Die größten Erwartungen im Vorfeld der E3 waren wohl auf Microsoft gerichtet, das war auch in unserem Ausblick auf die diesjährige Spielemesse nicht anders. Auch danach sind die Reaktionen eher gemischt, einerseits wurden ein paar coole Spiele angekündigt, aber die meiste Arbeit liegt noch vor den Redmondern. Nachfolgend lest ihr unsere Reaktionen zur diesjährigen Präsentation von Microsoft.

Das sagt Koecki:

Einerseits macht die Pressekonferenz Hoffnung, dass in Zukunft mehr exklusive Spiele auf Microsofts Konsole erscheinen, aber dennoch wird mehr als deutlich, wie sehr die Entwicklung vernachlässigt wurde. Man kann direkt sagen, das Jahr 2018 ist ein verlorenes Jahr für Microsoft. Sea of Thieves und State of Decay 2 sind nicht die großen Kracher geworden, die man gehofft hatte. Crackdown 3 wurde auf kommendes Jahr verschoben und einzig Forza Horizon 4, welches ebenfalls gestern vorgestellt wurde, wird sicherlich mit Bestwertungen an den Start gehen. Ein Spiel ist allerdings zu wenig für ein Unternehmen wie Microsoft, mit hohen Ansprüchen an sich selbst.

Hoffnung macht allerdings alles, was danach kommt. Mit Halo Infinite wurde ein neues Spiel rund um den Master Chief angekündigt und auch die Gerüchte, die im Vorfeld kursierten, dass Microsoft gleich drei Spiele aus dem Gears of War-Universum ankündigt, haben sich als wahr herausgestellt. Mit Ori and the Will of Wisps und Crackdown 3 gesellen sich noch weitere Spiele dazu, die bereits seit längeren angekündigt sind. So hat man auf dem Papier schon mal ein paar Spiele, mit dem man als Xbox-Fan ganz gut leben kann, auch wenn einer der Gears-Titel eher auf dem mobilen Markt anzusiedeln ist.

Allerdings war die Forderung der Fans an Microsoft im Vorfeld eine andere. Die Spieler wollen neue Geschichten, neue Charaktere… ganz neue Spiele mit einer starken Story. Also das, was Sony derzeit ganz gut hinbekommt und den Fans gefühlt mit nahezu jedem neuen Spiel serviert. Hier zeigt sich allerdings auch, wie sehr Microsoft die Entwicklung verschlafen hat. Anstatt den Fans Spiele zu zeigen auf die sie sich freuen können, wurde lediglich stolz verkündet, dass man gleich fünf neue Entwicklerstudios eingekauft bzw. neu gegründet hat. Zwar sind da mit Ninja Theory und Compulsion tatsächlich überraschende Teams vertreten, allerdings auch Studios wie Playground Games und Undead Labs, die in den letzten Jahren sowieso ausschließlich für Microsoft gearbeitet haben. Einzige Wundertüte ist The Initiative, welches in Santa Monica neu gegründet wurde. Weitere Studios zu haben, die für die Xbox entwickeln ist schön und gut, aber das Problem der fehlenden Spiele ist bereits jetzt da und bis von den neuen Studios Spiele zu erwarten sind, vergehen noch locker zwei bis drei Jahre. Zum Glück ist Microsoft finanziell gut aufgestellt, so dass sie einen langen Atem beweisen können, aber ob es dann die erhofften Früchte trägt, bleibt offen.


 

Das sagt Christoph:

Microsoft hat mich in diesem Jahr nicht komplett enttäuscht, gleichzeitig muss ich aber auch sagen: Wirklich überzeugt haben Sie mich aber dennoch nicht.

Zum einen mag das an dem erneuten Stakkato an Trailern liegen. 52 Spiele waren es in knapp 100 Minuten Pressekonferenz. Zu einem sehr großen Teil aber nur Trailer und nicht wirklich viel tiefgehendes Gameplay bzw Livegameplay. Zwar erzeugen Trailer oft eine tolle Atmosphäre, was für so ein Event wie die E3 sehr wichtig ist, aber dennoch fehlt mir das Gameplay, das Gefühl wie das Spiel nun wirklich am Ende sein könnte. Weiterer großer Kritikpunkt, was ebenfalls durch die Masse an Trailern deutlich und inflationär war, dass waren die Begriffe wie „Exclusive“, „World Premiere“ oder „Console Launch Exclusive“. Natürlich ist es für ein Unternehmen und vor allem für Microsoft wichtig, dies zu zeigen. Dennoch fühlte es sich einfach nicht richtig an, da es einfach zu inflationär war.

Kommen wir aber zu den wichtigen Dingen von der Pressekonferenz und zwar zum Inhalt. Forza Horizon 4 und das Setting in England, das dürfte wohl die wenigsten überrascht haben, da es in den letzten Wochen durchaus öfters in den Medien geleaked wurde, kommt diesen Herbst. Für Februar 2019 wird uns das schon mehrmals verschobene Crackdown versprochen und ebenfalls für 2019 die Fortsetzung von Ori and the Blind Forest, Ori and the Will of the Wisps.

Halo Infinite und der Trailer zu Gears of War 5 dürften, ähnlich wie Forza Horizon 4, weniger überraschend gewesen sein und vor allem Fans der Serien dürften dies mehr als erwartet haben. Überraschend empfand ich aber, dass wohl keines der beiden Spiele in diesem Jahr erscheinen soll. Halo Infinite wurde nur angeteasert, ganz ohne Datum, und Gears 5 wird voraussichtlich 2019 erscheinen.

Erwähnenswert wären hier auch noch die beiden weiteren Gears of War Spiele die angekündigt wurden: Gears Pop, ein Mobile-Ableger, der vor allem ein Werbeprodukt sowohl für die Funkopops als auch für Gears of War darstellen wird, und Gear Tactics. Gears Tactics teaserte, wie der Name erwarten lässt, einen Taktik-Ableger mit einem an XCom orientierten Gameplay an. Letzteres wurde sogar mit Pre-Alpha-Gameplay unterstrichen. Leider aber ebenfalls ohne Releasedatum.

Aber was bleibt dann? Die breite an Masse an Games die nicht exklusiv für die Xbox One erscheinen werden, sei es ein The Division 2, ein Battlefield V oder auch ein Dying Light 2, finde ich an dieser Stelle, weil es ja hier um Microsoft und die Xbox gehen soll, nicht wirklich erwähnenswert und sie würden dadurch rausfallen. Somit kommen wir zur eigentlichen großen Überraschung des Media Briefings: Den gekauften Studios. Hier gab es im Vorfeld ebenfalls viele Vermutungen und so ist die Übernahme von den State of Decay 2-Machern Undead Labs und den Forza Horizon 3-Entwicklern Playground Labs nun vielleicht nicht wirklich was großes, insbesondere weil diese ja auch schon in den letzten Jahren fast ausschließlich für Microsoft gearbeitet haben. Überraschender dagegen dürfte hier die Ankündigung sein bzgl. Compulsion Games, den Entwicklern von We Happy Few, und Ninja Theory, dem Studio hinter Hellblade: Senua’s Sacrifice. Während man bei Compulsion und einem möglichen Early Access-Deal vielleicht noch irgendwie einen Bogen bekommt, dürfte gerade Ninja Theory sehr überraschend sein. Für Microsoft dürften sich diese aber Einkäufe durchaus auszahlen und Spiele ermöglichen, die durch das aktuelle Teamportfolio gar nicht abgedeckt sind.

Bitte versteht es nicht falsch. Ich fand, wie eingehend gesagt, nicht komplett verkehrt, eher sogar sehr solide. Dennoch hat irgendwo das große Feuerwerk gefehlt. Ein kleiner Ausblick was für die neuen Studios auf der Roadmap steht – Das hätte es sein können.


Das sagt Michael:

Eigentlich richtig gut, dann aber wieder auch stellenweise mau. So könnte man Microsofts Pressekonferenz super auf den Punkt bringen. 100 Minuten voller Spiele, sehr fette Fortsetzungen, neu gekaufte Studios, und der immer noch vorhandene Mangel an neuen Exklusiv-IP’s. Aber fangen wir mal mit was Großem an. Halo 6 kommt, nur ohne die 6, es heißt Infinite, legt wieder mehr Fokus auf den Chief und bekommt eine richtig geile, neue Engine. Das Ganze erinnert irgendwie leicht an Halo: Combat Evolved. Gefühlt mehr ein Showcase für die Engine als für das Spiel lässt der Teaser momentan noch sehr viele Fragen offen. Jedenfalls macht es den Eindruck, als ob wir Sierra 117 frühestens nächstes Jahr wiedersehen werden.

Weiter geht es mit Ori and the Will of the Wisps, dem Nachfolger des vielleicht schönsten aktuellen Metroidvanias. Das wird ganz sicher toll. Mit Forza Horizon 4 steht auch, wie zu erwarten war, die Fortsetzung der momentan vielleicht besten Rennspielreihe ins Haus. Shared Open World oder auch solo, Großbritanniensetting und vor allem wechselnde Jahreszeiten. Die Optik scheint dabei noch besser zu werden als sowieso schon, für Rennspielfans schlicht ein Fest. Aber halt so gar nicht überraschend.

Cuphead bekommt sowas wie ein Standalone Add On mit neuem Charakter. Auch fein. Der letzte unüberraschende im Bunde ist dann Gears 5. Scheint nicht so leichtherzig daher zu kommen wie der vierte Teil, sieht aber gut und vielversprechend aus. Mit Crackdown 3 gibt es natürlich auch eine Altlast, kommt jetzt Februar 2019. Auch nicht mehr neu sind Sea of Thieves, das Erweiterungen bekommen wird, oder PUBG, das jetzt im Winter als fertiges Spiel erscheinen wird.

Die wichtigste Ankündigung sind wohl fünf neue Studios, so wurden Compulsion Games, Ninja Theory oder auch Playground Games von Microsoft aufgekauft, aber auch ein neues Studio gegründet. Dummerweise muss man da fragen, warum erst jetzt? We Happy Few etwa wäre ein vielversprechender Exklusivtitel gewesen, Hellblade hätte das letzte Jahr sicher auch deutlich aufwerten können. Aber die Fahrtrichtung für die Zukunft ist somit klar. Mehr Exclusives und auch Spiele mit starkem Singleplayer.

Genau das fehlt aktuell aber noch. Sicher, ich freu mich tierisch auf Halo Infinite und Forza Horizon 4. Und auch auf Ori 2. Aber ein oder zwei echte Überraschungen? Fehlanzeige. Trotzdem ist Microsoft nach wie vor ‘commited to gamers‘. Neben Streamingdienst und brandneuer K.I.-Middleware soll das auch dadurch klar gemacht werden, dass man die nächsten Xboxen erwähnt. An denen wird also schon gearbeitet. Aber auch die Flut an Third Party Spielen und Indies. Ob Tunic als Zelda mit Fuchs, Nier Automata, das wohl nur zeitexklusiv für PlayStation war, Tales of Vesperia Remaster oder From Softwares neuestem Streich Sekiro: Shadows die Twice. Richtig cool und samt versteckter Codes für The Witcher 3 war dann noch CD Projekt Reds Trailer zu Cyberpunkt 2077. Das alles füllt nicht nur die Pressekonferenz auf, es zeigt, dass doch noch so einiges kommt. Nächstes Mal halt bitte mit mehr Exclusives, die gerne mehr überraschen dürfen. Denn eigentlich war Microsofts Show wirklich gelungen.