Minecraft: Story Mode – Episode 2 unter der Lupe

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Nachdem mir die erste Episode bereits große Freude bereitet hatte, ließ es nicht allzu lange auf sich warten, dass ich auch die zweite Episode des neuesten Telltale-Adventurespiels rund um das Universum von Minecraft in mich aufgesogen habe. Auch an dieser Stelle möchte ich alle am Spiel interessierten Leser ausdrücklich darauf hinweisen, dass der Text mit Spoilern gespickt ist – das lässt sich beim Review eines episodisch erscheinenden Spiels leider nicht vermeiden.

Wie bereits erwähnt, habe ich nahezu direkt nach dem Abschließen der ersten Episode den zweiten Teil hinterhergespielt, dMinecraft Storymode Ep02 im Test für GamingNerd.net_04ennoch hat es nun ein paar Tage gedauert, bis ich mich daran gewagt habe, das Erlebte hier in Textform zu verarbeiten. Einer der Gründe dafür ist, dass ich die zweite Episode zwischenzeitlich erneut durchgespielt habe. Glücklicherweise erlaubt der Minecraft: Story Mode den Wiedereinstieg an einem früheren Punkt in der Story, sofern man diesen schon gespielt hat. Allerdings verliert man damit auch den bereits getätigten Spielfortschritt. Verständlich, denn alles andere würde einem Paralleluniversum gleichen. Dennoch hat man die Möglichkeit, seine bisher erspielten Entscheidungen zu behalten: mit den insgesamt vier Saveslots bietet das Spiel die Möglichkeit, ein Savegame zu kopieren. Somit kann man sich immer den letzten, am weitesten gespielten Spielstand beibehalten und mit der Kopie dessen noch einmal andere Entscheidungen im Spiel testen.

Wenn’s beim ersten Mal nicht klappt…

Vielleicht fragt ihr euch, warum ich Episode 02, namentlich „Montage erforderlich“, erneut gespielt habe? Ich schreibe es frei heraus, denn fürs Vertuschen sind wir nicht zuständig: so spannend, so putzig, so kindgerecht, so freundlich und glaubwürdig wie die erste Episode auch war, so grundlegend falsch und geradezu Haare raufend präsentiert sich diese Episode. Ihr erinnert euch sicherlich noch, dass wir uns am Ende der ersten Episode entscheiden mussten, welches der beiden ehemaligen Mitglieder des Ordens des Steins wir zu erst besuchen, um sie für unsere Sache – nichts Geringeres, als die Welt zu retten – zu rekrutieren. In meinem Fall entschied ich mich für Magnus, den „Rouge“, also Schurken, der sich besonders gut mit TNT und Explosionen auskennt. Genau das tat ich auch beim zweiten Durchspielen. Der Grund dafür ist, dass ich zwingend spielerische Unterschiede durch andere Entscheidungen erzwingen und feststellen wollte. Bisher bleibe ich jedoch ernüchtert, denn unterm Strich ergab sich nichts Neues.

Kommen wir also zum Plot von „Montage erforderlich“. Je nach dem, ob man sich für das Aufsuchen von Magnus oder Ellegaard entscheidet, wird man entweder von Axel oder von Olivia begleitet. Eine(r) von beiden bleibt zusammen mit Lukas im vom Ende der ersten Episode bekannten Tempel des Ordens. Sie versprechen, den Tempel nach aussen hin abzusichern und ihn somit zu einer Art Hauptquartier zu machen. Da ich keineswegs vergessen habe, wie schlecht sich Axel und Lukas im ersten Teil verstanden haben, war es für mich von storyrelevanter Seite her besser, mit Axel zusammen auf die Suche nach Magnus zu gehen, damit die Beiden sich nicht gegenseitig die Schädel einschlagen, falls ich mit Olivia zu Ellegaard gegangen wäre.

Zusammen mit Axel und unserem Ferkelfreund Reuben im Gepäck – oder besser gesagt, in der Minenlore – machen wir uns auf den Weg nach Boomtown, wo wir hoffen Magnus anzutreffen. Dank des zweifachen Spielens dieser Episode fällt bereits zu Beginn ein seltsamer Wandel auf: während man noch im Nether unterwegs ist, trifft man erneut auf einen Ghast. Beim ersten Durchspielen konnte ich ihn noch mit meinem Goldschwert besiegen – seine Feuerprojektile wurden einfach auf ihn zurückgeschleudert. Beim zweiten Durchspielen funktionierte genau dies nicht mehr. Warum? Er schoss seine Projektile so weit rechts an mir vorbei, dass ich gar keine Möglichkeit hatte, diese mit dem Schwert auf ihn zurück zu schleudern. Dafür war er aber auch keine Gefahr, schließlich hat er mich nie getroffen. Letztendlich musste ich zum Bogen greifen und ein paar Pfeile auf den Ghast abfeuern, um diesen Teil des Spiels hinter mich zu bringen. Ich kann mir weiterhin nicht vorstellen, dass das so gewollt ist, es wirkte zu sehr nach Spielfehler. Auch interessant wäre es, wenn man die Pfeile zu einem früheren Zeitpunkt vielleicht schon aufgebraucht hätte, zum Beispiel gegen Ende der ersten Episode, als man mit einem Pfeil eine Druckplatte beschießen und logischerweise auch treffen musste – ich hätte hier mal ein paar Pfeile danebenschießen sollen.

Folgende Bilder verdeutlichen die Sachlage: links der weite „Vorbeischuss“ und rechts er reguläre Feuerball.

Von Dieben aus der Irrenanstalt

Nun gut, ist der Ghast letzten Endes besiegt, setzen wir zusammen mit Axel unsere Reise nach Boomtown fort. In dieser „Stadt“ werden einige Klischees von Minecraft aufgegriffen. Unter Anderem trägt Boomtown seinen Namen nicht zu unrecht. Überall gibt es Explosionen und die Gegend sieht wie nach einem Bombenangriff aus. Zudem rennen überall Minecraft Storymode Ep02 im Test für GamingNerd.net_07durchgedrehte Charaktere rum, die nichts anderes im Sinne haben, als uns in die Luft zu sprengen, um uns anschließend auszurauben. „Griefer“ nennen sie sich selbst, also Spielverderber im übertragenen Sinne. Schnell wird klar, sie haben das selbe Ziel wie wir: alle wollen Magnus finden, allerdings haben sie ihre eigenen Gründe dafür. Magnus scheint eine Art „Herrscher“ über Boomtown zu sein und in 1vs1-Wettbewerben gegen den jeweiligen Herrscher wird der neue „König von Boomtown“ gekrönt. Magnus ist gut verschanzt und möchte sich diesen Titel selbstverständlich nicht nehmen lassen. Dennoch sind die Griefer nicht bereit, uns bei der Suche zu helfen und bestehlen uns um unser wichtigstes Utensil, ein Amulett, das uns Gabriel noch in der ersten Episode überreichte, mit dem man in der Lage ist, die restlichen Mitglieder des Ordens zu lokalisieren.

In gewohnten Quicktime-Events parcourt man sich also durch Boomtown und bewirft seine durchgeknallten Antagonisten mit Eiern und TNT-Blöcken, um sie daran zu hindern, uns den Gar aus zu machen. All das wirkt – mit Verlaub – bekloppt und das meine ich leider nicht in einem lustigen Kontext. Ich war froh und erleichtert, als ich endlich vor Magnus‘ Türe stand, doch die Enttäuschung hörte hier nicht auf: Magnus ist verbittert und misstrauisch – in solch einer Umgebung erst einmal nicht verwunderlich. Gesprochen wird Magnus von Corey Feldman, vielen sicher noch als Kinderschauspieler aus Minecraft Storymode Ep02 im Test für GamingNerd.net_08Filmen wie den „Goonies“ oder „Meine teuflischen Nachbarn“ bekannt. Allerdings legt Feldman einen derart arroganten Hillbilly-Dialekt auf, dass es wirklich anstrengend ist, ihm zuzuhören. Damit ist nicht die Englischkenntnis gemeint, ganz im Gegenteil. Die Aussprache ist klar und deutlich. Es ist eher die furchtbare Art, die dem Charakter somit verliehen wird. Magnus wirkt zu keiner Zeit hilfsbereit, hilfreich oder gar „habenswert“.

Und trotzdem, irgendwie schaffen wir es, ihn von unserem Vorhaben zu überzeugen, woraufhin er letzten Endes gemeinsam mit uns zurück zum Hauptquartier kommt, dem Tempel des Ordens des Steins. Dort angekommen wartet Lukas bereits und freut sich über unsere Rückkehr. Auch Petra, die im ersten Teil vermeintlich vom Witherstorm verschlungen wurde, hat es wohl irgendwie durch das Netherportal in Gabriels Festung geschafft und ist wieder Teil der Truppe. Das freut mich, denn sie ist tatsächlich eine sympatische Zeitgenossin – zudem vermittelt sie ein gewisses Maß an Sicherheit, da sie als Abenteuer-erprobt gilt.

Selbst ist die Frau

Für eine Überraschung sorgt auch Olivia – sie scheint zwischenzeitlich selbst auf die Suche nach Ellegaard gegangen zu sein und hat diese kurzerhand mit zurückgebracht. Natürlich, wie sollte es auch anders sein, verstehen sich Ellegaard und Magnus überhauptMinecraft Storymode Ep02 im Test für GamingNerd.net_15 nicht, womit wieder mehr oder weniger glaubwürdige Klischees einer schlechten Seifenkomödie aufgegriffen werden. Statt das größere, gemeinsame Ziel, nämlich das Retten der Welt vor dem Witherstorm, vor Augen zu haben, streiten die beiden sich lieber unentwegt und zwingen die für kurze Zeit vereinte Truppe erneut, sich in den Tiefen des Tempels zu trennen.

Das Ende der zweiten Episode bezeichnet ein Wiedertreffen mit Ivor (dem „Bösewicht“ der Story, der in Episode 1 den Witherstorm erschaffen hat), welcher selbst in den Tiefen der Katakomben von Soren umherwuselt. Wenigstens erkennt auch er, dass er einen Fehler mit dem Erschaffen des Witherstorms begangen hat, hegt aber weiterhin einen großen Greuel gegen den Orden des Steins und verweigert jegliche Zusammenarbeit mit uns – es kommt erneut zum Kampf. Gegenüber stehen wir ihm zusammen mit Petra. An dieser Stelle sei ein peinlicher Übersetzungsfehler angemerkt. Im Screenshot sieht man den Text: „Ich schneid es durch, wenn ich muss!“ Ich wüsste zu gerne, was „es“ ist, denn im Englischen sagt er deutlich „I’ll cut through you, if I have to!“, was eher so viel heisst, wie: „Ich schneide dich in der Mitte durch, wenn ich es muss!“. Makaber, aber faktisch korrekt von Ivor. Mit Ivors Flucht aus Sorens Unterschlupf endet somit dieser Teil des Spiels, der gerade einmal eine knappe Stunde auf die Spielzeir brachte. Zwar ist ein ähnlicher Umfang mit der Rekrutierung Ellegaards zu erwarten, dies wirkt sich jedoch nur auf ein „Wiederspielen“, nicht jedoch auf die generelle Spielzeit des einmaligen Durchspielens aus. Das ist – mit Verlaub – mehr als mager!

Früh übt sich (das Fluchen)

Es gab noch zwei weitere, sehr fragwürdige Ausdrücke in der zweiten Episode. Diese waren zum Beispiel „Oh crap!“, was tatsächlich und wörtlich mit „Oh, scheiße!“ übersetzt wurde. Ich will keineswegs spießig wirken, aber das Spiel hat eine USK-Freigabe von 6 Jahren. Auch der Ausdruck „Butt“, also eine leicht abgeschwächte Form von „Arsch“ wurde fallen gelassen. Am Besten bleibt jedoch mit Abstand die „F-Bomb“. Ohja! Sie sprechen ständig darüber. Soren, der Magier des Ordens, der ebenfalls noch gefunden werden will – wahrscheinlich in Episode 03, die bereits erschienen ist und hier bald nachzulesen sein wird – hat angeblich eine Art Super-TNT, genannt „F-Bomb“, mit der es möglich sein soll, den Witherstorm aufzuhalten. Ihr fragt euch, was an dem Ausdruck „F-Bomb“ nun so besonders ist? Im Deutschen, ohne Bezug zur englischen Sprache, erst einmal gar nichts. Der englischsprachige Spieler hingegen wird sofort und unausweichlich an das Wort „Fuck“ denken, denn nichts anderes ist hiermit gemeint. Die F-Bombe zu zünden bedeutet übertragen so viel wie „das F-Wort sagen“. Diese Redewendung wurde auch für das amerikanische Fernsehen verwendet, als das Wort nach und nach „salonfähiger“ wurde. Eine ähnliche Anspielung hierfür bietet South Park mit der ersten Folge der fünften Staffel namens „It hits the Fan“, wo es darum geht, das wort „Scheiße“ zum ersten Mal im Fernsehen zu sagen.

Nochmal, ich bin keineswegs spießig, oooooh nein. Aber wenn ich ein Spiel mit einer Altersfreigabe ab 6 Jahren spiele, erwarte ich solche Dinge einfach nicht. Das hätte man alles, ohne in irgend einer Art der Story zu schaden, besser verpacken können. Davon abgesehen sind einige Dialoge nicht ordentlich oder gar nicht übersetzt, so zum Beispiel Magnus‘ Ausruf beim ersten Anblick des Witherstorms: „Holy CRAP. Is that your Witherstorm?!“ und nein, ich habe das erneut verwendete Fluchwort nicht absichtlich hervorgehoben, genau so steht es auch im Untertitel, damit man es bloß nicht übersehen kann.

Einziger Lichtblick dieser Episode bleibt für mich Petra. Ihr Wiederauftauchen hebte die Stimmung der gesamten Truppe enorm an und ihr Charakter bleibt weiterhin einer der Glaubwürdigsten. Zudem (Achtung, MEGA-Spoiler) scheint sie seit ihrem Kontakt mit dem Witherstorm mit der Wither-Krankheit vergiftet zu sein, was sie uns in einer stillen Minute unter vier Augen beichtet – mit der Bitte, niemandem davon zu erzählen. Sie leidet sichtlich psychisch und phsyisch darunter, was dem Ganzen weiteren Tiefgang verleiht.

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GAMEPLAY 65%
ATMOSPHÄRE/STORY 45%
SPIELSPASS 50%
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Die Wertung bezieht sich in diesem Falle ausschließlich auf die zweite Episode. Der Fairness halber wurden daher das Bild- und Tonrating aus dem ersten Teil übernommen. Dennoch muss Episode 02 deutlich Federn lassen, wenn es zu den mitunter wichtigsten Bereichen eines Spiels kommt, dem Spielspaß. Dieser leidet massiv unter der gegenüber Episode 01 doch deutlich unglaubwürdigeren und teils hanebüchenen Story sowie den praktisch nicht vorhandenen Multiple-Choices, die sich zudem offensichtlich nicht auf den weiteren Verlauf des Spiels auszuwirken scheinen. Letzten Endes bleibt die Hoffnung, dass Episode 03 wieder deutlich an Fahrt aufnimmt.

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Ob Konsole oder PC - solange es Spaß macht, darf das Spiel gern über meinen Bildschirm flimmern. Seit 1989, als mein Vater seinen C64 bekam, bin ich aus der digitalen Spielwelt nicht mehr wegzudenken. Mein Spezialgebiet sind dabei hauptsächlich Retro-Spiele und die zugehörige Hardware. Neben Videospielen höre ich leidenschaftlich gern Musik.

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