Sind Entwicklerstudios und Publisher nicht mehr kreativ? Haben sie Angst vor dem Risiko, eine neue Marke und frische Ideen im Bereich der Videospiele zu etablieren? Wenn man sich die großen Titel aus den letzten Monaten so ansieht, dann findet Innovation größtenteils im Bereich der Indie Games statt. Stattdessen findet eine Fortsetzung nach der anderen den Weg in die Händlerregale und digitalen Stores. Allerdings wird dieser Kreis mehr und mehr durchbrochen und die Rufe der Fans, die sich nicht mehr mit den zahlreichen Fortsetzungen zufrieden geben wollen, werden immer lauter. Wenn es schon keine ganz neuen IPs sind, dann reicht schon ein Blick in die eigene Spiele-Bibliothek, um festzustellen dass zahlreiche interessante Spielereihen nur darauf warten wieder reaktiviert zu werden.

Auf der Gamescom hatten wir die Möglichkeit zwei solcher Remakes anzuspielen, die in ihrer Herangehensweise kaum unterschiedlicher sein könnten. Dabei handelt es sich zum einen um Battletoads, die zumindest in der jüngeren Vergangenheit Cameos in Spielen wie Shovel Knight und Killer Instinct hatten, und um Destroy All Humans, welches, zumindest für mich überraschend, zur diesjährigen E3 angekündigt wurde.

Battletoads im neuen Look

Die Freude war groß, als Microsoft auf der E3 2018 ein neues Battletoads Spiel ankündigte. Obwohl das letzte Spiel mit den Kröten 1994 erschien, genießt die Reihe immer noch Kultstatus bei den Fans. Daher ist es auch kein Wunder, dass die Battletoads regelmäßig genannt wurden, wenn es um mögliche Spiele für das etwas kränkelnde First Party Line-Up der Xbox One ging.

Als dann aber in diesem Jahr die ersten Bilder des Spiels zu sehen waren, machte sich schnell Ernüchterung breit. Denn Rash, Zitz und Pimple sahen plötzlich wie eine glattgebügelte Nickelodeon Mainstream Version der beinharten Kröten aus den 90ern aus. Ich muss zugeben, dass auch ich anfangs wenig mit dem neuen Look anfangen konnte und ich lieber die Battletoads aus meiner Jugend haben wollte. Mittlerweile habe ich Frieden damit geschlossen und ich muss zugeben, dass mir der knallige Grafikstil in der auf der Gamescom spielbaren Demo besser gefallen hat als gedacht.

Wirklich glücklich war ich aber auch nach der Session trotzdem nicht, was vor allem an der nicht ganz runden Steuerung lag. Die Kröten bewegten sich zu behäbig und langsam über den Bildschirm. Zudem war es schwierig, auf den ersten Blick zu erfassen, ob man bei den Kämpfen nun auf der gleichen Ebene mit dem Gegner steht oder fröhlich nebenher haut und tritt, weil man ein kleines bisschen zu weit oben oder unten steht. Auch war die Passage, die wir in der Demo spielen konnten etwas eintönig und nach kurzer Zeit dachte ich nur, wann es weiter geht und endlich nicht mehr ein Gegner nach dem anderen auf dem Bildschirm auftaucht.

Mehr Spaß hatten wir anschließend im Turbo Tunnel, zumindest wenn man Spaß mit Frustration gleichsetzt. Im Gegensatz zur alten Version kommen die Hindernisse von vorne auf uns zu und scrollen nicht seitwärts über den Bildschirm. Spaß macht es aber tatsächlich, auch wenn der neue Turbo Tunnel genau so schwer ist wie der damalige. Allerdings hatte ich auch hier das Problem mit der trägen Steuerung, wenn ich nicht rechtzeitig von links nach rechts gekommen bin und auch das Dashen mich nicht aus der Schlagdistanz des Hindernisses befördert hat. Trotzdem wird das Spiel für einige Spaßige Couch-Coop Sessions gut sein.

Insgesamt bietet das neue Battletoads Licht und Schatten, ich würde mir aber wünschen, dass das ausführende Entwicklerstudio DLala vor allem an der Steuerung noch mal nachjustiert. Fraglich auch, ob das fertige Spiel abwechslungsreich genug ist, damit es die Spieler auch bis zum Schluss an der Stange hält. Dank Xbox Game Pass werden es aber sicherlich viele Spieler ausprobieren und auch ich werde es auf jeden Fall noch mal spielen. Ein bisschen freue ich mich schon alleine aus nostalgischen Gründen trotzdem drauf.

Destroy All Humans

Einen anderen Weg als Xbox mit den Battletoads gehen THQ Nordic und Black Forest Games mit Destroy All Humans. Für mich etwas überraschend wurde das Remake kurz vor der E3 angekündigt und wie der Zufall es will, hatte ich erst kurz vorher Destroy All Humans! Der Weg des Furon von meinem Pile of Shame entfernt. Es war laut Entwicklerteam von Anfang an das Ziel, das Spiel möglichst nah an den Originalen zu halten und sie nur grafisch und technisch den neuen Möglichkeiten anzupassen. Großartige Änderungen im Look and Feel (argh, Anglizismen) konnte ich in der Präsentation durch die Entwickler und beim späteren Anspielen nicht feststellen. Die Stimmung und auch den Humor hat das Team von Black Forest in meinen Augen sehr gut eingefangen und in die aktuelle Konsolengeneration transportiert.

Handlung und Größe der Levels sind identisch mit dem Ur-Spiel von 2005, trotzdem wurde alles von Grund auf neu gebaut. Lediglich Musik und Synchronisation wurden teilweise beibehalten oder mit den selben Sprechern von damals neu eingesprochen. Erweitert wurden die Areal neben einer unheimlichen Liebe zum Detail lediglich mit kleinen Quests oder Aufgaben wie Rennen oder dem Beseitigen dieser lästigen Menschen auf Zeit.

Spielerisch fühlte sich das nach dem eher schwierigen Start mit Battletoads richtig gut an. Die Steuerung von Destroy All Humans ist intuitiv und wenn man die alten Teile bereits kennt, dann findet man sich noch schneller zurecht. Alle Neulinge werden aber natürlich mittels eines kurzen Tutorials in die Basics der Steuerung eingeführt. Diese wird sich dann im späteren Spielverlauf mit weiteren Möglichkeiten und Fähigkeiten erweitern.

Alle Spieler auf der PlayStation 4, Xbox One und PC dürfen sich jedenfalls auf ein gelungenes Remake freuen, welches im nächsten Jahr rauskommen soll. Auch Sammler kommen mit den beiden wirklich sehr schönen Collectors Editions auf ihre Kosten, diese konnten wir hinter verschlossenen Türen einmal genauer angucken. Kleiner Wehrmutstropfen, eine Umsetzung für die Nintendo Switch ist derzeit nicht geplant. Schade, da das Spiel meiner Meinung nach super zur Switch passen würde.

Fortsetzungen meh, Remakes yeah

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich mittlerweile wenig Lust habe auf die zahlreichen Fortsetzungen von Spielen die gefühlt jährlich auf den Markt kommen. Wenn die Publisher und Entwickler schon keine neuen und frischen Ideen in neue Marken investieren wollen oder können, dann nehme ich gerne noch ein paar Remakes von spielen, die es verdient haben noch mal gespielt zu werden. Das kann wunderbar klappen wie Sony beispielsweise auch mit Shadow of the Colossus gezeigt hat. Ob der Weg von Microsoft mit Battletoads der richtige ist, muss sich noch rausstellen, die Demo von Destroy All Humans hat mir aber bereits jetzt so viel Spaß gemacht, dass ich mich sehr auf das Spiel freue.