So langsam merkt man auch auf der Gamescom, dass die neue Konsolengeneration vor der Tür steht. Weil die aber erst Ende nächsten Jahres kommt, könnte man vielleicht meinen, dass 2020 ein ziemlich langweiliges Gamingjahr wird. Und tatsächlich, Microsoft und Sony scheinen mittlerweile auf Sparflamme zu schalten, auch wenn gerade letztere doch noch ein paar heiße Eisen im Feuer haben. Nintendo ist natürlich, wie immer, ein Thema für sich. Nicht nur, weil die Switch gerade erst so richtig loslegt, sondern auch, weil die Kyotoer kaum Ausblicke auf längerfritige Projekte geben. Aber natürlich sind wir hier längst nicht am Ende der Fahnenstange, die großen und mittelgroßen Publisher sind natürlich auch noch da. Und tatsächlich haben sie noch so einige Eisen für PlayStation 4 und Xbox One im Feuer. Cyberpunk 2077 mag dabei wohl für viele von uns der wichtigste Titel sein, es ist aber längst nicht der einzige.

Trials of Mana

Release: Anfang 2020 – PlayStation 4, Switch, Xbox One – Angespielt von Michael Meisterfeld

Trials of Mana, im Westen lange Zeit besser bekannt als Secret of Mana 2, ist definitiv eines der japanischen Spiele, auf die Kinder der 90er wie ich am Längsten gewartet haben. Schließlich fanden Seiken Desetsu, wie die Reihe in Japan heißt, und vor allem der zweite Teil ihren Weg in den Westen. Und gerade Secret of Mana, wie die Fortsetzung bei uns hieß, sollte dank tollem Soundtrack, gelungener Story und actionreichem Echtzeit Kampfsystem viele Fans im Westen finden. Die tolle Big Box samt Spieleberater war daran sicher auch nicht ganz unbeteiligt. Seiken Densetsu sollte allerdings für sehr lange Zeit nicht den Weg zu uns finden, zumindest nicht offiziell. Dafür waren wohl unter anderem Bugs im Spiel, aber auch Probleme, eine Übersetzung auf’s prall gefüllte Modul zu packen verantwortlich. Und vielleicht auch die Tatsache, dass die Next Gen Konsolen in Form von PlayStation und Saturn bereits erschienen waren. Immerhin gab es 2000 dann endlich eine Fan Übersetzung, die mit Emulatoren nutzbar war. Vor kurzem erschien sogar die Collection of Mana. Und Anfang 2020 kommt das Trials of Mana Remake, das mit 3D Grafik und Third Person Perspektive noch mal frischen Schwung in die altehrwürdige Reihe bringt. Ob das gut funktioniert?

Ja, das tut es. Wobei sich Trials of Mana so ein wenig nach der ersten Hälfte der 2000er anfühlt. Aber das muss ja nicht negativ sein. Zu Spielbeginn übernehmen wir die Kontrolle über den jungen Soldaten Duran. Trials of Mana setzt uns im Spielverlauf nämlich einen ganzen Haufen Charaktere vor. Duran will gerade aus der Stadt rauskommen, die aber dummerweise gerade von Tiermenschen besetzt ist. Praktischerweise verwandeln die sich des Nächtens in Werwölfe und verlassen dann auch das Stadttor. Ausreichend lange in der Herberge nächtigen löst also unser erstes Problem. In der freien Natur angelangt treffen wir direkt auf die ersten Gegner. Die leicht hasenartigen Pogopuschel, aber auch die Pilzköpfe (Überraschung, nicht die Beatles sondern laufende Pilze), erinnern sofort an damals. Und ja, da war ich noch jung. Weil wir verschieden starke Schläge, Ausweichrolle und sogar eine Spezialattacke haben sind die Standardgegner schnell besiegt. Eine Ausweichrolle gibt es auch. Heiltränke und Co. liegen nun allerdings auf dem Steuerkreuz, ein den Spielverlauf unterbrechendes Ringmenü in der alten Form gibt es nicht mehr. Dafür aber eine praktische Lock On Funktion wie man sie aus Zelda oder der Souls Reihe kennt.

Bei der Erkundung der hübschen Umgebungen gönnte sich die Messedemo einige Sprünge. Somit treffen wir ziemlich plötzlich vor einer Höhle, die wir eigentlich durchqueren müssten, auf eine junge Dame, die ihren Bruder sucht. Die Höhle ist versiegelt und wir bräuchten eine Fee als magische Türöffnerin. Nächster Zeitsprung, wir begeben uns zu dritt in die Höhle. Und treffen dort auf einen krabbenartigen Bossgegner. Der stellt sich als harte Nuss heraus, so dass wir, wie früher übrigens, als Solospieler zwischen den drei Charakteren wechseln, die schließlich unterschiedliche Fertigkeiten haben. Das ist jederzeit auf Tastendruck möglich und nicht zuletzt dank der starken Spezialattacken liegt unser erster Boss doch ziemlich schnell mit geknackter Schale am Boden. Jemand ein Krebsfleischbrötchen?

Leider war die Demo viel zu kurz, dafür aber auf PlayStation 4 und Switch spielbar. Dank Unreal Engine 4 muss man sich um den technischen Unterbau keine Sorgen machen. Ironischerweise fand ich den Look auf Nintendos Hybridkonsole aber irgendwie stimmiger. Dort ist die Optik zwar etwas unschärfer und auch manche Textur weicher, dafür wirkt die Grafik auf der PS4 aber irgendwie leicht plastikhafter. Das kann sich bis zum Release in circa sechs Monaten natürlich noch ändern. So oder so erwartet uns ein dezent altmodisches aber auf Anhieb charmantes Action-Rollenspiel und ganz sicher eines der interessanteren Remakes aktuell. Nicht zuletzt, weil im weiteren Spielverlauf mehr Tiefe wartet als bei Secret of Mana.

Dying Light 2

Release: Anfang 2020 – PlayStation 4, Xbox One – Christoph Köckerling

Dass Dying Light 2 eine atemberaubende Grafik aufweist, durfte Michael bereits im letzten Jahr auf der Gamescom erleben. Daran hat sich auch bei der diesjährigen Demo nichts geändert. Die Stadt, die osteuropäisch anmutet und vom Setting einem modernen Mittelalter gleicht, sieht auch im neuen Material unheimlich gut aus. Das Spiel um Protagonist Aiden Coldwell spielt einige Jahr nach dem ersten Teil. Neben den menschlichen Kolonien haben sich aber auch die Zombies weiterentwickelt. Noch mehr verschiedene Zombies, die mit noch mehr Waffen bekämpft werden können.

Hauptaugenmerk lag bei der Demo allerdings auf die große und variable Spielwelt. Bei dem gezeigten musste Aiden ein Auto verfolgen, was unweigerlich Assoziationen zu Mirrors Edge aufkommen ließ. In Parcour-Manier schwang er sich von Gebäude zu Gebäude und rannte vorbei an überraschten Zombies dem Ziel hinterher. Böden und Geländer, die beim Betreten einbrachen sorgten dafür, dass wir das fast erreichte Ziel wieder aus den Augen verloren haben und uns stattdessen einer Horde Zombies gegenüber sahen. Neben diesen kleinen Momenten lassen sich auch größere Teile der Spielwelt verändern. In der gezeigten Mission müssen Wasserpumpen wieder in Gang gesetzt werden, um die Wasserversorgung sicherzustellen, was dazu führt, dass ein ganzer Stadtteil, der bisher unter Wasser stand, wieder freigelegt wird und auch eine ganz neue Art von Zombies loslässt. Laut Entwickler sind diese Dinge aber optional. So hätten wir uns anfangs der Mission auch dazu entscheiden können bei Frank zu bleiben anstatt seinen Attentätern zu rächen. Dann hätten wir ihn versorgen können und wäre womöglich noch am Leben, wir hätten die Pumpen nicht wieder angestellt und der Stadtteil stände immer noch unter Wasser.

Ob diese Entscheidungen gut ins fertige Spiel integriert werden und nicht gescripted wirken, ist hierbei zu hoffen. In der gezeigten Demo sah das auf jeden Fall schon ziemlich gut aus und macht definitiv Lust auf mehr. Leider ließ sich der Entwickler zu keinem Releasedatum hinreißen, wir sollten aber mal im kommenden Jahr damit rechnen.

Little Nightmares 2

Release: Anfang 2020 – PlayStation 4, Xbox One, Nintendo Switch – Christoph Köckerling

Auch wenn die erstmals stattfindende gamescom Opening Night Live nicht wirklich viel neues bot, freute ich mich über die Ankündigung von Little Nightmares 2 ganz besonders. Bereits den ersten Teil (hier gehts zum Test von Little Nightmares) mochte ich aufgrund seiner starken Atmosphäre sehr, auch wenn die Steuerung etwas hakelig war.

Verantwortlich dafür zeichnen sich wieder die in Schweden ansässigen Tarsier Studios, die uns diesmal an den Albträumen von Mono teilhaben lassen. Ein kleiner Junge der in einer mysteriösen Welt gefangen ist, die durch einen merkwürdig summenden Ton verändert wurde. Auch wenn der Trailer etwas anderes vermuten lässt, ist auch der zweite Teil von Little Nightmares ein Singleplayer- und kein Coop-Spiel. Zwar hat auch das Mädchen Six mit ihrem markanten gelben Regenmantel ihren Auftritt, allerdings fungiert sie als computergesteuertes Helferlein. Zusammen müssen sie die Geheimnisse der Welt aufdecken und wie schon im ersten Teil vor ihrem widerlichen Bewohnern fliehen. Besonders die Beziehung der beiden Kinder soll ein zentrales Element im Spiel werden.

Mehr erfahren wir hoffentlich schon bald, denn das Spiel soll bereits im kommenden Jahr für die Xbox One, PlayStation 4, Nintendo Switch und den PC erscheinen.


Weitere Spiele, die im kommenden Jahr erscheinen sollen, haben wir in einzelnen Artikeln behandelt. Einfach auf den jeweiligen Spieletitel klicken, um noch mehr Infos zu erhalten. Disintengration, Biomutant, Destroy all Humans!, Desperados 3, Vampire: The Masquerade Bloodlines 2 und natürliche diverse Indie Games.