Kaum zu glauben, aber wahr. Das Jahrzehnt neigt sich rasant dem Ende zu. Und GamingNerd.net ist nun auch schon fünf Jahre alt. Die passende Zeit also, die eigenen Top 5 Spiele noch mal Revue passieren zu lassen. Die Auswahl war gar nicht mal so einfach, einige Indie Titel sind knapp an der Platzierung vorbei gerauscht und auch bei einigen größeren Titeln musste ich ernsthaft überlegen. Tatsache ist aber, auch wenn meine Top 5 das nicht widerspiegeln, gerade mit kleineren bis mittleren Titeln hatte ich in dieser Zeit oft den meisten Spaß, während manche Triple A Titel mich eher enttäuschten. Die Tatsache wiederum, dass sich so manche Serientitel in meinen Tops befinden führt mir gleichzeitig vor Augen, so sehr man nach Neuem verlangt, den Hang zu Vertrautem kann man oft nicht verleugnen.

Platz 5: Fallout 4

Ja, in manchen Punkten ist Fallout 4 noch mal entschlackt. Das macht es aber nicht zu einem schlechteren Rollenspiel. Im Gegenteil, weniger Statusgedöns ließ mir teilweise tatsächlich mehr Raum, die eine oder andere Quest so zu spielen, wie ich wollte. Und die waren oft richtig gut. Beispielsweise der Junge im Kühlschrank. Oder die U.S.S. Constitution. Auf einem Hausdach. Gewaltfreies Vorgehen hier, Stealthkillen einer kompletten Raider Basis da, gelungene Begleiter Quests und vor allem gute Begleiter. Fallout 4 macht spielerisch schon verdammt viel richtig. Das nicht mehr ganz so bescheidene Gunplay half da auch. Obendrein hatte mein Charakter dieses Mal genug Background, für eine Geschichte, die wirklich persönlich werden konnte und interessante Wendungen aufwies. Ziemlich flach waren dagegen die prozedural generierten Fraktionsquests, die sich extrem schnell repetitiv spielten und storymäßig wirklich nix zu bieten hatten. Optisch war auch Fallout 4 kein Highlight, Mods auf Konsole und einige sehr gute DLC’s entschädigten aber teilweise dafür. Auch wenn mir New Vegas in manchen Punkten immer noch besser gefällt, Fallout 4 ist einfach das rundeste Gesamtpaket und nach wie vor eines der besten West-RPG’s dieser Generation.

Platz 4: Forza Horizon 3

Ganz klar, die Horizon Reihe gehört zu den besten und spaßigsten Rennspielen der Dekade. Für mich hat sie der simulationslastigeren Mutterreihe Forza Motorsport längst den Rang abgelaufen. Horizon macht einfach Spaß. Aber welcher Teil ist der beste? Für mich ganz klar Forza Horizon 3. Das liegt an vielen Punkten. Australien als Setting fand ich einfach super. Abseits des Blizzard Mountain DLC’s war es nicht nur warm und sonnig, selbst an trüben Wintertagen, Down Under war es auch verdammt abwechslungsreich. Da kommen Colorado, Cote d’Azur und England unterm Strich einfach nicht mit. Die neuen Freiheiten bei den Rennen kamen mir auch entgegen. Bretzel ich nun mit meinem hochgetunten Opel GT rum oder mit dem 1300PS Lambo? Offroad Truck oder umgebauter Tesla? Erstelle ich Rennherausforderungen? Bestreite ich welche? Und ja, auch der fließendere Wechsel in und aus dem Multiplayer war ein Pluspunkt. Außerdem war der Soundtrack wieder mal geil, die Grafik traumhaft und Autos mit Extrabreitbauten zu verunstalten macht schließlich auch Spaß. Außerdem war der Hot Wheels DLC nicht nur ziemlich abgedreht sondern angenehm anders und mit oben genanntem Blizzard Moutain hielt erstmals Schnee Einzug in Forza.

Wovon es damals schon zu wenig gab? Die eigentlich richtig coolen Schaurennen. Nüchtern betrachtet macht Teil 4 manches noch etwas besser. In anderen Punkten vielleicht schon zu viel. Forza Horizon 3 jedenfalls war für mich das beste Horizon bisher und auch das beste Rennspiel dieser Generation.

Platz 3: Dark Souls Remastered

Eigentlich stehe ich ja so gar nicht darauf, Remaster zu kaufen oder gleich Bestwertungen zu zücken. Aber Dark Souls Remastered bringt ein herausragend gutes Spiel endlich auf das Level, auf dem es immer sein sollte. Und das liegt vor allem an einem: der Bildrate. Bei Souls bin ich generell Spätzünder. Den ersten Teil hab ich erst 2016 gespielt und die anderen beiden dann ziemlich schnell nachgeholt. Für mich ist der erste Teil hier aber klar der beste. Ok, dass Dark Souls 2 abfällt, da sind wir uns wohl alle einig. Aber für mich ist der Erstling auch klar besser als der sehr gute Abschluss der Trilogie. Und das liegt vor allem am genialen, fast schon Metroidvania-artigen Aufbau der Spielwelt. Nahezu alles ist miteinander irgendwo verwoben und verbunden und letztlich fügt sich alles zusammen. Dazu kommen natürlich die sehr guten Bossfights. Auch wenn Teil drei in dem Punkt tatsächlich noch einen draufsetzt. Die spannenderen Diskussionen mit Freunden hatte ich aber auch hier bei Dark Souls. Vielleicht, weil das Konzept einfach noch neuer und frischer für mich war. Das Problem des Originals: die Bildrate. Die erschwerte die eine oder andere Stelle eh schon unnötig, spätestens in Blighttown konnte sie aber ernsthaft den Spielfluss ruinieren. Je nach Konsole geht es dort bis auf 12FPS runter, selbst auf der Xbox One X im abwärtskompatiblen Modus ging Dark Souls immer wieder in die Knie. Dass es dank geringer Auflösung immer etwas verwaschen aussah machte die technische Seite nicht unbedingt besser. Bis zur Remastered Ausgabe. Die bietet auf den großen Konsolen 60fps und diverse optische Verbesserungen. Aber selbst die Switch kann mit ziemlich konstanten 30fps bei 1080p überzeugen. Dabei muss sie zwar auf die verbesserten Effekte der anderen Versionen verzichten, ist dafür aber optisch näher am Original. Aber egal, ob Switch, Xbox One oder PlayStation 4, dank der konstanteren Bildrate wird Dark Souls als Remaster noch mal eine ganze Ecke besser.

Platz 2: The Witcher 3 – Wild Hunt

Asche auf mein Haupt, das erste Witcher hab ich bis heute nicht gespielt. Mein Serieneinstand war Teil 2 auf der Xbox 360. Und der war richtig gut. Das lag allerdings weniger an der mäßigen Steuerung auf Konsole, sondern vor allem an der wendungsreichen, spannenden Handlung, großartigen Sidequests und herausragenden Charakteren. Tatsächlich hatte ich im Vorfeld zu Witcher 3 die Befürchtung, CD Project Red könnten sich mit offener Spielwelt, anspruchsvoller Technik und noch größerer Handlung verrennen. Das erwies sich als völlig unbegründet. Selbst mit vermeintlichen Downgrades war Witcher 3 ein ziemlicher Grafikporno für ein Rollenspiel. Es war aber auch ein spielerisches Schwergewicht und noch mehr bei seiner großen Handlung und den ganzen kleinen Geschichten. Ob das nun eine kleine Nebenhandlung, beispielsweise um einen schwulen Jäger ist, die Handlung rund um die Reuseninsel, die Geschichte des Blutigen Barons oder das große Ganze rund um die titelgebende Wilde Jagd: erzählerisch kann The Witcher 3 zu jeder Zeit punkten. Dazu gesellt sich eine wirklich großartig designte Spielwelt. Alleine schon das Flair von Novigrad, in dem man sich allzu leicht wie in einer mittelalterlichen Stadt fühlen kann, ist bisher von anderen Rollenspielen unerreicht. Über einen guten und einen schlicht großartigen DLC haben wir dabei noch gar nicht geredet. Oder über die Tatsache, dass selbst der Standardversion des Spiels eine Soundtrack-CD und eine schicke Karte beilagen. Sicher, das Kampfsystem ist nicht so ausgefeilt wie etwa bei Dark Souls. Und wer lange genug sucht, der findet sicher auch noch andere Kritikpunkte. Für mich bleibt The Witcher 3 – Wild Hunt aber das beste Rollenspiel der Generation. Zumindest bis Cyberpunkt 2077 es vielleicht vom Thron stößt.

Platz 1: The Legend of Zelda: Breath of the Wild

The Legend of Zelda. Seit nunmehr ziemlich genau 26 Jahren hab ich eine ziemlich innige Beziehung zu Nintendos Action Adventure Reihe. Damals zog mich, rund um Weihnachten, A Link to the Past in seinen Bann. Ein Spiel, das ich übrigens zuerst gar nicht spielen wollte, weil mir die Grafik nicht gefiel. Als es dann aber doch in den Modulport wanderte war es ziemlich schnell um mich geschehen. Für damalige Verhältnisse konnte ALttP nicht nur mit toller Spielmechanik überzeugen, sondern auch noch mit der vergleichsweise ausgefeilten Handlung. Dummerweise sollte sich letzteres für lange Zeit kaum weiter entwickeln und ersteres eigentlich nur noch den Sprung in die dritte Dimension packen und dann ebenfalls stagnieren. Oder anders ausgedrückt, Ocarina of Time fand ich zwar ebenfalls schlicht großartig, aber was danach kam trat, auf hohem Niveau, auf der Stelle. So war mir bei Twilight Princess schon im Vorfeld klar, der Dungeon, das Item, dann kommt jetzt die Art von Rätsel. Ganz allgemein war Zelda ziemlich schematisch geworden. Gut, irgendwie freut man sich natürlich trotzdem auf neue Teile, aber das Gefühl von ‚damals‘, das wurde nicht mehr erreicht. Und dann kam Breath of the Wild. Eine völlig neue Herangehensweise an Rätsel, ganz neue Flexibilität, eine wirklich schöne, offene Welt und für Zelda Verhältnisse auch noch gelungene Geschichten. Denn neben der großen Geschichte vom Kampf gegen das Böse finden sich auch ein paar kleinere in der Welt von Hyrule. Und gleichzeitig viele Remiszenzen an vergangene Teile. Die Welt zu erkunden machte und macht bis heute Spaß. Die Flexibilität bei den Schreinrätseln ist auch einmalig. Seid ihr zum Beispiel mal auf die Idee gekommen, vor ‚die Prüfung in der Wildnis‘ erst Ausrüstung vom Floß auf die Insel Jotwerde zu werfen? Das funktioniert tatsächlich. Vielleicht ist es nicht im Sinne des Erfinders, aber auch bei vielen anderen Rätseln darf man kreativ sein. Auch die Gegner sind oft nicht von schlechten Eltern und eigentlich hätte ich jetzt spontan Bock, die Switch anzuschmeißen und nach Hyrule zu reisen. Grund für Genörgel? Die Titanen waren als Dungeons eher enttäuschend und überhaupt fehlen mir die großen Dungeons dann doch ein wenig. Außerdem nervt die allzu schnelle Abnutzung der Waffen. Und das war es dann auch schon. Dafür hatte ich unfassbar viel Spaß in Hyrule. Und das Gefühl, das war irgendwie wieder wie damals, vor vielen Jahren.