gleich zwei Jubiläen erkennen. Denn, auch wenn ich selbst bereits seit 2008 im Gamingbereich als Autor tätig bin, bin ich doch ziemlich genau seit einem Jahr bei GamingNerd und dafür dem Team und unseren Lesern unglaublich dankbar. Und GamingNerd ist seit nun fünf Jahren Teil der deutschen Gamingberichterstattung. Der perfekte Zeitpunkt also, bevor dann 2020 endlich die Aliens zu uns kommen, mir mal meine ganz persönlichen Top 5 aus den letzten 5 Jahren Gaming herauszusuchen und euch vorstellen zu dürfen.

Platz 5: Titanfall 2

Respawn Entertainment sind ehemalige Entwickler von Infinity Ward und haben sich vom Call-of-Duty-Studio verabschiedet, um ihr eigenes Ding zu machen. Das klang für mich seinerzeit nach einer tollen Chance und ich hoffte auf tolle neue Shooterlebnisse für Singleplayer. Stattdessen kam dann Titanfall (Teil 1) 2013 als Launchtitel für die Xbox One und noch dazu als reines Multiplayererlebnis. Das machte mich etwas traurig, bin ich doch nicht so der Mehrspielerfan, vom Koop mal abgesehen. Aber 2016 haben mich die Jungs von Respawn Entertainment endlich erhört und mir mit Titanfall 2 eine vollwertige, spannende, wendungsreiche Kampagne beschwert. Hier zeigt sich von der ersten Minute an, dass dieser Titel von absoluten Shooterkoryphäen entwickelt wurde: butterweiche 60 Bilder pro Sekunde, knackscharfe Texturen, zahlreiche Bewegungsmöglichkeiten, die noch dazu sofort in Fleisch und Blut übergehen! Ontop sogar noch Mechaction! Wer diesen Titel noch nicht gespielt hat, sollte ihn unbedingt, egal ob wegen der Story oder der gehaltvollen Action, nachholen. Und ja, auch der Mehrspielermodus kann sich immer noch sehen lassen.

Platz 4: Horizon: Zero Dawn

Ich bin nun schon 35 Jahre alt und ein Gamer aus der Zeit, als man für das Comic lesen und PC- und Videospiele spielen auf dem Schulhof noch ausgelacht wurde. Und lange vor „The Big Bang Theory“, die Serie, die das Nerdsein definitiv erträglicher gemacht hat für eine ganze Generation, habe ich schon „Halo Nächte“ veranstaltet. Trotzdem gibt es immer wieder absolute Ausnahmetitel, die mich, trotz meiner langjährigen Gamingerfahrung, einfach aus den Socken hauen. Und das waren in dieser Konsolengeneration sowohl God of War als auch Horizon: Zero Dawn. 2013, zum Release der beiden Konsolen von Microsoft und Sony, war an solch eine Grafikpracht nicht zu denken. Doch kann kommt einige Jahre später Horizon: Zero Dawn raus und legt die technische Messlatte unglaublich weit nach oben. Das Spiel ist technisch ein absolutes Highlight, überzeugt aber auch mit einer tollen Geschichte, tollen Charakteren und es bringt eine für mich ganz wichtige Sache in das Genre der Open-World-Actiontitel! Denn hier entdecke ich mit meinem Spielcharakter, mit Aloy, gemeinsam die Geheimnisse und Weitläufigkeit der Welt und bin oftmals genauso erstaunt wie sie, wenn sich wieder etwas Neues offenbart. Dazu zeigt die verwendete Grafikengine, vor allem in Kombination mit HDR, was heute schon möglich ist. Dazu war es auch mein erstes Spiel mit HDR. Und das Craftingsystem war so perfekt dem schnellen Actiongameplay angepasst, dass auch in hektischen Kämpfen alles stets butterweich kontrollierbar war.

Platz 3: The Surge

OK, Platz 3 und Platz 2 sind, zumindest aus Genresicht, sehr nah bei einander. The Surge ist der, meines Wissens nach erste, Science-Fiction Eintrag ins Soulslikegenre. Zumindest war es mein erster und nachdem ich mit Dark Souls 1, Dark Souls 3 und Lords of the Fallen durch war, brauchte ich dringend neues Futter. Naja, der Masochist in mir zumindest. Und vom ersten online zugänglichen Gameplaymaterial war ich sofort geflashed von diesem Spiel. Mein neues Lieblingsgenre mal nicht nur in den typischen Dark Fantasy Farbtönen grau, braun und schwarz erleben? Noch dazu mit diesem verdammt motivierenden Gliedmaßenabtrennsystem? Herrlich! Wenn da nur nicht die leider an vielen Stellen absolut schlecht designten Bosskämpfe wären. Denn anstatt die Spieler hier quasi abzufragen, ob sie alle Aspekte des Kampfsystems bis hierhin nicht nur gelernt sondern auch gemeistert haben, sind es im Grunde nur Trickbosse. Hier muss man letztlich nur Wissen wie man den Boss, bis auf wenige Ausnahmen, erledigt und dann ist die Herausforderung dahinter auch wieder sehr niedrig. Aber ansonsten haben mich die Spielwelt, das Design und das Kampfsystem schon sehr angefixt. Der zweite Teil hat an genau den richtigen Stellen die notwendigen Verbesserungen erfahren und ist im direkten Vergleich heute ganz klar das bessere Spiel. Trotzdem werde ich The Surge nie aus meinen Soulslikeerinnerungen löschen.

Platz 2: Bloodborne

Ich liebe das Soulslikegenre! Ausdauermanagement und das Managen der eigenen Ausrüstung erfordert durchaus tiefgründiges Taktieren. Und das Blocken in Dark Souls 1, 2 und 3 will gelernt sein. Genauso das Kontern. Und wenn man einem neuen Gegnertyp begegnet, versucht man erstmal mit stets erhobenem Schild dessen Bewegungs- und Angriffsmuster zu erkennen und zu erlernen. Ich bin ein Soulslikeveteran! Dachte ich, bis ich Bloodborne in das Laufwerk meiner PS4 legte und mir das Spiel erstmal sehr deutlich klar machte, dass ich gar nichts weiß und definitiv kein Veteran bin. Warum? Weil ich mich, an dem Punkt eigentlich From Software untypisch, nicht hinter einem Schild verstecken durfte! Stattdessen sollte ich im richtigen Moment in die richtige Richtung ausweichen. Und wenn ich doch mal getroffen werde, kann ich mit einem sofortigen Gegenangriff einen Teil meiner eben noch eingebüßten Gesundheit zurückbekommen? Wahnsinn! Ja, das Gerede von Kollegen hat mich schon im Vorfeld abgeschreckt und ich habe mich an das Spiel erst mit einiger Verzögerung herangetraut. Und es hat mich einige Zeit und Nerven gekostet, mich dann das andersartige Kampfsystem zu gewöhnen. Dafür wurde ich mit einer Welt belohnt, die mich viel mehr ansprach als der Dark Fantasy Schauplatz der Soulsreihe. We are born by the blood, made men by the blood, undone by the blood! From Software hat es einfach drauf! Noch dazu gibt es, wenn man die Storyfetzen beim “environmental storytelling“ findet, sogar Außerirdische. Perfekt! Da erfindet From Software mit Dark Souls 1-mal eben so ein eigenes Genre, setzt es mit Dark Souls 2 und 3 fort und verpasst ihm dann noch eine Runderneuerung mit Bloodborne. Ein absolutes Must-Play der currentgen und definitiv auch zu Recht mittlerweile ein Teil der Playstations Hits Reihe von Sony.

Platz 1: The Witcher 3 – Wild Hunt

Während ich diese Zeilen hier schreibe, muss ich an den heutigen Artikel der Kollegen der Gamestar denken. Denn die Spielerzahlen aller drei Titel der Reihe haben sich am PC laut Steam drastisch erhöht, nachdem seit dem 20.12. die Netflix Serie verfügbar ist. Darin verkörpert Superman Darsteller Henry Cavill unseren Hexer Geralt und die Serie orientiert sich an den Büchern, nicht an den Spielen. Und auch ich habe die Serie an zwei Tagen voller Begeisterung durchgeschaut und bin kurz davor, The Witcher 3 auf der Xbox über den Gamepass einfach nochmal anzuzocken. Ich habe das Spiel und seine DLCs seinerzeit alle in einem Rutsch zum jeweiligen Release durchgespielt. Und da ich (vielleicht habe ich Glück und unser Chefredakteur liest das gerade nicht) Teil eins und Teil zwei jeweils zum Release am PC gespielt habe, tat ich dies auch mit dem Finale der Reihe. Dafür habe ich mir seinerzeit extra noch für 300 € eine neue Grafikkarte gekauft und zwei Tage Urlaub genommen, um mein Wochenende zu verlängern. Der Hexer hat über alle drei Teile hinweg eine imposante Evolution durchgemacht. War der erste Teil zum Release noch extrem verbuggt, war Teil zwei schon deutlich polierter und im Vergleich offener. Erst mit Teil drei wurde das Spiel zu einem Open-World-Umfangmonster und bot gefühlt unendlich viele, wendungsreiche (Neben-)Quests. Toll geschrieben, technisch grandios umgesetzt und stets motivierend hat mich diese Reihe tatsächlich auch dazu gebracht, mal wieder ein bzw. mehrere Bücher zu lesen. Das hat zuletzt nur Mass Effect geschafft. Und Entwickler CDPR ist nun auch eine echte Hausnummer. Egal wo man hinschaut, überall tummeln sich gerade, wie hier bei uns auf GamingNerd.net, diverse Best Of Listen. The Wichter 3 ist, wenn man die Plötze-Patches mitberücksichtigt (immerhin entstanden hierzu tolle Memes), zurecht überall in diesen Listen weit oben oder gar auf Platz 1. So wie bei mir. Wenn man nur ein Spiel einziges aus den letzten fünf Jahren spielen dürfte, dann sollte man sich meiner Meinung nach für diesen Titel entscheiden. Ich würde es rückblickend tun.