Overwatch im Test – Die Kavallerie ist hier

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„Schon wieder ein MOBA-Shooter?“ Große Entwickler haben in den letzten und kommenden Monaten das Genre MOBA (Massive Online Battle Arena) definitiv für sich entdeckt und veröffentliche einen Titel nach dem anderen. Mit Overwatch hat Blizzard nun aber einen MOBA-Shooter herausgebracht, der dauerhaft Spaß machen kann und jeden Cent wert ist. Wie das funktioniert, lest Ihr im folgenden Test.

Was steckt hinter Overwatch?

Overwatch ist ein reiner Multiplayer-Titel. Trotzdem gibt es einige Hintergrundstorys zu einzelnen Charakteren und zur Friedenstruppe Overwatch, die man in Kurzfilme, Comics und der Website erklärt bekommt. In einer fiktionalen Zukunft leben Menschen und Roboter, die sogenannten Omnics, friedlich miteinander. Mit der Omnics-Krise ändert sich jedoch alles. Die Hersteller der Omnics wurden abtrünnig und verwandelten diese in Kampfmaschinen. Um diesen entgegenzuwirken formten die Vereinten Nationen aus den besten Elite-Soldaten die Friedenstruppe Overwatch. Obwohl sie die Krise relativ gut eindämmen konnten, brachten Beschuldigungen über Menschenrechtsverletzungen und interne Unstimmigkeiten die Gruppe auseinander. Dies passiert alles vor dem eigentlichen Spiel. Durch den steigenden Terror müssen sie sich nun aber wieder zusammen finden und gegen das Böse kämpfen. Ja es ist nur ein 6 gegen 6 Shooter. Auch wenn im Spiel die weltverbessendere Rolle weniger ausgelebt wird, machen die Storyschnipsel die Charaktere dennoch lebendiger und man kann ihre einzelnen Motivationen besser nachvollziehen.

21 Helden – 21 verschiedene Spielstile

Zum Start von Overwatch kann man zwischen 21 Helden auswählen, die einem ohne mühselige Freischaltung direkt zur Verfügung stehen. Diese sind unterteilt in sechs offensive und sechs defensive Charaktere, fünf Tanks und vier Supportern. Innerhalb dieser Einteilungen spielt sich jeder Held aber komplett anders – keiner gleicht dem anderen. Das liebevoll gestaltete Charakterdesign spiegelt sich auch in den Fähigkeiten wider. Anhand eines Beispiels möchte ich euch die Vielfalt der Spielmechanik näher bringen.

Screens-Overwatch-PC_6Nehmen wir also Tracer. Die Abenteurerin, mit richtigem Namen Lena Oxton, leidet unter der sogenannten „chronalen Dissoziation“, weshalb sie Stunden oder Tage verschwand und als Geist herumirrte. Mithilfe des Wissenschaftlers Winston wurde für sie ein Chronobeschleuniger entwickelt, der sie in der normalen Zeitlinie festhält. Auf Wunsch kann sie diese zusätzlich auch beschleunigen, verlangsamen oder zurückspulen. Sie besitzt zwei Impulspistolen, die leicht zerstreut schnelle Schüsse abgeben. Dabei seid ihr aber nicht durch ein Munitionslimit begrenzt sondern könnt fröhlich drauflos schießen, ohne euch Gedanken um euren Munitionsstand zu machen – dies gilt für alle Helden in Overwatch.

Desweiteren besitzt Tracer die „Warp“-Fähigkeit. Hierbei könnt ihr euch insgesamt drei Mal, bei voller Aufladung, horizontal in Bewegungsrichtung fortbewegen. Das macht Tracer unglaublich mobil, verlangt aber auch eine hohe Reaktionsfähigkeit. Außerdem besitzt sie die Fähigkeit „Zeitschleife“, mit der Tracer die Zeit für sich selbst zurückdreht und an eine vorangegangene Position zurückspringt. Ihre ultimative Fähigkeit ist die „Impulsbombe“, die auch an Gegnern haften bleiben kann und nach kurzer Zeit explodiert und massiven Schaden anrichtet. Die „Ultis“ laden sich nach Einsatz mit der Zeit wieder auf, durch ausgesteilten Schaden oder Heilung kann der Cooldown zusätzlich verkürzt werden. Ist die Fähigkeit wieder am Start beginnt das Ganze wieder von vorne. Hier können eingefleischte MOBA-Spieler dann wirklich das Potenzial voll ausreizen, denn wenn das Timing stimmt kann mit den Fähigkeiten immens viel Schaden ausgeteilt werden.

Screens-Overwatch-PC_7Neben der „Ulti“ besitzen alle Helden einen Nahkampfangriff, der vor allem im 1 gegen 1 den entscheidenden Unterschied machen kann. Jeder Held hat eine eigene, tiefgründige Story, besitzt andere Fähigkeiten und kann sogar auf andere Helden oder auch Karten reagieren, indem ein auf das Szenario angepasster Spruch fällt. Selbst die Schritte haben je nach Held einen anderen Klang. Man kann im Voraus bereits erahnen, ob ein schwerer Tank wie Reinhardt oder der humpelnde Junkrat um die Ecke kommt. Für manche sind es nur Kleinigkeiten, doch all das macht die Helden für sich einzigartig und liebenswert.

12 Karten, 4 Spielmodi, 1 Funmodus

Screens-Overwatch-PC_2In Overwatch können insgesamt vier verschiedene Spielmodi gespielt werden, die per Zufallsprinzip ausgewählt werden. Bei allen Modi gibt es sowohl Angriffs- als auch Verteidigungsteams. Auch hier entscheidet der Zufall, auf welcher Seite ihr mit euren Freunden steht. Natürlich kann man auch mit einer zufälligen Gruppe zusammenspielen oder mit nur einem Freund . Unter Angriff versteht man einen klassischen Eroberungsmodus, in welchem unter Zeitdruck Punkt A und darauffolgend Punkt B eingenommen werden müssen. Die Verteidiger versuchen die Angreifer aufzuhalten, bis die Zeit abläuft. Im Eskorte-Modus befördern die Angreifer eine Fracht vorbei an den Verteidigern, zu einem bestimmten Ziel. Bei Kontrolle hingegen versuchen beide Teams im Best of 3 ein Ziel zu erobern und zu halten. Der letzte Spielmodus ist eine Kombination aus Angriff und Eskorte. Zuerst muss ein Punkt, an dem sich die Fracht befindet, eingenommen werden und darauffolgend ans Ziel gebracht werden. Für jeden Spielmodus gibt es jeweils drei Karten, die speziell auf diese Modi zugeschnitten sind. Für eine anhaltendeScreens-Overwatch-PC_4 Langzeitmotivation sind jedoch 3 Karten pro Spielmodus zu wenig. Meiner Meinung nach gewöhnt man sich zu schnell an übliche Stellen, an denen zum Beispiel Torbjörn seine Geschütztürme aufbaut. Es wurde aber bereits angekündigt, dass in Zukunft weitere Karten – und auch Helden – kostenlos hinzugefügt werden.

Um aber ein wenig Abwechslung in die begrenzten Spielmodi zu bringen, gibt es den „Weekly Brawl“ in dem sich durch wöchentlich wechselnde, spezielle Regeln die Spielmechanik ändert. In einer Woche konnte man mit doppeltem Leben, reduzierter Abklingzeit der normalen und noch schnellerer Aufladung der ultimativen Fähigkeiten diese im Dauerfeuer betätigen – ein wahrer Funmodus also.

Spielablauf

Zu Beginn einer Partie wählt jeder Mitspieler einen Helden aus. Als Hilfe dienen Tipps für eine ausgeglichene Teamaufstellung, wenn noch ein Support, Tank oder andere Typen benötigt werden. Man muss sich nicht an diese Vorschläge halten, aber ein ausgewogenes Team erhöht die Siegchancen ungemein.

Wenn einem während des Matches jedoch auffällt, dass er beispielsweise mit Tracer nicht klarkommt, kann jederzeit während des Matches, wenn er sich in seiner Teambasis befindet, der Held gewechselt werden. So kann taktisch auf das gegnerische Team reagiert werden und im Schere-Stein-Papier-Prinzip einem Gegner mit einem entsprechenden Konterhelden („Counter pick“) der Gar ausgemacht werden. Wenn ein Spiel beendet wurde, wird das „Highlight des Spiels“ gezeigt – ein kurzer Mitschnitt eines Spielers, der in kurzer Zeit die meisten Kills zu verantworten hatte. Hierbei würde ich mir wünschen, dass nicht nur die Spieler mit den meisten Eliminierungen hintereinander angezeigt werden, sondern auch häufiger die wirklichen Highlights gezeigt werden – beispielsweise wenn ein 1 gegen 1 Match besonders knapp ausgefallen ist. Screens-Overwatch-PC_1Momentan legt das Spiel noch zu viel Wert auf die „KD“ und eher weniger auf Supporter oder Tanks, die dadurch weniger gespielt werden, obwohl sie entscheidend für einen erfolgreichen Spielverlauf sind. In einer im Anschluss folgenden Übersicht werden zwar auch die höchste Heilung oder geblockter Schaden aufgeführt, wenn Mitspieler diese „liken“ hat dies aber keine Auswirkung auf die Erfahrungspunkte oder sonstigen Mehrwert. Auch wenn der Sieg einmal ausbleibt, verhält sich die Community die meiste Zeit über ungewöhnlich freundlich. Von bisherigen Shootern oder MOBA-Spielen ist man bekanntlich andere Töne gewöhnt, aber bei Overwatch zählt vor allem der Spaß und davon bringt dieses Spiel einiges mit.

Lootboxen – Kosmetischer Schnick-Schnack für lau

Lootboxen erhält man bei jedem Stufenaufstieg oder durch Einsatz von Echtgeld. In diesen befinden sich jedoch nur kosmetische Dinge wie Skins, Siegerposen oder Spielericons, die einem keinen Vorteil verschaffen. Die Echtgeld-Option ist also lediglich für die ungeduldigen Spieler und kann auch komplett ignoriert werden. Außerdem gibt es für besondere Leistungen Achievements, die bei Absolvierung jedoch lediglich sogenannte Sprays geben, die man sinnfrei an Wände sprühen kann (Counter Strike lässt grüßen). Hier fehlt noch der Reiz durch besondere Skins oder ähnliches diese Errungenschaften abzuschließen.

Ranglisten-Funktion kommt zu späteren Zeitpunkt

Screens-Overwatch-PC_8Im Allgemeinen macht Overwatch einiges richtig. Es wurde viel Zeit und Liebe in der Erstellung der 21 Helden gesteckt. Die Vielfalt, die sich im Charakterdesign widerspiegelt, fehlt jedoch in der Kartenauswahl. Hier findet man sich nach kurzen Eingewöhnungsphasen schnell zurecht und mit der Zeit verlieren die Karten ihre geheimen Ecken und der Überraschungseffekt, der noch zu Beginn da war, verfliegt. Dennoch macht Overwatch vor allem in einer Gruppe sehr viel Spaß. Hier liegt auch die Stärke des Spiels. Neben dem taktischen Team-Play macht es ab und zu einfach Spaß mit 6 Tanks in die Menge zu preschen, auch wenn das Prinzip meistens nicht zum Sieg verhilft – der Spaß zählt. Wer sich bei Overwatch einen Shooter mit Singleplayer-Kampagne vorgestellt hat und Multiplayer meiden möchte, der sollte sein Geld lieber aufsparen – ein reiner Multiplayer-Shooter wird nichts für euch sein. Alle anderen die Spaß an Counterstrike oder auch League of Legends haben, haben bei Overwatch eine Fusion mit den Vorteilen aus beiden Spielen gefunden und werden noch lange Spaß daran finden.

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Overwatch
Präsentation (Grafik, Sound) 95%
Gameplay 88%
ATMOSPHÄRE/STORY 92%
Spielspaß 87%
Multiplayer 96%
91%
Readers Rating 100%
2 votes

Blizzards neustes Universum seit 1998 zeigt, wie vielfältig Multiplayer-Shooter sein können. Neben den 21 Helden geht es in Overwatch hauptsächliche um taktisches Teamplay. Das einzigartige Charakterdesign verleiht dem reinen Multiplayer-Titel eine Menge Abwechslung und Tiefe. Auch wenn die Kartenauswahl eher mager erscheint und das Heldenbalancing in folgenden Patches noch angepasst werden muss, bleiben die Matches dennoch spannend und vielseitig. Wer Spaß an First-Person Shootern oder bekannten MOBA-Spielen wie Dota oder League of Legends hat, wird in Overwatch das beste aus beiden Welten finden. Mit zukünftigen Ankündigungen von neuen Helden und Karten und der Implementierung der Ranglisten bleibt Overwatch auch in Zukunft interessant, abwechslungsreich und erlangt mit Sicherheit auch eSports-Status.

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About The Author

Seitdem ich 4 Jahre alt bin, habe ich die Faszination an Videospielen nie verloren. Man findet mich vor allem in (Online-)RPGs, FPS, MOBA oder Rennspielen wieder. Nebenbei werde ich als Pixelschubserin ausgebildet und konsumiere exzessiv jegliche Art von Filmen, Serien und Comics.

1 Kommentar on "Overwatch im Test – Die Kavallerie ist hier"

  1. Matthias

    Sehr Schöner Artikel!!!
    Ich finde auch das so Overwatch seine schwächen hat, aber auch viele Vorteile..

    Sehr gutes Spiel

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