Minecraft: Story Mode – Episode 1 im Test mit Vorab-Fazit

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Auch nach über sechs Jahren des Erscheinens der ersten Minecraft Alpha-Version auf dem PC reisst die Begeisterung um das Klötzchenspiel scheinbar nicht ab. Nicht nur, dass der Titel mittlerweile für knapp 2 Milliarden Euro an Microsoft verkauft wurde, auch Telltale möchte ein Stück vom quadratischen Kuchen abbekommen. Doch was genau Minecraft Storymode im Test für GamingNerd.net_05erwartet den Spieler im Story Mode und muss man zwingend Fan von Minecraft sein? All das erfahrt ihr im nachfolgenden Ersteindruck zur gesamten ersten Episode.

Und bei diesem Begriff klingeln auch schon die Ohren, oder sollte ich lieber sagen, die „Geldbeutel“? Wie es für Telltale-Spiele üblich ist, erscheint auch der Minecraft: Story Mode nicht „fertiggestellt“, viel mehr ist das Spiel in insgesamt fünf Episoden aufgeteilt, welche nach und nach erscheinen. Man kann es am Besten mit einer Fernsehserie vergleichen, welche ebenfalls in einzelnen Staffeln gedreht und meist mit fiesen Cliffhangern zum Staffelfinale ausgestattet werden.

Viele Klötzchen zum kleinen Preis

Finanziell äussert sich das – ganz im Gegenteil zu teilweise sehr teuren Fernsehserien – interessanterweise durchaus preiswert. Praktisch alle Telltale-Entwicklungen arbeiten nach diesem Episoden-Prinzip und keines der Spiele kostete bisher auch nur annähernd den Preis eines sonst üblichen Vollpreistitels. Für Minecraft: Story Mode gibt es in diesem Fall zwei Vertriebswege, einmal den komplett digitalen Erwerb als Download, oder aber den Kauf als Disc-Version. Möchte man zu Beginn bereits alle in Zukunft erscheinenden Episoden vorbestellen, so spricht man im Minecraft Storymode im Test für GamingNerd.net_02Digitalen Zeitalter von einem sogenannten „Season Pass“ – auch bekannt von anderen Spielen mit zukünftig erscheinenden DLCs. Beim Vertrieb einer Disc-Version hat man bei Telltale bisher abgewartet, bis alle Episoden veröffentlicht wurden und diese einfach komplett auf den Datenträger gepresst, womit der Kunde in der Lage war, das Spiel zu 100% physikalisch zu erwerben und in der Regel auch keine Internetverbindung benötigte. Minecraft: Story Mode geht
hier einen neuen Weg: auch, wenn das Spiel noch nicht mit allen Episoden erschienen ist, so kann der geneigte Kaufinteressent sich dennoch eine Disc-Version des Spiels kaufen. Hierauf befindet sich lediglich die erste Episode, auf der Hülle befindet sich jedoch der Aufdruck „Season Pass Disc“, womit man berechtigt ist, auch alle in Zukunft erscheinenden Episoden ohne Zusatzkosten herunterladen und spielen zu können.

Für jemanden wie mich, der kein allzu großer Freund von rein digital erworbenen Inhalten, zum Anderen aber sehr gespannt und neugierig auf eben dieses Spiel ist, ist das eine durchaus gelungene Methode von Telltale, um selbst DLC-Muffel wie mich ein wenig aus der Reserve zu locken. An dieser Stelle sei erwähnt, dass uns das Spiel freundlicherweise von der Flashpoint AG zur Verfügung gestellt wurde, die den Vertrieb der Telltale-Spiele in Minecraft Storymode im Test für GamingNerd.net_04Deutschland regelt. Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ich mir dieses Spiel auch so gekauft hätte, da ich ein großer Minecraft-Fan der ersten Stunde bin und mir der reine Bezug zum Minecraft-Universum ausreicht, einen ernsten Blick auf diesen Titel zu werfen. Mit einem Disc-Preis von etwa 30 Euro für die gängigen Plattformen sitzt das Geld auch deutlich lockerer in der Brieftasche, als bei den meisten Triple A-Titeln, die mit 60-70 Euro zum Release aufwarten. Alternativ gibt es die Möglichkeit, die fünf Episoden einzeln zu je 5,99 Euro als DLC zu erwerben. Der finale Preis bleibt somit gleich, jedoch haben somit auch jüngste Spieler zum Beispiel mit Einsatz ihres Taschengeldes (und natürlich nach Rücksprache mit den lieben Eltern) die Möglichkeit, sich das Spiel nach und nach zusammenzukaufen. Die Freigabe der USK ab 6 Jahren unterstreicht dies ebenfalls.

„Holzschwert“ oder „Wooden Sword“?

Was genau erwartet uns also in Minecraft: Story Mode? Um es direkt vorweg zu nehmen, mit dem eigentlichen Minecraft hat es, bis auf das gleiche Setting, nichts zu tun. Dafür bietet Telltale uns genau das, was viele Kritiker am Ur-Minecraft seit vielen Jahren bemängeln – eine ausgereifte Geschichte! Der Story Mode trägt seinen Namen somit zurecht und Telltale-typisch handelt es sich um ein Adventure, also ein Abenteuerspiel, in dem der Spieler den Verlauf der Geschichte selbst in die Hand nimmt, indem er in Quicktime-Events oder mit verschiedenen Antwort-Möglichkeiten die Entscheidungen im Spiel so steuert, wie es ihm gefällt. Dies gibt dem Spieler nicht nur das Gefühl, Minecraft Storymode im Test für GamingNerd.net_08Kontrolle über das Geschehen zu haben, es erhöht auch den Wiederspielwert ungemein. Ein jüngeres Beipiel mit ähnlichem Mechanismus wäre Until Dawn, wobei dort eine filmreife Umsetzung deutlich mehr im Vordergrund steht, als eine ausgefeilte Story.

Wenn man in Betracht zieht, dass Minecraft: Story Mode bereits für die Kleinsten spielbar ist, so ist das Vorhaben, eine spannende und zugleich unterhaltsame Story abzuliefern, mehr als nur gelungen. Bevor ich den Plot im folgenden Absatz spoilern werde, folgt jedoch ein wichtiger Hinweis für alle, die sich für das Spiel interessieren: die Sprachausgabe ist ausschließlich englisch, egal, für welche Plattform man sich entscheidet. Zwar sind alle Dialoge und das gesamte Bildschirmmenü mit deutschen Untertiteln versehen, mein Ratschlag an dieser Stelle lautet, eine entsprechende Portion an Englischkenntnissen mitzubringen, um das Spiel so genießen zu können, wie es sich die Programmierer schließlich gedacht haben.

Minecraft hat endlich eine Story (Spoiler-Alarm)

Die Geschichte erzählt von vier mächtigen Personen, die in der Vergangenheit den Enderdrachen besiegten. Sie nannten sich „Der Orden des Steines“. Der Kampf liegt jedoch schon viele Jahre zurück und nur noch der Krieger Gabriel scheint sich in der Öffentlichkeit blicken zu lassen – um die verbleibenden Mitglieder des Ordents ist es indes ruhig geworden. Jesse, der Hauptcharakter (der übrigens weiblich sowie männlich sein und jeweils aus drei verschiedenen Hautfarben erstellt werden kann) ist ein Otto Normalverbraucher, der mit seinen Freunden Olivia, Minecraft Storymode im Test für GamingNerd.net_03Axel und Reuben – letzteres ist sein „Ferkelfreund“, bisher ein eher ereignisloses Leben geführt hat. Jedes Jahr versuchen sie auf’s Neue, die EnderCon, einen Bauwettbewerb, an dem mehrere Teams teilnehmen, zu gewinnen, scheitern aber immer wieder auf’s Neue gegen ihre Erzrivalen, den eingebildeten Ozelots, angeführt von Lukas. Auf der diesjährigen EnderCon kommt es schließlich zum Eklat und ein unbekanntes, fünftes Mitglied des ehemaligen Ordens des Steines erschafft eine bösartige Kreatur, einen Wither, der jedoch immer größer und unkontrollierbarer wird und letzten Endes die Welt zu zerstören droht. Auch Gabriel, der auf der EnderCon als eine Art Promi auftritt, erweist sich zwar als mutig, aber bei Weitem nicht stark genug, um es allein mit dem Ungeheuer aufnehmen zu können, das wie eine Mischung aus Wirbelsturm und Krake über den Schauplatz fegt. Schnell wird klar, dass der Orden des Steines wieder zusammengeführt werden muss. Die erste Episode endet mit der Entscheidung, welches Mitglied des Ordens des Steines als Verstärkung zu Rate gezogen werden soll: Magnus der Schurke, seines Zeichens Spezialist für Explosives oder Ellegard die Redstone-Tüftlerin.

Das Spiel verläuft bisher absolut linear, was für ein Adventure nichts unübliches darstellt. Zudem bietet es den Vorteil, dass die Story in einem Rutsch verläuft und somit keine wirklichen Lücken oder langweilige Pausen durch Rätseleien oder Nebenaufgaben entstehen. Im Großen und Ganzen könnte man sich das Spiel sogar als Film zur Unterhaltung anschauen, die Qualität der Synchronisation spricht absolut dafür. Jesse wird in seiner männlichen Form übrigens von Patton Oswalt gesprochen, vielen sicher bekannt aus der Serie „King of Queens“ in der Rolle des Muttersöhnchens Spencer Olchin. Auch der restliche Cast ist aus dem ein oder anderen Videospiel als Synchronstimme bekannt. Auch Nebencharaktere wirken glaubhaft und sind tonal wie auch seitens des Dialekts immer passend umgesetzt. Hier fügt sich auch das Ambiente sehr gut ein. Auf der EnderCon hört man stets eine vor sich hinbrabbelnde Menschenmenge im Hintergrund, während der Minecraft Storymode im Test für GamingNerd.net_06Wald in der Abenddämmerung mit zirpenden Grillen aufwartet. Auch musikalisch wird Minecraft: Story Mode entsprechend untermalt. Ob ruhige Klänge bei Tageslicht oder die beklemmend-beängstigenden Themes im Kampf gegen Zombies oder beim Umherschreiten durch dunkle Keller – Telltale hat sich akustisch nicht lumpen lassen.

Für alle, die nicht gerne bauen

Grafisch begleitet uns das Spiel hochauflösend und mit zumeist flüssigen 60 Bildern pro Sekunde. In der getesteten Xbox One-Version scheint es jedoch hier und da beim Szenenwechsel mal zu einem ganz kurzen Ruckeln zu kommen. Zwar stört das in keinster Weise den Spielfluss, erwähnt werden sollte fairerweise dennoch. Wer Minecraft ansich mag, dem wird die Optik des neuesten Telltale-Adventures ebenfalls zusagen. Alles wirkt, wie eine typische Minecraft-Landschaft mit nachträglich versehenen Shadern und Kantenglättung. Somit ist der Story Mode grafisch keinesfalls eine Bombe, bleibt dem Canon des Urvaters aber stets treu. Wer im Detail schaut, der könnte jedoch meckern: mir gefällt es nicht, dass der Eisengolem, der in der ersten Episode vorkommt, keine rote Blume mehr in der Hand trägt. Das klingt lapidar, doch sollte im Minecraft Storymode im Test für GamingNerd.net_09Ur-Minecraft genau dieser Blume-tragende Eisengolem eine Anspielung an den Film „Das Schloss im Himmel“ sein. Mit Verlaub, hier hat Telltale etwas geschlafen.

Das letzte Kernelement aus Minecraft bildet das Crafting, also die Möglichkeit, Dinge selbst herzustellen. In der ersten Episode ist dieser Aspekt bisher nicht oder nur ansatzweise zum Tragen gekommen. Lediglich bei Storyrelevanz, zum Beispiel um ein Steinschwert herzustellen, sieht man den berühmten Craftingtable. Minecraft-Veteranen kennen natürlich alle möglichen „Rezepte“ und wissen genau, wie die einzelnen Gegenstände in der 3×3 Blöcke fassenden Werkbank angeordnet werden müssen, um zum Beispiel einen Bogen herzustellen. Telltale bietet hier die Möglichkeit des Rätselratens, zeitgleich kann der Spieler sich bei Bedarf mit entsprechendem Tastendruck aber auch das passende Rezept anzeigen lassen.

 

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PRÄSENTATION (GRAFIK, SOUND) 74%
GAMEPLAY 83%
ATMOSPHÄRE/STORY 86%
SPIELSPASS 84%
81%
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Unterm Strich kann man zu diesem Zeitpunkt sagen, dass Minecraft: Story Mode inhaltlich nicht allzu viel mit dem Vorbild gemein hat. Die Optik sowie einige Kreaturen wurden nahezu identisch übernommen, es fehlt jedoch das Craftingsystem und die offene Welt. Dafür wurde das Spiel um eine mehr oder weniger glaubwürdige, dafür aber durchaus spannende und zudem kindgerechte Story ergänzt. Ich für meinen Teil kann es kaum erwarten, in wenigen Augenblicken die zweite Episode zu spielen, um euch in Kürze auch darüber ausführlich berichten zu können. Das Testergebnis in diesem Artikel spiegelt den Ersteindruck wider. Erst, wenn die noch fehlenden Episoden 4 und 5 im kommenden Jahr erscheinen, kann letzten Endes eine finale Bewertung erfolgen. Aktuell scheint Telltale, wie auch bei deren bisherigen Abenteuerspielen zu bekannten Franchises, jedoch voll auf Erfolgskurs zu sein.

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Ob Konsole oder PC - solange es Spaß macht, darf das Spiel gern über meinen Bildschirm flimmern. Seit 1989, als mein Vater seinen C64 bekam, bin ich aus der digitalen Spielwelt nicht mehr wegzudenken. Mein Spezialgebiet sind dabei hauptsächlich Retro-Spiele und die zugehörige Hardware. Neben Videospielen höre ich leidenschaftlich gern Musik.

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