Minecraft: Story Mode – Episode 3 im Review

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Nach der sehr durchwachsenen zweiten Episode habe ich meine Erwartungen an diese (sowie die nachfolgenden) Episoden von Minecraft: Story Mode um ehrlich zu sein etwas heruntergeschraubt. Nicht nur die Wertung, auch der Text selbst des letzten Reviews zeigte deutlich, dass Episode 2 überhaupt nicht das war, was ich mir nach dem grandiosen Spielstart gewünscht hatte. Und hier sitze ich nun und schreibe – mehr oder weniger voreingenommen – über Episode 3 – „Am letzten Ort“. Auch an dieser Stelle möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass der gesamte Review praktisch einem großen Spoiler gleicht. Wer sich storyseitig überraschen lassen möchte, der sollte lieber direkt zum Fazit springen.

Wo waren wir?

Minecraft Storymode Ep03 im Test für GamingNerd.net_02Erfreulich ist direkt zu Beginn, dass auch Episode 3 genau dort weitergeht, wo Episode 2 aufhörte – es entsteht also keinerlei Storylücke oder gar ein störender Übergang z.B. in Form eines Zeitsprungs. Das hat den Vorteil, dass man – wie auch schon beim Ende von Episode 1 – das Spiel bis hier her in einem Rutsch durchspielen kann und sich die einzelnen Episoden sehr gut ineinander fügen. Sollte Telltale diesen Trend in Episode 4 und 5 beibehalten, merkt man am Ende nichts von den einzelnen Spielteilen und man erhält tatsächlich ein finales, zusammenhängendes Adventure, das eine nahtlose Geschichte erzählt. Bisher sieht es diesbezüglich sehr gut aus!

Wir befinden uns also immer noch in Sorens altem Tempel, von ihm selbst ist jedoch weiterhin keine Spur. Episode 2 endete mit der Flucht Ivors, unserem Antagonisten und wir können weiterhin nur erahnen, was dieser eigentlich im Schilde führt. Will er, genauso wie wir, seinen unkontrollierbaren Witherstorm zerstören oder plant er gar noch Übleres? Soviel sei bereits hier verraten, auch in Episode 3 wird diese Frage nicht geklärt, was den Spannungsbogen auf einem ordentlich hohen Level hält.

Von Soren fehlt aber weiterhin jede Spur. Unsere Freunde nutzen sinnvollerweise das Amulett, denn Sorens Tempel ist geradezu unfassbar groß. Im Spiel wurde bereits mehrfach erwähnt, dass er der „Architekt“ unter den Helden ist. Umso mehr freute ich mich, dass nach gerade einmal fünf Minuten Spielzeit der Weg doch tatsächlich durch einen sogenannten „Grinder“, also eine Monsterfalle führt. Auch hier bedient sich Telltale einem klassischen Minecraft-Element, denn das Bauen einer automatisierten Monsterfalle kennt so gut wie jeder Minecraftspieler, dient sie doch dem klassischen Sammeln einiger Ressourcen. Doof nur, dass diese Fallen keinen Unterschied zwischen Monstern und Menschen macht, was darin endet, dass der Spieler gleich zu Beginn eine gehörige Portion an Quicktime-Events sowie Monsterkämpfen aufgetischt bekommt. Nach der sehr verhaltenen zweiten Episode ist das jedoch eine notwendige und zweifellos willkommene Abwechslung.

Flutsch und weg!

Endlich haben wir den Grinder hinter uns gelassen und dank der Minecraft Storymode Ep03 im Test für GamingNerd.net_05vielen Kampf- und Rettungseinlagen kommen wir uns tatsächlich wieder wie ein kleiner Held vor. Doch Soren wäre scheinbar kein guter Architekt, wenn nach dem Grinder nicht ein ausgeklügeltes, automatisch sortiertes Lager kommen würde? Oh ja, auch hier bedient sich Telltale einem Stilmittel aus Minecraft, allerdings ist ein automatisches Lager tatsächlich auch für Minecraft-Spieler mit die höchste Kunst des Bauens. Ihre Aufgabe ist es, praktisch jedes gesammelte Objekt in eine dafür passende Truhe zu sortieren, was in Verbindung mit einem Mob-Grinder durchaus praktisch ist. Spielerisch hat das zwar keinen Einfluss auf Episode 3, aber es ist wirklich schön, solche Detailverliebtheiten beobachten zu können. Immer wieder sieht man im Hintergrund Gegenstände durch Röhren schwimmen, die entsprechende Abzweigungen zu ihren jeweiligen Zieltruhen nehmen. Ob Ellegaard hier mitgeholfen hat? Der notwendige Redstone-Aufwand für ein solches Bauwerk ist nicht zu unterschätzen.

Netterweise kommt der bis eben noch sehr massive Einsatz von Quicktime-Events ein wenig zur Ruhe, was auch dem Spieler wieder etwas Zeit zum Durchatmen gibt. In der Sortieranlage räumen wir neben Skeletten und Spinnen noch ein paar Zombies bei Seite, was mittlerweile keine wirkliche Gefahr mehr darstellt – im richtigen Moment mit dem Schwert geschwungen und die lahmenden Gehirnfetischisten sind Geschichte. Um dennoch kein Opfer der Übermacht an untotem Getier zu werden, ist die Flucht nach vorn weiterhin ein probates Mittel. Am Ende des Gewölbes führt uns der Weg zu einem weiteren, typischen Minecraft-Element: dem End-Portal. In Minecraft ist dies der einzige Weg, der den Spieler zum Enderdrachen bringt, der zudem noch von Unmengen an Endermen begleitet wird. Zum Glück haben die Helden, wie bereits im Intro zur ersten Episode erklärt, den Enderdrachen vor vielen Jahren besiegt, weshalb uns netterweise „nur“ noch die Endermen hinter dem Portal erwarten.

Minecraft Storymode Ep03 im Test für GamingNerd.net_11Tatsächlich versteckt sich Soren im End, denn für wenige Sekunden konnten die Freunde ihn in der Ferne erspähen, wie er eine große Treppe heraufwanderte. Lukas scheint langsam an der Mission zu zweifeln, weshalb ich mir bei den Multiple Choice-Antworten dachte, es sei eine gute Idee, ihn wieder ein wenig mehr in die Handlung einzubinden. Petra sieht hingegen zunehmend schlechter aus, ihre Wither-Vergiftung aus dem zweiten Teil macht ihr sehr zu schaffen. Sie gibt sich große Mühe, der Gruppe nicht zur Last zu fallen. Die schlechte Hautfarbe, der sporadische Keuchhusten sowie gelegentliche Schwächeanfalle holen alle Beteiligten jedoch schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.

Ein Paradies das keines ist

Auch im tristen, düsteren End zeigt Soren erneut, dass er ein großer Architekt ist. Mitten im Nirgendwo scheint er sich eine Art Scheinparadies aus gefärbter Wolle gebaut zu haben. Erinnert ihr euch noch an den Zeichentrickfilm „In einem Land vor unserer Zeit“ von Don Bluth? Die Szene, in der die Dino-Freunde endlich das „Große Tal“ erreichen, hat für mich gewisse Parallelen zu Sorens aus Wolle gefertigter Lichtung – nunja, mit dem kleinen Unterschied, dass das Große Tal im Film real war, Sorens Lichtung allerdings nicht.

Nach einer kurzen Unterhaltung mit allen Charakteren sowie einer Minecraft Storymode Ep03 im Test für GamingNerd.net_08kleinen Rätselei mit Schaltern und Hebeln öffnet sich schließlich der Durchgang, der endlich zu Sorens Unterschlupf führt. Soren scheint hier intensive Forschungen zu den Endermen anzustellen. Die Schallplatten-Aufzeichnungen, die man sich an der Jukebox anhören kann, offenbaren dies und haben durchaus komödiantische Einlagen (wie zum Beispiel das von Soren vorgetragene Liebeslied der Endermen). Sogar ein Enderman-Kostüm befindet sich in seinem Haus. Mit diesem ist es Jesse letztendlich möglich, Sorens Aufmerksamkeit für sich zu gewinnen und er kommt aus seinem Versteck hervor.

Wie schon Gabriel, Magnus und Ellegaard zuvor lässt auch Soren sich davon überzeugen, sich der Gruppe anzuschließen, um den Orden des Steins wieder herzustellen, um mit gemeinsamen Kräften gegen den Witherstorm antreten zu können. Selbstverständlich wird auch Sorens „Formidi-Bombe“ wieder erwähnt, mit der es möglich sein muss, den Witherstorm zu besiegen. Mittlerweile wird Sorens Haus von den Endermen durchforstet und auch an dieser Stelle bedient sich Telltale wieder einem bewährten Minecraft-Mittel. Im Klötzchenspiel habe ich nicht selten immer einen Eimer gefüllt mit Wasser bei mir. Dieser dient mir nicht nur zum Abkühlen von Lava, sondern auch, um sich den ein oder anderen Enderman vom Leibe zu halten, denn sie hassen Wasser über alles. Da es in Sorens Gewölben an vielen Stellen Brunnen und andere Wasserquellen gibt, ist es nur selbstverständlich, dass man im Spiel von Telltale genauso vorgehen darf.

Ein ebenso lustiges wie beklemmendes Gefühl bekommt der Spieler dadurch vermittelt, dass unsere Freunde permanent geduckt laufen und den Augenkontakt mit Endermen unter allen Umständen zu vermeiden versuchen. Auch dies ist dem Ur-Minecraft entnommen, da Endermen sich neutral verhalten, es sei denn, man reizt sie mit direktem Augenkontakt.

Bis zum bitteren Ende… und wieder zurück!

Minecraft Storymode Ep03 im Test für GamingNerd.net_10Mit Soren im Schlepptau führt der Weg wieder zurück durch das zuvor benutzte End-Portal, womit man es erneut mit der Horde von Skeletten und Zombies zu tun bekommt. Doch nun kommt Soren uns zur Hilfe und erneut beweist Telltale, seine Hausaufgaben in Sachen Minecraft-Knowhow gemacht zu haben. Soren besitzt ein paar Eisengolem-Dummies, denen lediglich noch der Kürbiskopf aufgesetzt werden muss, um sie zum Leben zu erwecken. Wie also auch im richtigen Minecraft helfen die zum Leben erweckten Eisengolems, das Ungeziefer zu beseitigen.

Sind die Gewölbe endlich gesäubert, geht es nun daran, sich mit Ausrüstung vollzustopfen. Soren gewährt uns netterweise, all seine Truhen nach nützlichen Gegenständen zu durchsuchen, während er das Super-TNT besorgt, das für den Bau der Formidi-Bombe benötigt wird. Auch hier haben wir wieder die Gelegenheit, uns mit jedem Charakter ein wenig zu unterhalten, was den gefühlten Zusammenhalt in der Gruppe stärkt und das Spielerlebnis wie einen spannenden und interaktiven Film wirken lässt – genau so sollte es in einem Adventure-Spiel sein!

Das große Finale der dritten Episode

Mit dem Minecraft geht es wieder raus aus Sorens Katakomben und zurück an die Oberfläche. Hier treffen wir Magnus und Ellegaard endlich wieder, die offensichtlich gegen eine Unmenge an Monstern zu kämpfen scheinen. Tatsächlich hat das Viechzeug aber nichts anderes im Sinne, als die eigene, schleimige Haut zu retten, denn sie flüchten vor dem am Horizont bereits zu erblickenden Witherstorm. Fest entschlossen, die Formidi-Bombe ins Innere des Ungetüms zu befördern, macht sich Jesse auf den Weg. Minecraft Storymode Ep03 im Test für GamingNerd.net_13Ellegaard und Magnus bieten uns beide an, deren Rüstung als Schutz zu tragen, was uns zu einer, wie sich gleich herausstellt, heiklen Multiple Choice-Frage bringt. Nehmen wir nun Ellegaards oder Magnus‘ Rüstung? Nun, ich entschied mich für die der Redstone-Ingenieurin, denn zum Einen bot sie als Erste ihre Rüstung an, zum Anderen ist mir Magnus unsympatisch.

Mit der Rüstung ausgestattet und den Zutaten für die Bombe im Gepäck machen wir uns also auf zu unserem scheinbar letzten Kampf. Ein wenig unter Zeitdruck und mit Quicktime-Events gespickt gelingt es Jesse letzten Endes, die Bombe zu basteln und sie dem Witherstorm zum Fraß vorzuwerfen. Durchaus theatralisch wirkt die anschließende Sequenz, in der das Monster zu Boden fällt und reglos liegen bleibt. Der gewollt aussetzende Ton, der mit einem hochfrequenten Piepen ersetzt wird, erinnert stark an einige Szenen aus „Der Soldat James Ryan“, in denen auch der Charakter von Tom Hanks immer wieder von solchen Trips geplagt wird. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es sich hier um eine Anspielung daran handelt, in Jesses Fall ist es jedoch nachvollziehbar, dass nach einer starken Detonation das Gehör vor kurze Zeit aussetzt.

Minecraft Storymode Ep03 im Test für GamingNerd.net_15Die Freunde versammeln sich, doch etwas stimmt mit Ellegaard nicht. Sie liegt am Boden, gestützt von Soren. Da sie keine Rüstung mehr trug, wurde sie von der Explosion so stark verletzt, dass sie in Sorens Armen stirbt. Ein durchaus theatralischer und ergreifender Moment, den die Programmierer bei Telltale sehr gut in Szene gesetzt haben. Im Hintergrund finden sich plötzlich all die Menschen wieder, die zuvor vom Witherstorm verschlungen wurden. Jesse und die anderen helfen ihnen auf die Beine und führen sie vom Schlachtfeld, sie wirken alle stark erschöpft, sind aber am Leben. Jesse entdeckt zeitgleich den „Command-Block“, das Herzstück des Witherstorms, der eigentlich durch die Bombe ebenfalls hätte zerstört werden sollen. Es kommt, wie es kommen muss und der Witherstorm setzt sich wie von Zauberhand wieder zusammen – und setzt seinen Pfad der Zerstörung fort. Jesse wird dabei beinahe verschlungen, doch in letzter Sekunde reicht Gabriel ihm die helfende Hand und zieht ihn zurück auf den Boden. Um das Ende der dritten Episode noch mehr zum Cliffhanger zu machen, endet sie mit den Worten von Jesse „Gabriel, lass uns GEHEN!“ und dessen Antwort „Wer ist … „Gabriel“?“ – er hat scheinbar sein Gedächtnis verloren. Es folgt das Vorschauvideo zur vierten Episode, die dritte endet somit an dieser Stelle.

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PRÄSENTATION (GRAFIK, SOUND) 83%
GAMEPLAY 84%
ATMOSPHÄRE/STORY 91%
SPIELSPASS 85%
85%
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So enttäuscht, wie ich von der zweiten Episode war, so sehr hat mich Episode 3 wieder in seinen Bann gezogen. Die sehr unglaubwürdige Story, die kleinen technischen Fehler sowie die moralisch teils verwerflichen Konversationen, all das findet sich hier nicht wieder. Vom Unterhaltungswert liegt die dritte Episode somit nahezu gleich auf mit der ersten. War das Setting der vorherigen Episode noch etwas lahm und wenig detailverliebt (zumindest in Boom-Town), so kann Episode 3 mit sämtlichen Bauwerken rund um den Architekten Soren massiv auftrumpfen. Akustisch muss an dieser Stelle die norwegische Band "Anadel" erwähnt werden. Sie zeichneten sich auch schon für den Soundtrack zu Telltales The Walking Dead-Adventure aus, womit die Zusammenarbeit beider nicht neu ist. Die akustische Untermalung in der dritten Episode scheint mir im bisherigen Story Mode jedoch die mit Abstand beste zu sein. Ob spannend, actionreich oder gefühlvoll, alles wird von der jeweils passenden Musik untermalt. Ein kleiner Running-Gag scheint zudem zu sein, dass Telltale jede Situation nutzt, Axel auf Lukas fallen oder stolpern zu lassen, was darin endet, dass Lukas ein wenig geplättet am Boden liegt und Axel scheinbar unbeschadet und mit einem frechen Grinsen davon kommt. Dies wurde nicht übermäßig, aber durchaus an den passenden Stellen eingesetzt und sorgte zumindest in meinem Fall stets für einen Schmunzler. Die Grafik- und Soundbewertung wurden in diesem Teil, entgegen zu Episode 2, wieder auf die aktuelle Episode selbst gegeben. Die abwechslungsreiche Gestaltung der Welt sowie der bereits angesprochene, stets stimmige Soundtrack haben das verdient. Auch die massiv an Spannung gewonnene Story sowie das ausgewogenere Gameplay mit besserer Mischung aus Gesprächsoptionen sowie Quicktime-Events sorgen dafür, dass Story und Gameplay einen ordentlichen Boost verzeichnen können. Abschließend kann ich mich nach dieser massiven Kehrtwende zweifellos auf die vierte Episode freuen, die ich umgehend anspielen werde, um euch das Ergebnis nächsten Sonntag präsentieren zu können.

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Ob Konsole oder PC - solange es Spaß macht, darf das Spiel gern über meinen Bildschirm flimmern. Seit 1989, als mein Vater seinen C64 bekam, bin ich aus der digitalen Spielwelt nicht mehr wegzudenken. Mein Spezialgebiet sind dabei hauptsächlich Retro-Spiele und die zugehörige Hardware. Neben Videospielen höre ich leidenschaftlich gern Musik.

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