Slain: Back from Hell – Heavy Metal im Test

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Indie Entwickler haben es nicht immer leicht. Entsprechend schwierig sind die Entwicklungsgeschichten mancher Independent Spiele. Slain! war so ein Fall. Trotz toller Pixelgrafik und gelungenem Heavy Metal Soundtrack wurde beim Erstrelease auf Steam so ziemlich alles andere kritisiert. Gegnerverhalten, Rücksetzpunkte, Balancing, es wurde kaum ein gutes Haar am Spiel gelassen. Auch einige Patches konnten daran nur bedingt viel ändern.

Publisher Digerati und Entwickler Wolf Brew Games entschlossen sich allerdings nicht etwa dazu, das Projekt einfach sterben zu lassen oder es bei der halbgaren Veröffentlichung zu lassen. Stattdessen bekam Slain! eine Rundumerneuerung verpasst. Die audiovisuelle Komponente blieb zwar unverändert, nahezu der komplette Rest wurde allerdings komplett überholt. Des Ausrufezeichens beraubt aber um den Back from Hell Zusatz bereichert darf Slain nun auch auf Konsolen sein Unwesen treiben. Da stellt sich natürlich die Frage, ob all der Aufwand gelohnt hat.

slain-back-from-hell-4Bathoryn hat’s nicht leicht. Eigentlich längst verstorben will er nicht mehr als den Schlaf der Gerechten schlafen. Stattdessen wird er mir nichts, dir nichts von einem Geist zum Leben erweckt. Und das nicht zum ersten Mal. Und das alles bloß weil der üble Lord Vroll und seine dämonischen Schergen über das Land herfallen. Widerwillig schwingt sich Bathoryn also auf ins Gefecht. Zugegeben, auf Storyebene bietet Slain nichts Neues und das Rad wird hier ebenfalls nicht neu erfunden. In bester 8- und 16-Bit Manier bietet Slain eigentlich eine Briefmarkenhandlung Marke ‚Dracula ist erwacht…‘ oder ‚das böse Bydo Imperium…‘, eigentlich würde das kaum für einen Satz reichen, ganz zu schweigen von Absätzen. Allerdings schafft das Spiel es dennoch in einem gewissen Rahmen, hier zu punkten. Das liegt in erster Linie an den Dialogen. So dürfen ein paar Zeilen mit praktisch jedem Boss ausgetauscht werden. Aber auch Lord Vroll selbst lässt sich zu Wortgefechten mit unserem Protagonisten herab. Natürlich samt regelmäßigem Hinweis darauf dass ‚dies‘ nun sehr bald unser Ende sein wird. slain-back-from-hell-6Nachdem das erste Level befreit ist geht es obendrein zu einer Hubwelt in der wir auf eine hilfreiche Hexe treffen, welche für die ein oder andere launige Wortklauberei sorgt. Denn während Bathoryn stets recht gestelzt formuliert kann sich die Hexe bissige bis ironische Kommentare nie verkneifen. Die deutschen Texte stehen den englischen dabei übrigens in Nichts nach und sind durch die Bank gelungen.

Genug der Handlung, zücken wir unser Schwert und stürzen wir uns in den Kampf. Denn hier kann Slain nach kurzer Einstiegszeit durchaus punkten. Da ist natürlich unser treues Schwert, das uns neben einem Standardangriff auch die Möglichkeit zur Parade sowie eine Chargeattacke bietet. Letztere kostet allerdings, so viel sei vorweggenommen, durchaus Nerven, weil sie reichlich Fingerspitzengefühl beim Timing kostet. Ziemlich früh spielen wir zusätzlich Eis- und Feuerklinge frei wobei erstere unser Schwert in eine Axt verwandelt. Die sind jeweils besonders effektiv gegen einzelne Gegnertypen. Jene sind dann aber meist besonders resistent gegenüber der jeweils anderen Fertigkeit.

slain-back-from-hell-8Auch über einen Fernangriff verfügt Bathoryn, welcher ebenfalls aufgeladen werden kann. Gehen wir in die Hocke und laden ihn auf zieht er zwar unsere gesamte Manaleiste leer, kann aber zumindest alle kleineren Gegner, abhängig vom Typ, mit einem Schlag vom Bildschirm entfernen. Besagte magische Energie rücken übrigens viele Gegner in kleinen Mengen heraus, wenn wir sie mit der Chargeattacke unseres Schwertes beseitigen.

Schließlich und endlich wäre da noch ein Dash nach hinten. Der blitzschnelle Rückzieher kann uns oft rechtzeitig aus der Gefahrenzone entfernen. Stellen, gerade im ersten Spielabschnitt, viele Gegner noch reines Klingenfutter dar braucht es später die erweiterten Fertigkeiten ebenso wie gutes Timing. So lassen sich mit gezieltem Schwertschlag Energieprojektile zurückschleudern, Gegner effektiv mit Dash und anschließendem aufgeladenen Angriff besiegen oder besonders große Skelette per parieren für einen Moment betäuben. Geplanter Einsatz der Fertigkeiten wird also nach und nach zur Pflicht und das im Prinzip simple Kampfsystem gibt hier durchaus einige Freiheiten an die Hand.

Neben ‚Blutspenden‘ für neue Lebensenergie, die eher selten zu finden sind, geben vor allem Checkpoints neue slain-back-from-hell-2Energie und füllen den Manabalken wieder auf. Besagte Kontrollpunkte finden sich im ersten Level auch unmittelbar vor Fallen, von denen die Spielwelt allerhand zu bieten hat. Zwar werden sie visuell auffällig genug dargestellt, können für unaufmerksame Helden aber dennoch einen vorzeitigen Tod bedeuten. Das Repertoire reicht dabei übrigens von allerhand zerstampfenden Fallen über gigantische Morgensterne, die auch mal an Skulpturen hängen bis zu Todesranken. Nicht unbedingt sofort tödlich sind dagegen aus dem Boden schnellende Speere.

Was alle Fallen gemeinsam haben ist, dass sie entweder einfach übersprungen werden können oder nur sauberes Timing benötigen. Wer seiner Umgebung ausreichend Aufmerksamkeit widmet wird hier keine unnötigen Tode sterben müssen.

Besondere Erwähnung verdienen noch die Bosse. Üblicherweise haben sie irgendeine Form von Schwachstelle. Das kann eine starke, aber leicht parierbare Attacke sein. Vielleicht auch ein bestimmter Punkt, an dem ihr Angriff Bathoryn nicht erreicht. Wie das richtig geht ist allerdings gerne mal mit einem „Aha“-Erlebnis verbunden. Und genau das bietet Slain recht oft. Gerade die meist sehr günstig gesetzten Kontrollpunkte sorgen dafür, dass Slain sich nie unfair anfühlt. Der Schwierigkeitsgrad ist allerdings oft hoch. Es kann tatsächlich passieren dass Bathoryn dutzende Tode an einer Stelle stirbt. Entsprechend oft sieht man unter Umständen den Slain Schriftzug.

slain-back-from-hell-9Hat man entsprechende Stelle allerdings einmal geschafft gibt es immer ein entsprechendes ‚Aha, so geht das‘ Gefühl. Reine Trial & Error Passagen oder Stellen die man unbedingt auswendig lernen muss findet man in Slain auch nicht. Einer der größten Kritikpunkte ist damit die extrem pingelige Abfrage für die Chargeattacke. Ein Sekundenbruchteil zu früh oder zu spät und der Angriff funktioniert nicht.

Grafisch lässt Slain einfach nichts anbrennen. Ob das nun Charakterbilder während der Dialoge sind, kleine Details bei den Hintergründen oder sich perfekt einfügende Effekte. Wenn man Pixeloptik mag wird man Slain vermutlich lieben. Am ehesten ließe sich vielleicht kritisieren dass Bathoryn noch ein paar Animationsphasen mehr haben könnte. Wirklich brauchen tut er sie allerdings auch nicht. Natürlich muss einem auch der meist recht gotische, düster-romantische und zugegeben teils schon kitschige Stil gefallen. Der wirkt in sich allerdings ungemein geschlossen und gibt ein rundes Gesamtbild.

Während die Soundeffekte passend sind, fehlen gesprochene Dialoge.slain-back-from-hell-0 Im Kontext macht das natürlich Sinn und stört absolut nicht. Bleibt die Musik als letzte Möglichkeit zur Kritik und davon muss ich leider zumindest ein bisschen anbringen. Allerdings richtet sie sich nicht an die Kompositionen. Wer Metal mag dürfte die nämlich lieben. Wer Metal gar nicht mag, nun, der sollte vielleicht die Hintergrundmusik ganz abstellen. Die kleine Kritik richtet sich an die Menge der Musikstücke, die einfach noch mehr sein könnte. Wenn man Slain das erste Mal spielt wird man manche Lieder nämlich schon recht lange am Stück hören. Ebenfalls Kritik muss man an die allgemeine Abmischung richten, könnte die nämlich eine nette Ecke dynamischer und druckvoller daherkommen.

Slain ist kein 2D Souls. Der Vergleich wurde in letzter Zeit ohnehin zu oft bemüht und wäre hier auch wegen der linearität völlig fehl am Platze. Allerdings, ab und an schafft Bathoryns Abenteuer es, ähnlich responsiv zu sein. Damit enden die Gemeinsamkeiten dann aber auch schon. Slain ist geradlinig wie viele klassische Action Plattformer und ist vom Schwierigkeitsgrad für heutige Verhältnisse schwer. Wer einfach mal durchrushen will ist hier fehl am Platz. Davon ab bleiben kleinere Fragen und Kritikpunkte. Warum muss ich etwa im Menü zwischen Steuerkreuz und linkem Stick umstellen und kann nicht direkt beides zur Fortbewegung wählen. Warum ist eine einzelne Attacke gar so pingelig beim Timing? Und warum nicht gleich so? Denn in seiner Back from Hell Iteration macht Slain reichlich viel Spaß.

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Slain: Back from Hell
Präsentation (Grafik, Sound) 85%
Gameplay 80%
Atmosphäre/Story 74%
Spielspaß 85%
81%
Readers Rating 0%
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Schon ein bisschen Heavy und ziemlich Metal. Wer letzteres nicht mag sollte um Slain ebenso einen Bogen machen wie jeder, der Probleme mit schweren Spielen hat. Jeder der fordernde 2D Titel und besagte Musikrichtung mag kann dagegen ruhig mal einen Blick riskieren. Denn auch wenn Slain: Back from Hell nicht alles richtig macht, es macht in jedem Fall reichlich Spaß.

About The Author

1986, ein strahlender Sommer, ein Freund mit VCS, Schwarzweißfernseher, Space Invaders und Pacman. Seitdem lässt mich das Thema Telespiele nicht mehr los, egal ob Game Boy, Amiga, PlayStation, Xbox oder Wii U. Nicht mal vor dem PC hab ich halt gemacht. Einzig von Sportspielen lass ich generell die Finger.

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