Worms W.M.D. – Der rückgratlose Test

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Es kommt mir vor als wäre es gestern gewesen. Ziemlich sicher gehört dieser Satz zu den gefährlichsten Einleitungen überhaupt. Ziemlich oft hört sich das Folgende dann so an, als stamme es von Cranky Kong. Dessen Litaneien wiederum sind mittlerweile irgendwie auch nicht mehr ganz frisch. Nun, wie Cranky will ich mich zwar nicht anhören. Aber als neulich das Worms W.M.D. Testmuster bei mir eintrudelte kam ganz willkürlich die Frage auf, ist das wirklich schon so lange her? Und macht das eigentlich wirklich noch so viel Spaß wie früher?

Worms Must Die!

Worms-WMD (10)Was so lange her ist? Ganz einfach, die Veröffentlichung des ersten Worms. Der knuddelige Kriechtier Krieg war 1995 eine der Mehrspieler Spaßgranaten überhaupt, und zwar ganz egal auf welchem System. Ob auf Team 17’s Lieblingskiste Amiga oder der PlayStation, Super Nintendo oder PC, die Worms Warzone war innerhalb kürzester Zeit überall. Und der besondere Clou daran, man brauchte für launige Mehrspieler Runden nur einen Controller, weil man abwechselnd am Zug war. Dabei lag es nicht unbedingt am Spielprinzip, dass sich Worms frisch anfühlte. Artilleriespiele gab es schon in den Siebzigern. Auch wenn Worms das ganze sinnvoll erweiterte lag es mindestens so sehr wenn nicht mehr an der Präsentation.

Die kleinen Würmchen erinnerten entfernt an die knuddeligen Lemminge von DMA Design, waren und sind bis heute einfach weit größere Sympathieträger als eine Selbstfahrhaubitze. Und auch die Bewaffnung, neben Bazooka oder Pumpgun sind hier etwa Bananenbombe, heilige Handgranate und natürlich Schafe zu finden, machte vom Start weg einfach Spaß. So hoppelt das Schaf einmal freigelassen etwas willkürlich durch die Gegend und sollte unbedingt im richtigen Moment gezündet werden, denn nach einiger Zeit geht es in jedem Fall in die Luft.

Seitdem wurde zumindest ‚Classic Worms‘ eher behutsam erweitert. Zwar gab es die ein oder andere Variante oder Abweichung über die Jahre, sogar ein 3D Worms, dennoch kommt die Serie immer wieder zu ihren Wurzeln zurück.

We’ve Massive Discounts

Auch Worms W.M.D. Ist so ein klassischer Vertreter. Worms-WMD (3)Dennoch bietet es einige der gravierendsten Neuerungen seit langem. Die offensichtlichste und größte sind dabei Fahrzeuge. Die stehen schon mal auf einer Map, können gerade in Mehrspielerrunden aber auch serientypisch gedropped werden. Unter anderem sind zwei Panzervarianten zu finden, aber auch ein Helicopter mit MG oder ein Mech mit Jumpjets und Nahkampfangriff. Auch wenn die einzelnen Fahrzeuge ziemlich schlagkräftig sind, insgesamt fügen sie sich ziemlich schnell und prima ins Spielgeschehen ein. Nicht zuletzt weil gegnerische Fahrzeuge zu jeder Zeit erobert werden können. So lässt sich der Spieß natürlich schnell umdrehen.

Die Kampagne führt uns auch schnell zur Möglichkeit, Waffen aus aufsammelbaren Komponenten zu bauen oder zu erweitern. Natürlich geht auch das im Multiplayer, samt der Frage ob man es direkt verwenden oder zusammensparen möchte. Denn Ressourcen gibt’s natürlich nicht ständig. Und einige Einzelteile für die Lenkrakete werden vielleicht auch für Bananenbombe oder heilige Handgranate gebraucht.

Die Missionen selbst sind wenig überraschend in Haupt- und Nebenziele gegliedert, wobei normalerweise nur das Hauptziel erreicht werden muss. Das ist auch deshalb praktisch, weil es in den Nebenzielen oft nur um die Art und Weise geht, in der feindliche Würmer beseitigt werden sollen. Je nach Missionsziel ist das gar nicht zwingend nötig. Den Weg zu einer Kiste kann man sich ja auch per Sprengung freigraben. In der Praxis lässt das an sich simple Spielprinzip oft eine Reihe Varianten zu.

Worms-WMD (5)Allerdings, selbst wenn einfach alle feindlichen Würmer eliminiert werden sollen, sind die Möglichkeiten mannigfaltig. Neben der eigentlichen Kampagne bietet Worms W.M.D. Noch Herausforderungen und Bonusmissionen, die sich in Aufbau und Schwierigkeitsgrad mal mehr, mal weniger stark von den Kampagnenmissionen unterscheiden.

Traditionell wird, spätestens seit die Würmer ihren Weg auf optische Datenträger fanden, das Geschehen immer wieder durch Videosequenzen zwischen den Missionen aufgelockert. W.M.D. macht hier auch keine Ausnahme und bietet alle paar Missionen launige Werbespots in Trickfilmoptik, etwa für Panzer. W.M.D. darf hier jedes Mal als Backronym für allerhand Sprüche herhalten, eben We’ve Massive Discounts, Worms Must Die…

Wonderful Multiplayer Destruction

Wer Worms schon länger kennt weiß natürlich, die große Serienstärke liegt im Multiplayer. Gerade auch im lokalen Multiplayer. Daran ändert auch W.M.D. nichts grundlegendes. Mittlerweile gesellt sich dazu allerdings eine umfangreiche Onlinekomponente samt Ranked Mode hinzu. Leider fehlten zum Testzeitpunkt noch Online Mitspieler, weswegen für die Mehrspielerkomponente vor allem der lokale Part herhalten durfte.

Maps für den Multiplayer werden generiert. PraktischerweiseWorms-WMD (1) gibt es hier direkt eine kleine Vorschau und die Möglichkeit, neue Spielflächen generieren zu lassen. Auch wenn die sonstigen Einstellungen nicht so üppig sind wie zeitweise zumindest am PC, lassen sich noch Zug- und Rundenzeit, Runden bis zum Sieg, Gesundheitspunkte und Teleport einstellen. In der Praxis reicht das für ausreichend Variation. Auch weil man bei insgesamt bis zu sechs Teams auf Bots zurückgreifen kann. Unterm Strich kann man den lokalen Multiplayer so auch alleine spielen, generell gilt aber, je mehr Mitspieler desto lustiger. Auf den ersten Blick eine Binsenweisheit gilt das bei Worms ganz besonders, denn Allianzen können sich im Sekundentakt bilden oder auch auflösen. Hat der Luftschlag aus Versehen den Wurm eines Freundes versenkt? Dann passiert es verdammt schnell, dass sich die unterlegenen Mitspieler gegen einen verbünden. Und sei es nur bis der nächste den Bombenteppich fallen lässt. Und ja, der Bombenteppich besteht tatsächlich aus Teppichen…

Praktischerweise kann man Worms W.M.D. Auch mit einem Controller spielen. Man muss allerdings nicht. Die Bots eignen sich letztlich auch ganz gut dazu, das Spielerfeld aufzufüllen sollte man nur zu zweit oder dritt spielen, bis zu sechs Parteien dürfen nämlich auf das Schlachtfeld ziehen.

Die Neuerungen in Form von Fahrzeugen, festen Waffen und Innenräumen machen sich dabei auch im Multiplayer gut. Ein gut verschanzter Wurm mag zwar auch mal ein paar Nerven kosten, dank Bunkerbuster und Co lässt sich allerdings für jedes Problem eine Lösung finden.

Where Music Disappoints

Worms-WMD (6)Auf technischer Ebene macht Worms an sich eine gute Figur. Die stufenlos zoombare 2D Grafik sieht auch aus der Nähe gut aus, die Wirbellosen Tierchen sind wirklich nett animiert und die Landschaften zu zerbomben macht auch einfach Spaß. Die Steuerung ist anfangs vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig aber nicht kompliziert. Entsprechend geht sie nach kurzer Zeit gut von der Hand. Sieht man mal von den schlechten Rappern ab, die sind halt echt schlecht, machen auch die Sprachsamples Spaß. Die Soundeffekte, vor allem welche der originelleren, passen wie die Faust auf’s Auge. Leider kommt die Musik da nicht ganz mit. Oft wirkt sie einfach zu belang- und einfallslos. Das ist ein wenig schade, weil W.M.D. In der Präsentation sonst eigentlich alles richtig macht. Ein Weltuntergang ist es allerdings auch nicht.

Ein anderer Knackpunkt, allerdings auch kein wirklich gravierender, während die Ladezeiten eigentlich immer angenehm kurz sind, kann die KI schon mal ihre komplette Zeit für einen Zug verballern ohne dass was passiert.

Worms in Many Destinations

Worms macht Spaß. Daran hat sich auch bei Worms W.M.D. nichts geändert. Die Neuerungen bringen frischen Wind ohne wirklich was am Grundkonzept zu ändern. Vor allem sind sie aber auch einfach genug gehalten um sie schnell zu verstehen. Man braucht auch weiterhin nicht lange um Neulingen Worms mal eben näher zu bringen. Auch wenn die Kampagne gelungen ist, die Herausforderungen wirklich fordern können, die Stärke des Spielprinzips liegt letztlich immer noch im Multiplayer. Worms macht, vor allem im klassischen Couch Koop, einfach Laune.

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Worms W.M.D.
Präsentation (Grafik, Sound) 79%
Gameplay 80%
Multiplayer 83%
Spielspaß 84%
81%
Readers Rating 0%
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Immer noch eine Granate. Zumindest im Mehrspieler. Dabei ist die Kampagne nicht mal schlecht. Vielleicht ist es sogar die beste bisher. Samt Herausforderungen bietet der Einzelspieler auch reichlich Umfang. Die Stärke von Worms ist und bleibt aber einfach der gute, alte Multiplayer. Und der macht auch nach über 20 Jahren einfach Laune. Am besten natürlich im Kumpel-Couch-Kampf.

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About The Author

1986, ein strahlender Sommer, ein Freund mit VCS, Schwarzweißfernseher, Space Invaders und Pacman. Seitdem lässt mich das Thema Telespiele nicht mehr los, egal ob Game Boy, Amiga, PlayStation, Xbox oder Wii U. Nicht mal vor dem PC hab ich halt gemacht. Einzig von Sportspielen lass ich generell die Finger.

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