FIFA 17 – Der Test rollt

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Wie jedes Jahr im September ist es auch dieses Mal wieder so weit. EA hat den neusten Teil seiner langjährigen Fußballsimulationsreihe in die Regale der Händler gestellt. Dieses Mal sogar für den deutschen Fan mit besonderem Feature, ziert doch niemand anderes als Marco Reus das Cover von FIFA 17. Klar freut das jeden Dortmund Fan hierzulande, ich aber als wirklich bekennender Fan der Königsblauen, tue mich mit dem Anblick ehrlich gesagt ein wenig schwer – Hätte er doch wenigstens etwas in der Nationalelf erreicht. Aber genug davon, schließlich ist es trotz allem eine gelungene Abwechslung zum sonst allgegenwärtigen Lionel Messi. Was die Fußballsimulation in diesem Jahr sonst anders macht, erfahrt ihr in meinem Test.

Geboren, um zu spielen

fifa-17-14Eine der größten Neuerungen in FIFA 17 ist wohl „The Journey“. Erstmals in der Geschichte von FIFA gibt es einen richtigen Story-Modus. Hierzu hat EA extra Zwischensequenzen erstellt, die eine Geschichte rund um den Aufstieg als Fußball Profi von Alex Hunter erzählen. Das Ganze spielt sich komplett in der Premiere League ab und wir können dort einen Verein auswählen. Bei einem Spieltag wird entschieden, ob wir direkt zu Beginn spielen dürfen oder eher auf der Bank sitzen. Im schlimmsten Fall sind wir überhaupt nicht im Kader aufgestellt und müssen uns im Training wieder beweisen. Die Trainingssessions sind meistens vorgegeben und bestehen immer aus zwei Skill Spielen. Je besser unsere Wertung in den Trainingssessions ist, desto eher wird der Trainer auf uns aufmerksam. Alternativ können wir aber auch die Trainings simulieren lassen, wo dann aber vielleicht keine so gute Leistung zustande kommt. Nichtsdestotrotz sind die Ereignisse im Grunde festgelegt. Zu Beginn haben wir zu wenig Erfahrung und werden nie ein komplettes Spiel auf den Rasen geschickt. Die logische Konsequenz für zu wenige Einsatzminuten ist meistens eine Leihgabe zu einem anderen Club und so beginnt man quasi wieder von vorne sich im Team zu etablieren. Natürlich kämpfen wir uns nach ganz oben und treffen dabei Stars wie Reus, Di Maria oder James Rodriguez. Die Originalvertonung der genannten Spieler macht natürlich einen guten Eindruck, allerdings könnte es für den ein oder anderen ein Manko sein, dass es nur eine englische Vertonung mit deutschen Untertiteln gibt. Haben wir uns in einem Spiel besonders hervor getan, sind wir auch gelegentlich nach dem Spiel zu einem Interview eingeladen. In eben genannten und in anderen Zwischensequenzen bekommen wir immer drei verschiedene Antwortmöglichkeiten, welche jeweils Einfluss auf Manager, Follower oder beides haben. Sind wir eher cool und besitzen Teamgeist, springt der Manager vor Freude im Dreieck. Spielen wir lieber den unnahbaren Hitzkopf, sind wir bei unseren Fans beliebt. Beides suggeriert einen gewissen Einfluss auf den Verlauf, schaltet aber im Grunde nur ein oder zwei Zusatzfeatures frei. Haben wir eine gewisse Menge Follower erreicht, bekommen wir unsere ersten Sponsorenverträge. Durch die neue Engine sehen die Zwischensequenzen gut aus, auch wenn man von dem aktuellen Battlefield noch etwas Besseres gewohnt ist. Schade, dass EA „The Journey“ nicht ein wenig variabler gemacht hat, denn so bildet das Ganze eigentlich einen Be-A-Pro Karriere Modus im starren Rahmen dar, welche den Spieler rund 15 Stunden beschäftigt.

Tauscht du deinen Ibra gegen Boateng?

fifa-17-10Natürlich darf DAS Feature von EA auch nicht im neuesten Teil fehlen. Natürlich ist die Rede von FIFA Ultimate Team (FUT), dem digitalen „Sammelkartenspiel“, welches mit jedem FIFA Teil wieder bei Null anfängt. Es ist ja eigentlich nichts Neues, haben wir uns in der Kindheit doch auch schon jedes Jahr das neue Panini Sammelheft besorgt. Dieses Jahr dürfen wir unsere ungeliebten Spielerkarten aber nicht nur auf dem Transfermarkt verscherbeln, sondern können diese für die Squad Building Challenges verbraten. Hier müssen wir bestimmte Herausforderungen erfüllen, wie zum Beispiel ein komplettes Team aus Italienern mit einer Mindestwertung von 77 und einer Teamchemie von 60 zusammenstellen. Dafür bekommen wir eine Anzahl an Münzen, ein Spielerpack oder sogar einen bestimmten Spieler. Ein weiteres neues Feature sind die FUT Champions. Hier habt ihr jede Woche die Möglichkeit, euch in einem Knockout Turnier für die Weekend League zu qualifizieren. Allein für die Qualifikation warten schon ein paar Belohnungen auf euch. Könnt ihr euch am Wochenende aber dann wirklich bis an die Spitze kämpfen, bekommt ihr richtig dicke Belohnungen. Gerade Fans von FUT und dem kompetitiven Modus wird diese Möglichkeit begeistern. Das sind die beiden wirklichen Neuerungen von FIFA Ultimate Team, alles andere bleibt beim Alten. Wir bekommen Coins für absolvierte Spiele, müssen unsere Spieler mit Verträgen ausstatten und ab und an auch diesen eine Pause gönnen, um die Fitness wieder herzustellen. Es ist uns überlassen, ob wir mit unserem Team online spielen wollen oder doch gegen echte Kontrahenten. Es ist natürlich noch hinzuzufügen, dass FUT die Kassen von EA über das Jahr zusätzlich füllt, denn ist es zwar möglich die Coins zu erspielen oder über geschickten Handel auf dem Transfermarkt zu ergattern, die schnellste Variante ist aber immer noch der Kauf von FIFA Points. Hat man aber dann doch mal Glück beim Öffnen von Spielerpaketen, gibt es einem einen richtigen Aufschwung und die Motivation ist somit hoch. Der Sammelwahn keimt in jedem Jahr wieder von Neuem auf.

Aber was ist wirklich neu?

fifa-17-1Den einen Grund warum man jedes Jahr einen neuen Teil auf den Markt bringt, kann man wohl kaum nennen. Als Simulation ist man zum einen versucht das Spiel immer realistischer zu gestalten. Bewegungsabläufe, Taktiken, Animationen sollen möglichst realitätsnah wirken und am besten von weitem gar nicht mehr von der Realität unterscheidbar sein. Mit FIFA 17 ist EA wieder einen Schritt weiter gegangen. Im Vergleich zu dem Vorgänger ist das Gameplay spürbar langsamer. Auch das Passverhalten hat sich verändert und es kommt mit dem präzisen Steilpass eine neue Passoption hinzu, welche vorher nur mit komplett manuellen Pässen möglich war. Der Spieler kann jetzt den Laufweg des Mitspielers beobachten und einen Steilpass durch eine Lücke schieben, die nicht in direkter Laufbahn liegt. Auch können wir jetzt per Knopfdruck unseren ballführenden Spieler zwischen Gegner und Ball bewegen und den Ball so abschirmen, um den Gegner ein wenig abzudrängen und uns mehr Platz zu verschaffen. Das macht die Zweikämpfe für den verteidigenden Spieler nochmal ein wenig schwerer und häufig ist es sinnvoll einen zweiten Spieler zur Hilfe zu holen. Bei den Einwürfen kann man sich nun auch ein wenig der Linie entlang bewegen und den Einwurf antäuschen, was aber gerade bei übermäßiger Benutzung nervt. Hier wäre eine Obergrenze an Täuschungen sinnvoll gewesen. Generell wurden die Standards von FIFA überarbeitet. So haben wir jetzt bei Freistößen und Ecken eine kleine Zielhilfe, wo der Ball landen soll. Wahlweise können wir aber auch wieder den Schulterblick unseres Freistoßschützen auswählen. Bei Elfmetern hat sich auch einiges getan, zum Beispiel läuft unser Spieler an, sobald wir zielen. Per Knopfdruck wird dann nur noch die Kraft des Schusses angegeben. Leider hat man bei der KI der eigenen Mannschaft ein eher gemischtes Gefühl, waren doch in FIFA 16 die Laufwege schnell gelernt und die Mitspieler recht eigenständig, bleiben bei dem neuen Teil die Mitspieler gerne einmal ohne ersichtlichen Grund stehen. Da hilft dann nur die Leute manuell via Doppelpass nach vorne zu schicken. Auch kann es mal vorkommen, dass der Torhüter völlig daneben springt. Diese Kleinigkeiten können den Spielspaß ein wenig drücken.

Zweikampf

fifa-17-23Geht es beim Sport nicht eigentlich immer darum der Beste zu sein? Sei es nun im Team, zu zweit oder alleine. FIFA gibt einem viele Möglichkeiten sich zu messen. Entweder direkt mit euren Freunden per Offline- oder Online-Match oder ihr spielt zu zweit eine ganze Mannschaft und kombiniert euch durch die gegnerische Abwehr. Hier ist aber leider einiges an Inkonsistenz zu erkennen. Die einen Spieler würden vielleicht sagen: „Das war schon immer so!“ Während die anderen behaupten: „Warum ist es denn eigentlich immer noch so?“. Spiele 1 gegen 1 sind online als auch offline machbar. Spiele 2 gegen 2 sind schon nur mit Einschränkungen verbunden, so kann man sich zum Beispiel das gegnerische Duo nicht aussuchen, sondern werden nur via Matchmaking Kontrahenten gestellt. Nur offline mit vier Spielern an einer Konsole ist ein 2 gegen 2 wirklich realisierbar. Schade, denn gerade die Gruppendynamik bringt nochmal ein ganz anderes Spielgefühl. Auch im eSports wäre ein solcher Modus mal wirklich interessant. Wenn man das Ganze dann aber auch noch auf die Spitze treiben will, spielt man Pro Club. Hier geht von meiner Seite nochmal ein Dank an die Community von XONEFIFALEAGUE.de, mit denen ich den Pro Club Modus schon ausgiebig testen konnte, denn in der genannten Spielvariante könnt ihr mit bis zu 11 Spielern gemeinsam ein Team bilden. Jeder steuert dann seinen eigenen personalisierbaren Spieler auf einer zu Beginn des Spiels festgelegten Position. Kommunikation ist hier das A und O, um zum Siegtreffer zu kommen. Sollte man aber mal keine 11 Männer stellen können, spielt ein Spieler alle offenen Positionen, was aber auch mit viel Übung verbunden ist.  Auch hier gilt: Schade, dass man sich hier nicht seine Kontrahenten aussuchen kann. Durch den FUT Champion Modus und die Virtuelle Bundesliga sind aber auch zwei 1 gegen 1 kompetitiven Modi bereits im Spiel fest verankert. Wer also eSportlern, wie dem amtierenden Meister Daniel Butenko, Konkurrenz machen will, muss sich auf die Virtuelle Bundesliga konzentrieren

Zeig her deine Schuh!

fifa-17-21Jedes Jahr wirkt der aktuellste FIFA Teil ein wenig aufpoliert. In diesem Jahr gibt es aber tatsächlich gravierende Änderungen. Diese sind aber vor allem unter der Haube zu finden, denn mit dem erstmaligen Einsatz der Frostbyte-Engine, welche vor allem durch die Shooter aus dem Hause EA bekannt ist, gibt es FIFA 17 ein durchaus neues Spielgefühl. Bewegungen und Animationen sind nicht mehr ganz so statisch wie mit der Ignite-Engine. Beim Spielen bemerkt man aber auch relativ schnell, bei welchen Teams die sogenannten Facescans zum Tragen gekommen sind. Zum ersten Mal sind dieses Jahr auch die Trainer von der Premier League gescannt worden, wo die Auswirkungen vor allem bei „The Journey“ zu sehen sind. Ansonsten sind die Trainer eher eine Seitennotiz, die dem Realismus zu Gute kommen, aber keinen spielerischen Einfluss haben. Positiv ist aber auch, dass wir nun durch das Trainerfeature die Möglichkeit im Karrieremodus bekommen einen eigenen Avatar an den Spielfeldrand zu stellen. Diese Auswahl ist aber noch sehr eingeschränkt und man versteht nicht ganz, warum man hier nicht den „Be a Pro“-Baukasten nutzen kann. Durch den Enginewechsel hat man aber auch das Gefühl, dass ein paar Spieler nicht mehr mit Facescans ausgestattet sind, die bei FIFA 16 noch damit versehen waren. So sieht der ein oder andere Spieler doch ein wenig weltfremd aus. Die Geräuschkulisse von FIFA 17 ist natürlich auch nicht unwichtig. Neue Fangesänge und auch diverse neue Sprüche von Frank Buschmann und Wolff-Christoph Fuss entwickeln Stadionatmosphäre. Toll, wenn die Fans der Heimmannschaft die Mannschaft nach vorne peitscht und man ununterbrochen die Fangesänge hört. Läuft es aber mal wirklich nicht so gut, legt sich eine gespenstische Stille über das Stadion. In den Menüs werden wir wie gewohnt von einem soliden Soundtrack beschallt. Schade, dass die Trainer in „The Journey“ keine Stimme bekommen. Sie schweigen euch einfach an, während der Co-Trainer das Reden für ihn übernimmt. Hier wäre auf jeden Fall noch Luft nach oben gewesen.

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FIFA 17
PRÄSENTATION (GRAFIK, SOUND) 84%
GAMEPLAY 81%
ATMOSPHÄRE 86%
MULTIPLAYER/STORY 85%
SPIELSPASS 83%
83%
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Seit 3 Jahren bin ich nun ein wirklich regelmäßiger FIFA Spieler und muss sagen, dass mir der neue Teil durchaus gefällt. Es kränkelt zwar an ein paar Ecken, was aber bei EA aus Erfahrung häufig nachgepatcht wird. Auch wenn „The Journey“ ein wenig starr wirkt, ist es eines der neuen Features, die mich am meisten begeistern konnten. Ich hoffe aber auch, dass EA den Fokus nicht zu sehr auf das FUT-Feature legt, um auch den eSports noch ein wenig interessanter zu machen.

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About The Author

Von klein auf eigentlich ein PC-Jünger, bis er sich dann von seinem ersten Geld eine Konsole kaufen konnte. Viel verpasst bis zum N64 aber auch vieles nachgeholt. Heute hauptsächlich an der XBOX One, Xbox 360 und am PC zu finden. Spezialisiert auf FPS, Roleplay und Indie Games

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