Disintegration ist der erste Titel vom ca. 30-köpfigen (31, wenn man den Studiohund mitzählt) Entwicklerteam V1 Interactive, unterstützt vom Publisher Private Division. Dieser First-Person-Shooter in einem neuen Science-Fiction-Setting, das 2020 mit PVP und einer Einzelspielerkampagne die Spieler erreichen soll, feierte auf der Gamescom 2019 in Köln seine Weltpremiere. Enthüllt wurde es dabei bereits montags im Live-Stream der „Opening Night Live“ mit dem Announcement Trailer“.  Zu diesem Zeitpunkt war über das Spiel nicht wirklich etwas bekannt, außer dass Marcus Lehto, einer der Erfinder der Halo-Reihe, hier seine Finger im Spiel hat. Diese Information hat dem Spiel dann, sicherlich nicht zu Unrecht, unter Shooter-Fans einen kleinen Hype beschert. Grundlage für V1 Interactive beim Schreiben der Geschichte für das Spiel war der Frage nachzugehen, was passiert, wenn wir uns zu sehr auf Technologie verlassen und weiter das Bewusstsein für unsere Umgebung verlieren.

Was bisher geschah…

Die Welt von Disintegration beschreibt ein düsteres Science-Fiction-Szenario: die Menschheit wurde in kurzer Zeit durch eine Pandemie an den Rand der totalen Auslöschung getrieben. Die Lösung? Die titelgebende Disintegration. Dabei gaben zunächst nur Freiwillige ihren biologischen Körper auf und ihr Gehirn wurde in den Körper eines Roboters verpflanzt.

Ziel war es, der Menschheit so das Überleben zu sichern, bis die Gefahr beseitigt würde und dann wieder zurück in menschliche Körper zu wechseln. Dabei stellten die Desintegrierten schnell fest, welche Vorteile ihre neuen Körper bieten. Sie sind stärker, mächtiger und nahezu unsterblich. Warum sollte man das wieder aufgeben? Und so entbrennt ein Krieg zwischen den Überlebenden der Menschheit. Genauer zwischen denen, die zu ihrer menschlichen Form zurückwollen und denen, die die Macht ihrer künstlichen Körpern behalten wollen. Letztere werden dabei von Blackshock angeführt, über den die Entwickler nicht mehr verraten wollen als dass er der Hauptbösewicht sein soll. Dabei schrecken die Machtgierigen nicht davor zurück, Menschen gegen ihren Willen zu desintegrieren und dabei sogar noch ihr Gedächtnis zu manipulieren. Also, und das ist jetzt nur meine ganz persönliche Vermutung, wissen viele der Zwangsdesintegrierten gar nicht, dass sie eigentlich menschlich waren oder es bleiben wollen und auch nicht, für wen und warum sie in Wahrheit kämpfen.

Der eigene Hauptcharakter in der Kampagne, der im Trailer auch auf dem Gravcycle zu sehen ist, war ursprünglich ein berühmter TV-Moderator. Er hat sich als einer der ersten freiwillig für die Disintegration gemeldet. Einerseits zum Wohle der Menschheit und andererseits, um die Publicity für sich selbst zu verwenden. Das ging schief, kam in der Öffentlichkeit nicht so gut an. Später arbeitete er mit einem Teil der „bösen Fraktion“ zusammen und erkannte im Lauf der Zeit, dass sie nichts Gutes im Schilde führen. Dann fing er an gegen sie zu kämpfen und sich mit anderen zusammen zu tun und wurde festgenommen. An dieser Stelle soll der Beginn der Kampagne ansetzen. Gezeigt wurde von der Kampagne bisher aber leider noch nichts.

So wird es gespielt

In erster Linie ist es ein First-Person-Shooter, der um eine Echtzeitstrategiekomponente erweitert wird, vom Spielgefühl mit leichten Ähnlichkeiten zu Battlezone (1998) und Battlezone II (1999), nur eben ohne das für Echtzeitstrategiespiele typische Basis bauen. Spieler übernehmen die Kontrollen über den Piloten eines Gravcycle. Dieses schwebende Gefährt erlaubt es, sich relativ schnell über das Schlachtfeld zu bewegen und die Bordwaffen zu verwenden, aber auch von dieser Position aus den eigenen Bodentruppen Befehle zu geben. Tatsächlich haben V1 Interactive in der Entwicklung von Disintegration zuerst an einem reinen Echtzeitstrategietitel gearbeitet und erst später mit einer freien Kamera experimentiert und damit das Spielprinzip zu dem umgekrempelt, was auf der Gamescom anschau- und spielbar war.

Das genannte Gravcycle war vor dem Krieg in der Welt von Disintegration ein reines Arbeitsgerät, u. a. auf Baustellen, wurde jedoch auch auf Rettungsmissionen verwendet, um schnell zu verwundeten Personen zu gelangen, auch bei sehr unwegsamem Gelände. Der Umbau in eine Kriegsmaschine fand später aus der Not heraus statt.

Befehle an die Bodentruppen werden einfach durch Zielen auf z. B. eine Stelle auf dem Schlachtfeld und drücken der entsprechenden Taste gegeben. Dann rückt das eigene Squad an diese Stelle vor oder konzentriert sein Feuer auf ein Ziel, welches der Spieler entsprechend ausgewählt hat. Darüber hinaus verfügen die Squadmitglieder über verschiedene aktive Skills, die durch den Gravcycle-Piloten ausgelöst werden. So kann z. B. eine Energieblase erschaffen werden, die Gegner und auch Geschosse stark verlangsamt. Das Squad besteht aus drei, sich auch optisch unterscheidenden, Kämpfern. Segnen diese auf dem Schlachtfeld das Zeitliche, bleiben nur ihre menschlichen Gehirne übrig, während ihre mechanischen Körper zerstört wurden. Diese Gehirne gilt es nun einzusammeln, so dass sie kurze Zeit später erneut auf dem Schlachtfeld erscheinen können. Ganz schön makaber aber irgendwie auch cool.

Spielbar war auf der Gamescom eine Karte aus dem Mehrspielermodus, der, im Gegensatz zur Kampagne, kein Fortschrittssystem haben wird. Zu Beginn wählt man eines von sechs (im finalen Spiel sollen es zur Veröffentlichung neun sein) Gravcycles, mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen, unterschiedlichem Handling, anderer Bewaffnung und unterschiedlichen Squads. Dabei fällt im Gefecht sofort auf, wie unterschiedlich sich das Spiel im Vergleich zu Titeln wie Battlefield, Call of Duty oder auch Doom anfühlt. Es ist deutlich langsamer, obwohl wir mit Fluggeräten unterwegs sind und auch nicht so hektisch. Dafür kann man schöne Hinterhalte legen, versuchen, sich selbst und das Squad taktisch sinnvoll zu platzieren und auch das gemeinsame Spielen im Team erscheint in diesen drei gespielten Runden wichtig.

Auch der Einsatz der Squadfähigkeiten, die nach Nutzung erst nach einer Cooldownzeit wieder verwendbar sind, können schnell über den Ausgang eines Feuergefechtes entscheiden. So hat die Energieblase, die Gegner und Geschosse stark verlangsamt, mir an einem Nadelöhr auf der Karte gerade noch erlaubt, der anstürmenden Übermacht zu entkommen und wenige Meter weiter zu meinen restlichen Teammitgliedern aufzuschließen. Und von hier an war das Feuergefecht wieder relativ ausgeglichen.

Die Aufgabe meines Teams war es zunächst, ähnlich wie in Capture-the-Flag, auf der Karte Energiecontainer durch mein Squad aufheben zu lassen. Diese müssen dann zu einem bestimmten Punkt auf der Karte gebracht werden. Da mein Team als Offensiv startete, mussten wir dies drei Mal erfolgreich vor Ende des Zeitlimits schaffen, um die Runde zu gewinnen. Anschließend ging es in der Defensive los und wir mussten das andere Team daran hindern, eben diese Energiecontainer drei Mal in Sicherheit zu bringen. Das hat sofort eine Menge Spaß gemacht und auch die Steuerung ging schnell in Fleisch und Blut über. Hier sind einfach Shooter-Veteranen am Werk und das merkt man der Steuerung an.

Fazit

Disintegration bringt frischen Wind in das Shooter-Genre. Die spannende Geschichte macht mich sehr neugierig auf die Kampagne und die Multiplayer-Gefechte haben gezeigt, dass das Spiel bereits jetzt sowohl grafisch überzeugt als auch in Punkto Spielgefühl zu gefallen weiß. Dass ausgelöste Emotes als große Projektion vor dem Gravcycle erscheinen, ist ein lustig anzusehendes und auch praktisches Feature. Die Frage, wie viel Anspruch letztlich im Gameplay steckt und wie die Lernkurve aussieht, lässt sich aber auf keinen Fall nach drei Runden beantworten. Die Entwickler haben angekündigt, nach der Veröffentlichung der Vollpreistitels weitere Klassen und Mehrspielerkarten zu liefern. Und sie sind mit einer sehr frühen Version des Spiels nach Köln kommen. Nächstes Jahr gibt es bestimmt handfesteres von Disintegration und vielleicht ja auch einen Blick in die Kampagne und wie sich das Gameplay dort vom Mehrspielerpart unterscheidet, auch durch das Fortschrittssystem.