Orbit im Test – Ohne Zucker?

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Spiele mit minimalistischem Look und Partikeleffekten, ich mag sowas. Geometry Wars etwa. Aber auch Plasma Pong, ein kleiner Freeware Titel für den PC ist seit Jahren ein zuverlässiger Pausenfüller für mich. In die gleiche Kerbe schlägt Orbit. Über zwei, drei Ecken hat Orbit sogar etwas mit Plasma Pong gemein, denn das Grundprinzip erinnert dezent an Space Wars, welches Nolan Bushnell wiederum zu Computer Space inspirierte, auf das schließlich Pong folgte.

Moment, worum geht’s eigentlich?ORBIT (8) Orbit ist ein Multiplayer Twinstick Brawler, bei dem ihr mit euren Raumschiffen um Schwerkraftzentren kreist. Eben im Orbit. Gerade die Schwerkraft ist dabei das zentrale Element, im wahrsten Sinne des Wortes.

Startet ihr Orbit habt ihr die Wahl zwischen Turnier, Chaos und Schmiede. Letzteres lässt euch die freie Auswahl zwischen verschiedenen Modi, die bei Turnier und Chaos zufällig bestimmt und bei letzterem noch von Minispielen unterbrochen werden. Obendrein kann bei Schmiede noch Einfluss auf das Sonnensystem genommern werden, Anzahl der Planeten, Zentralgestirngröße, Schwerkraft und Bahngeschwindigkeit sind so einstellbar.

Außerdem wird die Anzahl der nötigen Siege von eins bis vier festgelegt. Da hier die Siege des Spitzenreiters zählen kann Orbit bis zu sieben Runden bei zwei Spielern und bis zu dreizehn bei vier Spielern dauern.

Im Anschluss dürft ihr, außer bei Chaos, euer Gefährt wählen, denn Orbit lässt euch die Wahl zwischen drei Schiffen, die jeweils ein Special bieten. Da wäre der Warpantrieb, der Sprünge im System erlaubt, die Ballista, die einen starken und vor allem immer gerade Schuss bietet und der Schild, zwar selbsterklärend aber nur im richtigen Moment Leben rettend.

ORBIT (10)

Spannen wir den Bogen zurück zu den Modi, finden sich Zerstören, Vernichten, Erobern und Überleben. Letzterer ist selbsterklärend, ihr müsst, samt Meteoritenschauer, als letzter überleben und dürft natürlich Mitspieler abschießen. Bei erobern muss man wenig überraschend lange genug in einer Zone bleiben um sie eben zu erobern. Etwas verwirrender sind die ersteren. Während bei Zerstören nur Abschüsse von Gegnern zählen gilt bei Vernichten jeder Tod, egal ob Kollision, Feindtreffer oder versehentlicher Selbstbeschuss.

Wie es sich gehört sind die Zentralgestirne äußerst anziehend, das gilt aber nicht nur für euer Schiff sondern auch für eure Schüsse, die entsprechend auch mal eine Kurve nehmen oder, kein Wortspiel, einen Orbit einnehmen und fröhlich um die Gestirne kreisen. Da sind wir auch schon an der Stelle wo es kompliziert wird. Oder vielmehr richtig kompliziert. Die meisten Arenen in Orbit bieten neben einem mehr oder weniger massereichen Zentralobjekt noch Planeten, Wurmlöcher oder kleinere Sterne, die alle Einfluss auf die Flugbahn der Schiffe und natürlich der Schüsse haben. Von einem Gasriesen kann man etwa auch mal abprallen, durch Wurmlöcher an einen anderen Punkt springen und wieder andere Himmelskörper sind mächtig anziehend.

Wer jetzt denkt sowohl Navigation als auch Gegner abschießen werden so ziemlich kompliziert, der liegt völlig richtig.

Eine Teilschuld daran hat der gemeinsame Energiepool für Antrieb, ORBITWaffe und Spezialfähigkeit, denn abhängig vom Modus muss man permanent darauf achten, immer noch genug Energie zu haben um Gravitation oder Meteoriten zu entkommen. Obendrein sind die Schiffe nach jeder Runde upgradebar, vier Kategorien mit je drei Stufen sorgen allerdings dafür, dass ihr alle Upgrades höchstens im Vierspieler Modus mitnehmt. Wenig überraschend, die Upgradekategorien sind Antrieb, Kanone, Schwerkraft und Special. Dummerweise halten eure Upgrades auch nur für das laufende Turnier, danach dürft ihr wieder von vorne anfangen.

Leider fehlen sowohl Singleplayer als auch Onlinemodus. Und genau das kann bei Orbit schnell zum Problem werden. Es gibt nicht mal Bots die das Spielerfeld erweitern. Das Spiel steht oder fällt mit euren Mitspielern. Bis man erstmal wirklich drin ist kann trotz des einfachen Grundkonzepts einige Zeit vergehen, gerade gegen Spieler die bereits etwas Übung haben und wissen was das Spiel von ihnen will kann das extrem frustrierend sein. Gerade als Twinstickshooter die Flugbahn des Schiffes und des Geschosses abzuschätzen und die Umgebung im Auge zu halten wird durch die Gravitationszonen schnell fordernd. Ein Tutorial gibt es nur in Textform. Dazu können sich dann schnell mal kleine Physikaussetzer wie eine unlogische Geschossflugbahn gesellen und der Ofen ist aus. Auf der anderen Seite kann Orbit auch wieder erstaunlich viel chaotischen Spaß machen. Denn mit der Zahl der Spieler steigt das Chaos an Geschossen, Flugbahnen und Specials zumindest gefühlt exponentiell an.

Dazwischen gibt es leider nichts. Orbit ist hier unterm Strich völlig schwarzweiß, Entweder ihr habt Spaß oder nicht.

ORBIT (2)

Auch die audiovisuelle Komponente ist unterm Strich ein zweischneidiges Schwert. Schiffe, Planeten, Hintergründe, nahezu alles wirkt dezent generisch. Da hilft es nur sehr bedingt, wenn das Geschehen in 1080p mit 60 Frames läuft. Partikelparty will erst mit drei oder vier Spielern richtig aufkommen. Spielt man nur zu zweit kann Orbit geradezu langweilig aussehen. Etwas anders sieht es akustisch aus. Zwar sind die Soundeffekte nichts Besonderes, die Musik wiederum kann durchaus gefällig sein, solange ihr mit der Kombi aus Retroklängen und Dubstep mäßigen Beats was anfangen könnt. Im Vergleich dazu fällt die Menümusik etwas ab. Ein kleiner Wermutstropfen zumindest bei mir war dabei allerdings dass der Sound überproportional laut aus den Rearspeakern schallte.

Last but not least, die Menüführung des Spiels ist ziemlich eigenwillig. Jede Auswahl will über gedrückt halten bestätigt werden. Wer im Pausenmenü aus Gewohnheit über B bestätigt landet dann natürlich wieder im Startbildschirm. Leider schafft Orbit es hier auch irgendwie, wenig transparent zu sein und sich unrund anzufühlen.

 

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Orbit (Xbox One)
Präsentation (Grafik, Sound) 50%
Gameplay 45%
Spielspaß 45%
Multiplayer 55%
48%
Readers Rating 0%
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Es ist nicht unbedingt ein gutes Zeichen, wenn die Einleitung zu einem Test mit anderen Spielen anfängt. Bei Orbit gilt das leider. Das liegt nicht zuletzt an Dingen, die man anderswo, auch bei Freeware wie Plasma Pong, einfach besser sieht. Eigenwillige Menüführung, Upgrades die ich nicht behalten darf, aber vor allem die Tatsache, dass Orbit nur lokalen Multiplayer bietet und genau dafür so hohe Einstiegshürden bietet. Schielen wir noch mal kurz Richtung Einleitung. Computer Space war ein Flop, weil es für die Spielhallen zu kompliziert war. Pong dagegen trat eine Lawine los, die bis heute immer größer wird. Weil es jeder sofort verstand. Hätte Orbit einen Singleplayer oder Online Multiplayer, dann sähe es ganz anders aus. Hat es aber nicht. Deswegen ist der Spaß, den man mit Orbit haben kann zu 100% von den Mitspielern abhängig. Und ja, es kann Spaß machen. Oder auch so richtiger Mist sein. Entsprechend schwierig ist es, einfach eine Zahl drunter zu klatschen die auch nur ansatzweise allgemeingültig ist. Bekommt ihr regelmäßig eine halbwegs frustresistente Couchtruppe zusammen könnte Orbit einen Blick wert sein. Dann kann es sogar richtig spaßig werden. Fehlen euch für lokalen Mehrspieler generell willige Opfer oder es sollen Spiele sein, die möglichst eingängig sind, kann man leider nur Finger weg sagen.

About The Author

1986, ein strahlender Sommer, ein Freund mit VCS, Schwarzweißfernseher, Space Invaders und Pacman. Seitdem lässt mich das Thema Telespiele nicht mehr los, egal ob Game Boy, Amiga, PlayStation, Xbox oder Wii U. Nicht mal vor dem PC hab ich halt gemacht. Einzig von Sportspielen lass ich generell die Finger.

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